Aufgaben von Moderation bzw. Redeleitung
Gerade bei Zusammenhängen, die einen selbstorganisierten und hierarchiefreieren Anspruch verfolgen, ist
zu fragen, ob überhaupt eine Moderation notwendig ist. Eine Moderation ist – ebenso wie ein Protokoll –
immer mit einer gewissen Machtposition verbunden. Allerdings zeigt Erfahrung, dass Zusammenhänge
häufig eine Phase der Moderationsnotwendigkeit durchlaufen, bevor sie die Moderationsaufgaben als
gemeinsame Aufgabe wahrnehmen können.
Eine Moderation sollte die Möglichkeit haben, sich auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Dazu gehört auch die
Überlegung, ob es sich anbietet, für einen TOP bestimmte Methoden anzuwenden und dazu entsprech-
ende Materialien zu organisieren. Die Möglichkeit der Methodenauswahl haben natürlich aber auch die
TOP – EinbringerInnen.
Eine Moderation hat immer das Problem, einen Rollenkonflikt zwischen der Moderationsaufgabe und dem
Wunsch nach Teilhabe an der Diskussion auszuhalten. Im Zweifel gilt, dass eine Moderation sich zuguns-
ten des Gesamtprozesses inhaltlich zurückhalten sollte. (In Konfliktmoderationen ist es nie angeraten, dass
sich die Moderation parteilich positioniert, sie sollte stattdessen eine Haltung der Allparteilichkeit
einnehmen.)
Konkret hat eine Moderation folgende Aufgaben:
- Im Vorfeld des Treffens die Einladung gewährleisten. Gerade bei Zusammenhängen mit langen Ab-
ständen zwischen den Treffen bietet es sich an, ca. zwei Wochen vor dem Treffen unter Benennung der
bislang bestehenden Tagesordnung einzuladen und um die Ergänzungen mit weiteren TOPs zu bitten.
Gut ist dann, zwei Tage vor dem Treffen eine Erinnerung mit der geänderten Tagesordnung zu ver-
schicken. - Beim Treffen den Startpunkt setzen.
- Darauf achten, dass eine Vorstellungsrunde zu Beginn stattfindet, wenn sich nicht alle kennen.
- Wenn welche später dazukommen, diese kurz auf den Stand der Diskussion, des Ablaufs bringen.
- Redeleitung: Die Redeleitung umfasst insbesondere drei Punkte
- Reihenfolge der Redebeiträge beachten – hier bietet es sich aus Entlastungsgründen durchaus
an, eine schriftliche Redeliste zu führen (was auf dem Papier steht, brauche ich nicht im Kopf zu
behalten). Wichtig ist, dass die Redeleitung sich für inhaltliche Diskussionsbeiträge (also in ihrer
Rolle als DiskussionsteilnehmerIn) selbst für die anderen sichtbar meldet. Für Redebeiträge in der
Rolle der Moderation bzw. Redeleitung gilt dieses nicht – sie kann unabhängig von der Reihen-
folge eingreifen. Es ist wichtig diesen Unterschied zu beachten, da es eine große Verführung ist,
als Redeleitung (unbewusst) die damit verbundene Machtposition auszunutzen.
Unterschiedliche Menschen unterscheiden sich auch in ihrem Redeverhalten. Es gibt die, die kein
Problem haben vor größeren Gruppen das Wort zu ergreifen, und die, die sich dabei sehr
unwohl fühlen. Es gibt Lang- und Kurzredende, es gibt Dozierende und Fragende. Es gibt die
unterstützend Unterbrechenden und die übernehmenden UnterbrecherInnen.
Noch immer lässt sich im Kommunikationsverhalten tendenziell eine geschlechtsspezifische Unter-
scheidung feststellen. Es ist deswegen angeraten eine nach Geschlecht quotierte Redeliste zu
führen.
Auch bietet sich an, „WenigsagerInnen“ abweichend vom Zeitpunkt des Meldens auf der
Redeliste vorzuziehen. - Redeverhalten der Anwesenden – Alle haben etwas zu sagen und manchmal nicht eben wenig.
Eine ebenso wichtige wie unangenehme Aufgabe der Redeleitung ist es, die Diskussionsdisziplin
der Teilnehmenden zu erhöhen. Wiederholungen, Aus- und Abschweifungen gibt es allerorten,
sind jedoch nicht förderlich. Hier zu intervenieren erfordert Mut, Durchsetzungsvermögen (d.h.
sich beim Unterbrechen nicht unterbrechen lassen) sowie Taktgefühl. Zudem besteht die Gefahr,
dass die Redeleitung sich von eigenen Sympathien oder Antipathien leiten lässt. Sinnvolle Inter-
ventionen können hier sein: „Ich glaube, das Argument ist klar geworden, wolltest Du noch
etwas Weiteres sagen?“; „Lass uns diesen Punkt gleich behandeln und zunächst XY fertig
besprechen, ok?“.
Die Redeleitung hat ansonsten zu gewährleisten, dass alle ausreden können. Gelingt dieses so
gar nicht, ist eine Möglichkeit, einen Redegegenstand (ein Kissen, einen Ball, einen Pflasterstein,
...) zu nutzen. Reden darf nur, welcheR gerade den Redegegenstand im Besitz hat.
Ebenfalls sollte die Moderation auf die Verteilung der Redeanteile achten und diese gegebenen-
falls ansprechen. Reden nur wenige, so hat dieses vielleicht einen thematisierungswürdigen
Grund. - Aber: nicht hetzen – Aus der Absicht, möglichst fix zum Ergebnis zu kommen, neigen viele dazu,
ein hohes Tempo anzuschlagen. Es gilt jedoch sehr oft, „in der Ruhe liegt die Kraft“. Häufig führt
gerade hohes Tempo zu Verzögerungen.
- Reihenfolge der Redebeiträge beachten – hier bietet es sich aus Entlastungsgründen durchaus
- MethodenwächterIn – Methoden sind regelgeleitete Handlungen. Wenn sich entschieden wurde, eine
bestimmte Methode einzusetzen, dann ist darauf zu achten, diese auch entsprechend anzuwenden, da
sie sonst in das Gegenteil des Beabsichtigten umschlagen können. - Störungen im Prozess wahrnehmen und ansprechen. Dafür bietet sich eine „Is’ was“ – Runde an oder
auch die direkte Nachfrage. - Rotierende Moderation an bestimmten TOPs – Die Moderation muss nicht zwingend während der
gesamten Tagesordnung in einer Hand liegen. Vielfach bietet es sich eher an, dass sie bei unter-
schiedlichen TOPs von denjenigen übernommen wird, die inhaltlich mehr im Thema stecken. - Inhaltliche Aufgaben der Moderation sind schließlich:
- Einführen in den Gegenstand (Worum geht es? Was ist die Zielsetzung für die Diskussion?
Welche Punkte sind möglicherweise besonders konfliktreich? Was ist der gegenwärtige Stand?) - Fokussierung – wenn Diskussionen abschweifen, sie erneut auf den eigentlichen Diskussionsstand
zurückführen - Ergebnissicherung – zusammenfassen und Zustimmung dazu abfragen
- Einführen in den Gegenstand (Worum geht es? Was ist die Zielsetzung für die Diskussion?