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Das Kraakmuseum

Das Kraakmuseum

„Die schwarze Katze“, ein seit Jahren besetztes Haus im historischen Zentrum Amsterdams, sollte 1994 wieder einmal geräumt werden. Der etwas verlotterte Zustand des Gebäudes brachte die Besitzerinnen (niederländische Kraakers) auf eine Idee: Sie erklärten ihr Haus zum Museum. Den Medien verkündeten sie, das Haus befinde sich sozusagen im Originalzustand, und seine Einrichtung sei seit der Anfangszeit der Besetzung nie geändert worden.

Besonders die Küche vermittelte einen hervorragenden Eindruck eines traditionellen besetzten Hauses der 80er.

Anfangs konnte das Museum nur von „Freunden“ besucht werden, die vorher einen Termin ausmachen mußten. Dann kamen mehr und mehr Leute, das Interesse der Medien wurde geweckt, schließlich entdeckten auch Fernsehteams das „Kraakmuseum“. Ehemalige Besetzer lieferten „historische Objekte“, die in Ausstellungen präsentiert wurden. An manchen Sonntagen führte ein (Ex-)Besetzer Touristen durch das Viertel. Die internationalen Medien sahen das „Kraakmuseum“ als neuesten Beweis dafür, daß im liberalen Amsterdam alles möglich sei. Die Besetzerinnen nutzten diesen Mythos, indem sie die drohende Zerstörung des Museums als Angriff auf die Kultur anprangerten. Am Ende hält das alles nichts; Bürokraten waren noch nie besonders empfänglich für Argumente. Das Haus wurde von Sondereinsatzkommandos geräumt, berrittene Polizei trampelte die unbewaffneten Beschützerinnen des Hauses nieder. Eine unerwartete Renaissance der historischen Hausbesetzerbewegung hatte ihr Ende gefunden.