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Es gibt nichts im Tausch

ES GIBT NICHTS
IM TAUSCH

5 Jahre Praxis als antikapitalistisches Experiment

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INHALTSVERZEICHNIS

Andere NK-Projekte
melden sich zu Wort:

5 / Editorial

9 / 'Ich tausch' nicht mehr

14 / Kapitalismus – ein mehrschichtiges Problem

19 / Die Gartenini vom Karla*hof

20 / Kein luftleerer Raum – was ist der Nährboden,
auf dem die Superfood_Schleudergang
wachsen konnte?

25 / Chronologie der Ereignisse:
5 Jahre Superfood_Schleudergang

31 / Die Lernwerkstatt in Wukania

32 / Wenn der Supermarkt nicht mehr funktioniert,
verhungern die Linken

43 / Die Reibäcka in Leipzig

45 / Schleuderwochen auf dem Karla*hof

46 / Tipps und Tricks
zum Einkochen

48 / Menschen, die mal mit uns im Austausch waren:
Warum hat das eigentlich nicht mit uns geklappt?

51 / Die wilde Flora in Dresden

52 / Pinke, Pasta und Moneten

55 / Sissi

56 / Glossar

75 / Was wäre, wenn ...

Impressum

EDITORIAL

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Liebe Leckermäuler, lässt sich mit Brotaufstrichen der Kapitalismus abschaffen?

Das wird sich noch zeigen ;-)

Ein halbes Jahrzehnt lang gibts uns schon – die Superfood_Schleudergang, die sich praktisch daran versucht. Seitdem werden Pasten, Fermentiertes und andere Formen von Haltbargemachtem produziert – und tauschlogikfrei weitergegeben. Zeit zum Feiern und Reflektieren.

Moment ... tauschlogikfrei??? ... und damit sind wir schon mittendrin. Hinter unseren bunten Erzeugnissen stehen jede Menge Gedanken, Ideen und Utopien, die oft gar nicht so einfach zu vermitteln sind. Tauschlogikfreiheit ist unsere Antwort auf Kapitalismus und seine zerstörerischen Folgen.

Wir wollen aber nicht alles jetzt vorwegnehmen. Was "tauschlogikfrei" für uns genau bedeutet und warum das für uns grundlegend ist, erfahrt ihr im Artikel "Kapitalismus: ein mehrschichtiges Problem".

Wir versuchen die Produkte als Ausgangspunkt zu nehmen, um Alternativen zum Kapitalismus zu entwerfen und erfahrbar zu machen. Es soll eine Form der Ökonomie ausprobiert werden, die rein kooperativ und solidarisch funktioniert. In der Hoffnung dass sich hierdurch eine Dynamik und ein Netzwerk entwickelt, dass eine bessere Welt entstehen lässt. Wie wir uns das genauer vorstellen und was da sonst noch dazugehört beschreibt der Überblicksartikel "Ich tausche nicht mehr ...".

Diese Broschüre soll zwar auch Grundlagen unseres Tuns vermitteln, aber ebenso einen Einblick in die Praxis gewähren und den Kontext beleuchten, der für eine langfristige Produktion gegen den Markt unserer Meinung nach notwendig ist. Vieles von dem was wir Probieren ist uns neu – und wir entwickeln es während des Tuns ständig weiter. Gleichzeitig bauen wir auf vielerlei Erfahrungen auf, die andere Projekte vor uns schon gesammelt haben. Wie wir zur Tauschlogikfreiheit gekommen sind und was dafür wichtige Voraussetzungen waren (und sind), lest ihr im Artikel "Kein luftleerer Raum – was ist der Nährboden auf, dem die Superfood-Schleudergang wachsen konnte?".

Erfolgreich sind wir nur, wenn wir immer mehr Menschen in unsere Spinnereien miteinbeziehen und auch praktisch versuchen anders im Miteinander und mit Unterschiedlichkeiten umzugehen. Eine Außenperspektive aus der Praxis liefert der Text "Schleuderwochen auf dem Karla*hof". Wenn euch das Lust macht, selbst aktiver zu werden in Sachen Lebensmittelhaltbarmachung, findet ihr im "How-to-einkochen" ein paar Tipps und Tricks für den Anfang.

Dass wir gerade die Produktion von Lebensmitteln als Kampffeld gegen den Kapitalismus gewählt haben, liegt nicht nur an unserem exquisiten Geschmack (-;-), sondern hat auch konkrete politische Gründe. "Wenn der Supermarkt nicht mehr funktioniert verhungern die Linken" beschreibt einige Gedanken dazu.

Zugegeben, das sind alles große Ziele. Und es denkt sich sehr viel einfacher als es sich dann in der Realität herausstellt. Wir Menschen sind halt komplexe Wesen. Mehr Gedanken dazu im Artikel "Warum hat das eigentlich nicht mit uns geklappt?"

Wir machen uns keine Illusion daraus, dass wir bisher nur ein kleines Nischenprojekt sind, viele unserer Ideen an ihrer Realisierbarkeit krankten, unsere Privilegiertheiten uns viel Arbeit und Sorge nehmen und die Widersprüchlichkeiten dieser

Welt auch vor uns nicht halt machen. Unser Gefangensein im kapitalistischen Verwertungssystem und wie wir damit umgehen ist besonders beim Thema Geld greif- und spürbar. Beispiele zur Nachahmung liefert der Text "Pinke, Pasta und Moneten – oder: wie finanziert ihr euch eigentlich?".

Trotz alldem was mensch gegen unsere Experimente einwenden kann, funktioniert auch das Ein oder Andere. Wir kommen in unserer Fragestellung voran, können aus unseren Fehlern lernen und es öffnet sich immer mal wieder einen Spaltbreit ein utopisches Fenster.

Wir haben uns gedacht, 5 Jahre sind ein guter Zeitpunkt einmal innezuhalten und unser Wirken von unterschiedlichen Seiten zu betrachten. Seit Beginn hat sich ja auch einiges verändert, wie ihr im Artikel "Chronologie der Ereignisse" erfahrt. Entstanden ist daraus diese Broschüre, in denen unterschiedliche Perspektiven, Sichtweisen und Äußerungen von uns eine hoffentlich inspirierende Collage bilden. Da ‚wir‘ nur ein Teil der Superfood_Schleudergang sind, bilden die Meinungen auch nicht unbedingt alle Unterschiedlichkeiten der Gesamtgruppe ab.

Um den Blick noch etwas zu erweitern, stellen sich über die folgenden Seiten hinweg auch andere tauschlogikfreie Projekte vor.

Auch diese Broschüre ist ein Beispiel für Tauschlogikfreiheit – ein Produkt kollektiver Anstrengung

ohne etwas "dafür" zu bekommen. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für Ihre Texte, Korrekturen und wichtigen Hinweise. Außerdem gebührt unser Dank der Layouterin und der Illustratorin, sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung für die solidarische Finanzierung des Drucks.

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Wie auch unsere abgefüllten Gläser könnt ihr dieses Büchlein weitergeben und weiterverarbeiten, solange ihr die Quelle nennt und kein Geld damit macht.

Wir freuen uns schon auf deine Kritik, Anregungen, deine solidarische Beteiligung, vorsichtiges Interesse und die Verbindungen die zu deinem Leben und deiner Praxis entstehen könnten.

Auf die nächsten fünf Jahre!

die KUSS-AG der Superfood_Schleudergang
[Konzept.Utopie.Struktur.Strategie]

P.S.: Wir benutzen teilweise schwierige Sprache oder Wörter, die sich vielleicht nicht gleich erschließen. Einige wichtige oder öfter auftauchende Wörter sind kursiv markiert. Das heißt, ihr findet am Ende ein Glossar mit einer kurzen Erläuterung dazu.

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ICH TAUSCH
NICHT MEHR

Können wir die Welt positiv verändern, wenn wir aufhören zu tauschen? Das ist eine der Grundfragen, die die Superfood_Schleudergang vom Karla*hof nun seit knapp fünf Jahren in der Praxis zu ergründen versucht. Hier ist der Versuch eines Zwischenfazit.

Das für uns Einzigartige an unseren Produkten ist, dass es keinen direkten Tausch gibt. Weder können sie gekauft werden, noch gibt es eine dafür vorgesehene Spendenbox, geschweige denn eine Spendenempfehlung. Gleichzeitig handelt es sich auch nicht um einen karitativen Akt der Nächstenliebe. Es geht um nichts weniger als um die praktische Erprobung der Verweigerung von Markt, Wertlogik und Warentausch . Es geht um eine reale Alternative zum Kapitalismus – tauschlogik-frei eben. Hier und Jetzt.

Zugegeben, das klingt etwas großspurig und ist auch mehr Provokation als Realität. Aber es ist auch eine Praxis, die seit knapp fünf Jahren Bestand hat und die sich ausweitet.

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Alles „for free“?

„There ain't no such thing as a free lunch“? Richtig. Auch wenn niemand für unsere Produkte bezahlen muss, sie also frei zugänglich sind, sind doch Arbeit, Energie und auch Geld hineingeflossen. Das funktioniert auf verschiedenen Wegen. Zum Einen werden viele Lebensmittel für den Gläserinhalt von solidarischen Gruppen ökologisch angebaut oder hergestellt und für die nicht-kommerzielle Weiterverarbeitung zur Verfügung gestellt. Was (noch) nicht aus unserem Netzwerk kommt, wird im Bio-Großhandel dazugekauft, v.a. Öl, Salz und Zucker. Um diese Kosten decken zu können suchen wir nach (regelmäßigen) Spender*innen. Saubere Gläser kommen von außen (zurück).

Zum Anderen ist keine*r der Involvierten oder Unterstützer*innen ökonomisch von der Produktion abhängig. Sie basiert auf politischer Überzeugung, Spaß, unverdienten Privilegien und einem solidarischen Umfeld, dass sie mitträgt. Laufende Kosten und Investitionen werden teils über zusätzliche interne Anstrengungen und Kreativität, teils über Spenden finanziert. Das Ganze ist eingebettet in die solidarischen Strukturen des Karla*hofs und der Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG) . Sie stellen Infrastruktur, tatkräftige Unterstützung und solidarische Begleitung bereit. Und so ma-

chen sie das Unterfangen erst möglich. Zwar sind unsere Produkte damit nicht „kostenlos“ ( free ), denn Arbeit, Energie und Materialien wurden dafür aufgewandt. Aber sie sind frei zugänglich ( free ), denn das ist die Absicht ihrer Produktion, anders als beispielsweise bei einem Restaurant, wo die Absicht die Erzielung von Gewinn ist.

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Bruch mit Markt und Konkurrenz

Nach vielem Ausprobieren und einigen Fehlschlägen gibt es erste Antworten auf die Eingangs gestellte Frage nach dem Tausch.

Tauschen meint hier den direkten Äquivalenzttausch , also das, was wir meistens mit Geld machen: Dinge mit einem (abstrakten) Gegenwert bezahlen. Das nicht mehr zu tun, also nicht mehr im Kopf aufzurechnen, was wohl der Wert eines Aufstrichglases ist, ist eine große Herausforderung. Aber so lange wir an einen messbaren Wert glauben, den wir zwecks des Tauschens versuchen zu ermitteln, spielen wir das Spiel der Marktlogik mit. Wir treten miteinander in Konkurrenz um den günstigsten Preis. Verkürzt gesagt: Wer sich durchsetzt, eignet sich über erzielte Gewinne genug Kapital an, das wieder in beispielsweise neue Maschinen investiert werden kann. Das wieder-

um bedeutet eine günstigere Produktion, mehr Gewinn und Kapital, erneute Investitionen, etc. Durch immer größere Produktionsmengen wird das einzelne Produkt günstiger und gleichzeitig die erzielten Gewinne höher.

In der bereits vorhandenen und sich so weiter festigende Chancengleichheit innerhalb dieser Konkurrenz auf dem „freien Markt“ sind immer die im Vorteil, die bereits über viel Kapital verfügen. „Wachse oder weiche!“ – alle anderen werden „geschluckt“, sind nicht konkurrenzfähig oder -willig und damit ökonomisch gescheitert. Das Resultat sind ein paar wenige sehr reiche Menschen, eine global ungleich verteilte und von ihnen abhängige Mittelschicht und viel Verelendung, die den Reichtum produziert.

Auf der Suche nach einer friedlichen und gerechteren Welt ist die Frage nach dem fairen Preis (dem Tauschwert ) irreführend. Stattdessen könnten wir uns fragen: Was braucht jede*r Einzelne zum Leben? Wie können wir gemeinschaftlich so viel beschaffen, dass alle genug haben? Was will ich dazu beitragen, wenn meine Bedürfnisse gemeinschaftlich erfüllt werden?

Der Tauschwert hingegen beruht immer auf Eigentum (Kapital) und Konkurrenz (Gewalt), egal wie er ausfällt. Es gibt immer ein paar Gewinner*innen und jede Menge Verlierer*innen die für sie arbeiten müssen.

Und noch schlimmer: alle Gesellschaftsbereiche werden im Kapitalismus dem Diktat des Preises unterworfen, da dadurch Gewinn erwirtschaftet wird. Egal ob es sich um Gesundheit, Wohnen oder Nahrungsmittel handelt. Verzichten wir in unseren Leben auf den Tauschwert, bricht die Marktlogik zusammen, denn Arbeit und Produkte können dann nicht mehr in ihrem Wert miteinander verglichen und in Konkurrenz zueinander gesetzt werden. Es kann kein Gewinn erwirtschaftet werden.

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Kultur der Schuld

Mit dem direkten Tausch aufzuhören reicht aber leider nicht, zeigt die Praxis der Schleudergang. Wir Menschen des 3 haben den Vorgang des Aufrechnens zu sehr verinnerlicht, um ihn einfach so abzulegen. Wenn ich etwas bekomme, verspüre ich den sofortigen Drang etwas „gleichwertiges“ zurückzugeben, denn hier kommt die Schuld ins Spiel. Schulden haben etwas mit moralischer Verpflichtung zu tun, die im Kapitalismus zur Not mit Gewalt durchgesetzt wird, zum Beispiel durch Gerichtsvollzieher*innen. Selbst bei freiwilligem Geben und Nehmen wie bei Geschenken denken wir meist implizit mit, dass wir etwas zurück schenken müssten. Der Fokus menschlicher Interaktionen

liegt so sehr auf dem Tauschwert, der wiederum so tief in unser kulturelles Verständnis von Schuld eingebrennt ist. Anderes Verhalten wird moralisch sanktioniert oder löst emotionale Verwirrung bei Menschen aus, bis hin zu Wut. Es ist ein Problem in dieser Beziehungslogik damit konfrontiert zu werden, nichts gleichwertig zurückgeben zu dürfen, um die gefühlte „Schuld“ loszuwerden.

Das ist auch ein großes Problem der Tauschlogikfreiheit , weil es bei uns keine kulturelle Selbstverständlichkeit für dieses Handeln gibt. Darum reicht es nicht, einfach nur mit der Tauschlogik zu brechen. Andere einfach nur vom direkten Tausch abzuhalten, schafft meist kein konstruktives Potenzial und kein Gefühl der Verbundenheit und Gegenseitigkeit.

Dafür fehlt ein Bindeglied, das die Aufmerksamkeit weg von der Schuld und hin zu einer neuen Art der Beziehung miteinander lenkt. Aus einer Gesellschaft von Individuen, die ständig versuchen miteinander „quitt“ zu werden und so unbewusst langfristige Beziehungen vermeiden, sollen Menschen erwachsen, die die Kooperation und das gemeinsame Handeln in den Vordergrund stellen. Der Fokus soll vom selbstverantwortlichen Individuum zur Gruppe, zur Gesellschaft, zum Gemeinsamen wandern, mit dem sich das Individuum umgibt. Die Kritik des Wertes wird damit auch zu einer Kritik der gesellschaftlichen Werte.

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Unsere Alternative:
solidarische Gegenseitigkeit

Eine Möglichkeit der Verschiebung dieses Handlungsrahmens ist die Idee der solidarischen Gegenseitigkeit . Damit ist die noch utopische Idee gemeint, gesellschaftliche Arbeitsteilung solidarisch und in Form gegenseitiger Unterstützung zu gestalten. Über gemeinsame Absprachen werden Bedarfe (Essen, Kleidung, Gesundheitsversorgung, ...) gedeckt und die Tätigkeiten an unseren Bedürfnissen (Sinnhaftigkeit, Spaß, Kreativität, ...) ausgerichtet. Menschen handeln dabei nicht aus Schuld, sondern aus dem Wunsch sinnhaft beizutragen. Das ist ohne eine neue Kultur der Kooperation nicht möglich.

Unsere aller Leben sind aber momentan auf Markt und Tausch getrimmt und hängen davon ab. Wir müssen also auch unsere Beziehungen untereinander ändern. Weg vom eigenverantwortlichen unternehmerischen Ich und hin zum beitragenden Teil einer kooperierenden Gemeinschaft. Bereits jetzt können dafür kollektiv neue Spielräume geschaffen werden, indem wir uns gegenseitig vor Krisen absichern, z.B. indem wir unser

Einkommen oder Eigentum solidarisch teilen, wie in einer gemeinsamen Ökonomie oder der PaG . Und wir können jetzt schon anfangen alle unsere Lebensbereiche mit anderen gemeinsam zu organisieren, indem wir miteinander und füreinander produzieren, Care-Arbeit als wichtige Arbeit sichtbar machen, uns gegenseitig emotional und fürsorglich unterstützen und die Fragen und Konflikte des alltäglichen Zusammenlebens kollektiv angehen.

Unsere Gläser sind ein bescheidener Beitrag und ein erfahrbares Erlebnis, das neue Beziehungen auf Basis einer anderen Kultur jetzt schon möglich sind – beschränkt und im Kleinen. Je größer jedoch das Netzwerk solidarischer Gegenseitigkeit wird, desto schlagkräftiger und bedeutsamer wird es auch. Und desto größer ist die Gefahr versehentlich in den Kapitalismus integriert zu werden.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass über Kolonialismus und die kapitalistische Globalisierung der größte Teil der Menschheit, vor allem im globalen Süden , zu Rohstofflieferant*innen und Billiglöhnheeren versklavt wurde – wenn notwendig auch durch Kriege. Durch den gleichzeitigen Import neoliberaler Ideologie von Wettkampf und Konkurrenz und dem Versprechen, dass alle es bis nach oben schaffen können, wenn sie nur hart genug arbeiten, werden falsche Anreize zur Beteiligung an dieser gewaltsamen Art des Gegeneinanders gesetzt.

Unser Projekt ist auch immer als Unterstützung weltweiter Erhebungen, Aufstände und Revolutionen gedacht, die sich von Ausbeutung und Unterdrückung durch den globalen Norden befreien wollen. „Im Herzen der Bestie“ mit dem Kapitalismus zu brechen ist eine Form diesen zu schwächen. Gleichzeitig experimentieren wir mit dem, was stattdessen sein könnte.

Und irgendwann kann es dann vielleicht wirklich im Großen eine konkrete Alternative zur kapitalistischen Warenproduktion werden und die Welt positiv verändern.

die nichtkommerzielle
PFLAUME
①③③ OHNE ZUCKER
PFLAUME
KARLA*HOF, 08.2018
SCHULBERGANG@GEMNETZG.DE

die nichtkommerzielle
PFLAUME
①③③ OHNE ZUCKER
PFLAUME
KARLA*HOF, 08.2018
SCHULBERGANG@GEMNETZG.DE

die nichtkommerzielle
PFLAUME
①③③ OHNE ZUCKER
PFLAUME
KARLA*HOF, 08.2018
SCHULBERGANG@GEMNETZG.DE

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die nichtkommerzielle
PFLAUME
①③③ OHNE ZUCKER
PFLAUME
KARLA*HOF, 08.2018
SCHULBERGANG@GEMNETTIC.DE

die nichtkommerzielle
PFLAUME
①③③ OHNE ZUCKER
PFLAUME
KARLA*HOF, 08.2018
SCHULBERGANG@GEMNETTIC.DE

KAPITALISMUS: EIN MEHRSCHICHTIGES PROBLEM

Einer der Ideenstränge, der uns viel beschäftigt, ist der Wunsch nach einer unkapitalistischen Wirtschafts- und Lebensweise. Wir sind unzufrieden mit einer Gesellschaft, in der das Streben nach ökonomischem Wachstum über der Versorgung der Weltgemeinschaft steht. Und wir sind mal wieder nicht die Ersten mit unserer Erkenntnis. Schon viele Menschen, Gruppen, Bewegungen haben sich auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach umsetzbaren Wirtschafts- und Lebensweisen, und sie haben dabei eine sehr große Menge an Gedanken gedacht, Theorien entwickelt, Sachen versucht, Erfahrungen gemacht, Widerstand gelebt und neue Praktiken entwickelt. Wir können nicht alle aufzählen, mit denen wir uns in einer Linie sehen, die was Ähnliches gemacht oder uns inspiriert haben, denn wir wollen kein sehr dickes Buch schreiben. Im Groben und Ganzen sind wir Teil einer Bewegung, die die Marx'sche

Analyse der Politischen Ökonomie plausibel findet, sich ohne und gegen Herrschaft organisieren will und sich eine grundlegende Transformation der Gesellschaft nicht ohne die Abschaffung des Patriarchats vorstellen kann. Ganz praktisch und kleinteilig sind wir inspiriert und Teil von dem, was in unserem Kontext „ Nicht-Kommerzialität “ heißt.

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Der Tausch
und das Problem mit dem Tauschen

Es gibt sehr viele Projekte und Bewegungen, die irgendwie nach Alternativen zum aktuellen, neoliberalen Kapitalismus suchen. Viele von ihnen übersehen unserer Ansicht nach aber wichtige Aspekte, die wir als problematisch empfinden. Die Gruppen in unserem Umfeld und die, die sich vor unserem Experiment als nicht-kommerzielles Netzwerk organisiert haben, versuch(t)en auszumachen, was die Kernprobleme des Kapitalismus sind. Nur wenn wir den Kern des Problems richtig identifizieren, können wir auch eine Alternative dazu entwickeln. Uns scheint, dass die grundsätzlichen Probleme am Kapitalismus die Tauschlogik (das schließt Eigentum mit ein), die Individualisierung und der Leistungsgedanke sind. Es geht also sowohl um materielle, soziale als auch kulturelle Dinge.

Eigentum und Tauschlogik

Mit Tauschlogik meinen wir die Idee, dass jedem Ding ein Wert zukommt und dass die Werte der Dinge miteinander vergleichbar sind. Um etwas zu tauschen, muss ich erst einmal etwas besitzen. Das Eigentum kann ich mir aus der Natur einfach „nehmen“, wie z.B. Wasser, Holz, wilde Früchte, Bodenschätze oder sogar Lebewesen. Das bedeutet allerdings auch, dass keine andere Person darüber verfügen darf. Anstatt also gemeinsam beispielsweise über die Nutzung eines Waldes und seiner Erträge zu entscheiden, mache ich mir den Wald zu eigen und verteidige ihn zur Not mit Gewalt davor, dass ihn andere nutzen. Dafür, dass ich ganz alleine über den Wald bestimmen darf, gibt es keine Rechtfertigung, außer dass ich die Macht dazu habe, mein Eigentum auch durchzusetzen, wenn nötig mit Gewalt.*

Eigentum ist also eigentlich ein soziales Verhältnis. Ich schließe alle anderen aus der Nutzung einer Sache aus. Nur ich ganz allein als Individuum darf darüber bestimmen und wenn ich das will, die Sache auch weitergeben. Meistens, indem ich sie mit einem anderen Individuum tausche. Eigentum behinhaltet also immer

* Heute wird Eigentum durch Nationalstaaten und deren Recht und Polizei durchgesetzt und geschützt. Zwar gibt es wunderschöne Papiere, auf denen Eigentumsmittel festgeschrieben sind und die von Generation an Generation weitervererbt werden. Warum z.B. ein Wald aber ausgerechnet dieser Person gehören darf, wird darin nicht erklärt.

Konkurrenz und verunmöglicht gemeinschaftliches Handeln. Und Eigentum ist die Bedingung für Tausch .

Wenn ich ein Brot backe, ist es mein Eigentum. Will ich herausfinden, wie sehr es von anderen gewollt wird, dann werde ich sehr verschiedene Antworten bekommen. Je nachdem ob ich eine hungrige oder eine satte Person frage, eine Person, die kein Gluten verträgt oder eine, die ihren Käse gerne irgendwo drauf legen möchte, fällt die Antwort anders aus. Wie sehr das Brot begehrt wird, ändert sich je nach Mensch, je nach Situation.

Wofür das Brot zu gebrauchen ist, das bleibt im Groben und Ganzen gleich. Die allermeisten Menschen werden es als Nahrung benutzen und aufessen. Es hat auch einen bezifferbaren Nährwert in Kalorien und kann jedem Menschen die gleiche Menge Energie geben. Der tatsächliche Nutzen des Brotes ist also eigentlich unveränderlich, das kann mensch auch den Gebrauchswert nennen. Wenn aber verschiedene Menschen das Brot verschieden doll begehren, wie entscheide ich, wer es bekommt? Im Kapitalismus wird das darüber geregelt, dass einem Ding, zum Beispiel unserem Brot, ein zweiter Wert gegeben wird. Der Tauschwert .

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Der Tauschwert

Eine andere Bedingung für den Tauschwert ist häufig, dass ich das Brot nur abgebe, wenn ich etwas anderes dafür bekomme. Das ist die Tauschlogik. Und die andere Bedingung ist, dass das, was ich bekomme irgendwie „gleich“ ist wie das, was ich abgebe. Das ist der Wert. Es macht aber nicht wirklich viel Sinn, das Brot gegen etwas wirklich Gleiches, also ein anderes Brot, zu tauschen. Deswegen wird im Kapitalismus ein Wert erfunden, der nicht so konkret ist. Heutzutage wird er meistens in Geld angegeben. Da wird dann gesagt „Ein Brot hat den gleichen Wert wie 2 Euro“. Das Sagen übernimmt dabei allerdings keine Person oder Organisation, sondern wir haben uns über die letzten Jahrhunderte an diese Praxis gewöhnt und nehmen von ganz alleine einfach an, dass es normal ist so zu denken und dann muss es auch niemand mehr wirklich sagen. So wird dann geregelt, dass ich mein Brot nur an die Person gebe, die mir zur gleichen Zeit 2 Euro gibt. Ob ich es allerdings gegen 1 Euro, 2 Euro oder 10 Euro abgebe, das kann sich auch verändern. Der Kapitalismus bringt uns bei, beim Tauschen immer so viel wie möglich zu nehmen, wenn wir etwas geben. Und

so kann es sein, dass ich für mein Brot sogar 10 Euro von der Person, die den Käse irgendwo drauf legen will, bekomme, weil sie bereit ist ihre 10 Euro gegen mein Brot zu tauschen und keine andere Person mir mehr dafür anbietet.

Wir erinnern uns, dass die Menschen das Brot verschieden doll begehren können und es auch verschieden doll brauchen. Wie doll jemand ein Brot braucht und wie viele Euros ein Mensch hat, sind allerdings zwei sehr verschiedene Sachen. Der Tauschwert bringt diese sehr verschiedenen Sachen in Verbindung und macht so „genug/viele Euros haben“ zur Bedingung für „ein Brot bekommen“.

Das Problem an der Tauschlogik ist, dass sie sehr ungerecht ist. Denn mit den oben beschriebenen Annahmen, Regeln und Gewohnheiten wird nicht sicher gestellt, dass die Person, die das Brot am meisten braucht, es bekommt, sondern am Ende bekommt es die Person, die am meisten dafür gibt. Die Menschen mit viel Eigentum sind hier also klar im Vorteil gegenüber denen, die mittellos sind.

Wir wollen aber eine Welt, in der die Menschen, die etwas wirklich brauchen, es auch bekommen und in unserem Beispiel wäre das wohl die hungrige Person ohne Käse. Egal ob die uns direkt oder später mal etwas dafür geben kann oder nicht.

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Räume für neue Arten
der Kooperation schaffen

In den nicht-kommerziellen Projekten wird deshalb eine andere Art der Lebens- und Wirtschaftsweise erprobt. Eigentum wird kollektiviert. Es wird auf eine Art produziert oder Dinge und Leistungen bereitgestellt, die sich nicht an den Logiken des kapitalistischen Marktes orientiert. Durch Entschärfung von Eigentum, Abschaffen von Preis und des direkten Tauschs und gleichzeitiger Ablehnung einer durch Zwang oder Hierarchie geregelten Arbeitszeit, eröffnet sich ein Raum, in dem neu verhandelt werden kann und muss, wer wie viel Energie, Geld und Ressourcen reinsteckt, wo diese herkommen und was Menschen beitragen können, denen das Produkt zu Gute kommt. Dazu müssen wir aber auch unsere kulturellen Gewordenheiten überdenken.

Wenn wir aufhören, zu tauschen und zudem anfangen, (nur) dann und dort zu arbeiten, wo und wann und wie es uns gefällt, es uns gut tut oder es zumindest sinnstiftend ist, dann stellen sich viele kleine und große Fragen neu. Diese Fragen immer wieder anders zu betrachten und mit dem Ziel ei-

ner gerechten, bedürfnisorientierten Wirtschaftsweise neu zu beantworten, bietet unserer Ansicht nach ein großes Potenzial für Veränderung. Sowohl individuell als auch gesamtgesellschaftlich.

Nicht-kommerziell wirtschaften bedeutet für uns, zu versuchen eine Wirtschaftsweise zu entwickeln, die kollektiv ohne Tauschlogik und ohne Leistungszwang auskommt. Das Ziel ist wirklich da anzukommen, dass alle nach ihren Bedürfnissen bekommen, was sie brauchen und nach ihren Fähigkeiten das beitragen, was sie können und wollen.

Um uns herum und vor uns gab und gibt es einige Gruppen, die eben das versucht haben oder noch versuchen. Was für welche und was die schon ausprobiert oder rausgefunden haben, dazu lest ihr ein paar Seiten weiter noch mehr oder wenn ihr länger Zeit habt, dann lest auch sehr gerne mal die Broschüre „Ich tausch nicht mehr – ich will mein Leben zurück“ aus dem Jahr 2015, die es gedruckt aber auch frei im Internet auf https://ich-tausch-nicht-mehr.net/ zu lesen gibt.

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“WAS HAT DIE GARTEN-INI
DES KARLAHOFS EIGENTLICH
MIT DER SCHLEUDERGANG
(UND DER GANZEN WELT)
ZU TUN?”

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Wir Menschen müssen essen, sonst können wir weder tätig noch fröhlich sein. In unserer westlich-metropolitanen Gesellschaft ist das Essen aber zur Nebensache, zur Ersatzhandlung und zur Lifestyle-Frage verkommen. Die Herstellung von Nahrungsmitteln zeigt dementsprechend alle perversierten und zerstörerischen Eigenschaften der kapitalistischen Produktionsweise. Sich davon so weit wie möglich frei zu machen, ist für uns eine Frage des Selbstschutzes und der gelebten Kapitalismuskritik. Außerdem verbringen wir die Zeit lieber gemeinsam in unserem Garten, als bei der Lohnarbeit, um die Lebensmittel dann mit dem dabei verdienten Geld kaufen zu können.

Die Garten-Ini hat die Verantwortung für den Gemüsebau auf dem Karla*hof übernommen. Wir sind zur Zeit drei Personen, die sich hauptverantwortlich um Planung, Anbau und Ernte von Gemüse kümmern. Wir kultivieren nicht nur die Pflanzen sondern auch unsere Anbaumethoden, entwickeln und verbessern Mischkultur-Anbau, Mulchsysteme und Terra-Preta-Kompostierung. So haben wir Ernten,

die uns glücklich machen, und sorgen dabei für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Jeden Montag ist offener Gartentag, bei dem Mithelfende sehr willkommen sind! Unsere Tätigkeit begreifen wir als eine Form der offenen Subsistenz. Wir versorgen den Hof und alle, die hier zu Gast sind, mit Essen. Außerdem bauen wir extra viel Weißkohl, Chilis, Zwiebeln, Zucchini, Kürbis, Kräuter, Rote Bete und von manch anderem Gemüse an, damit die Schleudergang daraus Aufstriche, Sauerkraut, scharfe Pasten und allerlei Eingemachtes produzieren kann. Getragen ist unsere Praxis von der Idee und der Hoffnung auf eine wiederzuentdeckenden Kultur von uns Menschen, in der wir uns gegenseitig mit allem Lebensdienlichen versorgen, ohne uns in berechnenden Tausch- und Schuldverhältnissen voneinander zu entfernen oder gegeneinander aufbringen zu lassen.

Dabei bewegen wir uns auf einem Feld aus Fragen wie etwa: „Wie können wir unsere anderen Bedarfe und Bedürfnisse stillen (für die wir Geld brauchen), wenn unsere Zeit vor allem in Subsistenz-Tätigkeiten fließt?“ oder „Wie kommen wir mit dem Spannungsverhältnis klar, das aus der Notwendigkeit, ausreichend Gemüse zu produzieren, und dem Spüren unserer eigenen Belastungsgrenzen entsteht?“ oder „Für wen und welches Außen wollen und können wir Gemüse mitproduzieren und wo sind da die Grenzen?“ oder „Wer sorgt für uns, wenn wir alt, krank oder sonstwie schwächer werden und nicht so viel Energie für die Gemüseproduktion übrig ist?“. Die Antworten auf diese Fragen finden wir vielleicht irgendwo in unserer gelebten Alltagspraxis, sie schwingen in einem unabgeschlossenen Raum des Probierens und schlängeln sich durch Gefühle von Freude am gemeinsamen Tun, aber auch Stress durch zu viel Verantwortung, Angst, nicht genug zu sein bzw. nicht genug zu haben und der Sehnsucht nach einem zugewandten, weichen Umgang mit uns selbst und unseren Mitlebewesen.

KEIN LUFTLEERER
RAUM — WAS IST DER
NÄHRBODEN AUF DEM DIE
SUPERFOOD-SCHLEUDERGANG
WACHSEN KONNTE?

Wenn wir über die letzten 5 Jahre Superfood_Schleudergang schreiben wollen, dann geht das genau genommen nicht, ohne noch ein bisschen weiter auszuholen. Denn wir sind (natürlich) nicht die ersten, die sich mit der Idee rumschlagen, ein anderes Wirtschaftsmodell auszutesten. Den ganz großen Wurf in die Geschichte und die Welt wollen wir mit diesem Text allerdings auch nicht wagen. Bei einer ideengeschichtlichen Besichtigung der letzten 300 Jahre, würden wir bestimmt die meisten Versuche nicht kennen, mindestens die Hälfte vergessen und die andere Hälfte falsch wiedergeben. Trotzdem wollen wir einen kleinen Überblick über unser direkteres Umfeld und den Nährboden geben, auf den unsere Idee als Samen fiel und wachsen konnte.

Projekte schaffen, die politisch bleiben

Es war einmal vor langer langer Zeit eine Bewegung, die Häuser besetzte, um daraus wieder Wohnraum zu machen, als in Berlin noch Leerstand herrschte. Diese Bewegung war sehr vielfältig, und es gab sehr unterschiedliche Ideen. Und die Leute, die die Häuser besetzten, waren nicht die Einzigen die was Neues versuchten. In der ganzen Bundesrepublik gab es Gruppen und Einzelpersonen, die sich der autonomen Bewegung zuordneten, oder heute dazu zugeordnet werden. Sie versuchten sich alle am radikalen Bruch mit den Verhältnissen und spinnen Ideen von einer Welt ohne Herrschaft und ohne Kapitalismus (und irgendwie auch weniger Patriarchat , aber das war damals noch etwas zweitrangig).

Etwas vorgespult: Es stellte sich raus, dass die Eigentumsverhältnisse sich in einem gut organisierten Staat wie Deutschland nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Ein Teil der besetzten Häuser wurde geräumt, ein Teil wurde gekauft, damit die verhandlungsbereiten Besetzer*innen drin wohnen bleiben konnten. Diese gekauften Häuser und die dazugehörigen Bewohner*innen wurden von den "Nicht-Verhandler*innen" stark kritisiert, denn mit der Zeit war es aus mit dem radikalen Bruch mit den Verhältnissen. Stattdessen Streit und Zank und Einzug des bürgerlichen Lebens – und allgemein nahm die ideelle Strahlkraft der gekauften Projekte doch stark ab.

Ein paar eher idealistisch veranlagte Gestalten wollten sich damit nicht abfinden. Sie wollten im-

mer noch eine ganz andere Welt. Immer geräumt werden war aber auch scheiße. Also gründeten sie eine Struktur, die ermöglichte, dass Häuser nicht geräumt werden, weil sie wem gehören, und gleichzeitig nicht nur Wohnraum sind, sondern Platz für Experimente mit sozialen Dynamiken, politischen Ansprüchen und gelebter Solidarität bieten. Möglichst so, dass die Gruppen, die die Häuser bewohnen, sich selbst reflektieren und merken, wenn sie von ihren Vorhaben abweichen und dann bewusst reagieren können.

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Die Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG)

So entstand (ganz grob verkürzt) die " Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit " kurz PaG. In diesem Netzwerk organisieren sich verschiedene Projektgruppen und Einzelpersonen und verwalten und beleben gemeinsam mehrere Gelände und Gebäude. So auch den Karla*Hof . Über die PaG gäbe es sehr viel zu sagen und vermutlich auch sehr viel Unterschiedliches, je nachdem, wen aus dem Netzwerk mensch fragt, was genau das Wichtige oder Zentrale an der PaG ist. Für uns im Kontext der Superfood-Schleudergang sind vor allem zwei Aspekte zentral.

1. Das Gelände des Karla*hofs ist Eigentum einer Stiftung, die mit der PaG kooperiert. Sie verleiht das Gelände und alles, was sich darauf an Gebäuden befindet, an die Projektgruppe aus dem Hof. Dieses Verleihen ist an die klare Formulierung von Zielen, Idealen und Scheiterkriterien geknüpft und gewährt der Gruppe einen Raum für Experimente für die Zeit bis zu ihrem Scheitern.*

Das Leihen des Hofes ist ohne festen Abschlag möglich, im Klartext heißt das: Wir als Schleudergang müssen nicht jeden Monat einen festen (hohen) Betrag aufbringen, um überhaupt den Ort nutzen zu können. Das schafft den Freiraum, auch Experimente zu machen, die kein Geld einspielen. Wir können uns dem widmen, was wir wirklich machen wollen und haben keinen Druck "nebenbei" auch noch einen Hofladen zu betreiben oder für den Unterhalt des Geländes irgendwas für Geld anzubauen oder außerhalb vom Hof alle sehr viele Stunden gegen Lohn zu arbeiten, um die Miete zahlen zu können.

2. Die PaG ist ein Netzwerk aus Leuten, die alle ein Interesse daran haben, die Welt entsprechend unserer Werte (→ gegenseitig.de ) zu verändern. Wir sind miteinander über die verschiedenen Projekte hinweg verbunden und können dort helfen und nach Hilfe fragen, bekommen Feedback und Kritik und können uns mit anderen Gruppen in einem vertrauten Rahmen über unsere Erfahrun-

gen austauschen. In diesem Netzwerk sind viele Leute schon seit sehr vielen Jahren gemeinsam organisiert. Manche waren schon in den 60ern Aktivist*innen, Andere sind erst Mitte der 90er geboren. Dadurch können wir sehr viele verschiedene Perspektiven hören und auf unterschiedliche Erfahrungen aus linken Projekten zurückgreifen, wenn wir etwas reflektieren oder herausfinden wollen. Und wir bekommen auch mit, warum andere Versuche vor uns nicht geklappt haben. Und können versuchen, es besser zu machen.

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Karla*hof: einen Ort schaffen, der eine andere Welt erlebbar macht

Den Karla*hof gibt es so seit 2013. Nach dem Scheitern der letzten Gruppe auf dem Gelände ( Lokomotive Karlshof , 2005 bis 2012) fanden sich durch Hilfe der PaG Menschen zusammen, die das Gelände mitten in der Uckermark übernehmen und mit dem Versuch in die nächste Runde gehen wollten. Die Gruppe, die sich fand, war bunt zusammengewürfelt. Die Menschen die dann zusammen als „Karla*hof“ das Gelände, die Gebäude, Geräte und einiges an Erfahrungswerten aus der Vorgänger*innengruppe übernahmen, hatten bei aller Unterschiedlichkeit ein paar Eckpunkte klar

gesetzt. Hier sollten Arbeitsweisen und Beziehungen erprobt werden, die nicht patriarchal sind, in denen Menschen nach eigenen Bedürfnissen tätig sind, in denen sie versuchen, die zentralen Elemente des Kapitalismus außen vor zu lassen. Auf dem Hof sind ganz verschiedene Menschen aktiv, die auch verschiedene Schwerpunkte setzen, wenn es um die Frage nach ihrem Konzept geht. Manche nennen ihre Tätigkeiten hier kollektive Subsistenz , andere sagen nicht-kommerzielle Landwirtschaft , wieder andere würden es lieber solidarische Gegenseitigkeit nennen. Manchmal ist der Begriff tauschlogikfrei zentral.

Was all diesen verschiedenen Begriffen, Konzepten und Schwerpunkten gemeinsam ist, ist der Wunsch nach einer anderen Wirtschafts- und Lebensweise, als der im Kapitalismus üblichen. Wir wollen alle nicht warten, bis eines Tages eine Revolution vorbei kommt (die zufällig auch noch nach unserem Gusto ist), bis wir ausprobieren, wie gerechtes, gewaltarmes und gemeinsames Wirtschaften funktionieren kann. Wir wollen den Hof und all die Geräte, Gebäude, natürlichen Ressourcen, die wir hier vorfinden, dafür nutzen, eine neue Welt im Hier und Heute erlebbar zu machen. Wenn wir hier gemeinsam arbeiten, dann soll darin sichtbar sein, wie wir uns die Gesellschaft wünschen.

* Scheitern wird fast vorausgesetzt. So ist das mit Experimenten. Das Wichtige ist, aus Fehlern und Scheitern zu lernen und es dann nochmal besser zu versuchen. Das ist auch ein sehr interessantes Thema, aber das auszubreiten ist hier nicht dran.

Frei von Zwang, frei von Einteilung in Geschlechter und Zuschreibungen, frei von dem Druck, das zu erschaffen, was sich gut verkauft. Was wir hier herstellen und nicht am Hof verbrauchen, das geben wir weiter. Ohne Bedingungen, ohne Tausch. Was wir brauchen, danach fragen wir in unserem Umfeld, schreiben Förderanträge oder sammeln Geld durch Spenden oder kollektive Lohnarbeit.

Der Hof wird organisiert von einer festen Gruppe von ca. 20 Menschen, die sich für die Übersicht und den Erhalt sowie für grundsätzliche Entscheidungen verantwortlich fühlen. Und von einem großen Netzwerk aus Menschen, die sich für Teilbereiche verantwortlich fühlen. Diese Teilbereiche werden bei uns von Initiativen, kurz „Inis“, und Kleingruppen organisiert, die sich um den Gemüsegarten, die Kräuter, den Ackerbau, den Kartoffelanbau, das Einkochen, die Obstbäume, um Apfelsaft, Brennholz oder Bienen kümmern. Die Superfood_Schleudergang ist die Weiterverarbeitungs- und Konservierungs-Ini des Karla*hofs. Und dann wird der Hof auch von den vielen Menschen getragen, die regelmäßig oder unregelmäßig da sind, um alltägliche oder besondere Aufgaben zu erledigen. Sei es beim wöchentlichen Gartentag, bei gelegentlichen Einsätzen auf unserer Naturschutz-Brache, beim jährlichen Brennholzmachen oder bei großen Baustellen.

In all diesen Aktivitäten achten wir darauf, diskriminierungsarm , ermutigend, selbstorganisiert, hierarchiearm und bedürfnisorientiert zu arbeiten.

Keine Chef*innen, kein Lohn, kein Preis für die Produkte, kein fester Schichtplan, kein „ich brauch hier mal nen starken Mann“, kein „du kannst das doch eh nicht“.

Wir wollen jetzt und hier versuchen, so miteinander zu leben, zu arbeiten und zu entspannen, dass unsere Idee davon, wie die befreite Gesellschaft aussehen könnte, durch unsere Handlungen durchscheint.

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Nährboden für eine neues Experiment

Diese Ideen und Strukturen bilden die Grundlage unserer Existenz als Superfood-Schleudergang. Ohne ein Gelände zu haben, ohne das Netzwerk mit seinen Erfahrungen und seinem Glauben an die Machbarkeit einer anderen Gesellschaft, ohne die Infrastruktur, die die Karla*hof-Gruppe und ihre Vorgänger*innen geschaffen haben, ohne andere Inis auf dem Hof, die Beispiele und Kooperationspartner*innen sind, ohne Inspiration aus Texten und Praxen von anderen nicht-kommerziellen Gruppen, hätten wir wohl nicht mit der Schleudergang angefangen. Wir hätten alle etwas Anderes gemacht (das wäre vermutlich auch interessant geworden) und diese Broschüre würde es ohne all das auch nicht geben. Danke für die Vorarbeit und Begleitung!

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MECANES VETT

Reiswaffeln, Wasser, Zwiebeln(konv.),
Tomatenmark, Öl, Salz, Gemüsebrühe,
Paprikapulver, Senf, Pfeffer

Karla*hof, 13.06.2017

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MECANES VETT

Reiswaffeln, Wasser, Zwiebeln(konv.),
Tomatenmark, Öl, Salz, Gemüsebrühe,
Paprikapulver, Senf, Pfeffer

Karla*hof, 13.06.2017

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Reiswaffeln, Wasser, Zwiebeln(konv.),
Tomatenmark, Öl, Salz, Gemüsebrühe,
Paprikapulver, Senf, Pfeffer

Karla*hof, 13.06.2017

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CHRONOLOGIE
DER Ereignisse:
5 JAHRE SUPERFOOD –
SCHLEUDERGANG

Vor fünf Jahren startete das Experiment Superfood_Schleudergang . Wir haben miteinander Höhen und Tiefen erlebt, gestritten, uns getrennt und erweitert, uns weiterentwickelt, Strategien entworfen und verworfen. Und wir halten es für sinnvoll, Nabelschau zu betreiben und in Ruhe zu betrachten, was da eigentlich los war und was wir und andere auf den Wegen der Tauschlogikfreiheit daraus lernen können.

Es war einmal ein schöner Tag
im Sommer

Wir (Hugo, Viktor, Anja)* hatten den Sommer über zusammen rumgehangen und uns gut verstanden. Im Herbst haben wir aus Lust auf gemeinsame Aktionen, und weil so viel an den Bäumen hing, angefangen, Sachen einzukochen (Holunder und Co).

Hugo, der alte Hase, hatte Viktor von den Erfahrungen aus der Kartoffelkampagne erzählt. Viktor war gerade auf den Karla*hof gezogen und hat sich gefragt, warum denn die teuren Aufstriche gekauft werden, und so wurden die ersten Aufstriche selbst gemacht. Da kam die Idee auf, für den Hof mehr Aufstriche zu produzieren. Ende des Winters kam Roberta dazu, und mit ihr kam auch Expertise über Lebensmittelverarbeitung und Haltbarmachen. Und damit auch Ambitionen. Damals wussten wir noch überhaupt nicht, wo die Reise hingehen würde. Unsere Motivationen waren unterschiedlich (Sparsamkeit, „Mit-Essen-Manschen“, Lebensmittel retten, Wissen teilen, ...), unsere Voraussetzungen und Produktwünsche auch. Einigen konnten wir uns darauf vegan und tauschlogikfrei zu produzieren, unseren Bedürfnissen entsprechend zu arbeiten und die Produktion an reale Bedarfe unseres Umfelds anzupassen – von Anfang an auch über den Karla*hof hinaus gedacht.

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Erste Schritte der Ini

Was uns in dieser Anfangszeit geholfen hat, war, dass wir uns gegenseitig mochten und gerne Zeit miteinander verbrachten. Im Laufe des Jahres 2017 kam dann noch Kim dazu, und wir gründeten im

Sommer 2017 „offiziell“ die Superfood_Schleudergang als Ini auf dem Karla*hof .

Nach unseren ersten Versuchen wuchs der Wunsch, das Ganze auf stabilere Beine zu stellen. Damals nutzten wir noch die Gutshausküche , was mit der Vorbereitung des Mittagessens für alle am Hof kollidierte. Wir pürierten im Standmixer und füllten die Pasten mit Löffeln in Gläser ab, die wir dann im Einweckautomaten pasteurisierten , wodurch sie ein paar Wochen oder weniger haltbar wurden.

Zugegeben, am Anfang waren wir experimentierfreudiger, was unsere Kreationen anging und ernteten harsche Kritik. Aber auch viel wohlwollendes und euphorisches Feedback. Das motivierte uns, größer zu denken, denn auch die Anzahl der Aufstriche, die nach „außen“ gingen, stieg. Und damit der Wunsch ein tauschlogikfreies Netzwerk zu starten. Unser Zusammenspiel als Gruppe lief gut. Wir lernten uns besser kennen, wurden routinierter – unser schöner sozialer Rahmen war der Kitt unserer Gruppe. Unsere Produkte wurden mit Sauerkraut, Chilisoßen und Marmeladen diverser. Wir kamen über öffentlich beworbene Einkochwochen mit spannenden Leuten in Kontakt, stießen auch politische Gespräche über Sinn und Unsinn unserer Praxis an, waren hoch motiviert den Kapitalismus zu Fall zu bringen und fragten uns nur noch, wann uns die Leute die Türe einrennen würden, um gemeinsam neue Formen des Wirtschaftens zu erproben.

Massen für die Massen

Es war klar, wir wollten wachsen um relevanter zu werden. Das heißt, eine neue Küche und neue Maschinen mussten her, um die antizipierten Massen versorgen zu können.

Viel Arbeit stand uns 2018 bevor: Geld ranschaffen für die neue Küche, der Ausbau der Küche selbst, Beziehungen zu anderen Gruppen und Kollektiven knüpfen, die ersten Pamphlete verfassen und besser mit "dem Außen" kommunizieren. Wie ihr ahnen könnt ist das ganz schön viel gewollt...

Der erste Flyer sollte erst Ende 2019 erscheinen. Unsere Einmachküche konnten wir sogar erst im Sommer 2020 einweihen (vielen Dank an all die helfenden Hände!). Aber sehr vieles hat auch gut geklappt. Die Produktion konnten wir stetig steigern, sodass wir irgendwann drei Lager mit unseren Gläsern bestücken konnten. Erstmals konnten wir größere Mengen an befreundete Gruppen und sogar Politcamps abgeben. Die Fragen dazu, wer eigentlich unsere Produkte bekommen sollte, mit wem wir verbündet sein wollten, woher die Zutaten und das Geld kommen sollte, etc. wurden immer größer und drängender.

Kuschelintensive

Gleichzeitig intensivierten sich auch unsere persönlichen Prozesse miteinander. Wir wollten personell bewusst nicht weiter wachsen, um diesen kuscheligen Rahmen nicht zu verlieren.

Und trotzdem gab es Konflikte, Reflexionen, Lebensumstände, die sich veränderten, Sinnfragen, Reibungen und offene Konflikte. Im Zuge dieser Selbstfindung verließen uns erst Roberta, dann Kim im Konflikt mit Viktor halb und irgendwann ganz (ohne Konflikt). Trauer, Angst, Wut und Enttäuschung waren neue Ebenen in unserer Gruppe. Manches konnten wir auffangen, anderes nicht. Doch wir kamen nicht drumherum, uns nun mit der Frage zu beschäftigen, warum das eigentlich so war, was unser Rahmen nicht bieten konnte, was wir hätten anders machen können. (Hätten wir etwas anders machen wollen?) Die Frage der Bezogenheit wurde wichtiger. Wer wollten wir füreinander sein? Damit kam auch die Frage der gemeinsamen persönlichen Finanzierung in den Mittelpunkt, Ideen eines Notfallfonds, von gemeinsamer Ökonomie und wie wir auch die persönlichen Reproduktionsbedarfe der Produzierenden nach außen kommunizieren könnten, ohne einen Tausch oder Lohnarbeit zu suggerieren. Hätten wir all diese persönlichen Themen ausgeklammert, wären wir wahrscheinlich schon längst gescheitert.

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Professionalisierung

Trotz und neben allen internen Überwerfungen und Neufindungen lief die Produktion weiter und verstetigte sich. Die interne Arbeitsteilung führte zu Spezialisierung in unserem gesamten Tätigsein. Immer professioneller und routinierter schafften wir uns weiteres arbeitserleichterndes Equipment an. Dabei analysierten wir, wo gerade das "Nadelöhr" der Produktion zu sein schien, um Stück für Stück die Mengen durch neue Technik nach oben schrauben zu können.

Diese Mengen an Aufstrich und Eingemachtem wurde schließlich so groß, dass wir nicht mehr von "Überschüssen" ausgehend produzieren konnten. Schon früh begannen einige von uns die Garten-Ini , die anfangs selbst noch in der Findungsphase war, zu unterstützen. Diese baute extra für uns Kräuter, Zwiebeln, Chili und Kohl an. Auch diese Kooperation wuchs. Inzwischen helfen wir nicht mehr im Garten, werden dafür aber bis heute reichhaltig mit für uns angebautem Gemüse und den vielen Überschüssen versorgt, die die Gärtner*innen jährlich produzieren. Sie sind eine Basis unserer Produktion, wofür wir ihnen sehr dankbar sind.

Die andere Basis sind öl- oder proteinhaltige Ackerfrüchte, wie Sonnenblumenkerne, Lupine oder Erbsen. Nachdem wir jahrelang von einer erfolgreichen Lupinenernte profitieren konnten, die wir damals noch "nebenbei" in Zusammenarbeit

mit den Ackerbäuer*innen vom Karla*hof durchführten, waren weitere Anbauexperimente für uns durch die Ackerbauinteressierten am Karla*hof leider von weniger Erfolg gekrönt. Nicht zuletzt die heißen Sommer und trockenen Frühlinge der letzten Jahre haben dafür gesorgt, dass wir auf Unterstützung "von außen" angewiesen waren.

Unterstützung in der Krise

Als sich unsere Vorräte zum Ende neigten, verfassten wir eine E-Mail an Ackerbäuer*innen, die mit uns sympathisierten und waren beglückt von der Reaktion. Säckeweise wurden uns von solidarischen Menschen aus dem Wendland , SoLa-Wi-Netzwerk und aus dem Karla*hofumfeld Gemüse, Erbsen, Apfelessig und Lupinen angeboten. Zum ersten Mal hatten wir das Gefühl, dass unser Netzwerk wirklich funktioniert, wenn wir es brauchen. Es war aber auch das erste Mal, dass wir uns wirklich getraut hatten, nach etwas zu fragen. Von da an nahmen wir uns vor, die Welt mit unseren Bedarfen zu konfrontieren. Das war ein wichtiger Schritt uns selbst ernster zu nehmen.

Was seltsamerweise ohne viel Kommunikation immer sehr gut geklappt hat, war, dass saubere leere Schraubgläser zu uns gespült wurden, manchmal sogar per Post, aber meist für uns anonym oder Bewohner*innen des Karla*hofs mitgegeben, in unserer Küche auf uns wartend.

Auf der Suche nach dem Netzwerk

In den letzten fünf Jahren gab es viele Versuche, ein Netzwerk um uns herum entstehen zu lassen. Anfangs waren wir eher passiv, luden Leute ein und hofften, dass sich allein über die Aufstriche, die nach außen gingen, und die Menschen, die zu unseren Einkochwochen kamen, Selbstorganisierungsdynamiken entfalten würden. Die Einkochwochen wurden zum festen Bestandteil unserer Jahresplanung. Einige der heutigen Aktiven auf dem Karla*hof fanden den Weg hierher über diese Veranstaltungen. Viel positives Feedback gab es für den von uns geschaffenen und einladenden pro-feministischen Rahmen, der Menschen befähigt hat, sich auszuprobieren, eigene Bedürfnisse wichtig zu nehmen, ohne Chef*in zusammenzuarbeiten, inspiriert zu werden und die Grenze zwischen Spaß und "Arbeit" zerfließen zu lassen. Wir hatten auch inhaltlichen Austausch, der uns motiviert hat und in dem wir unsere Gäste besser kennenlernen konnten. An dem Konzept halten wir weiter fest, aber uns ist inzwischen auch klar, dass es nicht der Ort ist, wo wir Netzwerke starten werden.

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Das ominöse „Außen“

Da das also nicht wie gedacht geklappt hatte, versuchten wir dann aktiv uns bekannte Kollektive anzusprechen. Nach anfänglichem Interesse ebte die Kommunikation meist ab, auch weil wir nicht genug Kapazitäten hatten, hartnäckiger am Ball zu bleiben. Andere Verbindungen verstetigten sich (zeitweise), aber noch lange nicht so, wie wir uns das gewünscht hatten. Zugegeben, wir waren nicht konsequent darin, "nach außen" zu kommunizieren. Erste Versuche waren die Aufstrich-Etiketten, auf denen unsere aktuellen Bedarfe genannt wurden. Und die wir teilweise wirklich so decken konnten. Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die so einen Beitrag geleistet haben! Unsere Bedarfe über Flyer zu vermitteln war hingegen nicht besonders erfolgreich. Wir haben es aber auch nie geschafft, konsequent Flyer weiterzugeben, was ein Grund dafür sein kann. Aus Theorieworkshops und einzelnen Aufstrichsendungen an politische Events kamen manch unerwartete interessante Kontakte zustande, die wir aber nicht verstetigen konnten. Eigentlich wollten wir, dass sich Leute mit ihren konkreten Wünschen bei uns melden. Aber das war vielleicht überfordernd, genau wissen wir es nicht. Zwar wurden unsere Gläser trotz schlechter Öffentlichkeitsarbeit immer bekannter und immer mehr konsumiert, aber das hat nicht zu mehr Bedarfsmeldungen geführt. Wir hatten jedenfalls weiter das Bedürfnis, zu

produzieren. Und zu schauen, wo unsere Produkte eigentlich hindiffundieren. Das hat so semi geklappt. Zwar haben wir jetzt eine Exceltabelle mit vielen Zahlen, aber die Orte, an die die Aufstriche wandern, scheinen sehr divers zu sein und unterliegen zeitlichen Schwankungen. Eine wirkliche Auswertung haben wir sein lassen, dafür war es uns nicht wichtig genug, denn unsere Erfahrung war: wenn wir mehr produzieren, kommt auch mehr weg (2/3 bis 4/5 der Produkte wird außerhalb des Karla*hofs konsumiert). Und wirklich jeder Aufstrich hat Fans und Kritiker*innen.

Blüten der Reflexion

Der oben genannte Hilferuf für Aufstrichzutaten kam zur rechten Zeit. Überwältigt von dieser positiven Erfahrung schöpften wir neue Kraft, um die Fühler weiter auszustrecken und das Netzwerk solidarischer Gegenseitigkeit lebendig lassen zu werden – dann kam Corona, und die vielen Pläne lagen erst einmal auf Eis.

Die verordnete Zwangspause nutzten wir 2020 für eine interne Reflexion. Wir begannen unser politisches Umfeld und Menschen aus früheren nk -Geschichten mit unseren für uns "neuen" Ideen und Utopien zu konfrontieren. Leute aus der Lernwerkstatt , einer nicht-kommerziell agierenden Theoriegruppe aus unserem Umfeld, zeigten Interesse. Daraus entspann sich für uns eine Begleitung durch Interviews, sowohl mit der damaligen dreiköpfigen "Kerngruppe", als auch mit Leuten,

die wir zu unseren Einkochewochen einluden. Dabei kam unter Anderem heraus, dass wir viel zu wenig und intransparent kommunizierten, was wir eigentlich von unserem Umfeld wollen und auch, dass wir nicht besonders anschlussfähig waren. Motiviert durch die Reflexion, begannen wir schweren Herzens unser Gruppenkonzept erst zu überdenken, dann neu zu gestalten. Da die enge soziale Verbindung und Verbundlichkeit der Kerngruppe unser bisheriges Lebenselixier war, fiel dieser Schritt uns besonders schwer und war entsprechend mit Ängsten um die Zukunft der Schleudergang besetzt. Schließlich landeten wir bei dem von uns sogenannten "Blütenmodell", bei dem die alte Gruppe ein Blatt unter Anderen ist. So können wir Menschen einfacher an bestimmten Tätigkeiten innerhalb von AGs teilhaben lassen. Und gleichzeitig entlastet es die bisherige Kerngruppe, weil Verantwortung auf mehrere Schultern aufgeteilt werden kann. Unser Vorschlag stieß auf Resonanz, und schnell fanden sich mehrere Personen, die Interesse bekundeten, sich in Teilbereichen mit uns zu organisieren, und unser Netzwerk solidarischer Gegenseitigkeit zu propagieren. Auch die Produktions-AG bekam nun formell dauerhaft Verstärkung und wuchs auf vier Personen an, von denen eine allerdings schon seit einem Jahr erfreulicherweise bei unseren "Aufstrichdienstagen" dabei war.

Und heute?

Nach einem knappen Jahr Blüten-AG-Modell, Veränderung persönlicher Lebensentwürfe und noch mehr Corona, flaut die Anfangseuphorie etwas ab, und einige mussten traurigerweise die Schleudergang wieder verlassen – diesmal jedoch nicht im Konflikt.

Ironischerweise gibt es genau jetzt neue Gruppen um uns herum, die Interesse an einer stetigeren tauschlogikfreien Vernetzung haben, so viele wie noch nie (liebe Grüße :-)). Und wir beginnen eine Spendenkampagne, um endlich die finanzielle Grundlage unseres Experimentes längerfristig zu klären.

Abseits von den Einkochwochen konfrontieren wir die Welt ziemlich wenig mit unseren Ideen und Utopien und unserer Kritik am Kapitalismus. Seit zwei Jahren bemühen wir uns verstärkt um Kommunikation nach außen und im Produzieren von Texten wie dieser Broschüre oder auch in Zeitungsartikeln.

Wir konnten mehrere Workshops halten und auch in der Region auf zwei Veranstaltungen Tauschlogikfreiheit propagieren (ohne nachhaltigen Erfolg natürlich!). Und wir haben begonnen, über unseren Newsletter Kontakte zu euch zu pflegen.

Unser Langzeitprojekt Homepage soll uns weiter dabei helfen. Unter www.karlahof.de werden wir langsam aber stetig weitere Texte zu Tauschlogikfreiheit und unseren Ideen veröffentlichen. Schaut gerne rein und begleitet uns auch die nächsten 5 Jahre wohlwollend und kritisch :-)

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der nichtkommerzielle
CHARFER
CUL

OL., ZWIEBELN, ZITRONensaFT, CURRY, SALZ, GEWORZTE,
CHILIPULVER
KARLA*HOF, 08.05.2018

KARLA*HOF, 08.05.2018

DIE LERNWERKSTATT
IN WUKANIA

Als die Lernwerkstatt im Rahmen der Projektoffensive des Projekthofes Wukania 2009 startete, hatte sie eine Vision, die Vision nichtkommerzieller Bildung. Darunter sollte nicht nur verstanden werden, dass für die Teilnahme an Seminaren kein Geld verlangt wird und alle sich an der Organisation und Durchführung unserer Seminare beteiligen, sondern auch, dass es keine Anhäufung von Bildungskapital mittels Abschlüssen, Zertifikaten und Autorenschaften geben sollte. Für uns stand die Idee im Mittelpunkt, miteinander voneinander zu lernen. Wir wollten gewohnte Denk- und Handlungsweisen durchbrechen, in der Art wie wir miteinander lernen und mit was für Themen wir uns beschäftigen, um „frei, utopisch und widerständig“ zu sein, wie es in einem unserer ersten Flyer heißt.

Wir haben einige Seminare durchgeführt, und haben dabei gelernt, dass die Rollen von Seminarleitenden und Teilnehmenden wichtig sind, auch wenn diese Rollen aufgebrochen und die Teilnehmenden zu mehr Mitarbeit bewegt werden sollten. Unser Wunsch war, dass auch sie einen inhaltlichen Beitrag leisteten. Bei den Swing- und Tangotreffen funktionierte das ganz wunderbar. Bei anderen Seminaren vielleicht weniger. Der Grundgedanke war, dass auch die Leitenden eines Seminars von den Teilnehmenden lernen können, bereichernd. Die Seminare erheben keine Teilnahmegebühren, Spenden an Wukania

sind aber möglich.

Was uns in letzter Zeit aber viel Spaß gemacht hat, war, andere Projekte bei ihren Reflexionen zu begleiten und diese zu moderieren.

Ein Beispiel ist Wukania, wo wir uns auf dem 10-Jahre-Jubiläum am Reflexionswochenende beteiligt haben. So fanden wir auch die Anfrage der SFSG anregend, unsere Praxis und Ziele als nicht-kommerzielle Projekte gegenseitig in Interviews zu betrachten.

Unsere Lernwerkstatt-Kerngruppe hatte in den letzten Jahren die verschiedenen Seminare ausgewertet, über Geld, Seminare und den Beteiligungen hieran reflektiert, und wir haben uns auch inhaltlich weiter gebildet, zum Beispiel zur Kapitalismuskritik und Formen alternativer Lebensweisen. Die Gruppe ist in der letzten Zeit deutlich geschrumpft, unser persönliches Interesse aneinander ist weiter erfreulich, an Überlegungen zur nächsten Praxis arbeiten wir gerade. Die Frage der Finanzierung ist für uns nicht bedeutsam, weil alle andere Einkünfte haben, gleichzeitig aber auch viele andere Tätigkeiten und Vorhaben. Auch mit Corona findet jetzt wieder ein kleines Swing-treffen statt und wahrscheinlich auch ein Tango-Treffen. Darüber hinaus haben wir viele Ideen und hoffen auf reges Interesse.

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WENN DER
SUPERMARKT
NICHT MEHR
FUNKTIONIERT,
VERHUNGERN
DIE LINKEN

Trotz der gelegentlichen Küfa , vereinzelter So-LaWis ( Solidarische Landwirtschaft , auch CSA: Community Supported Agriculture) oder der ein oder anderen subsistenten Kommune – im Großen und Ganzen gilt für die deutsche Linke dass sie kaum ferner entfernt sein könnte, von krisenfester Ernährungssouveränität und Versorgungs-Autonomie.

Beim Erfüllen der täglichen kulinarischen Bedürfnisse verlassen wir uns im Allgemeinen vollständig auf die kommerzielle, kapitalistische Agrar- und die angeschlossene Lebensmittel-Industrie. Das kommt nicht von ungefähr. Diese Industrien sind hocheffizient, beschaffen eine große Bandbreite an Lebensmitteln und stellen sie uns gegen vergleichsweise wenig Geld zur Verfügung. Zumindest für die passdeutschen Linken ist für jeden

Geldbeutel was dabei. Die Zeiten, in denen sich Linke das tägliche Brot nicht leisten konnten, sind hier längst vorbei, und auch der Rest der Gesellschaft, also die Mehrheit, hat keine existentiellen Probleme mit der Grundversorgung. Und die Versorgung durch eine große, globale Industrie (vielleicht sogar teils beschränkt, also verbessert? – durch die Auflagen der Bio-Maßstäbe und Siegel) funktioniert ja auch einfach immer weiter. Hunger: ab in den Supermarkt! Regale sind voll, Süßigkeiten können wir uns auch noch leisten. Läuft also alles, oder?

Diverse Öko-Bewegungen zwischen Bioläden, kritischem Konsum, Unverpacktladen und „ Wir haben's satt! “ stellen schon seit Jahrzehnten immer wieder fest dass es eigentlich nicht läuft, weil die kommerzielle, intensive Flächennutzung, die unseren aktuellen Lebensstil ermöglicht, langfristig die Grundlagen unserer Ernährung untergräbt, aber naja, das is eben ein ökologisches Argument. Nicht für alle der wichtige Fokus in Zeiten von Neoliberalisierung , Rechtsruck und steigenden Mieten. Und überhaupt Konsumkritik, da schwingt in den Ohren der linksradikalen, marxistisch geschulten Stadt-Aktivist*innen schnell auch der Unterton der stark verkürzten Kapitalismuskritik mit (vermutlich zurecht, denn wie soll das denn auch funktionieren – so lange besser einkaufen bis der Kapitalismus gut wird? ..hm, eher nicht). Es scheint eine deutliche Trennung der Interessens- und Aktionsbereiche zu geben. Viele Umweltak-

tivist*innen kämpfen für eine bessere Landwirtschaft, ökologischere und umweltverträglichere Nahrungsmittelproduktion und nachhaltige Grundversorgung, befreien Legehennen, machen Veganismus zum Trend, setzen sich für die Energiewende ein und verfeinern den Standard des guten Konsums immer weiter (regional, bio, saisonal, unverpackt, von freundlichen Bäuer*innen angebaut) aber haben dabei häufig nicht das große Ganze im Blick – ganz davon abgesehen, dass sich diesen moralisch erhabenen Konsum eh nicht viele Leute leisten können.

Und die linksradikalen Allround-Aktivist*innen der Städte haben eine grundlegende und in vielen Workshops und Lesekreisen geschulte Kritik am Kapitalismus sowie Theorien zu Gesellschaftsstrukturen nach dem Umbruch/der Revolution/der Transformation, stellen sich aktiv den reaktionären und faschistischen Bewegungen entgegen und sind erfahren darin, alternative Strukturen aufzubauen und zu erhalten in allen möglichen Bereichen von Wohnraum, über Werkstätten bis hin zur Clubkultur.

Und klar, sie sind auch gegen den Klimawandel und auch mal am Start bei Ende Gelände . Nur das mit dem Essen, naja das regelt eben der Supermarkt.

Jetzt könnte dieser Text damit zu Ende sein. Arbeitsteilung, mensch kann eben nicht alles können, kennen, denken, machen, die Einen machen eben lieber oder besser dies und die Anderen das.

Aber eben nur solange der Supermarkt noch so gut funktioniert wie die Verdrängung der wahrscheinlichen Konsequenzen aus diesem unseren Lebensstil. Sobald der Supermarkt das nicht mehr tut (und dass auch die Grundversorgung immer wieder auf der Kippe stehen kann, sehen wir von Griechenland 2009 bis Venezuela 2021 immer mal wieder) sieht es schlecht für uns aus. Wenn durch eine neue Krise des Kapitalismus irgendein Faktor sich so verschiebt, dass die globalen Lieferketten uns nicht mehr ständig günstiges Essen in ausreichender Menge vor die Füße spülen, dann haben wir kein Essen mehr. Denn mit unseren prekären Löhnen und unserem, entgegen aller Medienberichte, eher kleinen Gewaltpotential, werden wir wohl nicht zuerst an der Reihe sein, wenn es um die Verteilung der letzten verbliebenen lokal produzierten Güter geht. Naja, aber wir, also die Ökos/die Linken/die Anarchist*innen/die Kommunist*innen/die Alternativen/die Aktivist*innen , wir wollen ja eigentlich nicht mehr lange in dieser Gesellschaft leben.

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Den Supermarkt also aufgeben?
Muss das sein?

Wir wollen eine Andere. Und diese neue Gesellschaft die soll nicht nur eine ausgedachte sein und keine, in der wir Mangel leiden, und keine, in

der wir immer nur Kartoffeln essen (weil das das Einzige ist, was wir ohne viele Hilfsmittel und Wissen hinkriegen).

Wir wollen eine neue Gesellschaft mit dem Potential und dem Anspruch ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Und wir wollen ohne Zwang leben, ohne beherrscht zu werden und ohne zu unterdrücken und auszubeuten. Und wir haben in den letzten hundert Jahren in den linken, kommunistischen, anarchistischen, widerständigen Bewegungen unseren Blick geschärft für die diversen Probleme die Patriarchat , Kapitalismus und Rassismus über die Welt bringen und haben sehr, sehr viele Ideen entwickelt, wie die Dinge in der neuen Gesellschaft geregelt werden könnten. Wir haben Kollektive gegründet, Häuser besetzt und gekauft, Läden verwaltet, Soziale Zentren betrieben, Kinderläden ausprobiert, Umsonstläden etabliert, Kneipen und Festivals zerfeiert und noch einiges mehr.

Wir haben Räume geschaffen, in denen wir praktische Schlüsse aus unseren Theorien zu Arbeit, Hierarchie, Beziehungen, Geschlechterverhältnis und Rassifizierung ziehen, und erproben, wie Alternativen dazu ganz praktisch und im Alltag funktionieren. Aber eins haben wir als Linksradi-kale, Kommunist*innen, Anarchist*innen sehr wenig gemacht – nicht-warenförmige Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion.

Zeit das zu ändern! Denn die Versuche in den anderen Bereichen sind wichtig und richtig. Es ist wichtig auch jetzt schon zu experimentieren, mit

anderen Formen der Vergesellschaftung, Versorgung, Organisation, und eine Praxis zu entwickeln, an der wir unsere Theorien überprüfen können und anhand derer wir sichtbar machen, dass die Geschichte nicht zu Ende, der Kapitalismus nicht das Schicksal der Welt und eine gute Gesellschaft kein Hirngespinnst, sondern eine reale Möglichkeit ist.

Damit dieser Beweis gelingt, müssen wir aber für alle Bereiche, die eine Gesellschaft zur Grundlage hat, alternative Konzepte entwickeln und erproben. Um der ständigen Entfremdung im Kapitalismus zu begegnen, brauchen wir alternative Strukturen, die die Trennung zwischen produktiver und reproduktiver Arbeit, zwischen schaffen und kümmern, zwischen Kopfarbeit und Handarbeit, zwischen wertgeschätzter und unsichtbarer Arbeit auflösen. Wir brauchen Strukturen, die alle zum Erhalt einer Gesellschaft nötigen Arbeitsbereiche miteinander verweben und miteinander integrieren, anstatt sie abzuspalten, outzusourcen und wegzuschieben, nach irgendwo anders. Den Bereich Landwirtschaft und Lebensmittel-Produktion den umweltbewegten, vor allem am ökologischen Aspekt Interessierten zu überlassen, ist dabei nicht genug. Denn gerade in der Sphäre der Produktion brauchen wir Modelle, die den Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise sprengen. Wir brauchen Betriebe deren Produktionsmittel ihr kollektives Eigentum sind. Wir brauchen Land, das unser kollektives Eigentum ist.

Wir brauchen auch in der Landwirtschaft (in der es bekanntlich auch körperliche Arbeit und große Maschinen gibt) emanzipatorische Erfahrungen, die die patriarchale Arbeitsteilung überwinden. Wir brauchen mehr geteiltes Wissen über die globalen Auswirkungen unserer Ernährung und eine neue Gewohnheit des Essens, die nicht auf der kolonialen Unterdrückung von Genoss*innen, Gefährt*innen, Menschen in anderen Erdteilen beruht (und ja, zapatistischer Kaffee ist ein super Anfang aber eben noch nicht genug). Genau so wie wir in der Selbstverwaltung von Kneipen, Hausprojekten, sozialen Zentren, Werkstätten, Infrastrukturen gemeinsam lernen und proben, Keimzellen bilden für den Umbruch, genau so brauchen wir mehr linksradikale, kommunistische, anarchistische Land-Kollektive, urbane Anbauprojekte, Werkstätten für Nahrungsmittelproduktion, Brauereien, Mostereien etc. in denen kollektives Wissen über das 'Wie' der Grundversorgung entsteht und stetig wächst.

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Der feine Unterschied

Jetzt könnte eingewandt werden, das gibt es doch alles schon. Bio-Bauernhöfe, Netzwerk der Solidarischen Landwirtschaft, Food-Coops , Urban Gardening Bewegung – alles schon da. Stimmt soweit und doch fehlt all diesen (häufig sehr ambitionier-

ten und für andere Aspekte super interessanten) alternativen Projekten etwas ganz Entscheidendes: die in Praxis gegossene Opposition zu den bestehenden Verhältnissen.

Wenn sich zunehmend mehr alternative Projekte etablieren, sich immer wieder Gruppen für Solidarische Landwirtschaft gründen, der Bio-Markt boomt und viele Freiflächen in Städten jetzt in öffentlichen Stadtgärten begrünt werden, dann ist das auf jeden Fall eine gute Sache. Eine gute Sache für Natur und Umwelt durch weniger Pestizidbelastung, mehr Pflanzendiversität, mehr Lebensraum für Tiere, mehr gesellschaftliches Bewusstsein für die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Auf jeden Fall besser als der graue alte Konvi-Kapitalismus. Aber für einen Aufbruch in die befreite Gesellschaft fehlt irgendwie trotzdem noch was ...

Bio-Anbau – das Gleiche in grün. Besser für die Umwelt, immer noch gut genug für den Kapitalismus. Gut zu erkennen am großen Ausbau des Bio Angebots in Supermärkten. Häufig auf der Basis von krasser Arbeitsausbeutung von Migrant*innen. Auch der Bio-Bauernhof in der Uckermark mit ökologisch ernährten Mitarbeiter*innen mit Sozialversicherung ist immer noch ein kapitalistischer Betrieb. Er funktioniert profitorientiert. Alles im Betrieb wird nach den ökonomischen Interessen strukturiert. Alle Arbeit fließt in die Herstellung einer Ware, die dann auf dem sogenannten 'freien Markt' in Konkurrenz zu den anderen Waren ge-

bracht und gegen Geld verkauft wird.

SoLaWi – gut, dass sich Verbraucher*innen und Produzent*innen gemeinsam organisieren! Gut, dass Preise jahresweise festgelegt werden und das Risiko ausbleibender Ernten nicht allein auf den Schultern der Gärtner*innen liegt. Schön, dass sie häufig super gut ökologisch anbauen können. Aber nach wie vor ist die Struktur gut mit dem Kapitalismus vereinbar, kann Teil davon sein ohne weiter aufzufallen.

Gärtner*innen verkaufen ihre Arbeitskraft, bauen etwas an, das andere dann kaufen und konsumieren, wenn auch gleich fürs ganze Jahr abgesprochen. Der Wert für die Ware hängt nicht mehr vom Weltmarkt ab, aber es gibt einen Warenwert . Die Konsument*innen erwarten folgerichtig etwas für ihr Geld und die Arbeit ist weiterhin über den Lohn vermittelt. Das führt auch dazu, dass die Arbeitsstrukturen häufig kapitalistisch organisiert sind. Die Gärtner*innen sind dem Druck ausgesetzt, die Versorgung für alle sicherzustellen, denn immerhin bekommen sie ja von den Mitgliedern Geld dafür. Die Mitglieder wiederum sind häufig viel weniger in die Produktions- und Organisationsprozesse involviert als nötig wäre. Gleichzeitig haben sie das Gefühl, auch etwas erwarten zu können, das Recht auf eine Gegenleistung zu haben, denn sie haben schließlich Geld bezahlt. Zudem stehen auch Solidarische Landwirtschaften weiter in Konkurrenz zu einander. Wo es mehrere CSA's in einer Stadt gibt, werden diejenigen attraktiver,

die am meisten Produkte zum kleinsten Preis und zur kleinsten Mitarbeit bieten können, also kompatibler sind mit der städtischen, kapitalistischen Lebensweise. Die festen Rollen 'Produzentin' und 'Konsumentin' werden hier meist nur oberflächlich angekratzt, aber mit den wenigen Mitarbeitstagen im Jahr noch lange nicht ins Wanken gebracht. Auch ein wirklich gemeinsamer Prozess unter Beteiligung der Mehrheit der Mitglieder über das Wie und Warum der Organisation und Veränderung der Verhältnisse findet in den seltensten Fällen statt. Viel häufiger gibt es eine sehr kleine Gruppe rund um die Gärtner*innen, die in den Betrieb stark involviert sind, und eine große Menge an Mitgliedern, die sich nur wenig beteiligen. Diese Trennung führt zu einer so starken Professionalisierung, dass es innerhalb der SoLaWi insbesondere für die Gärtner*innen wenig Spielraum gibt für Rotation , Auszeiten, einfach mal Pause machen. Denn wer soll die schon ersetzen können?

Urban Gardening – super, dass sie Flächen in der Stadt nutzen. Die krasse Teilung von Stadt als Ort an dem konsumiert wird, und Land als Ort an dem produziert wird, ist problematisch. Schön auch, dass durch die Eingebundenheit in die Viertel mehr Menschen wieder Zugang zu Wissen und Erfahrung im Anbau von Gemüse und Kräutern bekommen. Leider sind die Projekte überhaupt nicht in der Lage irgendwen zu versorgen. Durch die Struktur mit Einzelbeeten, auf denen dann

super oft die gleichen 6 Gemüsesorten angebaut werden, sind sie nicht kollektiv, sondern eher ganz schön vereinzelt. Durch die kleine Größe haben sie aktuell eher das Potential zum grünen Hobby für von der Lohnarbeit gestresste Städter*innen, als zur ernstzunehmenden urbanen Versorgungsstruktur mit frischem Gemüse.

Insgesamt scheinen die praktischen Versuche, die es bisher gibt, häufig vor allem die passende Nische im Kapitalismus zu suchen. Wo der kalte Wind der Konkurrenz nicht ganz so stark bläst. Wo es einbisschen kuscheliger und freundlicher ist. Wo mal kurz durchgeschnauft werden kann, Kraft geschöpft werden kann, um dann wieder mit neuer Energie in den Job zu starten. Die Versuche sind wertvoll, sie schaffen neue Erfahrungen, sie wecken Sehnsüchte, sie verbinden Menschen miteinander. Aber anstatt zu versuchen eine Variante des Kapitalismus zu erschaffen, bei dem endlich alle mitspielen können, sollten wir nach einer Welt suchen, die nicht mehr nach den Kategorien Ware, Wert, Profit geordnet ist.

Und wir müssen Formen schaffen, die sich jetzt umsetzen lassen und trotzdem resilient sind gegen die Vereinnahmung durch den Kapitalismus. Durch die dem System immanenten Krisen ist das kapitalistische System stets wieder unter Druck sich zu verändern und anzupassen. In der Vergangenheit ist unter Anderem dadurch passiert, dass kapitalistische „Lösungen“ für Probleme gefunden wurden, die zu einer antikapitalistischen Bewe-

gung geführt hatten. Beispielsweise ist die Krise der Ökologie ja eine Folge der kapitalistischen Produktionsweise und es gab Forderungen nach einer ökologischeren Produktionsweise. Zu Ende gedacht kann das ja auch heißen, eine Produktionsweise die sich am Weltwohl und nicht am Nettogewinn orientiert. Aber statt so einer neuen Produktionsweise gibt es jetzt zum Beispiel CO 2 Zertifikate, Emissionshandel, Ökotourismus, Bio-Industrie, greenwashing für Firmen und so weiter.

Viele der aktuellen alternativen Versuche finden in der ‚Freizeit‘ statt, also in der wenigen Zeit die übrig bleibt neben dem ständigen Lohnarbeiten für den Lebensunterhalt. Diese Versuche sind häufig so gestaltet, dass es möglich ist, mal eben nebenbei mitzumachen, nur für eine kürzere Zeit dabei zu sein, wenn es sein muss, auch kurzfristig wieder auszusteigen. Denn all diese Projekte sind auf die Teilnahme von Menschen angewiesen, die im Kapitalismus leben. Das ist verständlich und gleichzeitig reproduziert dieses ‚convenience-Modell‘ auch die Möglichkeit eines neoliberalen Arbeitsstils, in dem alle Individuen ihre Leben dem Lohnarbeitsalltag anpassen, schön flexibel sind und jederzeit bereit sind, die Zelte abzubauen, um der Arbeit zu folgen. Wenn unsere Projekte sich an diesem Lebensstil orientieren, können wir keinen großen Erfolg erwarten. Eine andere Welt lässt sich nach den bisherigen Erfahrungen nicht im Feierabend, in den Semesterferien oder als

Kurzzeitprojekt zwischen Praktikum und Auslandsjahr erschaffen. Um wirklich Keimzellen für eine grundlegend andere Gesellschaft zu bilden müssen diese alternativen Versuche unvereinbar mit der kapitalistischen Produktionsweise und sehr langfristig angelegt sein.

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Oke, aber kannst du einen konstruktiven Vorschlag machen?

So wie wir die Mietenproblematik, den Rechtsruck und den Klimawandel ernst nehmen, sollten wir auch das Thema Ernährungssouveränität ernst nehmen. Es sollte in der Hand der Verbraucher*innen und der direkten Produzent*innen liegen, was und wie produziert wird, und wie die Dinge vom Feld auf den Teller kommen. Und speziell in Zeiten von immer häufiger auftretenden Krisen des Kapitalismus kann es ja auch nicht schaden, autonom versorgt zu sein. Um diesem Thema zu entsprechen, müssen wir mehr praktische Erfahrungen machen, Produktion ausprobieren und die bereits vorhandenen Flächen und Ressourcen nutzen, sowie neue erschließen um damit in die Gänge zu kommen.

Das Gute ist, dass nicht alles neu erfunden werden muss, ein paar Versuche antikapitalistischer Produktion gibt es schon. Die Projekte von Longo Mai erproben bereits seit einigen Jahrzehnten die

Zirkulation unkapitalistischer Produkte untereinander. Einfach gesagt: sie produzieren in ihren Kommunen für den Eigenbedarf und für den Bedarf der Geschwisterkommunen und teilen ihre Produkte miteinander. Von Projekten wie diesen können wir viel lernen. Antworten auf Fragen zum Arbeitsablauf, also wie lege ich einen Gemüsegarten an, der meine Gruppe/eine größere Gruppe versorgen kann? Wie repariere ich einen Traktor? Wie pflanze ich Feldfrüchte an? Gibt es bereits. Denn was die praktischen, fachlichen Teile der Arbeit angeht, können wir auch problemlos auf die Erfahrungen und das Wissen zurück greifen, dass alternative, ökologische Projekte ohne antikapitalistischen Anspruch gesammelt haben.

Es gilt vor allem, damit anzufangen eine Praxis zu entwickeln, die möglichst viele kapitalistische Attribute abstreift, die ihre Organisation nicht mehr an der Ökonomie ausrichtet. Nicht zum Ziel hat Waren zu produzieren die getauscht werden, nicht in Konkurrenz, sondern in Kooperation mit anderen Produzierenden verbunden ist. Diese Praxis muss nicht als riesen Betrieb starten, sie kann klein beginnen und dann Stück für Stück wachsen. Wenn ihr auf der Suche nach einer anderen Wohnform seid, dann gründet statt dem 15. oder 50. Hausprojekt mit Ladenfläche in eurer Stadt lieber das erste Zecken-Landprojekt in eurem Landkreis mit nicht-kommerzieller Produktion. Klar sind Hausprojekte mit Ladenflächen super, aber die Provinz hat es nötig, dass auch dort linke, antifaschistische, feministische Projekte ihre Wur-

zeln ausstrecken und auch dort ein anderes Leben denkbar und möglich machen.

Zudem haben Projekte auf dem Land häufig sehr viel mehr räumliche (und durch weniger horrenden Immobilienpreise auch meist finanzielle) Möglichkeiten für Experimente jenseits des bereits Erprobten. Ein Erdbeeracker, ein Weinberg mit Sektkeller, eine Ziegenkäserei, ein Obsthof, eine neue Feldwirtschaft lassen sich auf dem Land sehr viel besser umsetzen. Wenn ihr schon irgendwo Wurzeln geschlagen habt, gründet tauschlogikfreie Aufstrichkollektive, Linsenanbauteams als Support für die Projekte auf dem Land, Limo-Fabriken in Arbeiter*innenkontrolle ohne Verkauf, Backgruppen, Marmeladen-Brigaden, Verteilungs-Komitees ... Worauf ihr Lust habt. Auch in der Stadt ist einiges möglich, gerade das Weiterverarbeiten von Rohstoffen lässt sich dort super machen. Verständlicherweise widmen sich viele Linke gerne der Kopfarbeit und verbringen einen großen Teil ihrer Zeit am Schreibtisch, bei Treffen, in sozialen Auseinandersetzungen um Theorien oder beschäftigen sich mit immaterieller Arbeit. Das ist auch gut, viele wichtige Strukturen, Gedanken, Texte, Diskurse entstehen so, und tragen auf ihre Weise dazu bei, eine andere Gesellschaft denkbar zu machen oder um das angemessene Verhältnis zum Staat oder die künftige Organisation der gesellschaftlichen Mitbestimmung zu diskutieren.

Wenn wir die linke Bewegung aber als Keim einer neuen Gesellschaftsform, einer neuen umfassenden Realität begreifen wollen, dann braucht es

trotzdem eine kleine aber relevante Veränderung. Denn 'Die Produktionsverhältnisse' sind nichts theoretisches und wer morgens Jäger, mittags Koch und abends Angler*in/Philosoph*in/Auto-mechaniker*in sein will, der*die muss dann eben auch all diese Dinge können, und also irgendwo lernen. Und wir können mit dem Lernen nicht warten, bis unsere Kopfarbeit oder unsere Sitzblockaden oder unsere spontane Militanz zu einer Umwälzung/Revolution/Transformation geführt haben. Praktische Dinge lernen braucht Zeit, und eine neue Gesellschaft braucht in all ihren Bereichen Menschen, die die nötigen Dinge auf eine Art und Weise verrichten können, die mit den alten Verhältnissen bricht. Wir sollten jetzt anfangen damit, und alle wenigstens irgendwas gut können, was zur Versorgung der Grundbedürfnisse beiträgt.

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Einige Bausteine antikapitalistischer Produktion oder: 'wie wir unpassend wurden'

Eine der zentralen Fragen in Bezug auf die Entwicklung einer nicht-kapitalistischen Produktionsweise 'im Herzen der Bestie' ist die nach dem Unterschied. Wie können wir so produzieren, dass wir nicht Teil der nächsten Erneuerung des Kapitalismus sind? Welche gelernten Prinzipien müssen wir über Bord werfen? Was braucht sie, die in

Praxis gegossene Opposition, zu den bestehenden Verhältnissen? Wie kann diese Praxis resilient sein gegen die Vereinnahmung durch kapitalistische Logiken und Dynamiken?

Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit, und mit der realistischen Möglichkeit, etwas Zentrales übersehen zu haben, hier einige Bausteine für eine 'unkapitalistische' produktive Praxis, aus den Erfahrungen am Karla*hof und in der Superfood_Schleudergang:

Keine Tauschlogik – wir stellen die Tauschlogik in Frage und üben uns darin möglichst tauschfrei zu interagieren. Also die Verknüpfung zwischen 'ich gebe etwas' und 'ich bekomme etwas' zu lösen. Das gilt sowohl für Arbeitszeit und Energie, als auch für die Produkte. Wir, und Alle die zu uns kommen, arbeiten hier, entweder im Garten, auf dem Feld, in der Werkstatt, in der Küche, im Sozialen, oderoderoder. Die Arbeitszeit oder die Art der Arbeit steht aber nicht im Zusammenhang mit dem was jede Person bekommt. Stattdessen versuchen wir die Bedürfnisse, die alle haben, zu erfüllen, je nachdem wo und wie sie auftauchen. In dem was wir produzieren spielt für uns der Gebrauchswert der Dinge die Hauptrolle, nicht der Tauschwert , weil wir versuchen nicht aufzurechnen.

Neue Beziehungsweise – Im sozialen Miteinander schaffen wir andere Beziehungen, als im Kapitalismus in der Arbeitssphäre üblich. Anstatt mitein-

ander in Konkurrenz zu stehen oder in Hierarchien miteinander organisiert zu sein, üben wir uns darin, Beziehungen auf Augenhöhe zu führen. Bei unserem miteinander Arbeiten und Leben steht die mögliche Solidarität zwischen uns im Mittelpunkt. Zudem haben wir den Anspruch, dass wir in unseren Arbeitsfeldern nicht einen Teil von uns abschalten müssen.

Unsere Probleme, Gedanken, Bedürfnisse sollen auch im Arbeitsfeld Platz haben.

Bedürfnisorientiertes Produzieren – Was wir produzieren, und wie, richtet sich nach unserer Lust etwas herzustellen oder zu schaffen. Wir machen die Dinge, Gemüse, Feldfrüchte, Konserven, Säfte etc. auf die wir Lust haben.

Bedarfsorientierung – Wie viel wir Produzieren wird an den existierenden Bedarfen (z.B. wie viel Zucchini essen wir in einem Jahr) von uns und den Anderen in unserem Netzwerk ausgerichtet, anstatt das zu produzieren, was sich am anonymen Markt vermutlich am Besten verkauft. Wir fragen uns also 'Was müssen wir wie herstellen, damit die Bedürfnisse von allen Beteiligten bestmöglich erfüllt werden?' und richten uns dann in der Planung nach der Antwort darauf.

Prozessorientierung – Der Erfolg der Arbeit wird nicht am maximal möglichen Output gemessen, sondern daran wie dieser hergestellt wird. Erfolg ist dann, wenn alle zufrieden mit dem Arbeitsab-

lauf, dem sozialen Miteinander, den Arbeitsbedingungen, den Aushandlungsprozessen und der praktischen Umsetzung sind, und die Bedarfe gedeckt werden können, die wir decken wollen.

Netzwerk statt Markt – unser Ziel ist, ein Netzwerk der solidarischen Gegenseitigkeit , in dem die beteiligten Gruppen unterschiedliche Dinge des täglichen Bedarfs herstellen, und in dem wir und die Anderen dann unsere jeweiligen Bedarf kommunizieren, und, wenn möglich, erfüllt bekommen. Direkt, statt über 'den Markt'. Bisher funktioniert das vereinzelt, für einzelne Zutaten oder Saaten. Je mehr Leute und Gruppen sich mit ihren Bedarfen und Fähigkeiten daran beteiligen, desto größer wird hier das revolutionäre Potential. Wir wollen den Punkt erreichen, so ein Netzwerk stabil zum Funktionieren zu bringen, und darüber möglichst viele Grundbedarfe zu decken. Dann wird es für mehr Leute eine machbare Option darin einzusteigen.

Alle machen Alles – Unser Ansatz: keine Konsument*in und Produzent*in Rollen mehr. Auf die eine oder andere Weise sind wir alle an materiell-produktiven Prozessen beteiligt (fahren Trecker, gärtnern, kompostieren, kochen ein, hegen Bienen, sammeln Kräuter, bauen Gemeinschaftsflächen ...) und alle nutzen/essen/konsumieren die Dinge, die dabei produziert werden. Es gibt nicht nur ein paar Wenige die täglich händisch 'arbeiten' und die Community die 'unterstützt' sondern

alle produzieren und alle verbrauchen. Sphären verbinden – Wiedereingliederung der abstrakten 'Wirtschaft' in die greifbare Lebenssphäre. Die Prozesse um Bedarfsermittlung, Produktion und Verteilung von Gütern werden greifbar, erfahrbar und gestaltbar, und die Sphäre der Wirtschaft verbindet sich wieder mit der Sphäre des Alltäglichen. Die Wirkung der 'Wirtschaft' im eigenen Leben ist sichtbar und die Möglichkeit, die Wirtschaft rund um die Grundbedürfnisse mitzugestalten, regt dazu an zu reflektieren und sich einzumischen. 'Was will ich beitragen? Wie will ich arbeiten? Was ist gerecht? Wie können Güter bei Mangel verteilt werden? Wie gehen wir mit Überschuss um?' sind Fragen des Alltags.

Resilienz durch Organisation – Die Resilienz des Individuums gegen den Anpassungsdruck der kapitalistischen Gesellschaft steigt, wenn Menschen sich gemeinsam organisieren (z.B. durch gemeinsame Ökonomien) und dort nicht mehr nur individuell für sich selbst verantwortlich sind. Diese Organisation und der Rückhalt (auch ökonomisch) im Kollektiv mildert den Leistungsdruck und Existenzängste, und reduziert den Anpassungsdruck an die kapitalistische Verwertungslogik.

Sicherheitsgefühle – ob wir uns einem wirklich anderen Leben widmen können, hat viel mit dem eigenen Sicherheitsgefühl zu tun. Wenn ich mich in meinem Zusammenhang 'sicher' und aufgefan-

gen fühle, muss ich mich nicht in die angenommene 'Sicherheit' von Staat und Markt begeben (Rente, Vermögen, Anerkennung durch Leistung etc.). So wie es jetzt läuft, können wir dieses Produktionsmodell parallel zum Kapitalismus ausprobieren, es funktioniert bereits im Hier und Jetzt. Ist aber auch noch von der kapitalistischen Sphäre abhängig. Nicht viele Leute können sich entscheiden ihre Leben so einzurichten, dass sie die meiste Zeit mit Versuchen für eine neue Gesellschaft verbringen. Aber es gibt sie. So lange unsere Versuche jedoch eher ein Hobby sind, das auf Privilegien (Zeit, ausreichend Lohn/Sozialleistungen etc.) basiert, haben sie wenig Chance darauf, dass viele Menschen sich anschließen können.

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Utopie solidarischer Gegenseitigkeit

Damit nun aus einer 'unkapitalistischen Produktionsgruppe' eine revolutionäre Keimzelle wird, braucht es wohl noch etwas mehr. Mehr Produktionsgruppen, eine Vernetzung und eine gemeinsame Versorgung mit Relevanz. Mindestens. Das was es hier unter Anderem zu erfinden, ergründen und erproben gilt, ist, wie viele einzelne kleine Gruppen, die in ihren jeweils gefundenen oder geschaffenen Nischen produzieren, sich zusammenschließen können. Wie können wir Produktionsketten und Versorgungsstrukturen schaffen, die nach

unseren Werten und Vorstellungen funktionieren? Nötig und wünschenswert ist zunächst eine Vernetzung aller untikapitalistisch produzierenden Gruppen in einem oder mehreren Wirtschaftskreisläufen. In diesen kann eine gemeinsame Ermittlung der jeweiligen Bedarfe stattfinden, und die beteiligten Gruppen versuchen dann jeweils, die angesagten Bedarfe für sich und die Anderen zu erfüllen. Dabei sollte das erste Ziel sein, dass die Produzent*innen eines Produktes davon so viel herstellen können, dass alle Beteiligten Gruppen davon jedes Jahr so viel bekommen, wie sie für das gesamte Jahr brauchen. Diese Dinge also nicht mehr auf dem kapitalistischen Markt zukaufen müssen. Längerfristig könnte in so einem Wirtschaftsnetzwerk angestrebt werden, immer mehr Produkte des täglichen Bedarfs zur gegenseitigen Verfügung herzustellen. Und so letztlich eine stets wachsende Autonomie vom kapitalistischen Markt erlangen.

Manch eine*r aktivistische*r Linker mag an der Stelle einwenden, dass dieser Weg doch nur in die Isolation des Aussteigertums führt. Und von dort aus wirklich kein gesellschaftlicher Kampf mehr zu gewinnen ist. Auch wenn das für viele Aussteiger*innenprojekte zutreffen mag, sei an dieser Stelle eingewandt, dass viele Aktivist*innen, die gesellschaftliche Kämpfe gewinnen wollen, meist eher früher als später durch die Sachzwänge (Geld verdienen, Karriere machen, Kinder großkriegen, das Jobcenter besänftigen oder verlassen etc.)

gänzlich vom Kämpfen abgehalten werden. Für einen Aktivismus, der ein Leben lang hält, brauchen wir Strukturen, die uns ermöglichen mehr darauf zu schießen was die Anforderungen der Gesellschaft an uns sind. Wenn wir mehr unserer Grundbedürfnisse aus der Bewegung heraus selbst erfüllen können, sind wir weniger abhängig vom System. Wir können entscheiden, die Sanktion vom Jobcenter einfach schulterzuckend hinzunehmen, die Drohung, wegen unseres Arbeitskampfes gekündigt zu werden verliert an Schärfe, die Entscheidung für ein Leben ohne berufliche Karriere und mit weniger Geld wird leichter, die Belastung die durch staatliche Repression entsteht wird erträglicher, wenn wir nicht mehr allein für unser Wohl und unsere Existenz verantwortlich sind. Wenn die Erfüllung unserer Bedürfnisse und unsere Grundversorgung nicht mehr nur davon abhängt, dass wir uns erfolgreich in den Jobmarkt einordnen, steigt unsere individuelle Freiheit im Hier und Jetzt. Der Zwang zu Arbeit, zur Unterordnung, zum Mitmachen, sinkt – wir haben mehr Möglichkeiten in den Kämpfen für eine bessere Gesellschaft.

Eine funktionierende Grundversorgung durch Kollektive würde eine umfassende Organisation innerhalb der radikalen Linken zu einem Vorteil, statt zu einem Opfer für die gute Sache, machen. Denn sie sicherte einen angenehmen Lebensstandard, ohne die eigene Zeit, Kraft und Mühe zu verschleudern für den Profit großer Konzerne.

Ohne die Aufrechterhaltung des Leistungsethos, den die neoliberale Arbeitswelt von uns verlangt. Sie bringt uns miteinander in Kontakt und stärkt durch die nötige Verlässlichkeit eine Langfristigkeit in unseren Organisationen, die bisher häufig durch die notwendig erscheinende Flexibilität und die Priorisierung der Lohnarbeits-Biografie gehemmt wird.

Aber, wie schon oben gesagt, wir wollen nicht immer nur Kartoffeln essen, ein bisschen Spaß und dolce vita soll auch dabei sein. Damit die Dinge die wir produzieren wirklich lecker, praktisch, funktional sind, müssen die Produzierenden gut in dem sein, was sie tun. Sie brauchen Erfahrung, handwerkliches Geschick, und die nötigen spezialisierten Produktionsmittel. Ein Netzwerk solidarischer Gegenseitigkeit sollte auf Arbeitsteilung basieren, um das zu ermöglichen. Gleichzeitig sollte dabei nicht zu viel individuelle Professionalisierung und Spezialisierung passieren. Die Produktionsgruppen sollten so gestaltet sein, dass der Erfolg der Produktion nicht zu stark an Einzelpersonen hängt, sondern vielmehr eine Rotation ermöglichen. Nur so haben alle Beteiligten auch die Möglichkeit längere Pausen zu machen, oder sich neu zu orientieren, ohne dass die Produktion darunter leidet. So können Hierarchien und machtvollen Expert*innenrollen vermieden werden. Wie genau diese Balance zwischen Professionalisierung und horizontaler Produktionsweise zu finden ist, ist eine der Fragen, die es in der Praxis zu beantworten gilt.

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'Hauptsache die Tomaten sind rot' –
Please start giving a shit!

Auch wenn es verlockend ist, sich dem Credo der praxisfaulen Fraktion unter den Antideutschen hinzugeben 'Ist egal was ich esse oder mache, bis zum Kommunismus ist eh alles Falsch'. Wenn wir es ernst meinen mit der grundlegenden Umwälzung der herrschenden Verhältnisse, sollten wir keinen Bereich ausklammern.

Kapitalismuskritik, Klimabewegung und die Kolonialität unserer westlichen Konsumgewohnheiten lassen deutlich erkennen, dass es dran ist, sich als radikale Linke/Anarchist*innen/Kommunist*innen auch zu den banalen Dingen des Alltags herabzulassen, und dem Thema Ernährung und Grundversorgung einen Stellenwert einzuräumen, im Blumenstrauß der alternativen Infrastruktur.

Egal ob Wohnen, Gesundheit, Kultur oder Essen – Lasst uns unsere revolutionären Ideen ernst nehmen und daran arbeiten eigene Strukturen aufzubauen. Strukturen, die nicht nur die Reste und Überbleibsel des Kapitalismus verwerten, und den Wohlstandsmüll verwalten. Lasst uns mehr kollektives Eigentum an Wohnraum und Produktionsmitteln schaffen, kollektives Wissen über die das Wie und Warum ökologischer Lebensweisen sammeln und bündeln. Fähigkeiten und Tätig-

keiten der kollektiven Selbstversorgung üben, Arbeitsweisen finden, die uns entsprechen, und lasst uns an den Start kommen. Statt uns mit dem abzugeben, was der Kapitalismus uns hinstellt, lasst uns direkt und praktisch damit anfangen, die befreite Gesellschaft, in der wir leben wollen, mit all ihren Sphären zu säen.

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KANN SPUREN VON ALLEM MOEGLICHEN ENTHALTEN

das nichtkommerzielle

HOT ASS
BOYCOTT

CHILI, ZWIEBEL, KNOBLAUCH, INGWER,
ESSIG, OEL, SALZ
KARLA*HOF 09.2019

RE:BÄCKA LEIPZIG

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Bei der Re:bäcka wird gebacken. Vor allem Brot und wenn dann gleich viele, denn der Holzofen bietet genug Platz und die Knetmaschine schont die Arme. So können mit einem Backgang gleich viele Menschen versorgt werden. Wir backen meistens, wenn wir Lust dazu haben und machen uns keinen festen Plan dafür, denn momentan steht die Versorgung eher nicht im Mittelpunkt, sondern es verbindet uns das handwerkliche Interesse am Backprozess. Es sei denn wir werden konkret von einer politischen Initiative für eine Aktion o. ä. angefragt. Am Liebsten machen wir aus einem Backtag auch gleich ein soziales Event und freuen uns über Besuch, wenn wir die Ofen-Hitze gleich noch für einen gemütlichen Pizza-Nachmittag nutzen, während der Brotteig gehen muss.

Die Re:bäcka als Infrastruktur existiert schon lange und wird nun in zweiter, dritter (oder noch späterer?) Generation von anderen Menschen genutzt. Dabei spielen das nicht-kommerzielle Getreide vom Karla*hof und die selbstverwalteten Räume in einem Leipziger Hausprojekt weiterhin genauso eine Rolle, wie die Menschen, die sich einbringen. Es gibt ein paar Leute, die selbstständig das Backen planen und einige, die dann gerne mitbacken. Noch mehr Menschen ermöglichen das Backen, indem sie für Brennholz, Salz und feines Mehl sorgen und natürlich durch das Abholen, Verteilen und Essen von Broten. Die hohe Fluktuation von Generation zu Generation erschwert die Wissens- und Kontaktweitergabe, denn bis neue Person autonom backen können, braucht es ein wenig Erfahrung, die erst mal vermittelt werden muss und die Einstiegshürde zum selbstständigen Backen ist relativ hoch. Daran hapert es aktuell ein wenig.

Organisiert sind wir über den Emailverteiler
brotverteiler@lists.riseup.net .

SCHLEUDER-
WOCHEN
AUF DEM
KARLA*HOF

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Die Einladung zur Schleuderwoche im Postfach, habe ich mich fix angemeldet und auf der Arbeit krankgemeldet, um mal den Karla*hof zu erkunden, ein wenig Landluft zu schnappen und ein bisschen aus der muffeligen Stadt rauszukommen. Mit der Aussicht auf eine Sauna und gute politische Gespräche also schnell losgefahren mit der Bahn in die Uckermark, das Heilsversprechen von der schönen linken Blase auf dem Land im Hinterkopf. Ich glaube in fast jeder linken Biographie gibt es irgendwann den Punkt an dem man sich zu irgendwelchen Hühnern und schnatterigen Laufgänsen aufs Land zurückzieht, weil einem irgendwie die ganze linke Szene in Szenestadt XY auf die Nerven geht. Aber muss es denn immer ein Rückzug auf Land sein? Muss es überhaupt ein

Rückzug sein nur weil es einen aufs Land zieht? Kann man auf dem Land leben ohne den ganzen Hippiekram, also ohne Sandalen, Seidentücher und Wursthare?*

Mit all diesen Fragen im Gepäck komme ich auf dem Karla*hof an und bewundere erstmals das große Gelände und vor allem das schön ausgebaute Seminarhaus. Das können keine Hippies sein, die ein Haus so schön renoviert haben, denke ich mir. Seidentücher sehe ich auch keine, dafür eine Komposttoilette. Verdächtig. Aber gut, eine Komposttoilette macht noch keinen Hippie, höchstens guten Dünger, wie mir erklärt wird. Apropos Dünger: Der kommt auf die Obstwiese neben dem Haus. Wir essen also was wir scheißen, ein wunderbarer Kreislauf, ganz umsonst. Nach meiner Erkundungstour, dem Kennenlernen und der Einweisung durch die Schleudergang zum Ablauf der Woche klingelt auch schon die Mittagsglocke. Endlich! Das Wichtigste! Mittagessen! Es ist umsonst und es schmeckt so gut! Denke ich, als ich die riesige Portion super-ultra-kackedünge-r-bio Essen zum Mittag in mich reinschaufle.

Bioläden, Bioschuhe, Biokartoffeln, Bioschokolade. Der Kram ist zwar meistens nicht so ästhetisch anzusehen (und ich als antiautoritäre Kommunistin finde ja Ästhetik schon ganz wichtig, wie soll man sonst seinen Klassenstandpunkt gut rüberbringen wenn es scheiße aussieht?!) aber das Essen aus dem Bioladen in der Stadt schmeckt

gut. Das Problem dabei ist nur: Wer zu Hölle kann sich das leisten? Natürlich nur die Torbens und Miriams im hippen Szeneviertel in der Stadt, die mit den guten Jobs und den zwei süßen kartoffeligen Kindern auf dem Spielplatz. Ist halt eine Klassenfrage – vorallem in der Stadt! Aber hier auf dem Karla*hof kostet es mich nichts und ist für alle Menschen die auf dem Hof leben und die zur Schleuderwoche kommen umsonst. Das ist endlich mal ein Bio mit dem ich mich anfreunden kann! Umsonst und für alle. Super!

In dem Essen auf meinem Teller steckt allerdings auch eine Menge Arbeit drin, wie mir am nächsten Tag schlagartig klar wird, während meine Füße in einem riesigen Topf mit Kohl stecken. Ein großer Traum von mir war es schon immer mal wie ein Hippie Sauerkraut in einem Topf mit meinen Füßen zu zerstampfen. Das kalte, schlabberige Kraut an meinen Füßen, das Salz zwischen meinen Zehen – einfach wunderbar! Nein Spaß, war es natürlich nicht. Dennoch stecken meine Füße jetzt in einem Topf mit Sauerkraut. Und um ehrlich zu sein, macht es mir verdammt viel Spaß mit anderen Menschen leckeres Essen zu produzieren. Kohlköpfe findet man, wie ich feststelle, nicht nur in der Chefetage sondern auch auf dem Acker, und sie sind verdammt riesig und schwer und werden mit Schubkarren von ihrem Anbauort von uns herumgekart, entblät-

* Freie Liebe aka Polyamory findet die Autorin immerhin gut, außer wenn davon patriarchale Männer profitieren, also nur, wenn sie wirklich frei ist.

tert, zerschnitten und gewaschen um dann in besagtem Topf mit meinen gewaschenen (!!) Füßen zu landen. Habe ich schon erwähnt, dass meine Füße in einem Topf mit Kohl stecken? Danach wird das entstandene Sauerkraut in Gläser verfrachtet und mit einer Maschine, deren Namen ich leider vergessen habe, haltbar gemacht. Die Gläser dafür müssen natürlich auch gespült werden. Zwischen der ganzen Arbeit lerne ich ein wenig die anderen Schleudermenschen kennen und was sie in die Uckermark getrieben hat. Niemand sagt Hippiekram. Auch meine Frage, ob die Menschen die auf dem Hof leben denn alle Anarchos sind wird verneint. Einige sicher, aber nicht alle. Vielleicht sind es Piratinnen die gegen Skorbut kämpfen? Deswegen sicher das Ganze Sauerkraut beim Essen und zwischen meinen Zehen!

Am Ende meines Aufenthalts komme ich zu dem Schluss, dass das Landleben auch Arbeit ist, aber natürlich nicht so entfremdet wie in der großen Stadt. Vielleicht muss man auch nicht immer das Eine gegen das Andere aufwiegen. Landleben und Stadtleben als Linke*r. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Am Besten ist immer noch der Austausch mit möglichst vielen Kollektiven! Natürlich haben wir nicht nur Sauerkraut hergestellt, sondern auch noch andere delikate Sachen eingekocht. Solltet ihr also ein Glas Geschleudertes mit merkwürdigem Namen vom Karla*hof in den Händen halten, dann wünsche ich euch Guten Appetit!

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lecker grüne Vurst

Karla*hof 16.01.2018

Zwiebeln(angebraten), Wasser, Grünkern,
Sonnenblumenkerne (geröstet), Öl,
Knoblauch(angebraten), Lorbeerblätter,
Gemüsebrühe (ohne Hefe), Gewürze

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TIPPS UND TRICKS ZUM EINKOCHEN

1. Gläser und Deckel abkochen bringt voll was

Dazu: Gläser und Deckel vorher checken und Verunreinigungen abwaschen (schimmelige Deckel aussortieren und nicht benutzen!), große Mengen Wasser (gerne mit Zitronensäure gegen unseren hartnäckigen Kalk) in nem großen Topf erhitzen, Gläser ca 5 Minuten im heißen Wasser ziehen lassen, am besten erst direkt vorm Abfüllen rausholen.

3. Heiß einfüllen von Marmeladen und Essigkonserven

Wenn der Gläserinhalt sehr sauer oder sehr süß ist (Essigkonserven oder Marmeladen), ist das Pasteurisierenin oben beschriebener Form nicht nötig. Einerseits weil Zucker und Säure Mikroorganismenwachstum nochmal anders hemmen. Andererseits, weil Marmeladen und alles in Essig mit Temperaturen von über 75°C ins Glas gefüllt und schnell verschlossen werden sollten.

Also lieber den Topf mit Marmelade nochmal kurz aufkochen, wenn sie zu langsam abgefüllt wird, damit sie wirklich wirklich heiß im Glas landet.

2. Pasteurisieren von Aufstrichen

Wenn es eher ein Aufstrich ist und der sich lieber so 4 Monate ungekühlt, statt 4 Tage im Kühlschrank, halten soll, dann ist Pasteurisieren angesagt. Das ist bei uns immer der Fall.

Dabei willst du erreichen, dass das gesamte Glas, bis in die Mitte hinein, über 75°C erhitzt wird. Wir machen das zur Zeit im Wasserbad, Dampf ginge aber auch.

Wie schnell sich ein Glas erwärmt hängt zusammen mit den Ausgangstemperaturen im Glas und im Wasserbad, der Größe des Glases, der Dichte der Füllung und noch so einiges mehr.

Aufwärmen von Gläsern mit kühler Füllung in heißem Wasserbad (85°C+) dauert je nach Größe locker 30 Minuten bis eine Stunde. D.h. um so richtig sicher zu gehen, und das ist vor allem bei Aufstrichen mit hohem Eiweißgehalt wichtig, da sie besonders guten Nährboden für Mikroorganismen bieten und oft eine schlechtere Wärmeleitfähigkeit, kann das Einkochen schon mal 2 h dauern.

Danach ist schnelles Abkühlen angesagt, also Gläser raus aus dem warmen Wasser und -wenn ihr gründlich sein wollt - in kaltes Wasser stellen. An der Luft geht's aber auch.

Schnelles Abkühlen ist wünschenswert, weil wir nicht sterilisieren, d.h. über 120°C erhitzen. Beim Sterilisieren wären wirklich alle Sporen und Dauerformen aller Mikroorganismen tot und das Produkt in geschlossenem Zustand im Prinzip ewig haltbar. Mit dem Pasteurisieren töten wir nur den Großteil der verderbenden Keime ab, falls es doch Überlebende gibt, oder Dauerformen wie z.B. Sporen überlebt haben, können diese unter guten Bedingungen, d.h. gutem Nährboden und Temperaturen zwischen 40 und 5 °C sich doch wieder schlagartig vermehren und den Aufstrich doch verderben.

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4. Abschmecken

Aufstriche verändern ihren Geschmack beim Pasteurisieren und werden selten pur gegessen.

In unserer Erfahrung benutzen wir eher viel Salz in unseren Aufstrichen, weil sie sonst auf Brot irgendwie fad schmecken. Andere Gewürze verändern sich beim Einkochen: Der Geschmack von Chili und Senf werden stärker, die meisten anderen Kräuter milder. Aber meistens gilt: Was vor dem Einkochen lecker ist und kräftig schmeckt, ist auch nach dem Einkochen noch lecker

5. Gelierprobe

Marmeladen gelieren erst wenn sie kalt werden. Also als Gelierprobe etwas Marmelade auf einen kalten Teller tropfen und gucken was passiert. Geliert die Oberfläche, wenn die Marmelade abgekühlt? Dann geliert sie auch im Glas.

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6. Umdrehen von Gläsern auf den Deckel

Das Umdrehen hat vor allem zwei Funktionen: Den Deckel auch auf über 70°C erwärmen und checken, ob alles dicht ist. Es reicht also völlig, wenn die Gläser ein paar Minuten auf dem Kopf stehen. Wenn die Gläser im Wasserbad pasteurisiert wurden, ist das überhaupt nicht nötig.

Auf der anderen Seite ist es nicht so cool, wenn die Gläser vollständig auf dem Kopf abkühlen: Es kann dann nämlich passieren, dass das Vakuum beim Abkühlen nicht zieht, während da 300g extra Last auf dem Deckel lagern. Das Vakuum zieht bei diesen Gläsern manchmal gar nicht und der Aufstrich muss dann halt sofort gegessen werden. Oder das Vakuum zieht erst beim Umdrehen, das heißt dann aber, dass es eine Nacht in nicht hermetisch verschlossenen Zustand Zeit hatte, um erneuten Kontakt mit Luft und Sporen zu haben.

7. Gefahren und so

Das schlimmste, was uns im Einmachbusiness passieren kann, ist Botulismus. Dafür muss man sich aber sowohl in der Herstellung als auch als Konsument ein bisschen anstrengen.

Es gibt mehrere Arten sich Botulismus einzufangen, davon sind 2 für uns relevant: 1. Durch verdorbene Konserven 2. Durch Essen von Sporen, während die Darmschleimhaut nicht oder kaum besiedelt ist. Das sind dann vor allem Säuglinge.

Clostridium botulinum bildet Sporen, die erst bei 121°C sicher absterben. Diese können unter guten Bedingungen (pH über 4.5, warme Temperaturen) auskeimen und bilden dann neben viel, viel Gas auch Gift, das tödlich wirken kann. Das Gift ist, anders als die Sporen, nicht hitzestabil, kann also durch aufkochen wieder entfernt werden.

Da wir unsere Aufstriche vor dem Essen meistens nicht aufkochen, kann folgendes beachtet werden: pH 4.5 ist relativ neutral, ein beherzter Schluck Essig oder Zitronensaft kann schon reichen, um den nötigen pH Wert zu unterschreiten. (Als Vergleich: Wein und Kaffee sind ungefähr so sauer, dass Cl. Botulinum nicht mehr wachsen kann, Apfelsaft ist deutlich saurer). Auch kühl lagern hilft das Wachstum und die Giftproduktion zu verhindern.

Wenn sich der Deckel nach oben wölbt/ das Glas explodiert ist und der Aufstrich nach Buttersäure riecht und deutlich schlecht ist: Nicht mehr essen! Vor allem nicht roh!

Und generell unsere Aufstriche nicht an Kleinkinder unter 6 Monaten verfüttern.

MENSCHEN,
DIE MAL MIT UNS
IM AUSTAUSCH
WAREN: WARUM HAT
DAS EIGENTLICH NICHT MIT
UNS GEKLAPPT?

Liebe Menschen, die schon einmal mit der Superfood_Schleudergang in Kontakt waren und von denen wir nichts mehr gehört haben: Warum hat das eigentlich nicht mit uns geklappt?

In den letzten fünf Jahren haben wir so einige Leute kennengelernt, die wir auf Anhieb gemocht haben, die unsere Werte geteilt haben, die ähnliche Ziele verfolgt haben, mit denen wir uns auch persönlich über unsere Wünsche und Ängste austauschen konnten. Wir hatten den Eindruck, das basierte auf Gegenseitigkeit. Einige sind unsere Freund*innen oder Verbündete geworden. Von vielen – Einzelpersonen und Gruppen – haben wir nach einer kurzen Phase der Euphorie und des Pläneschmiedens nie wieder etwas gehört. Das hat natürlich auch bei uns im Laufe der Zeit zu Verwirrung und Verunsicherung geführt. Haben wir was falsch gemacht? Waren wir zu schnell

oder zu langsam, zu überfordernd oder zu träge? Sind wir mit unseren Zielen oder in unserer Art wenig anschlussfähig? Oder einfach doch nicht so sympathisch oder interessant, wie wir glauben? Es ist teilweise echt frustrierend, gemeinsam eine tolle Zeit zu erleben, die uns motiviert, und dann gar nicht zu wissen, warum der Kontakt danach abbricht. Klar, im Leben kommt es immer anders als mensch denkt. Aber was sind die Gründe, warum wir nichts mehr von euch gehört haben, nicht mal ein "Adieu, ich wandere aus" oder "sorry Leute, mit uns wird's wohl nix, weil ich ein viel interessanteres Projekt für mein Leben gefunden habe"? Wie ist es euch ergangen? Denkt ihr noch manchmal an uns? Und was hätten wir tun können, um eine langfristige Beziehung gegenseitiger Solidarität zu euch aufzubauen?

Erzählt doch mal,
Eure Superfood_Schleudergang

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Liebe Superfood_Schleudergang
Danke für eure Fragen. Ich war vor ein paar Jahren mal bei einer eurer Einkochwochen dabei und wahrscheinlich eine von denen, die ihr als begeistert und motiviert wahrgenommen habt. Aber nun hab ich mich schon wirklich lange nicht bei euch gemeldet. Ich denke, es gibt mehr als einen eindeutigen Grund bei mir. Vielleicht war es

ungefähr so: Eine Freundin hatte mich eingeladen mit zur Einkochwoche zu kommen. Sie hatte aus dem Umsonstladen irgendeine Broschüre oder ein Buch mitgenommen, in dem ihr glaube ich vor- kamt, und die Beschreibung vom Hof passte super gut zu ihrer Suche nach alternativen Lebensweisen. Ich bin mitgekommen, weil mich ihre Erzählung interessiert hat, und weil ich eh gern mal aus Berlin rauskomme im Sommer. Die Zeit bei euch war dann auch wirklich richtig toll. Mir hat es gut getan, mal eine ganze Woche nur mit mir und so überschaubaren Aufgaben beschäftigt und dabei so viel draußen auf eurem wunderschönen Gelände zu sein. Die anderen Leute kannte ich ja vorher alle nicht und ehrlich gesagt, wäre ich auch nicht ohne meine Freundin vorbei gekommen. Aber dann hatten wir eine wirklich angenehme Gruppendynamik und die Gespräche beim Schnippeln haben mich teilweise wirklich inspiriert. Auf eurem inhaltlichen Austausch wolltet ihr dann ja von uns wissen was wir vielleicht beitragen wollen zu der Utopie (ehrlich gesagt krieg ich nicht mehr ganz zusammen, was ihr dazu gesagt habt). Und mich hatte die ganze Woche so beflügelt, dass ich richtig Lust bekommen hab, mitzumachen. In der Stadt fehlt mir voll oft die Perspektive, wie eine andere Gesellschaft wirklich aussehen könnte, also abseits von Subkultur und kleinen Nischen, in denen wir Sachen anders organisieren. Und bei euch hatte ich zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl, dass es wirklich geht, das Leben anders als ich es kenne (und kritisiere) zu organisieren. Also hatte ich eigentlich voll Lust, weiter mitzumachen auf irgendeine Weise. Aber wie, war mir

nicht so richtig klar. Naja, wir haben dann ja noch Aufstriche mit nach Berlin genommen und diese Telegramm-Gruppe aufgemacht, um in Kontakt zu bleiben. Und auf der Rückfahrt haben meine Freundin und ich noch echt lange darüber geredet, wie spannend wir den Besuch fanden. Ich kann mich erinnern, dass wir beide am Anfang echt komisch fanden, draußen auf die Kompost-Klos zu gehen, und am Ende aber voll verstanden haben, wie sehr das Sinn macht, weil ja alles wieder verwertet wird und so. Und was mich total beeindruckt hat, war, wie entspannt und offen ihr uns gegenüber wart, obwohl ihr uns vorher gar nicht kanntet. Und dass es so gut geklappt hat mit den anderen "fremden" Gästen zusammen, alles im Plenum zu organisieren. Meine Freundin hat noch richtig viel darüber geredet, dass sie denkt, ihr entwickelt ein neues Wirtschaftsmodell, das wirklich tragfähig ist und dass Tauschlogikfreiheit voll Sinn macht, weil es radikal mit den Verhältnissen bricht und so. Wir haben dann im Auto noch entschieden, dass wir versuchen wollen, in der nächsten Zeit in unserem Freundeskreis einen tauschlogikfreien Tauschring aufzubauen, und dass wir mal beim Umsonstladen anfragen ob die vielleicht eure Aufstriche verteilen wollen. Da hab ich dann ne Mail hingeschrieben, und die haben sich erst kurz gemeldet und meinten aber, sie müssen erst noch drüber reden, ob sie sich vorstellen können, auch Lebensmittel im U-Laden zu haben oder nicht.

Kurz nach unserem Besuch fing mein Semester an der Uni wieder an, und ich hab super viel zu tun gehabt mit den Seminaren und musste auch direkt 2 Referate halten. Meine Freundin und ich

haben dann nebenbei versucht, ab und zu so Gespräche mit unseren Freund*innen zu führen. Aber irgendwie war es ein bisschen schwer, so rein zu kommen. Meistens hab ich dann einfach angefangen, vom Hof zu erzählen, davon, was ihr so macht und was mich bei euch interessiert oder beeindruckt hat. Aber es war ganz schön schwierig, es so richtig zu erklären. Zwei Freund*innen hab ich dann eure Broschüre "ich tausch nicht mehr – ich will mein Leben zurück" gegeben, weil sie ziemlich spannend fanden, was ich noch zur Nicht-Kommerzialität erzählt hab. Aber ich weiß nicht genau ob sie's dann gelesen haben. Bei dem einen Freund liegt sie auf jeden Fall noch auf dem Klo, hihi.

Ihr habt dann ja manchmal in diesem Telegramm-Chat eingeladen, zu so Einkochtagen vorbei zu kommen oder so. Da hatte ich nie Zeit, weil es unter der Woche war. Mit der Zeit ist meine Begeisterung auch etwas verblasst. In meinem Alltag in der Stadt hab ich wenig Anknüpfungspunkte zu euch gesehen und immer weniger über Tauschlogikfreiheit und nicht-kommerzielles Wirtschaften nachgedacht. Von Berlin aus geguckt ist das wirklich sehr weit weg, was ihr macht. Mir liegen hier im Alltag Themen wie Mietenkampf und die Kampagne zur Enteignung großer Immobilien-Konzerne näher. Und als ein Freund mich gefragt hat, ob ich nicht einmal die Woche für die Kampagne Unterschriften sammeln kann, hab ich zugesagt. Ich denke das war einfach greifbarer und fühlt sich für mein Leben auch relevanter an, als die Frage danach, wie wir in einer Welt nach der Revolution Lebensmittel produzieren können. Andererseits denk ich ja auch, dass es gut ist, wenn Projekte jetzt

schon was Neues ausprobieren. Und ich freu mich auch, wenn ich hier im Umsonstladen etwas finde, das ich gerade gebrauchen kann. Ahja, die haben sich übrigens nicht nochmal gemeldet wegen den Lebensmitteln. Ich hab noch einmal, als ich gerade da war, wen angesprochen dazu. Aber die Person wusste auch nichts genaues, und dann ist es bei mir so hinten runter gerutscht.

Manchmal, wenn ich mit Leuten darüber diskutiere, ob es Sinn macht Bio einzukaufen, oder ob das Quatsch ist im Kapitalismus oder wenn Leute sowas sagen wie "es wird doch eh nicht anders, was regst du dich auf", dann denk ich manchmal an euch und erinnere mich daran, dass es schon eine echte Möglichkeit gibt, das Leben anders zu organisieren. Aber meistens ist es in Diskussionen dann zu schwierig und langwierig, ausführlich und umfassend zu erklären, wie es bei euch funktioniert, sodass ich es nicht so oft Leuten begreiflich machen kann. Trotzdem bin ich froh um die Möglichkeit, immer mal sagen zu können "aber ich kenne ein Projekt, wo sie voll viel verschenken und es klappt". Allerdings muss ich sagen, dass ich irgendwie überrascht war, dass ihr euch jetzt so viele Fragen fragt dazu, warum ich nicht nochmal zum Hof gekommen bin oder warum ich mich bei euch nicht quasi "abgemeldet" hab – so gut kennen wir uns doch gar nicht? Jedenfalls schön, dass es euch gibt. Aber in meinem Leben hab ich leider nicht so viel Platz gefunden, mehr zum Hof zu fahren.

Eure linksradikale Sommerfrischlerin*

* Diese linksradikale Sommerfrischlerin ist eine Fantasie der Schleudergang, unsere Imagination, was Leute auf unsere Fragen antworten könnten. Wenn du eine echte Antwort bezusteuern hast, schick sie gerne an schleudergang@gegenstueck.de

WILDE FLORA DRESDEN

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Unseren ersten Kontakt zum Konzept der Tauschlogikfreiheit hatten wir als einige Gruppenmitglieder zur Schleudergang auf dem Karla*hof eingeladen wurden. Mit Messer, Pflaume und der ein oder anderen kleinen Made in der Hand lauschten wir Viktors Workshop zum Thema, das sich damals noch recht neu in den Ohren anfühlte. Das soll funktionieren, wird das Konzept nicht ausgenutzt? Andererseits: Eine ökonomische Alternative, die sich an Bedürfnissen statt Gewinnmaximierung orientiert, die Verbundenheit statt Misstrauen fördert. Was haben wir in einem ehrenamtlichen Projekt mit kleinen Beträgen schon zu verlieren? Also bauten wir ein Spendenbarometer, stellten eine Box mit Schlitz daneben und versuchten zu erklären, dass das Angebot kostenlos und die Box zur Unterstützung des Projekts als Ganzem da ist. Auch wenn diese Erklärung und das Wort tauschlogikfrei manchmal auf Unverständnis stieß und es hier und da einfacher war zu sagen „hier ist alles gegen Spende“ (das kennen die Leute), bleiben wir bis heute dabei und das Projekt trägt sich. Mit der Zeit beginnen Menschen die Wilde Flora mit Tauschlogikfreiheit zu verbinden und Tauschlogikfreiheit mit einem interessanten, neuen Konzept, zu dem Fragen gestellt werden. Auch in unseren eigenen Köpfen üben wir noch weg von Dienstleistungsgedanken und hin zu 'mitmachen' und 'mit einbeziehen' zu gehen. Fühlt sich viel schöner an, aber ja die angewöhnten Muster sind gar nicht so leicht zu durchbrechen. So starten wir auch dieses Jahr in Dresden mit Segelkaffee, Kuchenrezepten, die sich an Saison und Region orientieren, hier und da auch mal Musik in die nächste Saison im offenen Küchen-Seecontainer mitten im Gemeinschaftsgarten. Kommt mal vorbei. Immer sonntags 14 – 18 Uhr in der Heidestraße, Dresden gegenüber Hausnummer 23.

PINKE, PASTA
UND MONETEN:
WIE FINANZIERT IHR EUCH
EIGENTLICH?

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Die Frage, wie Menschen sich längerfristig und verbindlich auf ein Projekt einlassen können, das keine Einnahmen hat, ist einer der großen Knackpunkte unserer Experimente.

Um als Projekt eine Relevanz zu entwickeln, scheint genau das nötig zu sein. Bevor so eine solidarische Art des Wirtschaftens tragfähig ist, braucht es kontinuierliche Beiträge, eine Verlässlichkeit, die erst einmal nichts im Gegenzug erwarten kann.

So bedarf es der Möglichkeiten der finanziellen Reproduktion, die nicht viel Zeit benötigen, und damit Raum und Möglichkeiten für unsere Experimente lassen.

Einige Strategien, die sich hier im reichen Deutschland anbieten, haben wir in den letzten

Jahren bereits ausprobiert und wollen als Anregung von ihnen berichten. Dabei ist uns bewusst, dass wir aufgrund unserer Privilegien als weiße Deutsche besonders viel Spielraum haben, der anderen Menschen nicht zur Verfügung steht.

Um eine gesicherte Lebensbasis inklusive Krankenkassenbeiträgen zu erlangen, haben Einige von uns sich entschieden, staatliche Transferleistungen zu beziehen. Andere wiederum schlagen sich mit Formen geringfügiger Lohnarbeit durch. Da bekanntlich das Arbeitslosengeld nicht vom Himmel fällt und mit vielerlei Pflichten verbunden ist, bedeutet der Bezug oftmals eine Menge an Kompromissen: Jobangebote und Maßnahmen, die nicht abgelehnt werden dürfen, die Pflicht, ständig verfügbar zu sein und nicht unangemeldet über Nacht verreisen zu dürfen – ohne eine Sanktionierung zu erfahren.

Eine Möglichkeit, die wir nutzen um uns vor den Konsequenzen zu schützen, sind gemeinsame Ökonomien. Das heißt, alle Einnahmen und Ausgaben mit Anderen zu teilen. Und so nicht mehr „alleine im Wind zu stehen“, sondern sich gemeinsam effizient in Notlagen unterstützen zu können. Gemeinsame Ökonomien sind für uns einer der Schlüssel im Aufbau von nichtwarenförmigen Alternativen. Der Knaller ist es, wenn sich gemeinsame Ökonomien zusammenschließen, um sich gegenseitig in Krisenfällen zu unterstützen oder einfach Überschüsse abzugeben.

Es ist uns gelungen, Infrastruktur und Wohnort mit geringer oder keiner Mietnotwendigkeit zu bekommen. Dafür gibt es solidarische Strukturen wie die Projekterwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG), die Projekten und Wohngruppen entprivatisierte Räume zur Verfügung stellt. Andere Formen, wie zum Beispiel das Mietshäusersyndikat, schaffen immerhin durch dem Mietmarkt entzogene Immobilien, dass mensch auch langfristig mit geringerer Miete wohnen kann.

Andere tauschlogikfreien Projekte kommen natürlich auch uns persönlich zu Gute. Ein Teil von den Dingen, die auf dem Karla*hof oder in befreunden Projekten produziert wird, wird auch von uns konsumiert. Selber machen lohnt sich auch materiell, besonders wenn wir das Selbstgemachte auch mit anderen teilen.

Diese Art der kollektiven Subsistenz senkt die Lebenshaltungskosten erheblich. Dazu gehören auch Menschen in unserem Umfeld, die uns tatkräftig mit ihrem Wissen (z.B. über rechtliche Rahmen oder Fördermöglichkeiten), ihren Fähigkeiten (z.B. Hausbau oder Grafikdesign) oder ihrem Eigentum (z.B. Ferienorte oder Leihautos) unterstützen – und uns damit Ausgaben ersparen. Lebensmittelrettung (und teilen) und Umsonstladen drücken unsere Kosten weiter. So wird Leben mit wenig Einkommen überhaupt erst möglich gemacht.

Über kollektive Soli-Arbeit lässt sich zusätzlich Geld generieren, das die Infrastruktur, die wir teil-

weise täglich nutzen, erhält und ausbaut. Unsere Produktionsmittel haben wir uns durch Förderungen für soziale, ökologische und nachhaltige Projekte kaufen können. Projektanträge, die nah an dem, was wir sowieso vorhatten, lagen, haben uns notwendige Maschinen, Infrastruktur und sonstiges Equipment finanziert. Darüberhinaus gibt es eine Spendenkampagne mit dem Ziel von monatlichen Dauerspenden. Menschen, die das Projekt unterstützenswert finden, können sich mit kleinen bis großen Beiträgen an unserem nötigen Budget für Öle, Gewürze, Strom, Wasser etc beteiligen. Für den akuten Krisenfall haben wir mit Hilfe solidarischer Menschen einen Notfallfonds eingerichtet: wenn sich die Lebensumstände rapide ändern, ökonomischer Druck zu groß wird oder sonstige plötzliche Krisen eintreten, dann gibt es durch diesen Fonds die Möglichkeit, erst einmal zu puffern. Um wieder auf die Beine zu kommen und in Ruhe danach zu schauen, wie es weitergeht. Egal, welche der beschriebenen Methoden: gemeinsam wird es deutlich einfacher in dieser menschenfeindlichen Welt zu überleben und sogar eine Alternative darin gleichzeitig aufzubauen.

All diese Schritte sind kleine Bausteine, die unserer Ansicht nach uns dazu befähigen, längerfristig und verlässlich unsere Zeit in antikapitalistische Experimente zu stecken. In der lauten Hoffnung, dass sie irgendwann tragfähig sein und den Kapitalismus ablösen könnten.

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KANN SPUREN VON ALLEM MÖGLICHEN ENHALTEN

Das nichtkommerzielle

BEEB BEEP 5000

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SONNEBLUMENKERNE, ROTE BEETE, ÄPFEL, ÖL,
ZWIEBELN, APFELESSIG, SALZ, GEMÜSEDRUCKE

KARLA*HOF 10.2020

BITTE AUFBEWAHREN
UND MIT FEEDBACK
ZURÜCK GEBEN.

SISSI

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Die SommerInfraStrukturSuperInitiative (abgekürzt Sissi) ist seit 2010 ein Teil des Wukania-Projektehofes. Im Sommer können Gruppen die Sissi für ihre Seminare, Treffen, Camps nutzen. Zur Verfügung steht eine Sommerküche, Kompostklos, eine Solardusche und Zeltwiesen. Die Sissi-Saison ist zur Zeit noch auf die Monate Mai bis September begrenzt. In dieser Zeit wird die Sissi sehr rege genutzt, sicher nicht zuletzt wegen des direkt anliegenden Badesees. Doch wir bauen gerade an einer Infrastruktur, die auch in der kalten Jahreszeit nutzbar wäre. Ein beheizbarer Seminarraum mit kleiner Küche und auch Innenklo- und duschen stehen wahrscheinlich ab Herbst 2023 zur Verfügung. Die Sissi ist tauschlogikfrei. Die Nutzer*innengruppen müssen also nichts bezahlen und auch sonst keine Gegenleistungen erbringen. Trotzdem braucht die Sissi jede Menge Geld, z.B. für unsere Baustellen oder für einen jährlichen Beitrag an die Wukania-Kasse von der die Betriebskosten des Geländes bezahlt werden. Deswegen spenden viele Menschen und Gruppen für die Sissi. Damit das möglichst entkoppelt von der Nutzung passiert, wirbt die Sissi auch um monatliche Dauerspendsen. Zusätzlich werden ab und zu für einzelne Veranstaltungen oder Baustellen auch Förderanträge gestellt. Für den Alltag kommt so immer genug Geld zusammen. Spannend wird es nun, ob sich genug Spender*innen finden, um auch die gerade laufende große Baustelle für die Winterinfrastruktur zu stemmen. Wie auch die SuperFood_Schleudergang profitiert die Sissi davon, dass sie ein Gelände der Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG) nutzen kann. Durch die Möglichkeit ein Grundstück zu nutzen, das als Commons niemands Eigentum ist, drängt sich die Entwicklung tauschlogikfreier Projekte geradezu auf.

GLOSSAR

Was hieß das Wort
noch gleich?

Hier versuchen wir ein paar Wörter
so zu erklären, wie wir sie verstehen
und in unseren Texten verwenden.

Das heißt, es sind nicht unbedingt
allgemeingültige Definitionen,
sondern sie zeigen auf, mit welchem
Hintergrund wir diese Wörter
verwendet haben.

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• Anarcho/Anarchist*in

Anhänger*in des Anarchismus. Der Anarchismus wird in einem sozialrevolutionären Sinn von seinen Vertreter*innen als Synthese zwischen individueller Freiheit wie im Liberalismus und sozialer Verantwortung für die Gemeinschaft wie im Sozialismus verstanden.

- aus Wikipedia: Anarchismus

• anti-autoritär

Dagegen sein, dass Menschen über Menschen bestimmen. Das kann sich auf die Erziehung (bspw. durch Lehrer*innen), die Arbeit (Chef*innen) oder die Gesellschaft (den Staat/die Regierung oder die Polizei) beziehen.

• antikapitalistisch

Im Vergleich zu unkapitalistisch beschreibt antikapitalistisch den Versuch, sich nicht nur damit zu begnügen, in Nischen andere Formen

des Umgangs ohne Kapitalismus zu finden, sondern den Anspruch, auch aktiv gegen die kapitalistischen Verhältnisse Widerstand zu leisten.

• Äquivalenztausch

→ siehe Tausch

• autonome Bewegung

Linksradikale Bewegung und Subkultur, die sich aus den Studierendenprotesten der 60er Jahre herausgebildet hat. Viele verstehen sich als anti-autoritär, antikapitalistisch, antirassistisch, sozial-revolutionär, feministisch oder antifaschistisch. Viele in der Bewegung stehen dem Anarchismus nahe und haben eine Bereitschaft für linke Militanz. Die autonome Bewegung hat(te) mit Demonstrationen und direkten Aktionen großen Einfluss auf Hausbesetzungen, die Anti-Atombewegung, Globalisierungskritische Kämpfe, Antifa, u.v.m.

• Bedarf

Bedarf wird in der Alltagssprache oft synonym zu Bedürfnis verwendet. Gemeint ist damit, dass etwas notwendig oder erwünscht ist. In den Wirtschaftswissenschaften spricht man von Bedarf, wenn es einen Wunsch nach einem (bestimmten) Produkt gibt und auch die notwendige Kaufkraft dazu vorhanden ist. Der Bedarf an Autos z.B. richtet sich danach, wie viele Menschen ein Auto haben wollen und es sich gleichzeitig leisten können. Arme Menschen haben demnach weniger Bedarfe. Tauschlogikfrei beziehen sich Bedarfe auf die Wünsche und Notwendigkeiten von Personen an bestimmte Produkte oder Dienstleistungen. Menschen haben unterschiedliche Bedarfe, um ihre Bedürfnisse nach Nahrung, Wohnen, Transport, Bildung etc. zu stillen.

• Bedürfnis

Ein Bedürfnis ist das Verlangen oder der Wunsch, einem empfundenen oder tatsächlichen Mangel Abhilfe zu schaffen. Dabei werden Bedürfnisse ganz verschieden kategorisiert und voneinander abgegrenzt. Grundbedürfnisse sind z.B. ausreichende Nahrung, sauberes Wasser, Schlaf, ein Wohnplatz usw. aber auch Autonomie (also die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen) und Kontakt (die Möglichkeit, mit anderen im Austausch zu sein). Unterschieden wird oft auch zwischen zugrundeliegendem Bedürfnis und Bedürfnisbefriedigungsstrategie. So ist der Wunsch nach einem Auto kein Bedürfnis, sondern eine Möglichkeit das Bedürfnis nach Mobilität zu befriedigen.

- aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

Für uns könnte das bedeuten, dass Menschen ihre Bedarfe an Aufstreichen anmelden, um ihr Bedürfnis nach Nahrung, Ästhetik, Wohlfühlen, etc. (teilweise) zu erfüllen.

leistungen in Geld direkt getauscht, also z.B. ein Apfel für einen Euro an der Kasse.

• Care-Arbeit

→ siehe Reproduktionsarbeit

• convenience

In etwa: Bequemlichkeit, Komfort, Zweckmäßigkeit. Fertigwaren wie Tiefkühlpizza sind „convenience“-Produkte.

• direkter Tausch (siehe auch → Tausch)

Beim direkten Tausch wird eine Sache oder Dienstleistung von einer Person/Partei gegen eine andere Sache oder Dienstleistung von einer anderen Person/Partei "Zug um Zug" getauscht, Zum Beispiel wenn Artur einen Apfel hat und ihn Anna gibt und Anna gibt dann eine Birne an Artur dafür als Gegenwert. Meist werden jedoch Waren und Dienst-

• diskriminierungsarm

„Diskriminierungsarm“ ist der Versuch, im eigenen Tun nicht diskriminierend zu wirken. Da Diskriminierungen, die aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Klasse, körperlichen Fähigkeiten, Aussehen, Religion, Sprache, etc. passieren, verinnerlicht sind, versucht der Begriff zu verdeutlichen, dass es ein langer Prozess ist, Diskriminierungen zu überwinden. Auch wenn der Anspruch ist, diskriminierungsfrei zu sein.

• generalisierter Tausch

→ siehe Tausch

• Einkochwoche

Als Superfood-Schleudergang veranstalten wir seit 2017 mehrmals im Jahr "Einkochwochen". Dafür laden wir Leute ein und pflücken und ernten gemeinsam reifes Obst und Gemüse aus der Umgebung und aus dem Garten. Das verarbeiten wir dann gemeinsam weiter zu Marmeladen, Aufstrichen und Fermentiertem. Es kommen meistens Leute, die den Hof oder die Schleudergang vorher nicht kannten und oft auch Leute, die uns schon kennen. Wir organisieren die Arbeit im Haushalt und die beim Einkochen gemeinsam und tauschen uns neben der Arbeit auch über unsere politischen Ideen aus.

• Ende Gelände

Ende Gelände ist ein breiter Zusammenschluss von Menschen aus den Anti-Atom- und Anti-Kohle-Bewegungen, aus den Vorbereitungsgruppen der Klimacamps in Rheinland und Lausitz, von der Waldbesetzung im Hambacher Forst, aus klimapo-

litischen Graswurzelinitiativen und Bürgerinitiativen, aber auch größeren Umweltorganisationen, aus linken Politgruppen und anderen mehr. Gemeinsam sind uns die Überzeugung, Klimaschutz selber in die Hand nehmen zu müssen und der Wunsch, mit einer über die Proteste der letzten Jahre hinausgehenden Aktion zivilen Ungehorsams ein weithin sichtbares Signal für eine Wende hin zu echtem Klimaschutz zu setzen.

- von ende-gelaende.org

• Entfremdung

Von Entfremdung oder entfremdeter Arbeit ist dann die Rede, wenn die Entscheidung darüber was und wie es produziert wird, nicht vom Produzenten selbst bestimmt wird, sondern die Arbeit von außen z.B. durch den Zwang zum Geldverdienen aufgedrückt wird. Auch durch die sich aus ökonomischen Zwängen stark ausgeprägte Arbeitsteilung entsteht eine Entfremdung zur eigenen Arbeit, da der gesamte Her-

stellungsprozess und sein Ergebnis nicht selbst erlebt werden kann. Zugespitzt fühlt sich der einzelne Mensch nur noch als bedeutungsloses Rädchen in einem riesigen Getriebe.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Ernährungsautonomie

Ernährungsautonomie bedeutet, durch kooperative, kollektive, unabhängige, und an den Bedürfnissen der Menschen orientierte Produktion, eine Alternative zum Kapitalismus zu schaffen. Während sich in Europa das Konzept der Ernährungssouveränität immer mehr verbreitet, dass sich per Wortherkunft auf Staaten, "Völker" und Nationen bezieht, soll der Begriff 'Ernährungsautonomie' verdeutlichen, daß es dabei um die Kontrolle über Nahrungssysteme durch offene Gemeinschaften geht und nicht durch die oben genannten ausschließenden Gruppen.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Ernährungssouveränität

Ernährungssouveränität ist ein Konzept zur weltweiten Verwirklichung des Menschenrechts auf angemessene Nahrung. Es wurde von der internationalen Kleinbäuer*innen- und Landarbeiter*innenbewegung Via Campesina anlässlich der Welternährungskonferenz 1996 entwickelt. Leitmodell ist hierbei eine kleinbäuerliche Landwirtschaft, die auf nachhaltige Weise vor allem Nahrung für die lokale Bevölkerung produziert. Selbstversorgung, lokaler und regionaler Handel haben dabei Vorrang vor Exporten und Welthandel. Dazu bedarf es einer Kontrolle über die Produktionsmittel (Land, Wasser, Saatgut), sowie die Verteilung der Nahrungsmittel.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Food-Coops

Food-Coops sind Lebensmittelkooperativen. Menschen schließen sich zusammen, um Lebensmittel in größerer Menge und dadurch billiger zu kaufen. Meist werden sie direkt von Erzeuger*innen abgenommen, wodurch Zwischenhändler*innen ausgeschlossen werden, was sowohl den Preis verringert, als auch einen direkteren Kontakt zu den Erzeuger*innen ermöglicht. Dadurch steigt das Wissen über die Produktion der Erzeugnisse und die Arbeit der Erzeuger*innen, was beim Kauf im Supermarkt nicht gegeben ist. Meist gründen sich Lebensmittelkooperativen nicht nur aus dem Preisvorteil, sondern genau aus diesem Wunsch: Die Mitglieder wollen wissen, wo und wie ihr Gemüse wächst und wer es anbaut. Dadurch sollen meist lokale und kleinere (Bio-) Produzent*innen unterstützt werden und somit eine andere Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion und -distribution, fern von Agrarindustrie und großen Handelsketten gestärkt und gefördert werden.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Gebrauchswert

→ Siehe Wert

• gemeinsame Ökonomie

Menschen legen ihre Einkommen (Einkommensökonomie) und ihre Vermögen (Vermögensökonomie) zusammen, um damit gemeinsam zu wirtschaften und ihren Lebensunterhalt gemeinsam zu bestreiten. Dabei geht es unter anderem um Solidarität untereinander und um die Einebnung unterschiedlicher ökonomischer Situationen innerhalb einer Gruppe. Gemeinsame Ökonomien gibt es in unterschiedlichsten Ausprägungen.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• globaler Norden

→ siehe Globalisierung

• globaler Süden

→ siehe Globalisierung

• Globalisierung

Unter Globalisierung wird meist die kapitalistische Expansion über die ganze Welt verstanden. Dabei werden sowohl kapitalistische Märkte dort geschaffen, wo es vorher keine gab, als auch Menschen in die Herstellung kapitalistischer Güter eingebunden, die es vorher nicht waren. Demzufolge geht Globalisierung aus dem europäischen Kolonialismus hervor, der weite Teile der Welt zu Rohstofflieferanten (Metalle, Zucker, Baumwolle, etc.) und Absatzmärkte für billige Massenproduktion (Tücher, Alkohol, Firlefanz, etc.) gemacht hat. Durch die Industrialisierung und das Aufkommen von Konzernen wurden zusätzlich arbeitsintensive Produk-

tionsschritte wie das Nähen von Kleidung, recyceln von Altmetallen oder die Fertigung von Zwischenprodukten in der Automobilindustrie in Billiglohnländer ausgegliedert. Globalisierung findet auch, eng damit verbunden, auf der kulturellen Ebene statt. So wird der Kapitalismus als (einzig richtige) Lebensweise propagiert, neue Bedürfnisse durch Werbung geweckt und dem nicht entsprechende Werte und kulturelle Normen (Kleidung, Essen, Behausung, Weltsichten, etc.) als unmö- dern und überflüssig gebrandmarkt. Die Länder und Regionen der Welt wie Europa, USA, Japan, die dabei zu Macht und Wohlstand gelangten, werden dem globalen Norden zugerechnet, auch wenn sie auf der Südhalbkugel liegen, wie Australien und Neuseeland. Ihre Bevölkerung ist als Nachfahren der Kolonialherren zum größten Teil weiß. Der globale Süden beschreibt die Regionen der Welt, die im Laufe der Globalisierung in abhängige und ausführende Positionen gedrängt wurden, während die Entscheidung über Produktion und Konsum vom globalen Norden aufgezwungen wird. Im globalen Süden haben sich

dagegen seit der Kolonialzeit immer wieder Widerstandsbewegungen aufgebaut, die diesen globalen Ungleichheiten bekämpfen, wie z.B. die Kleinbäuer*innenorganisation „Via Campesina“ oder verschiedene militante Freiheitsbewegungen, die teils zu Revolutionen wie auf Cuba führten.

• Gutshaus

Das ist ein Gebäude auf dem Karla*hof, dass wir als Gruppenhaus nutzen. Es gibt eine große Küche, ein großes Wohnzimmer, eine Bibliothek und mehrere Schlafräume. Es wird nicht dauerhaft bewohnt, sondern steht das ganze Jahr über für Treffen und Aktionen von Gruppen vom Hof sowie für externe Gruppen offen. Für die Nutzung gibt es keinen Preis, sondern wir bitten um Spenden nach Selbsteinschätzung. Um die Instandhaltung und den Ausbau kümmert sich die Karlahof*Gruppe mit Unterstützung aus dem Umfeld oder durch solidarische andere Gruppen.

• horizontal

Im Zusammenhang mit der Organisation von Menschen in Gruppen wird mit „horizontal“ eine Arbeitsweise beschrieben, bei der alle auf der gleichen Stufe stehen. Keine*r hat mehr Rechte oder mehr Entscheidungsmacht als Andere.

• Individualisierung

Individualisierung ist eine Grundvoraussetzung des Kapitalismus. Im Frühkapitalismus waren Menschen in der Stadt meist in Zünften, auf dem Land in Dorfgemeinschaften organisiert, die sich gegenseitig unterstützten oder gar gemeinsam Flächen bewirtschafteten. Um ein Heer an billigen Arbeiter*innen zu schaffen, wurden deswegen die gemeinschaftlichen Flächen mit Gewalt privatisiert („eingehegt“), Dorfgemeinschaften und ihre eige-

nen Regeln und Bräuche zerstört, Zünfte zerschlagen und die Menschen individuell dazu gezwungen eine Lohnarbeit anzunehmen, um in Fabriken zu schuften und Steuern abzugeben.

Individualisierung wurde kulturell über die Zeit zum Fetisch gemacht. Die Behauptung „Jeder ist seines Glückes Schmied“, ist eine der Hauptideologien, die dem Kapitalismus zu Grunde liegen. Im Neoliberalismus gipfelte diese Weltsicht im „unternehmerischen Selbst“, das sich stets selbst optimiert. Misserfolg oder Reichtum werden so zu einer Frage von Charakter und Leistungsbereitschaft, anstatt die zugrundeliegenden Machtunterschiede (Geschlecht, Herkunft, Kapital, connections, ...) und Chancenungleichheiten in einem auf Konkurrenz ausgerichteten System zu erkennen, das nur wenige vermeintliche Gewinner*innen und viele Verlierer*innen produziert.

• Ini

Auf dem Karla*hof sind nicht alle für alle Tätigkeitsbereiche zuständig. Wir organisieren uns in kleineren Gruppen (sogenannten "Initiativen" oder kurz: "Inis"), die sich inhaltlich für eine Tätigkeit zusammenschließen und sie dauerhaft organisieren. Eine "Ini" bildet auch auf sozialer Ebene eine feste Bande, die sich regelmäßig trifft, sich austauscht und ihr Tun reflektiert.

von karlahof.de

• Kapital

Kapital ist zu verwertender Wert. Wert (in Form von Geld oder Waren) wird erst zu Kapital, wenn er einem Verwertungsprozess zugeführt wird in der Absicht, den Wert zu vermehren (Kapitalrendite). Dies geschieht direkt oder indirekt durch Investition in die Verwertungsökonomie. Bei der direkten Investition entsteht ein Profit in Form des Unternehmer_innen-Gewinns, bei der indirekten in Form von Zins. Im kapitalistischen Produktionsprozess unterscheidet

Marx konstantes Kapital (Wert der investierten materiellen Güter), das im Wert des Endprodukts erhalten (also konstant) bleibt und variables Kapital (Wert der investierten menschlichen Arbeitskraft), dessen Anteil am Wert des Endprodukts variiert, weil es in der Lage ist, einen Mehrwert zu erzeugen.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Kapitalismus

Kapitalismus ist ein Gesellschaftssystem, in dem die Logik des Kapitals soziale Beziehungen, die Form des Tuns und die Verhältnisse der Produktion und Verteilung von Gütern und Ressourcen bestimmt. Kapitalismus ist ein Prozess, in dem aus Geld mehr Geld werden soll. Die Vermehrung von Geld stellt damit den Sinn der Produktion dar und nicht die Bedürfnisbefriedigung. Dies hat weitreichende soziale Folgen und führt dazu, dass alle jene prinzipiell von Gütern ausgeschlossen sind, die nicht über die nötige

Tauschkraft verfügen. Das Privateigentum (an Produktionsmitteln) und die private und notwendig spekulative, weil ungeplante Produktion für den anonymen Markt sind weitere grundlegende Charakteristika des Kapitalismus.

Die spezifische Ausformung des Kapitalismus auf einer konkreteren Ebene kann allerdings deutlich variieren, etwa abhängig von der spezifischen Relation zwischen Markt und Staat, verschiedenen Rechtsordnungen und politischen Systemen, historischen Entwicklungen und geographischen/räumlichen Gegebenheiten.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• karitativ

wohltätig, mit dem Ziel, Anderen etwas Gutes zu tun.

• Karla*hof

Der Karla*hof ist ein Gemeinschaftsprojekt in der Uckermark, auf dem wir ökologische Landwirtschaft, kollektive Subsistenz und ein freundschaftliches Zusammenleben verbinden. Derzeit leben auf dem Hof fünfzehn Erwachsene in zwei Wohngruppen.

Rund um unsere Hofstelle bauen wir u.a. Kartoffeln, Getreide, Lupinen und Sonnenblumen an. Außerdem haben wir einen großen Garten mit Folientunnel, der uns das ganze Jahr mit Gemüse versorgt. In unseren landwirtschaftlichen Gebäuden gibt es u.a. eine Bäckerei mit Lehmbackofen, eine Tischlerei, eine Schlosserei und andere Räume für verschiedene Gruppenbedürfnisse, also jede Menge Gestaltungsspielraum für eigene landwirtschaftlich-ökologische und / oder sozial-emanzipatorische Projekte.

Auf dem Hof arbeiten wir, wo immer es geht, ohne kommerzielle Verwertungsabsicht und können unsere Arbeitsbedingungen daher mehr

nach unseren Bedürfnissen gestalten. Als Hofgemeinschaft knüpfen wir Austauschbeziehung jenseits von Verkauf und aufrechnendem Tausch. All dies organisieren wir miteinander, ohne formale Hierarchien und im Bemühen um ein zugewandtes, diskriminierungsfreies Miteinander. Unser Zusammenleben ist ein Versuch, die Kultur des Gemeinschaftlichen, auch die damit verbundene Konfliktbewältigung, mit Mut und Sensibilität weiterzuentwickeln.

von gegenseitig.de

• Kartoffelkampagne

Bezeichnung für den nicht-kommerziellen Kartoffelanbau auf dem Karla*hof, der ab dem Jahr 2012 mit dem Vorsatz „prozessorientiert“ anstatt „ergebnisorientiert“ zu sein, vielerlei Erfahrungen in sozialer Organisation produziert hat.

• Kinderläden

Die Kinderladen-Bewegung war eine politische Bewegung in den 60er und 70er Jahren in Westdeutschland, die eine selbstverwaltete Alternative zu staatlichen Kindergärten aufgebaut und erprobt hat.

• Kollektiv

In Kollektiven arbeiten Menschen gemeinsam ohne Hierarchien, tragen die wirtschaftlichen Risiken gemeinsam und teilen die Erträge solidarisch untereinander auf.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-

Broschüre

• kollektive Subsistenz

→ siehe Subsistenz

• Kolonialismus, Kolonialität

Kolonialismus bezeichnet die gewaltvolle Übernahme fremder Territorien und Unterwerfung der dort ansässigen Bevölkerung durch eine Kolonialmacht. Damit einher gehen Vertreibung, Versklavung oder Ermordung dieser. Legitimiert wird Kolonialismus durch Rassismus, der die „Anderen“ als minderwertig oder weniger menschlich darstellt.

Der Ursprung von Kolonialismus liegt im Ausbau der Macht von Staaten und Königreichen, sowie wirtschaftlichen Interessen durch Plünderung und Unterwerfung der Bevölkerung. Banken und die ersten Konzerne der Geschichte beteiligten sich stark an kolonialen Beutezügen, da hier hohe Gewinne zu verzeichnen waren. Besonders europäische Staaten teilten sich die Welt bis ins 20. Jahrhundert unter sich auf. Auch das Deutsche Reich eroberte mehrere Kolonien in Afrika und Asien.

• Kommune

Kommunen sind Lebensgemeinschaften, die über das gemeinsame Wohnen (wie bei einer WG) hinausgehen, sich aber vom Leben in der Kleinfamilie grundsätzlich unterscheiden. Wir beziehen uns auf politische Kommunen, die ein gleichberechtigtes Miteinander erproben, im Konsens entscheiden, Geld (mindestens teilweise) gemeinsam verwalten und über diese Lebensform und ihr Engagement einen gesellschaftlichen Wandel anstoßen wollen. Einige politische Kommunen haben sich im kommuja-Netzwerk zusammengeschlossen ( www.kommuja.de ).

• Kommunist*in

Mit Kommunist*innen meinen wir Menschen, die die Ideen des Kommunismus von Gleichberechtigung und Freiheit von wirtschaftlichen Zwängen gut finden, und sich dabei positiv auf die Analysen von Karl Marx beziehen – Alle nach ihren Fähigkeiten, Allen nach ihren Bedürfnissen.

Wir unterscheiden sie von Parteikommunist*innen, die auf die Herrschaft einer Parteibürokratie abzielen, und Menschen, die sich unkritisch auf historische und aktuelle, dem Namen nach „kommunistische“, Experimente des staatlichen Terrors beziehen.

• Konsumkritik

Konsumkritik versucht aktuelle Probleme, wie den Klimawandel, an individuellem Verhalten festzumachen. Würden sich Alle anders verhalten, d.h. besser konsumieren (bio, fair-trade, vegan, etc.), gäbe es keine Probleme mehr. Individuelles Fehlverhalten ist demnach die Ursache von sozialen und ökologischen Problemen. Dabei geraten Machtunterschiede, ungleicher Zugang zu Gütern und die Frage, was und wie produziert wird, aus dem Blickfeld. Während es natürlich erstrebenswert ist, individuelles Verhalten zu reflektieren, werden unsere auf Gewinn ausgerichtete Wachstumswirtschaft

und politische Entscheidungen, die soziale und ökologische Probleme erst schaffen (Subventionen, Steuerunglichkeit, HartzIV, etc.), ignoriert.

• KüfA

Auch "Küche-für-Alle" oder auch Volkküche genannt. Eine kleine Gruppe Menschen kocht Essen für viele Leute und gibt es gegen Spende aus. Gibt es häufig in sozialen Zentren oder bei linken Projekten in Städten.

• Leistungsgedanke

Der Leistungsgedanke ist eines der Grundprinzipien des Kapitalismus. Gemeint ist hier im besonderen die Lohnarbeit. Denn unentgeltliche Arbeit wie Haus- und Care-Arbeit werden nicht als Leistung gewürdigt. Der Leistungsgedanke ist ein Mythos, der Ungleichheiten legitimieren soll, in dem Menschen selbst

für ihre Lebenslage verantwortlich gemacht werden. Gleichzeitig ist er von uns allen irgendwie verinnerlicht und führt damit oft zu Selbstzweifeln darüber, ob wir „ausreichend“ gearbeitet haben, um uns auszuruhen oder ob wir durch unsere Tätigkeiten genug „wert“ sind. In den Augen Anderer aber auch für uns selbst. Erst wenn wir Leistung erbringen, haben wir demzufolge ein Existenzrecht. Der Leistungsgedanke ist eng verknüpft mit verschiedenen Ausformungen der Stigmatisierung und Ausgrenzung. Beispielsweise in der KZ-Inhaftierung der von Nazis als „asozial“ bezeichneten Menschen.

• Lokomotive Karlshof

Als "Lokomotive Karlshof" bezeichnete sich eine Projektgruppe, die von 2005 bis 2012 auf dem Karlshof lebte und wirtschaftete. Von ihr ging maßgeblich die Idee einer "nichtkommerziellen Landwirtschaft", kurz NKL aus. Anfänglich mit Kartoffeln, später auch mit anderen Produkten versuchte die Gruppe, ein

Netzwerk anzustossen und Andere zu motivieren Ähnliches mit anderen Produkten zu versuchen.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-

Broschüre

• Longo mai

Die Bewegung Longo mai umfasst ein Netzwerk von neun selbstverwalteten Kooperativen, die in Frankreich, Österreich, Deutschland, in der Schweiz und der Ukraine liegen. Longo mai, das alte provenzalische Grusswort bedeutet: «Es möge lange dauern!» Dieser Name ist nach bald fünfzig Jahren immer noch eine tägliche Herausforderung. Heute leben über 200 Erwachsene aus verschiedenen Ländern in den europäischen Kooperativen; dazu kommen Kinder aller Altersstufen. Longo mai ist politisch unabhängig und religiös nicht gebunden.

von prolongomai.ch

• Marktlogik

Marktlogik ist die Vervollkommnung der Tauschlogik. Hier werden Güter explizit als Waren produziert, die dann auf dem (Welt-)Markt verkauft werden, um aus investiertem Geld mehr Geld zu machen. Ob das Produkt schädlich, qualitativ minderwertig oder nutzlos ist, spielt keine Rolle, solange es den größtmöglichen Gewinn erzielt.

• Mietshäuser-Syndikat

Das Mietshäuser-Syndikat ist ein Zusammenschluss von über 170 Hausprojekten in Deutschland. Es bietet eine Möglichkeit für Austausch und Kooperation zwischen verschiedenen Projekten in unterschiedlichen Städten und stellt eine rechtliche Struktur zur Verfügung, die einen Wiederverkauf der gemeinsam gekauften und ausgebauten Häuser verhindern soll. Mehr infos unter syndikat.org.

• nicht-kommerziell

„Nicht-kommerziell“ steht in Abgrenzung zur kommerziellen Herstellung und Nutzung von Produkten und Dienstleistungen und schließt diese explizit aus. Teilweise wird es synonym zu „tauschlogikfrei“ benutzt, lässt aber großen Interpretationsspielraum zu. So nutzen einige Menschen das label „nicht-kommerziell“, um klarzumachen, dass sie keinen (privaten) Gewinn erzielen möchten, aber gleichzeitig einen expliziten Gegenwert (direkten Tausch) dafür verlangen („Eintritt auf Spendenbasis: Richtwert 5 €.“). Andere meinen damit einfach, dass sie etwas nicht verkaufen, nur für sich selbst produzieren oder nur ohne Geld tauschen. Auf dem Karla*hof (damals noch „Lokomotive Karlshof“) wurde das Konzept der nicht-kommerziellen Landwirtschaft (NKL) entwickelt, das den kollektiven tauschlogikfreien Anbau und die Verteilung von Ackerfrüchten bezeichnete, was das Hofkollektiv bis heute prägt.

• nicht-warenförmig

Etwas nicht mit der Absicht herzustellen, um es anschließend gewinnbringend zu verkaufen. Es geht um die Produktion aus eigenen Bedürfnissen heraus (Kreativität, Lust, Wohlbefinden etc.) oder darum, eigene Bedarfe oder die Bedarfe Anderer zu decken. Wenn ich für Freund*innen einen Kuchen backe, tue ich das meistens für mich und Andere gleichermaßen, erfülle dabei mehrere Bedürfnisse und Bedarfe und habe nicht die Absicht damit Gewinn zu erzielen.

• Neoliberalisierung

Neoliberalismus bezeichnet eine Strömung in den Wirtschaftstheorien. Politisch wird mit neoliberal eine marktradikale Politik beschrieben, bei der es um den Abbau des Sozialstaates, umfassende Privatisierungen und schrankenlosen Welthandel geht. (aus „ich-tausch-nicht-mehr“-

Broschüre) Mit Neoliberalisierung ist der Prozess gemeint, in dem sich die oben genannten Prinzipien immer weiter durchsetzen.

• pasteurisieren

Pasteurisieren ist eine Form der Haltbarmachung von Lebensmitteln, bei denen diese für wenige Sekunden bis Minuten auf mindestens 72° C erhitzt werden.

• Patriarchat

Das Patriarchat ist das seit Jahrhunderten weltweit vorherrschende System der Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen und Mädchen aller Hautfarben, sexuellen Orientierung und Religionen auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens. Es besteht unabhängig von Kapitalismus, jedoch macht sich der Kapitalismus diese eigenständige Unterdrückungsform z.B. durch

Vermarktung von Körpern zunutze. Patriarchat bedeutet auch die Differenzierung nach dem Geschlecht, was sich schon in der Erziehung zeigt: Mädchen lernen Eigenschaften wie Fürsorglichkeit, Passivität und Rücksichtnahme, während Jungs zu Verantwortungsbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Stärke erzogen werden. Kinder lernen sehr früh, dass Weiblichkeit mit Minderwertigkeit und Männlichkeit mit Überlegenheit gleichzusetzen ist. Aber auch im Beruf machen sich patriarchale Strukturen durch geschlechtliche Arbeitsteilung und die Tatsache, dass Frauen sich mit weniger Lohn zufrieden geben müssen, was zu ökonomischer und sozialer Abhängigkeit führt, bemerkbar. Diese geschlechtliche Klassifizierung lässt Männer oft zu dem (Trug-) Schluss kommen, ein Verfügungsrecht über die Frau zu haben, was auch als Verfügungsrecht über den weiblichen Körper verstanden wird. Diese Definition erweitern wir um die patriarchale Unterdrückung aller Menschen, die nicht in die cis-Zweigeschlechtlichkeit passen, so wie trans*, inter*, nicht-binäre, agender und viele mehr.

• Politische Ökonomie

So wurde besonders im 19. Jahrhundert das bezeichnet, was wir heute Wirtschaftswissenschaften oder Volkswirtschaftslehre nennen würden.

Aus einer kritischen Sicht betrachtet, geht es vor allem darum, wie Ressourcen in einer Gesellschaft verteilt sind, wer welchen Zugang zu Geld, Macht etc. hat.

• Polyamorie

Polyamory/Polyamorie meint das gleichzeitige Leben von mehreren Liebesbeziehungen. Dabei geht es nicht um heimliche Affären, sondern alle Beteiligten wissen Bescheid. Poly-Beziehungen sind eine Alternative zu (heterosexuellen) Zweierbeziehungen.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• produktive Arbeit

→ siehe reproduktive Arbeit

• Profit(orientierung)

Auch Gewinnorientierung. Das (wirtschaftliche) Handeln richtet sich ausschliesslich oder hauptsächlich nach der Erzielung eines größtmöglichen Profits aus. Der Profit ergibt sich aus der Differenz zwischen allen Ausgaben, die zur Produktion notwendig sind und dem Preis, der beim Verkauf auf dem Markt für das Produkt erzielt werden kann. Viele anderen Aspekte, die für die Frage, was produziert wird und für den Produktionsprozess ausschlaggebend sein könnten, wie z.B. Umweltschutz, Bedürfnisse der Produzierenden, Qualität der Produkte, werden vernachlässigt.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG)

Die Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit ist der Zusammenschluss von Menschen, die mithilfe der Stiftung für dissidente Subsistenz kollektive, solidarische und antikapitalistische Wohn- und Lebensverhältnisse ermöglichen bzw. verwirklichen wollen. Der Karla*hof ist ein Beispiel für ein PaG-Projekt. Mehr Infos und ein Selbstverständnis gibt es auf gegenseitig.de.

• Rassismus

Rassismus ist die Einteilung der Menschheit in verschiedene Menschengruppen nach angeblichen biologischen Merkmalen wie z.B. Hautfarbe. Im klassischen Rassismus wurde in „Rassen“ eingeteilt, in modernen Formen wird eher von Ethnien und Kulturen gesprochen.

Rassismus wird als Rechtfertigung für unterschiedlichste Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen herangezogen.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-

Broschüre

• Rechtsruck

Die Verschiebung medialer und politischer Diskurse nach rechts, also z.B. was Menschen öffentlich sagen können, ohne dafür lautstark kritisiert zu werden. Mit Auftreten der AfD im Bundestag haben sich die gesamtgesellschaftlichen Grenzen des Sag- und Machbaren weit nach rechts verschoben, da andere Parteien wie CDU/CSU aus Angst vor Stimmenverlust ihre Sprache und Ideen teilweise kopieren. Durch die jahrelange Hetz- und Diffamierung von Migrant*innen als gefährliche Verbrecher*innen, wird es möglich, dass jährlich zehntausende Menschen im Mittelmeer aufgrund europäischer Abschottungspolitik ertrinken. Es ist somit kein Skandal ertrinken. Es ist somit kein Skandal mehr, sondern wird von großen

Teilen der Gesellschaft als naturgegeben, normal oder sogar gerechtfertigt hingenommen.

• reproduktive Arbeit / Reproduktion

Im Kapitalismus dreht sich alles um die Produktion von Waren. Diese erfolgt kommerziell und über die Prinzipien Arbeit, Geld und Mehrwert. Alle Arbeit, die dazu beiträgt, Dinge zu produzieren oder Dienstleistungen bereitzustellen, die am Markt verkauft werden und so zu einem Mehrwert führt, kann auch produktive Arbeit genannt werden. Das einzige Ziel der Produktion ist Profit, es geht nicht um die Menschen. Als solche kann Produktion allerdings nicht alleine funktionieren, es bedarf Infrastruktur, Institutionen und anderer sozialer Verhältnisse, die überhaupt erst die Bedingungen der Produktion gewährleisten. Dies wird als Reproduktion (der Produktionsverhältnisse) bezeichnet. Zum Beispiel werden Bereiche wie Kinderbetreuung, Alten- und Kran-

kenpflege, Putzarbeiten, Kochen usw. dem Bereich der Reproduktion zugeordnet.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-

Broschüre

In diesen Bereichen fällt also viel Arbeit an, die reproduktive Arbeit.

• Reproduktionsbedarf

Mit Reproduktion meinen wir alles, was Menschen brauchen, um ihre Energie und Kraft zum Leben und Tätigsein wieder herzustellen. Der Reproduktionsbedarf ist das, was wir brauchen um zu leben, zu arbeiten und unsere Grundbedürfnisse zu erfüllen. Meistens benutzen wir den Begriff, wenn es darum geht, wie viel Geld wir dafür brauchen. Das sind zum Beispiel Kosten für Miete, Geld für Essen, Kleidung und Krankenversicherung.

• resilient/Resilienz

Mit Resilienz meinen wir die Widerstands- und Regenerationsfähigkeit von Individuen und Gruppen, also, wie gut sie auf eine Krise reagieren und sich davon erholen können. Dabei geht es sowohl um individuelle (psychische/emotionale) als auch kollektive Formen der Resilienz. Beispiele dafür sind der Umgang mit Konflikten, ökologische Auswirkungen wie Klimawandel oder Attacken von Rechts und staatlichen Repressionsbehörden. Resilienz beinhaltet auch immer eine Veränderung des selbst/der Gruppe, um zukünftige Ereignisse schneller vorhersehen und besser darauf reagieren zu können.

• Rotation

Bezeichnet das Prinzip, dass verschiedene Menschen abwechselnd anfallende Aufgaben ausführen, anstatt dass jede Person eine feste Aufgabe hat und immer nur die macht. Ziel der Rotation ist, dass zum einen mehr Leute Wissen über bestimm-

te Tätigkeiten erlangen und damit Ausfälle besser kompensiert werden können, aber auch, dass sich keine Hierarchien ausbilden, die Gruppen abhängig von wenigen mächtigen Personen machen.

• Schleudergang

Die Superfood_Schleudergang, oder kurz "Schleudergang", ist eine Initiative am Karla*hof. Wir verarbeiten Obst, Gemüse und Ackerfrüchte zu Aufstrichen, Marmeladen, Konserven, Sauerkraut, Saucen, etc. und geben dies tauschlogikfrei weiter. Die Schleudergang ist nicht nur Produzent*in von Lebensmitteln, sondern arbeitet auch an einem Netzwerk solidarischer Gegenseitigkeit, das in einem Gegenentwurf zum Kapitalismus münden soll.

• Schleuderwoche

→ siehe Einkochwoche

• Solidarische Gegenseitigkeit

Die Beziehungen, die wir uns mit Gruppen und Einzelpersonen wünschen, sollen auf solidarischer Gegenseitigkeit beruhen. Solidarisch, weil wir uns gegenseitig unterstützen wollen, ohne aufzurechnen, egal wie viel wir gerade einbringen können. Gegenseitig, weil wir uns als Teil eines Netzwerks begreifen, in dem alle Beteiligten alle Anderen unterstützen. Dabei gilt das Motto: „Alle nach ihren Bedürfnissen und Allen nach ihren Bedarfen.“

• Solidarische Landwirtschaft

wird manchmal auch CSA genannt. Community Supported Agriculture ist in den 1960er Jahren als eine Reaktion auf die große Macht der Einzelhandelsketten entstanden, die die Preise für landwirtschaftliche Produkte durch ihre Marktmacht stark drücken konnten und u.a. auf-

grund dessen die Industrialisierung der Landwirtschaft stark vorangeschritten ist. Ziel ist es durch die CSA eine Wirtschaftsgemeinschaft zwischen Produzent_innen und Konsument*innen zu schaffen. Dies heißt, dass eine Gruppe von Konsument*innen die Landwirtschaft vorfinanziert und den Produzent*innen so Planungssicherheit schafft und durch diese Kooperation, Solidarität und Absprachen eine Lebensmittelproduktion ermöglicht, die aufgrund von Marktdynamiken sonst nicht möglich wäre.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

Bei Solidarischer Landwirtschaft werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Verbraucher*innen mit organisiert und finanziert wird. Solidarische Landwirtschaft fördert und erhält eine bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft, stellt regionale Lebensmittel zur Verfügung und ermöglicht Menschen einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum.

von solidarische-landwirtschaft.org

sistenzproduktion ein ganz anderes Ziel, nämlich die unmittelbare Befriedigung menschlicher Bedürfnisse.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

subsistent/ Subsistenz

Subsistenz (von lateinisch subsistentia „Bestand“; „durch sich selbst, Selbständigkeit“) bezeichnet ein philosophisches Konzept, bei dem sich das Bestehende aus sich selbst heraus erhält. Die Bezeichnung wird vor allem für jegliche menschliche Auseinandersetzung mit der Umwelt zur Sicherung des Lebensunterhaltes und zur Befriedigung der Grundbedürfnisse verwendet. Subsistenz ist alles, was materiell und sozial zum alltäglichen Überleben benötigt wird: Nahrung, Kleidung, eine Behausung sowie Fürsorge und Geselligkeit. Eine Politisierung von Subsistenz hat vor allem seit den 90er Jahren stattgefunden, da eine politische Subsistenzperspektive gleichzeitig ein Instrument zur kritischen Analyse des herrschenden kapitalistischen Systems, eine Quelle der Autonomie von diesem System und ein Modell für eine neue Produktionsweise ist. Im Gegensatz zur Warenproduktion hat die Sub-

kollektive Subsistenz

Kollektive Subsistenz beschreibt uns einen, dass Subsistenz nicht allein passieren kann, sondern immer einer Gruppe bedarf. Zum anderen ermöglicht es den Raum dafür, dass sich verschiedene Gruppen der Subsistenz zusammenschließen, um durch Arbeitsteilung verbesserte Formen dieser kollektiv von mehreren Gruppen getragenen Subsistenz zu ermöglichen. Damit kommt sie der Idee des Netzwerks gegenseitiger Solidarität sehr nahe, muss aber nicht unbedingt tauschlogik- oder hierarchiefrei sein. Kollektive Subsistenz ist ein Ansatz, der auf dem Karla*hof praktiziert wird.

Tausch

Der Begriff Tausch geht auf das mittelhochdeutsche Wort tuschen (unwahr reden, lügnerisch versichern, anführen) zurück. Tausch meint, dass Sachen (auch immaterielle) nur abgegeben werden, wenn mensch vom Gegenüber dafür eine Sache mit einem entsprechenden Gegenwert (subjektiv) bekommt. Dabei entsteht zwischen den beteiligten Menschen (oder juristischen Personen wie Konzernen) eine Tauschbeziehung. Diese ist geprägt von Misstrauen (Werde ich auch nicht übers Ohr gehauen?), vom Versuch, sich selber einen Vorteil zu verschaffen und oft auch von Abhängigkeiten (Nur wenn ich meine Arbeitskraft verkaufen kann, hab ich genug Geld zum (Über)Leben!).

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

Wir unterscheiden in unserer Praxis zwischen zwei Arten von Tausch:

(1) Äquivalenztäusch:
Wenn wir heute von tauschen sprechen, meinen wir implizit meist den Äquivalenztäusch. Äquivalent bedeutet Gegenwert oder gleichwertiger Ersatz. Das heißt in der Theorie,

es werden Dinge oder Dienstleistungen mit dem gleichem Wert für alle Tauschparteien gegeneinander getauscht. Zum Beispiel tauscht Artur einen Apfel gegen eine Birne von Anna ein, wenn beide den Früchten den gleichen Tauschwert zumessen. Meistens tauschen wir aber mit dem Tauschmedium Geld, also verkauft Artur einen Apfel an Gustavo um einen Euro und kauft sich damit eine Birne von Anna um einen Euro. Der Äquivalenztäusch ist ein direkter Tausch, die Tauschparteien tauschen ihre Waren und Dienstleistungen "Zug um Zug", oder schulden einander den nicht bezahlten Wert. Wenn der Tausch vollzogen ist, besteht keinerlei Verbindlichkeit mehr, die Tauschparteien sind "quit" und können auseinander gehen, wie beim Bezahlen an der Supermarktkasse. Wenn Menschen so miteinander in Beziehung treten nennen wir das Tauschlogik.

(2) generalisierter Tausch:
Beim generalisierten Tausch tragen mehrere Personen/Parteien Sachen bei und mehrere Personen/Parteien nehmen sich etwas. Wer sich etwas nimmt muss nicht automatisch et-

was dafür geben und wer etwas gibt bekommt nicht automatisch etwas dafür zurück. Vielleicht geben manche nur und manche nehmen nur, vielleicht sind nehmen und geben bei allen Beteiligten ausgewogen. Zum Beispiel wenn Artur einen Apfel in die Mitte legt und Ali einen Computer und Anna eine Birne und sich dann Gustavo einen Apfel nimmt und ein gekochtes Mittagessen in die Mitte legt und Hanan nimmt sich den Computer und Artur isst die Birne auf.

Der generalisierte Tausch ist ein indirekter Tausch innerhalb einer Gruppe. Es tauscht nicht Anna mit Ali, wodurch beide miteinander "quitt" werden. In der Regel sind die Involvierten über die gemeinsame Gruppe langfristig miteinander verbunden. Was sie im Laufe der Zeit herstellen, geben sie an die Gruppe, was sie bekommen nehmen sie von der Gruppe.

Gruppen entwickeln dafür eigene Regeln. Das kann durch Sitten und Bräuche geschehen, wie bei einem Buffet, zu dem viele beitragen und sich alle nehmen dürfen. Durch allen bekannte moralische Regeln aber nicht unverhältnismäßig viel.

Oder es gibt bestimmte dazu von der Gruppe legitimierte Menschen oder Institutionen, die nach kulturell festgelegten Regeln Dinge den Gruppenmitgliedern zuweisen, wie es z.B. auf Piratenschiffen üblich war. Generalisierter Tausch kann auch Hierarchien beinhalten, sodass einige mehr bestimmen dürfen als andere, wie z.B. in der traditionellen patriarchalen cis-hetero-Kleinfamilie, wo der Vater über das gemeinsame Einkommen entscheidet, aber in der Regel alle versorgt werden, auch wenn sie nichts Materielles beitragen, wie Kleinkinder oder Kranke.

• Tauschlogikfrei(heit)

Unter Tauschlogikfreiheit verstehen wir das bewusste Nicht-Tauschen, also nicht im gängigen Äquivalenztausch zu geben und zu nehmen.

Diese Art von Tausch ist stark mit neoliberalen Werten wie Konkurrenz, Leistungsgedanken, Individualismus/Egozentrismus und ausschließenden "Freiheiten" von Wenigen

verbunden. Sie führt zu einer Gesellschaft von Einzelkämpfer*innen, in der weniger durchsetzungsfähige und -willige Menschen leicht hinten runter fallen.

Tauschlogikfreiheit hingegen beinhaltet Werte wie Kollektivität, Gleichwertigkeit, Solidarität, Kooperation und Bedürfnisorientierung. Der Fokus liegt nicht auf dem „unternehmerischen Selbst“, sondern auf der/den Gruppe/n, die Individuen umgibt/umgeben, und die gemeinsame Bewältigung des Lebens nach eigenen Regeln.

Oft gibt es im Äquivalenztatsch einen Machtunterschied zwischen Tauschparteien, z.B. wenn Artur etwas hat, was Anna ganz dringend braucht, aber nirgends sonst für sie erreichbar bekommen kann. Oder wenn Artur durch Gewaltandrohung Anna dazu zwingt etwas von ihm zu kaufen. In so einem Fall kann Artur den Preis in die Höhe treiben. Dann kostet der Apfel, der gestern noch 1 Euro gekostet hat, plötzlich 4 Euro. Besonders fies ist der Äquivalenztatsch in stark ungleichen Gesellschaften, in denen Menschen aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht,

Herkunft, Sexualität, Religion, ihres Körpers oder Alters diskriminiert werden. Die soziale Ungleichbehandlung führt durch ungleiche Tauschbeziehungen oft zu materieller Ungleichheit, weil sie eine Begründung liefert, warum es ok ist, dass bestimmte Menschen weniger Lohn bekommen oder für die gleiche Sache mehr Geld bezahlen sollen. Soziale und materielle Ungleichheit verstärken sich so gegenseitig. Tauschlogikfreiheit ist für uns somit sowohl eine praktische Kritik am Kapitalismus, als auch an den gesellschaftlichen Ungleichheiten, von denen der Kapitalismus lebt und die er zur Folge hat. Es wird nicht getauscht, sondern geteilt; nicht konkurriert sondern kooperiert; nicht beglichen, sondern beigetragen.

• Tauschwert

→ siehe Wert

• unkapitalistisch

beschreibt den Versuch, sich nicht an den kapitalistischen Verhältnissen zu beteiligen und Lebensbereiche möglichst frei von Profitorientierung und übertriebenem Nützlichkeitsdenken zu halten. Das kann auch sehr unpolitisch sein, wie bei strikten Selbstversorger*innen, die wenig mit anderen kooperieren.

• Umsonstläden

Umsonstläden, auch Kost-Nix-Läden oder Schenkkläden sind politische Projekt in denen Sachen mit Gebrauchswert tauschlogikfrei abgegeben und mitgenommen werden können.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Unverpacktläden

Laden, in dem Lebensmittel verkauft werden. Im Gegensatz zum Supermarkt aber nicht in einzelne Packungen verpackt sondern zum selbst abfüllen in mitgebrachte Gläser. Unverpacktläden sind Teil der "Zero-Waste" Bewegung, die zum Ziel hat die Produktion von Müll zu verringern/zu verhindern.

• Urban-Gardening

Urbaner Gartenbau, auch Urban Gardening, ist die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten oder in deren direktem Umfeld. Die nachhaltige Bewirtschaftung der gärtnerischen Kulturen, die umweltschonende Produktion und ein bewusster Konsum der landwirtschaftlichen Erzeugnisse stehen im Vordergrund.

von wikipedia.de

• Utopie

(altgriechisch: nicht-ort), Vorstellung, Konzept oder Vision von einer besseren Gesellschaft, die sich grundlegend von der jetzigen unterscheidet.

• Vergesellschaftung

Der Begriff der Vergesellschaftung wird in Disziplinen unterschiedlich benutzt, im allgemeinen bezeichnet es aber die Überführung von Individuellem, Vereinzeltem oder Privatem in etwas Gesellschaftliches. Im ökonomischen Feld wird damit etwa die Umwandlung von privatem Eigentum und Ressourcen (klassisch Produktionsmittel und Bodenschätze) in Formen des Gemeineigentums bezeichnet. In der Soziologie ist der Prozess gemeint, in dem Individuen in den spezifischen sozialen Zusammenhang integriert und so zu Gesellschaftsmitgliedern werden. Diese Vergesellschaftung erfolgt in spezifischer Weise entlang von gesellschaftlichen Kategorien (class, race, gender u.a.), die die soziale Position bestimmen.

Allgemeiner kann unter Vergesellschaftung einfach die historisch spezifische Gesellschaftsformation (also sowohl ökonomische, als auch politische und soziale Sphäre) verstanden werden, die soziale Interaktionen und Beziehungen strukturiert und formt. Der Wunsch nach einer anderen Vergesellschaftung ist damit bezogen auf die Hoffnung, dass gesellschaftliche Strukturen verändert werden und damit ein anderer sozialer Bezug der Menschen möglich wird: Solidarität statt Konkurrenz, Bedürfnisorientierung statt Profitlogik, Teilen statt des gegenseitigen Ausschlusses von den Ressourcen für ein gutes Leben.

Der Begriff der Vergesellschaftung wird auch mit einer feministischen Perspektive stark gemacht, indem darauf hingewiesen wird, dass Frauen* sowohl in der Erwerbsarbeit als auch in der Reproduktionsarbeit im Haushalt eingebunden, also "doppelt vergesellschaftet" (Regina Becker-Schmidt) sind.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Ware / warenförmig / nicht-warenförmig

Eine Ware ist im Kapitalismus alles was verkauft und gekauft wird: Gebrauchsgüter, Rohstoffe, Dienstleistungen und auch die menschliche Arbeitskraft. Wenn etwas dafür produziert wird, dass es verkauft werden kann, dann ist es warenförmig. So kann z.B. auch Kultur und Kunst warenförmig werden, wenn sie danach ausgerichtet wird, dass sie auf dem Markt einen guten Preis erzielt.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Wendland

Das Wendland befindet sich im Landkreis Lüchow-Dannenberg, Ost-Niedersachsen. Bekannt wurde die Gegend durch die starken Anti-Atom-Proteste gegen ein dort geplantes Atommüll-Endlager in Gorleben seit den 70er Jahren. Aus diesen sehr gemeinschaftlichen Protesten heraus entstanden im

Wendland bereits früh mehrere politische Kommunen, die die Gegend, über die Proteste hinaus, langfristig politisieren konnten. Das Wendland bis heute attraktiv für „Alternative“ und Künstler*innen und die Dichte an Kollektiven, politischen Projekten und Kommunen ist für den dünn besiedelten Landstrich bemerkenswert. Einige dieser Akteur*innen haben sich zum „Freien Fluss“ zusammengetan, einem Netzwerk an Gleichgesinnten, die (in unterschiedlichem Ausmaß) tauchlogikfreies Geben und Bekommen praktizieren.

• Wert

Mit Wert ist in der Ökonomiekritik nicht die individuelle Be-Wertung von Dingen oder Menschen gemeint. Wert ist vielmehr das, was den Dingen unabhängig von der individuellen Einschätzung, objektiv zukommt und ein gesellschaftliches Austauschverhältnis ermöglicht. Als solches entsteht der Wert nicht natürlich, sondern muss immer durch menschliche Tätigkeit in Form der

Arbeit geschaffen werden – es gibt ihn also nicht in allen Gesellschaften.

Da die Inwertsetzung gesamtgesellschaftlich und hinter dem Rücken der Menschen vor sich geht, erscheint es aber so, als ob der Wert den Dingen natürlich und notwendig zukommt.

In der Werttheorie von Karl Marx ist der (Tausch-)Wert einer Ware – in begrifflicher Abgrenzung von ihrem "Gebrauchswert" – eine abstrakte Größe, die sich nach der Menge, der für ihre Herstellung insgesamt verausgabten "abstrakten Arbeit", bemisst. Der Tauschwert kann nur im Verhältnis zweier Waren zueinander existieren.

Der Gebrauchswert bezeichnet die individuelle Nützlichkeit eines Gutes und kann sich von Person zu Person unterscheiden.

Eine lesenswerte Einführung liefert Michael Heinrich "Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung", Schmetterling Verlag in Kapitel 1-3.

aus "ich-tausch-nicht-mehr"-
Broschüre

• Wertlogik

Wertlogik beschreibt die Vorstellung, allen Dingen und Taten einen ökonomischen Tauschwert beizumessen. In dieser Logik haben Dinge und Tätigkeiten nur einen (gesellschaftlichen) Wert, wenn sie auch einen entsprechenden Tauschwert haben. Kostenlose Tätigkeiten, wie die oft durch Frauen* verrichtete Haus- und Sorgearbeit, haben demnach auch gesellschaftlich keinen Wert – zumindest erhalten sie keine Wertschätzung.

• Wir haben's satt

Ist ein Bündnis verschiedener umwelt- und klimapolitischer Gruppen. Es organisiert seit 2011 regelmäßige Demonstrationen, macht Aktionen, Kongresse und Veranstaltungen rund um die Themen ökologische Landwirtschaft und Essen und engagiert sich für die Energiewende sowie für eine Wende der Landwirtschaftspolitik. Mehr Infos unter https://www.wir-haben-es-satt.de .

• Wukania

Ist ein Projekt der PAG in Biesenthal, das es etwa seit 2009 gibt. Ein Großteil der bis dahin verlassenen Gebäude des Geländes am Wukensee wurde dank vieler helfender Hände zu Wohnhäusern, Arbeits- und Freizeitgebäuden. Seit dem ersten Handschlag erfahren immer mehr Menschen in Wukania ein intensives Zusammenleben. Mit einer Naturkita, einem Sportverein, dem Werkstattgebäude, einem Filmschnittplatz, der Lernwerkstatt, Verschenkemärkten und Kinderfreizeiten und Tierhaltung sowie der Willkommensinitiative für Geflüchtete konnten ganz unterschiedliche Projekte auf die Beine gestellt werden. Durch gemeinsame Aktionen mit anderen Initiativen in Biesenthal, etwa gegen Fremdenhass oder für eine umweltgerechte Verkehrsanbindung bringt sich Wukania vor Ort ein.

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WAS WÄRE,
WENN ...

Wie würde sich ein Leben ohne Patriarchat, Kapitalismus und Herrschaft anfühlen?

Mit welchen Dingen würde ich mich beschäftigen?

Gäbe es für mich Sorgen, Stress und Druck?

Würde ich mich lebendig und frei fühlen?

Würde ich mich langweilen?

Worin fände ich Sinn?

Wie sähe eine Welt aus, in der ich wirklich leben möchte?

Das Jetzt begrenzt meine Fantasie.

Würde ich in Steinhäusern mit Zentralheizung wohnen? Wie sähe es aus, gäbe es weder Stadt noch Land? Wer wären meine Bezugspersonen und warum? Wer kümmerte sich um mich und um wen kümmerte ich mich? Gäbe es Familien? Wer kümmerte sich um Alte, Kranke und Kinder?

Wie groß wäre mein Bewegungsradius? Welche Sprache(n) spräche ich? Wäre ich mit der ganzen Welt verbunden oder lebte ich abgeschottet? Wie verhielte ich mich Fremden gegenüber? Wären diese Fragen noch relevant?

Gäbe es Ackerbau? Was würde ich essen? Wer würde das produzieren und warum? Müsste ich alles selbst können? Wäre ich ein hochspezialisiertes Zahnrad einer Planwirtschaft? Lebte ich im Überfluss? In Armut? In Askese? Lebte ich ohne Eigentum? Gäbe es noch „meins“ und „deins“? Wie ginge ich mit Gewalt um? Wovor hätte ich Angst?

Worin läge meine Identität? Wäre ich Teil einer Gruppe? Mehrerer Gruppen? Allein? Lebte ich unter ständiger sozialer Kontrolle? Wie viel könnte ich verändern? Könnte ich meinen Vorlieben nachkommen? Gäbe es Spiel? Wirklichkeit? Was wäre Wissen? Wie würde ich es weitergeben? Was wäre mir wichtig?

Was machte das Leben wirklich lebenswert? Feste? Kunst? Gemeinschaft? Freizeit? Beitragen? Bequemlichkeit? Glaube? Abenteuer?

Gäbe es für mich Ethik und Moral? Wie würde ich mit Unterschiedlichkeiten umgehen? Wie würde ich meinem Tod entgegenblicken? Wie würde ich Leben um mich herum behandeln?

Wie würde ich mich im Konflikt verhalten? Wollte ich mich und meine Ideen durchsetzen? Würde ich begehren? Wie würde ich mich fühlen, wenn ich nicht bekäme, was ich wollte? Würde ich noch wollen? Würde ich Sehnsucht kennen? Wie würde ich lieben? Wen würde ich lieben? Gäbe es romantische Liebe? Welche Bedeutung hätte Sex?

Welche Ziele könnte ich noch haben? Wäre ich bescheiden oder griffe ich nach den Sternen? Würden sich meine Vorstellung von Zeit und Raum verändern? Wäre ich für mich der Mittelpunkt der Welt? Würde ich an Dingen festhalten? Loslassen? Wie fühlte sich mein Körper an? Wäre ich gleichmütig? Zielstrebig? Im Innen? Im Außen?

Könnte ich nicht jetzt schon anders leben?

IMPRESSUM

Spendenkonto:

Christof Potthof
IBAN: DE28 1005 0000 4134 4866 16
BIC: BELADEBEXX
Berliner Sparkasse
Verwendungszweck: Superfood

Verfasser*in: Superfood_Schleudergang, Karla*hof 2022

Kontakt: karlahof.de / schleudergang@gegenseitig.de

verwendete Schriften: Montserrat + Lemon/Milk + HansHand

Gestaltung: → olivia / Illustrationen: → frenzis

Druck: AktivDruck & Verlag GmbH, Göttingen, recyceltes Papier

Auflage: 1000 Stück

Der Druck dieser Broschüre erfolgte mit freundlicher Unterstützung des Netzwerk Selbsthilfe e.V. und der Agentur für Wertschätzung. Vielen Dank!

Diese Broschüre wird zu Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht. Eine elektronische Fassung kann ab Veröffentlichung heruntergeladen werden. Das Werk darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden.

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WIE SÄHE EINE WELT AUS,
IN DER ICH WIRKLICH LEBEN
MÖCHTE?

DAS JETZT BEGRENZT
MEINE PHANTASIE.

KÖNNTE ICH NICHT HEUTE
SCHON ANDERS LEBEN?