Der Weg zur GemÖk hoch 2

Hinweis: dies ist eine Ergänzung zum Kapitel →4.3.1 GemÖk hoch 2

Einzelne GemÖks sind mächtige Werkzeuge der Selbstermächtigung, doch ihre transformative Kraft wird um ein Vielfaches potenziert, wenn sie sich vernetzen. Diese Netzwerke, manchmal auch als „GemÖk²“ bzw. „GemÖk Hoch 2“ bezeichnet, verbinden die Praktiken der Kleingruppen zu einem dezentralen Netzwerk gegenseitiger Hilfe.

In theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Thema GemÖk Hoch Zwei wurden folgende Gründe für die Notwendigkeit einer engeren Vernetzung zwischen GemÖks benannt1:

Eine GemÖk² sollte also Antworten in der Praxis auf diese Probleme finden, die bei der Vereinzelung von GemÖks auftreten. Die Vernetzung sollte also möglichst so strukturiert sein, dass sie den Wechsel zu einer anderen GemÖk oder Neugründung erleichtert, eine Vielfalt an Gemökformen entwickelt und zulässt, tauschlogikfreien Waren- und Dienstleistungsaustausch sowie Skillsharings zwischen den Gruppen ermöglicht, eine Erhöhung der politischen Relevanz und Wahrnehmbarkeit von GemÖks in der Gesellschaft befördert sowie die Freiräume jenseits des Arbeitsverwertungszwangs erweitert. Zudem lässt sich aus hierarchiekritischer Perspektive noch hinzufügen, dass die Selbstbestimmung der einzelnen GemÖks dennoch erhalten bleiben sollte, um sich nicht von einer großen Organisation abhängig und folglich individuell handlungsunfähiger zu machen. Eine Zentralisierung (insbesondere der Entscheidungsmacht) muss also vermieden werden – auch um am Ende nicht aus Versehen einen neuen Staat geschaffen zu haben.

In den Treffen wurde außerdem darauf verzichtet, eine komplett umsetzbare Struktur auszugestalten, da die Bedürfnisse und Situationen der beteiligten GemÖks sehr unterschiedlich sein werden. Daher sind hier einige Anregungen, um so eine GemÖk² anzustoßen:

Die Einigung auf ein niedrigschwelliges Einstiegsmodell könnte den Start erleichtern.

Ein praktisches Beispiel für eine GemÖk² aus den letzten Jahren ist das Solidarnetz, das eine Plattform für solidarische Vernetzung und Kooperation von (Anzahl der Gruppen und beteiligten Menschen rausfinden und wie lang das genau existierte) GemÖks war.2 Das Selbstverständnis dieses Netzwerks wurde auf der Website solidarnetz.org folgendermaßen beschrieben:

Wir sind Menschen aus verschiedenen sozialen Bewegungen, die sich bereits in solidarischen Bezugsgruppen organisieren oder auf dem Weg dorthin sind. Um das Konzept der solidarischen Bezugsgruppen zu verbreiten, unsere Gruppen gegenseitig zu unterstützen und uns allen langfristige Sicherheit zu bieten, haben wir uns zu einem regelmäßigen Austausch zusammengeschlossen.

Wir leben überall in der BRD verteilt in unterschiedlichen Lebenssituationen. Manche von uns machen Vollzeit-Aktivismus, andere studieren, machen eine Ausbildung oder lohnarbeiten und die meisten von uns machen ein bisschen was von allem. Wir wohnen einzeln, in WGs, Baumhausdörfern oder Kommunen. Es gibt nicht DEN Lebensstil von solidarischen Bezugsgruppen – wir ermöglichen es uns allen, nach unseren Bedürfnissen und unseren Fähigkeiten zu leben, zu lernen und aktiv zu sein.

Wir treffen uns zweimal monatlich mit allen Interessierten aus den solidarischen Bezugsgruppen. In diesen Treffen arbeiten wir an einer gemeinsamen Werteebene des Netzwerks und daran, solidarische Bezugsgruppen für mehr Menschen zugänglich zu machen. Im Moment arbeiten wir daran, Bezugsgruppen-übergreifend finanzielle und andere materielle und immaterielle Ressourcen zu teilen.

Wir sind offen für alle Menschen, die bereits in solidarischen Bezugsgruppen organisiert sind oder es sein möchten. Die Arbeit des Netzwerks wird von uns allen geformt und vorangebracht.“

Das Solidarnetz und ähnliche Ansätze zeigen, wie vernetzte GemÖks nicht nur ihre individuelle Praxis stärken, sondern auch die Grundlage für eine neue gesellschaftliche Logik schaffen können. Diese Netzwerke sind mehr als die Summe ihrer Teile: Sie bauen idealerweise Hierarchien ab und stützen sich auf Kooperation statt auf Konkurrenz. So entstehen Keimformen einer dezentralen, solidarischen Gesellschaft. Dennoch beruhen die (zumindest hier vorgestellten) theoretischen und praktischen Ansätze auf einem eher geschlossenen Organisationsmodell, da bei GemÖk²-Netzwerken die jeweiligen Gruppen erst ein gegenseitig anerkanntes Mitglied des Netzwerks werden müssen, um tauschlogikfreien Zugang zu gemeinsamen Konten und kollektiv verwalteten Ressourcen zu haben. Für Fremde, anonyme Unbekannte bzw. Nicht-Mitglieder besteht dieser tauschlogikfreie Zugang nicht oder wenn dann eher nur eingeschränkt, nachdem sich die Mitglieder dazu entschieden haben, bestimmte Zugänge zu Ressourcen für Personen außerhalb des Netzwerks zu öffnen.

1 Hier sind nur die Treffen zwischen mehreren GemÖks gemeint, die in und um das Jahr 2012 in Deutschland stattfanden.

2 Die Website des Solidarnetz ist im März 2023 offline gegangen.


Version #3
Erstellt: 2025-10-30 18:42:07 UTC von RAZ Migration Bot
Zuletzt aktualisiert: 2025-11-05 11:54:22 UTC von RAZ Migration Bot