Teeren & Federn
Seit 1934 blicken am Torturm von Marbach am Neckar mitten im historischen Stadtzentrum zwei Sandsteinkriegler auf einem Sockel stadteinwärts, zur Erinnerung an beim Töten getötete Soldaten. Nach 1945 blieb das „Schandmal“ an seinem Platz stehen. Erst 1984 begann eine heftige Auseinandersetzung um dieses Nazi-Kriegerdenkmal, die schließlich in eine spektakuläre Aktion mündete. Ein bis dahin unbekanntes Frauenkommando ‚Blood, Sweat & Teer‘ bekannte sich öffentlich dazu, die beiden Soldaten geteert und gefedert zu haben. Das Kommando verurteilte „die „psychologische Kriegsvorbereitung“, die mittels dieses und ähnlicher Ehrenmale betrieben wird.“ Städtische Arbeiter hatten danach alle Mühe, das „Riesensauerei“ (Ludwigsburger Kreiszeitung) vom Sandstein herunterzubekommen. Bis heute wird das Denkmal immer wieder verschiedensten Veränderungen unterzogen. Für den 3. Oktober 1990 kündigten spezielle Anhänger der Wiedervereinigung die „Sprengung“ des Denkmals an („Wir machen den Weg frei – für Deutschland“). Es blieb indes bei einer Dusche durch einen Rasensprenger. Die Polizei hatte dem Vorhaben von Anfang an mißtraut und war entsprechend vertreten, wodurch immerhin die langersehnten Gruppenfotos von Nazi-Soldaten mit bundesrepublikanischer Polizei entstanden konnten. Traumatisch blieb für die Denkmals-Verfechter aber offenbar das Teeren & Federn. Weit mehr als die verschiedensten Sprühaktionen traf diese Aktion den Nerv der Freunde des deutschen Soldatentums. Bis heute beschwören sie bei jeder Gelegenheit diese ‚Schandtat‘. Die Kritik ist offenbar verstanden worden.
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