California Dreaming - Pranks vom CLUI und der Cacophony Society
In den USA praktiziert vor allem in Kalifornien eine ganze Reihe von Gruppen bei ihren ‚Pranks‘ Formen der Kommunikationsguerilla. Dort brachte z.B. die Barbie Liberation Organization (BLO) mit einer medienwirksamen Austauschaktion („Reverse shoplifting“) von Sprechmodulen zwischen ‚Teen Talk Barbie‘- und ‚GI Jones‘-Puppen Geschlechterbilder in Kinderspielzeugen durcheinander.
Das in San Diego ansässige Institute of Sociometry verteilt nicht nur „Official Member“-Cards und hält Sociometry-Messen ab. Es veranlaßte das Aufstellen neuer Highway-Warnschilder unmittelbar vor der Grenze zu Mexiko. Während die US-Grenzbehörde vor illegalen Einwandrern warnt, die den Highway fluchtartig überqueren könnten, weist das Institute of Sociometry mit seinen Schildern auf die verfolgende Grenzpolizei hin. Darüber hinaus verschickt es den „Institute of Sociometry Report – by and for members“, in deren ersten Ausgabe sich auch die „offiziellen BLO-Heimwerker-Anleitungen“ finden. Gemäß ihrer Definition ist ‚Sociometry‘ die quantitative Analyse von Individuen und ihrer Beziehung zu Gruppen. Gleichzeitig betont das Institut, daß das alles nichts mit Mathematik oder Naturwissenschaften zu tun habe, vielmehr gehe es „Guerilla Sociometry“.
Auch das Center for the Land Use Interpretation (CLUI) in Los Angeles ist eine „Nonprofit“- Forschungseinrichtung. Bei der ‚Interpretation der Landnutzung‘ interessiert sich das CLUI für ganz besondere Orte. 1996 stellte das Center beispielsweise ein Erinnerungsmonument an jenem Ort in New Mexico auf, an dem 1957 ein B-36 Bomber eine Wasserstoffbombe verlor. Ein ebenso bedeutsamer Ort ist das Labor- und Testgelände in der Wüste von Utah, wo biologische und chemische Waffen entwickelt und erprobt werden (United States Army Dugway Proving Ground): „Einer der bemerkenswertesten amerikanischen militärischen Komplexe“. Um solche Orte angemessen zu würdigen, stellt das CLUI dort PhotoSpot-Schilder auf, die die Vorbekommenden auf diese ganz besonders fotogenen Plätze hinweisen. Das CLUI vertreibt zudem einen illustrierten Führer mit dem Titel „The Nevada Test Site: A Guide to Americas Nuclear Proving Ground“. Weiterhin bietet es eine Miniatur-Touristenkamera an, mit der der Betrachter vom sicheren Zuhause aus beispielsweise eine „Nevada Test Site Tour“ unternehmen kann. Ein T-Shirt mit dem von ihm kreierten PhotoSpot-Zeichen („Be a walking PhotoSpot“) ist ebenfalls erhältlich
Die Geschichte der Cacophony Society begann 1969 in San Francisco mit einem Tortenwerf-Wettbewerb (◦ Tortenwerfen). Sie wandelte sich dann zum „Selbstmordclub“, bis sie 1986 den Namen „San Francisco Cacophony Society“ annahm. Es gibt weitere „Ortsgruppen“ in Los Angeles, Portland und Seattle. Die Cacophony Society umfaßt 600 lose organisierte „merry pranksters“, die alle möglichen Formen von Aktionen, insbesondere aber ◦ Happenings und ◦ Unsichtbares Theater, betreiben. Sie begreift sich selbst als politisch ungebundene Untergrundbewegung ohne feste Strukturen, Regeln oder Vorsitzenden sowie als „often nonsensical“. In Los Angeles werden regelmäßig Informationsblätter herausgegeben. Die Cacophony Society erfindet Organisationen, faket Ereignisse und veranstaltet illegale Partys als Happenings. Explizit politische Aussagen sind ihr fremd. Die Lust am Unsinn und Chaos („Support the powers of chaos in your community“) dominiert die meisten Aktionen. Und ihre letzte „Helter Skelter“- Party mit den neuesten Charles Manson-Filmen war wirklich gut.
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