Prinzipien & Wirkungsweisen der Kommunikationsguerilla
Kommunikationsguerilla ist der Versuch, durch Eingriffe in den Kommunikationsprozeß subversive Wirkungen hervorzubringen. Die vielfältigen Methoden und Techniken, die dabei genutzt werden, funktionieren nach zwei grundsätzlichen Prinzipien: den Prinzipien der Verfremdung und der Überidentifizierung .
Verfremdungen beruhen auf subtilen Veränderungen der Darstellung des Gewohnten, die neue Aspekte eines Sachverhalts sichtbar machen, Raum für ungewohnte Lesarten gewöhnlicher Geschehnisse schaffen oder über Verschiebungen Bedeutungen herstellen, die nicht vorgesehen oder erwartbar sind. Überidentifizierung dagegen bedeutet, solche Aspekte des Gewohnten offen auszusprechen, die zwar allgemein bekannt, zugleich aber auch tabuisiert sind. Sie nimmt die Logik der herrschenden Denkmuster, Werte und Normen in all ihren Konsequenzen und Implikationen gerade dort ernst, wo diese Konsequenzen nicht ausgesprochen werden (dürfen) und unter den Tisch gekehrt werden. Wo Verfremdung Distanz zum Bestehenden schafft, will Überidentifizierung in den herrschenden Diskurs eingebaute Selbstdistanzierungen auflösen. Was daran subversiv ist, soll im folgenden diskutiert werden.