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Methoden für schwierige Themen

Dies sind einige Methoden, die nützlich im Umgang mit schwierigen Themen in Gruppen sind.
Die folgenden Methoden funktionieren besser mit einer starken Moderation, d.h. es ist wichtig
klare Abmachungen zu treffen und die Diskussionen nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.
Hab keine Angst davor, den Prozess zu unterbrechen, wenn es notwendig erscheint. Wenn die Situation
sehr schwierig wird denk dran: Konfliktbearbeitung braucht Fähigkeiten und Erfahrung und sollte nicht
unvorbereitet gemacht werden. Es ist manchmal besser, das Treffen zu unterbrechen und Unterstützung
von erfahreneren Moderator_innen zu suchen, z.B. vom Arbeitskreis Konfliktunterstützung:
http://akku.blogsport.eu/.

Kontrollierter Dialog

30 Minuten – 1 Stunde; 3 Leute pro Gruppe.
Diese Methode ist hilfreich, wenn zwei Leute es schwierig finden, sich zuzuhören und die
Bedenken voneinander zu verstehen. Teile Kleingruppen von je 3 Personen ein – eine
Person beobachtet, eine redet und eine hört zu. Es gibt drei Formen des Dialogs; nach
einer verabredeten Zeit und wenn bestimmte Punkte besprochen wurden kann die Gruppe zur nächsten
Phase übergehen:
1. Die Zuhörer_in wiederholt Wort für Wort was die sprechende Person gesagt hat, erst dann darf
sie antworten.
2. Die Zuhörer_in fasst zusammen, was die sprechende Person gesagt hat und darf dann antworten.
3. Wenn geantwortet wird, wird auf alle Punkte und Bedenken der sprechenden Person
eingegangen.
Die Beobachter_in stellt sicher, dass die anderen beiden im Format bleiben und helfen ggf. aus.
Besonders in den ersten zwei Phasen ist es wichtig drauf zu achten, nur das allerwichtigste zu sagen,
weil das Zuhören sehr viel Konzentration braucht. Diese Methode kann auch angewendet werden, um
Zuhören und Antworten zu üben.

Das Mitteilen von Nicht-Gesagtem

15 – 40 Minuten; 5 – 30 Leute.
Nicht-Gesagtes sind Gedanken, die wir für uns behalten. Sie stehen im Bezug zu
Verurteilungen uns gegenüber und gegenüber anderen stehen oder im Bezug auf
das, was gerade in der Gruppe los ist.
Damit diese Methode funktioniert, braucht es
eine Atmosphäre des tiefgehenden Zuhörens. Es kann einen Moment
brauchen bis diese Atmosphäre erreicht ist. Es ist wichtig, dass eine
Gruppe sich genug Zeit nimmt für diese Übung, wie auch um sich
zusammen zu entspannen.
Fange eine unstrukturierte Runde an und bitte die Leute sich
zu positionieren zu den Sätzen: „Wenn ich eine Sache in
dieser Gruppe ändern könnte wäre das …“, „Was mich am
meisten an dieser Gruppe ärgert ist ...“. Erlaube niemanden
auf diese nicht-gesagten Gedanken zu reagieren oder eine
Diskussion anzufangen. Stelle sicher, das jede_r zu Wort kommt
– es ist unwahrscheinlich das eine Person rundum zufrieden mit einer Gruppe ist. Am Ende der Runde,
gucke ob bestimmte Themen aufgetaucht sind oder ob jemand sein Thema diskutieren möchte.

Emo – Treffen

30 Minuten – 2 Stunden; 3 – 30 Leute.
Ein Emotions (kurz: Emo) – Treffen ist ähnlich wie
das Nicht-Gesagte mitteilen. Es ist ein Treffen, in
dem es nur um Gefühle geht. Viele Gruppen haben
regelmäßige Emo – Treffen, damit Probleme und
Konflikte zur Sprache kommen, wenn sie
beginnen. Teilnehmer_innen müssen sich nicht um
Entscheidungen und konkrete To Dos kümmern.
Emo – Treffen ermöglichen eine Gruppe Mitglieder
einzubeziehen und zu unterstützen sowie Themen,
Probleme und Konflikte zu lösen, bevor sie zu
ernst werden. Es ist gut, Methoden, wie die Runde
oder den Redestab zu benutzen, um aktives
Zuhören zu ermöglichen. Bitte die
Leute in der „Ich“ Form zu reden,
anstatt über andere. Fange damit an, die Leute zu
fragen, an was für einem Punkt in ihrem Leben
außerhalb der Gruppe sie sind. Dies gibt den
Kontext für die Reaktionen von Leuten wenn es
ans Eingemachte innerhalb der Gruppe geht. Höre
aufmerksam drauf, was gesagt wird. Einige Leute
und Gruppen finden es schwierig negative Gefühle
zu benennen und reden um Konflikte herum.
Schaffe einen Raum, der sicher genug ist, damit
Leute sich öffnen können.
Umgekehrte Rollenspiele
30 Minuten – 1 Stunde; 6 – 30 Leute.
Dies ist eine Methode, die Leuten die Möglichkeit
gibt, beide Seiten eines Konfliktes zu verstehen.
Sie kann Leuten helfen, die in ihrer Position
gefangen sind, wieder freier zu denken. Sie ist
nützlich um kritische Vorfälle, die immer wieder
passieren oder die erwartet werden, zu
untersuchen. Aber auch, um eine Definition für
akzeptiertes Verhalten zu entwickeln (z.B.
Machtkonflikte, Sexismus, etc.).
Lass eine Situation spielen, die beide Seiten
beinhaltet. An entscheidenden Momenten in dem
Rollenspiel, lass beide Seiten anhalten. Bitte die
Leute in die entgegengesetzte Position zu
wechseln und das Gespräch an der Stelle
fortzusetzen. Die Moderator_in muss
möglicherweise die Leute an die letzten Sätze des
Dialoges erinnern. Es ist auch hilfreich, wenn die
Moderator_in die Leute an die neuen Plätzen stellt
und sagt „Du bist jetzt X und du Y“. Gib den
Leuten einen Moment Zeit, um mental in ihren
neuen Identitäten anzukommen und lass das
Rollenspiel weiterlaufen. Beende das Rollenspiel
mit einer Evaluation und Nachbesprechung.