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„Nackte Tatsachen“ gegen Playboy

Im puritanisch ländlichen Iowa des Jahres 1969 sollte ein von der Universität geladener PLAYBOY-Manager einen Vortrag zum zeitgemäßen Umgang mit Sexualität halten. Dabei wurde der Experte in Sachen bildhafter Verdinglichung von Frauen selbst zum Objekt. Kaum hatte er zu sprechen begonnen, fand sich ein Dutzend für das Herrenmagazin untypische Leserinnen im vollbesetzten Hörsaal ein. Bereits ihre Schilder und Schrifttafeln mit Texten wie „Read PLAYBOY - your penis will grow one inch!“ oder „Playmate of the month“ brachten seinen bis dahin souverän-jorialen Redefluß ins Stocken. Die Neukömmlinge, Aktivistinnen der Gruppe WITCH (Women's International Terrorist Conspiracy from Hell), setzten sich und hörten gelangweilt mehrere Minuten den schon unsicherer daherkommenden Männerphantantasien zu. Dann standen sie plötzlich eine nach der anderen auf, um sich in aller Ruhe ihrer Kleider zu entledigen. Diese Szenerie bekam einen beinahe religiösen Anstrich, als ein männlicher Aktivist eine Gitarre in die Hand nahm und das Geschehen musikalisch begleitete. Angesichts einer solchen Demonstration nackter Tatsachen verschlug es dem Sexismus-Manager vollends die Sprache. Doch damit nicht genug; an das leise Strip-in schloß sich noch ein lautstarkes Teach-in an. In weniger als einer halben Stunde blieben von der Playboy-Philosophie nur noch Fetzen übrig. Und dabei hatte er noch Glück: SCUM (Society for Cutting up Men) hätte es wohl nicht bei dieser vergleichsweise wenig handgreiflichen Form bewenden lassen. Die kurze Demonstration blieb nicht ohne Folgen: Das Parlament von Iowa wetterte einen inneren Zusammenhang zwischen Obszönität, Gewalt und Radikalität und setzte einen Untersuchungsausschuß ein, der ein Verfahren einleitete – angeklagt wurde jedoch nicht der Phallosoph, sondern WITCH und die beteiligten StudentInnen. Männerlogik ...