Tipps-und-Tricks

Langfristige Datenhygiene

Langfristige Datenhygiene

Es gibt ein paar Sachen, die du langfristig immer wieder mal machen solltest. Je seltener du diese Sachen machst, desto wichtiger ist, dass du sie überhaupt machst. Es geht darum A) arbeitsfähig zu bleiben, wenn deine Geräte beschlagnahmt oder defekt sind (langfristig gesehen werden deine Geräte irgendwann kaputt gehen). B) datensparsam zu leben. Daten, die nicht existieren, können auch nicht von der Polizei ausgelesen werden.

Daher die große Empfehlung: Mach dir einen Kalendereintrag (einmal im Quartal), verlinke diese Seite und gehe die Checkliste durch.

Checklisten

Backups: arbeitsfähig bleiben

Datensparsamkeit (Telefon und Laptop!)

Signal

Erweiterter Sicherheitsmodus in Android

Der erweiterte Sicherheitsmodus (Android Advanced Protection Mode)

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Was ist der erweiterte Sicherheitsmodus?

Mit physischem Zugriff kann die Polizei viele Telefone auslesen. Das sicherste Betriebssystem für Telefone ist GrapheneOS. Mehr zu GrapheneOS findest du in den 10 goldenen Sicherheitsregeln.

Der erweiterte Sicherheitsmodus (engl. "Android Advanced Protection Mode", AAPM) wurde mit Android 16 (2015) veröffentlicht. Er enthält einige Features von GrapheneOS und erhöht die Sicherheit deines Geräts deutlich. Wenn du kein GrapheneOS nutzt und dein Telefon solltest du den erweiterten Sicherheitsmodus aktivieren.

Wie kann ich den erweiterten Sicherheitsmodus aktivieren?

Grundsätzlich musst du nur die entsprechende Einstellung aktivieren und das Gerät neu starten. Hier ist ein Video, das zeigt, wie es geht. Eine Anleitung in Textform findest du hier.

Wie kann ich ihn aktivieren? Was macht der erweiterte Sicherheitsmodus?

Im Video oben werden die einzelnen Sicherheitsfunktionen kurz erläutert. Zwei wichtige Verbesserungen sind die folgenden:

Gibt es dadurch Einschränkungen?

Ja, eine. Der erweiterte Sicherheitsmodus blockiert die Installation und das Updaten von Apps aus unbekannten Quellen. Das betrifft alle Apps, die nicht aus dem Google Play Store stammen. Du kannst jedoch den erweiterten Sicherheitsmodus kurzzeitig deaktivieren, Updates installieren und ihn anschließend wieder aktivieren.

Was ist die Einbruchsprotokollierung?

Die Einbruchsprotokollierung (engl. "Intrusion Logging") gibt es seit Mai 2026.

https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/spionage-apps-stalking-100.html

Einbruchsprotokollierung in Android

Einbruchsprotokollierung in Android

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Was ist die Einbruchsprotokollierung?

Wie funktioniert die Einbruchsprotokollierung?

Staatstrojaner und erfordert einen Google Account. Der erweiterte Sicherheitsmodus funktioniert auch ohne Google-Account. Wie du aktivierst siehst du auch oben im Video.

Die Einbruchsprotokollierung loggt bestimmte Sachen, zum Beispiel die laufenden Prozesse und wie viel Datenvolumen die einzelnen Apps verbrauchen. Diese Daten werden verschlüsselt auf Google-Servern gespeichert. Die Daten können nachträglich verwendet wurden, um zu schauen, ob sich auf deinem Telefon Staatstrojaner oder andere Spyware befunden hat.

Wie findet man Staatstrojaner?

Organisationen wie das Citizen Lab, das Security Lab von Amnesty International und das Digital Security Lab von Reporter ohne Grenzen finden und analysieren Staatstrojaner (die meist in autokratischen Ländern eingesetzt werden). Am Ende einer Analyse stehen immer IoCs (Indicators of Compromise), also bestimmte Spuren, die ein Trojaner auf dem Telefon hinterlässt. Das kann ein beispielsweise ein bestimmter App/Prozess-Name sein oder Fehlerberichte von abgestürzten Programmen. Mit Hilfe der IoCs und den gesicherten Logs (Einbruchsprotokollierung) kann herausgefunden werden, ob sich ein Staatstrojaner auf einem Telefon befunden hat. Grundsätzlich sehr schwer, keine Garantie Grundsätzlich sehr unwahrscheinlich

https://github.com/mvt-project/mvt https://docs.mvt.re/en/latest/android/intrusion_logs/

https://securitylab.amnesty.org/latest/2026/05/android-intrusion-logging-as-a-new-source-of-data-for-consensual-forensic-analysis/

Die 10 goldenen Sicherheitsregeln

Die 10 goldenen Sicherheitsregeln

Aktivist*innen haben oft Angst vor Staatstrojanern. In der Praxis bekommt die Polizei aber die meisten Informationen über beschlagnahmte Geräte. Mit den folgenden Regeln machst du es der Polizei sehr schwer, an deine Daten zu kommen. Gleichzeitig bleibst du arbeitsfähig, wenn sie dir deine Geräte abnehmen.

Vielleicht überfordert dich dieser Artikel mit seinen vielen Ratschlägen. Fang einfach da an, wo es für dich passt und sehe es als langfristiges Projekt. Jede umgesetzte Maßnahme verbessert deine Situation, auch wenn du noch nicht alle Regeln umgesetzt hast. {.is-info}

1) Verschlüssele alle deine Datenträger

Wenn dein Laptop verschlüsselt ist, kann die Polizei nicht an deine Daten kommen. Das Gleiche gilt für externen Festplatten, die mit einem guten Passwort verschlüsselt sind. Bei Smartphones sieht das leider etwas anders aus. Smartphones sind heutzutage zwar standardmäßig verschlüsselt, die Polizei bekommt die meisten aber trotzdem auf (insbesondere Android-Geräte und generell ältere Geräte).

2) Steig auf GrapheneOS um

Was ist GrapheneOS? GrapheneOS ist ...

Wie kann ich GrapheneOS nutzen?

Was mache ich, wenn ich kein GrapheneOS habe?

3) Nutze für Aktionen ein separates Telefon

Überlege dir gut, ob du überhaupt ein Telefon mit in die Aktion nehmen musst. Wenn ja, dann gehe auf keinen Fall mit deinem privaten Telefon in Aktion. Nutze stattdessen dafür ein separates Telefon. Setze das Telefon vorher zurück (Werkseinstellungen/factory reset), um alle Daten zu löschen. Für Aktionstelefone sind Google Pixel-Geräte mit GrapheneOS meist zu teuer. In der Regel sind das ältere Android-Geräte. Gehe daher davon aus, dass die Polizei das Telefon auslesen kann, wenn sie es in die Hände bekommt. Um zu verhindern, dass die Polizei an deine Daten gelangt, kannst du Apps mit zusätzlicher Verschlüsselung nutzen oder dafür sorgen, dass sich das Telefon im Falle einer Beschlagnahmung automatisch löscht.

Einen ausführlichen Artikel mit App-Empfehlungen für Aktionselefone (Android) findest du hier im Wiki. Hier ist eine Zusammenfassung der Empfehlungen:

Wichtig: Wenn du im Alltag ein älteres Android-Gerät nutzt, ist es wichtig, dass du die empfohlenen Apps auch im Alltag verwendest.

4) Aktiviere "Verschwindende Nachrichten"

Egal wie sicher deine Geräte oder deine Passwörter sind: Informationen, die gar nicht erst vorhanden sind, können auch nicht von der Polizei ausgelesen werden. Aktiviere deshalb die Funktion "Verschwindende Nachrichten" (Disappearing Messages) in all deinen Messengern (Signal, Telegram, Delta Chat, ...).
Bei vielen Messengern kannst du "Verschwindende Nachrichten" als Standard einstellen. Dann verschwinden Nachrichten in neuen Chats automatisch (Signal, WhatsApp, usw.). Bei Element, das das Matrix-Protokoll nutzt, hängt es vom Server bzw. der installierten Anwendung ab, ob du "Verschwindende Nachrichten" nutzen kannst.

In der Vergangenheit kam es aufgrund von Zufallsfunden in ausgelesenen Telefonen bereits zu neuen Ermittlungsverfahren. Für die Polizei sind Chats äußerst wertvoll.

5) Kommuniziere ausschließlich mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Bei größeren Verfahren wie den kriminelle Vereinigungs-Verfahren (§ 129 StGB) kann die Polizei eine Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) gegen dich einsetzen. Im Jahr 2024 wurde die TKÜ 13.779 Mal in 5.538 Strafverfahren richterlich angeordnet. Eine Anordnung beschränkt sich immer auf einen bestimmten Zeitraum (maximal drei Monate), der jedoch verlängert werden kann.

Im Rahmen einer TKÜ geben Telekommunikationsanbieter eine Kopie deiner Daten an die Polizei weiter:

Dagegen kannst du dich relativ einfach schützen, indem du überall Ende-zu-Ende-Verschlüsslung einsetzt:

6) Sicherer Umgang mit Passwörter

7) Erstelle regelmäßig verschlüsselte Backups

Langfristig gesehen werden all deine Geräte irgendwann kaputtgehen. Bei einer Hausdurchsuchung können dir sogar alle Geräte auf einmal weggenommen werden. Überlege dir deshalb, welche wichtigen Daten du auf deinem Telefon oder Laptop gespeichert hast, von denen du ein Backup brauchst.

Ein Backup ist letztlich nichts anderes als eine Kopie deiner Dateien. Im einfachsten Fall kopierst du einfach deine Dateien auf einen USB-Stick.

Vergewissere dich, dass all deine Datenträger verschlüsselt sind! Ein verschlüsselter Laptop nützt nichts, wenn die Backups unverschlüsselt neben dem Laptop auf der externen Festplatte liegen.

Hier ist ein Vorschlag zum Backup machen:

Hier noch ein paar Tipps:

8) Halte deine Software und Hardware aktuell

Es klingt langweilig, aber es ist wichtig: Installiere Software-Updates, sobald sie verfügbar sind. Denn Software-Updates beheben Sicherheitslücken, die dann nicht mehr von der Polizei ausgenutzt werden könnten. Daher ist es wichtig, dass deine Geräte noch Updates erhalten.

Suche in den Einstellungen deines Telefons nach "Updates". Wenn dein Gerät keine Updates mehr erhält, solltest du zu einem wechseln, das noch Updates bekommt.

Du kannst das alte Telefon aber weiterhin für Aktionen nutzen, sofern du datensparsam mit deinen Daten umgehst (siehe den Punkt zu den Aktionshandys). Die Google Pixel Smartphones bekommen sieben Jahre lang Updates.

Die Situation bei Windows 10/11 Als Mindestvorraussetzung für Windows 11 wird ein Sicherheitschip (TPM 2.0) vorausgesetzt. Dadurch sind sehr viele Geräte, auf denen Windows 10 läuft, nicht mehr mit Windows 11 kompatibel.

Ursprünglich sollte Windows 10 Updates bis Oktober 2025 erhalten. Nach großer Kritik gibt es nun doch längere Sicherheitsupdates für Windows 10, allerdings nur wenn man seinen Laptop mit einem Microsoft-Konto verbindet. Das ist kostenlos, aus Datenschutzgründen jedoch unschön. Ursprünglich waren die erweiterten Sicherheitsupdates bis Oktober 2026 angekündigt, dann wurden sie bis Oktober 2027 verlängert.

Zusammenfassung:

9) Verabschiede dich von Big-Tech

In Ermittlungsverfahren werden regelmäßig Telefone beschlagnahmt. Dass die Polizei jedoch direkt bei Google oder Microsoft auf deine Daten zugreift, kommt dagegen relativ selten vor. In den 129er-Verfahren der Letzten Generation wurden jedoch Google-Konten gesperrt und Google Docs an die Polizei herausgegeben.

Unabhängig davon gibt es zahlreiche Argumente, Trump und den US-Konzernen den Rücken zu kehren. Zuletzt gab es immer wieder Sanktionen gegen die Zivilgesellschaft:

Was sind die Alternativen?

Alle Dienste von Systemli findest du hier aufgelistet. Der Passwort-Manager Bitwarden (https://passwords.systemli.org) fehlt dabei noch. Die Dienste von Autistici werden hier aufgelistet. Die Dienste von Riseup findest du hier.

Synchronisation von Dateien, Kalender und Kontakten Für die Synchronisation von Dateien, Kalendern und Kontakten kannst du die Nextcloud verwenden. Nextcloud ist ein Open Source Projekt, du brauchst jemanden, der eine Nextcloud betreibt:

Wie kann ich von Google auf Nextcloud umsteigen?

  1. Erstelle dir einen Nextcloud Account
  2. Exportiere deine Daten bei Google. Das geht am einfachsten am Laptop im Browser:
    • Logge dich in dein Google Konto ein
    • Unter https://takeout.google.com/ kannst du alle deine Google-Daten auf einmal exportieren
    • Du kannst aber auch in die einzelnen Apps (Kontakte oder Kalender) gehen und dort einezelne Kontaktbücher oder Kalender in eine Datei exportieren
    • Diese Datei kannst du dann in der Nextcloud importieren
  3. Du kannst die Nextcloud im Browser nutzen. Ansonsten gibt es für alle Betriebssysteme auch Apps.

10) Lebe datensparsam - Langfristige Datenhygiene

Es gibt ein paar Dinge, die du langfristig immer wieder mal tun solltest. Dazu gehören beispielsweise das Erstellen von Backups , das Löschen des Browserverlaufs, das Verlassen alter Gruppenchats und das Löschen alter E-Mails. Diese Checkliste hilft dir dabei, diese Aufgaben abzuarbeiten. Am besten hinterlegst du eine Erinnerung in deinem Kalender (einmal im Quartal) und verlinkst die Checkliste.


Die hier beschriebenen Regeln legen den Fokus auf Sicherheit statt auf Anonymität. Themen wie die Personalienverweigerung in Aktion, das Leben im Untergrund oder die Erstellung von Bewegungsprofilen durch Funkzellenabfragen werden nicht behandelt. Anonymität ist nochmal ein extra Thema. {.is-warning}

Glückwunch! Du hast es bis zum Ende geschafft! Brauchst du Unterstützung oder hast Fragen? Dann melde dich beim RAZ (it-support@raz-ev.org). Alternativ bietet das Hextivisti-Kollektiv Wochenend-Skillshares für Aktivist*innen und Antifschist*innen zu genau diesen Themen an! Mehr Infos findest du auf https://kein-hexenwerk.org. {.is-success}

App-Empfehlungen für Aktionstelefone

App-Empfehlungen für Aktionstelefone

TODO: Diese Seite muss überarbeitet werden.

Diese Seite geht davon aus, dass du ein Android-Gerät nutzt, das die Polizei auslesen kann, wenn sie es in die Finger bekommt. Wenn du im Alltag ein älteres Android-Gerät nutzt, TODO: {.is-info}

App-Empfehlungen zum Thema Datensparsamkeit (für Android):

Umstieg von Signal auf Molly (Dokumentation auf Englisch):

  1. Installiere die Molly App (TODO: Link)
  2. Öffne die Signal App und erstelle ein lokales Backup
  3. Öffne Molly, wähle "aus Backup wiederherstellen" und setze das extra Passwort (kannst du auch nachträglich setzen/ändern/entfernen)
  4. In der Signal App wirst du dann automatisch ausgeloggt

dem Handy gespeichert werden. Auf dem Telefon selbst kannst du die Dateien nicht anschauen. Auch nicht die Polizei. Die Dateien können nur auf dem Laptop entschlüsseln. Sinnvoll ist daher in Aktion noch eine Datei-Synchronisation zu haben (z. B. mit der Systemli Nextcloud App), damit das Backoffice an alle Dateien kommt. Das Backoffice braucht dann noch die Software zum Entschlüsseln der Dateien. Wie das geht wird in der Dokumentation beschrieben.

Im Alltag kein GOS? Das hier befolgen verweisen auf datenhygiene