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WM 1974: Solidaritätsgrüße aus dem Fußballstadion

Im Juni 1974 fand die Fußballweltmeisterschaft in der BRD statt. Mit dabei war auch die chilenische Nationalmannschaft. 1973 hatten in Chile die Militärs erfolgreich gegen die demokratisch gewählte Regierung von Salvador Allende geputscht. Der Militärjunta war sehr an einem positiven Image gelegen. Über den Sport sollten ›normalisierte Beziehungen‹ zu anderen Ländern aufgebaut werden. Chile-Solidaritätsgruppen in der BRD wollten diesen Prestigegewinn der Militärjunta verhindern und beschlossen, den Fußballplatz zu politisieren. Beim Eröffnungsspiel BRD-Chile befanden sich 500 Leute aus der Soli-Bewegung im Berliner Olympiastadion. Kaum wurde die chilenische Hymne gespielt, erhoben sich Sprechchöre: „Chile Si – Junta No!“ Gleichzeitig wurden riesige Transparente entrollt. Als der Stationsprecher auf das „unpolitische Verhalten“ dieser Zuschauer hinwies, war das Ziel erreicht: Der „unpolitische Fußball“ hatte Anlaß für einen politischen Eklat gegeben.

In einer zweiten Aktion wendeten sich Aktivistinnen live an die Genossinnen in Chile.

Nachdem die Live-Übertragung des Spiels gegen Australien in Chile feststand, schickten sie kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit zehn Leute mit Transparenten auf den Platz. Die Medien bastelten daraus einen „Skandal im Olympiastadion“. Tausend Bullen im Stadion konnten nicht verhindern, daß den Menschen in Chile durch die Live-Übertragung Solidaritätsgrüße aus der Bundesrepublik zukamen. Venceremos!

 Balsen, Werner/Rössel, Karl: Hoch - die Internationale Solidarität. Zur Geschichte der 3. Weltbewegung in der Bundesrepublik. Köln 1986.