Collage und Montage
Die Collage ist ein formales Mittel, das im Kunstbereich (Kubismus) entwickelt wurde und ursprünglich das Ziel verfolgte, selbstverständliche Wahrnehmungsmuster von Realität durcheinanderzubringen. Gemaltes und eingeklebte Fundstücke sind nicht mehr auf den ersten Blick unterscheidbar. Gegenstände und Materialien werden in einen neuen Kontext gestellt und durch Uminterpretation und sinnentstellende Verwendung ihrem ursprünglichen Sinn entzogen. Zugleich werden dabei Bedeutungen und Assoziationen von „außen“ in das Kunstwerk übertragen.
Die Collage zerstörte traditionelle Konventionen des Malens und Zeichnens. Sie arbeitet in der Bildenden Kunst mit der Koppelung von Verstreutem und Zufälligem, der Aufnahme von Realitätspartikeln in Bilder (etwa Papierfetzen mit Wortfragments, Stof
f- oder Holzstückchen). Auch in der Literatur sollen Collagetechniken eine Poetisierung des Ungleichen oder Unzusammenhängenden, des eigentlich nicht Zusammenpassenden bewirken. Wichtig ist, daß die verwendeten Elemente zu einem semantisch (inhaltlich) mehrdeutigen Gebilde zusammengesetzt werden.
Inbesondere im Zusammenhang mit dem Dadaismus (→ Dada , Oberdada , Maodada ), „der Belle Époque der Verneinung“, läßt sich die Verwendung dieser → Verfremdungs -Technik als Versuch eines „Kulturpuntschs“ beschreiben. Für die Dadaisten demonstrierte die Herstellung von Collagen ihre Ablehnung der etablierten Kunst.
Sie setzten der vorherrschenden Vorstellung von Künstlergenialität das Konzept einer Poesie des Zufälligen entgegen, die keine Genies mehr braucht, sondern quasi aus sich selbst heraus entsteht. Die Surrealisten experimentierten damit, durch das Zusammensetzen von intuitiv zusammenengesammelten Versatzstücken neue und unerwartete Bedeutungszusammenhänge entstehen zu lassen. Sie gingen davon aus, daß sich durch Collagetechniken das kreative Potential des Unbewußten zum Vorschein bringen lasse.
Die Collagetechnik wurde im Kunstbetrieb im Gegensatz zur (Photo-)Montage (§. u.) zumeist nicht als explizit politisches Mittel angesehen. Heutzutage ist nur noch schwer nachvollziehbar, daß im April 1920 in Köln eine Dada-Ausstellung unter Beteiligung von Hans Arp, Max Ernst u. a. von der Polizei vorübergehend geschlossen wurde. Inzwischen sind Collagen Bestandteil des Kunstunterrichts in der Schule, von Beschäftigungstherapien oder Kreativitäts-Workshops, in denen Brigitte und Quelle -Kataloge gefleddert werden, um immer gleiche Kombinationen von Autos, Frauen und Kosmetikwerbungen auf farbigem Tonpapier
zusammenzukleistern. Trotz dieser Vereinahmung der Collage durch die Selbsterfahrungssecke liegt in der Methode, Fragmente aus unterschiedlichen Kontexten herauszunehmen und durch ihre Kombination neue Bedeutungszusammenhänge herzustellen, ein subversives Potential. Durch Collagen ist es beispielsweise möglich, den gedruckten Verlautbarungen von Politikern oder Institutionen Texte und Bilder gegenüberzustellen, die deren Selbstdarstellungen ins Gegenteil verkehren, aufbrechen und delegitimieren.
Während die Collage mit der Ästhetik des Zufälligen arbeitet, sind Montage-techniken zielgerichtete und bewußte Formen politischer Agitation. Einer ihrer wichtigsten Vertreter war John Heartfield, der aus dem Berliner Dada kam. Seine explizit politischen, vor allem gegen den Faschismus gerichteten Arbeiten beruhen auf dem Zusammensetzen von Fotografien, Texten und grafischen Elementen. Die Photomontage diente den Berliner Dadaisten als künstlerische Ausdrucksform ihrer politischen Kritik, wobei sie Photos aus politischen Reportagen in den Illustrierten als Rohstoff verwendeten.
Montagen beschränken sich aber nicht auf graphische Arbeiten, sondern wurden seit den 20er Jahren auch im politischen Theater und im Film (Eisenstein, Vertov, Brecht, Piscator) eingesetzt. In den letzten dreißig Jahren ist insbesondere der Heidelberger Grafiker Klaus Staeck mit dieser Technik berühmt geworden. Aber auch nicht wenige Kommunikationsquellieras greifen auf diese Technik zurück. Allerdings erlauben die technischen Möglichkeiten heutzutage viel exaktere und kaum noch erkennbare Montagen. Insbesondere beim Subversing , wie es beispielsweise von einer Zeitschrift wie Albtraum betrieben wird, finden solche Montagen Verwendung. Auch bei Erfindungen und Fakes sind oft ähnliche Techniken von Bedeutung.
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