praktische Fähigkeiten
Welche Fähigkeiten brauchen wir, um in Katastrophen solidarisch handlungsfähig zu sein? Und wie können wir diese erlangen? Hier gibt es Ressourcen und weiterführende Links zu verschiedenen Fähigkeiten, die im Kollaps hilfreich sind.
- Mutual Aid/ Gegenseitige Hilfe
- Moral, Mut, Motivation
- Wir kämpfen, weil wir es mögen
- We Are the Strange and Scary Things in These Woods
- Vorne ist es sicherer - In der Offensive gegen Tyrannei
- Our Hands Are Empty Save For History or: when the moment and movements fade
- Kommunikation in Katastrophen
- Erste Hilfe & Medizin
- Ernährung & Landwirtschaft
- Emotionale & Psychische Erste Hilfe
Mutual Aid/ Gegenseitige Hilfe
Moral, Mut, Motivation
Schöne und inspierende Texte, um in den verrückten und beängstigenden Zeiten unsere innere Stärke nicht zu verlieren.
Wir kämpfen, weil wir es mögen
übersetzt von goldmirror.noblogs.org
Original-Text: https://de.crimethinc.com/2018/03/22/we-fight-because-we-like-it-maintaining-our-morale-against-seemingly-insurmountable-odds
Wie wir unseren Kampfgeist trotz scheinbar unüberwindbarer Hindernisse aufrechterhalten
Eine Reflektion wie wir das anarchistische Projekt außerhalb post-christlicher millenarischer Erzählungen verstehen können. (Anmerkung der Übersetzung: post-christliche millenarische Erzählung bezieht sich hierbei auf den Glauben, egal ob religiös oder säkular, dass sich die Gesellschaft langfristig nach einem große Bruch zum positiven Verwandeln wird. Dieser Glaube steckt zB im Glauben ans Eintreten des Paradieses bzw. Himmelreichs im Christentum oder in Marx‘ Behauptung, der Kommunismus sei nur eine Frage der Zeit).
„Sie sind nur Geister, diejenigen, die Glauben, die Menschen kämpfen, um zu gewinnen. Sie kämpfen, weil sie es mögen.“
And There Was Light, Autobiographie von Jacques Lusseyran, blinder Held der französischen Resistance
Es geht nicht darum, ob wir gewinnen können, sondern darum, wie wir leben wollen
Ich habe bereits ein Vierteljahrhundert an der anarchistischen Bewegung teilgenommen. Im Laufe dieser Zeit habe ich gesehen, wie wir inspirierende Siege trotz überwältigender Widrigkeiten erlangt haben.
Von lokalen Konflikten bis hin zu internationalen Auseinandersetzungen haben wir die Behörden immer wieder zum Einlenken gezwungen und uns so Raum verschafft, um unsere Experimente zur Erfindung anderer Lebens- und Beziehungsformen durchzuführen. Einige dieser Räume haben nur wenige Minuten Bestand gehabt, andere Jahrzehnte. Wir können die anarchistische Bewegung selbst als einen dieser Räume verstehen.
Ich habe auch viel Leid und Verzweiflung gesehen. Viele unserer Genoss*innen wurden im Kampf für unsere gemeinsamen Ideale verletzt, erschossen, inhaftiert oder getötet. Noch viel mehr haben den Glauben daran verloren, dass wir jemals eine bessere Welt erreichen werden – dass all diese Opfer gerechtfertigt sein werden. Es kann sehr schwierig sein, den Kampfgeist aufrechtzuerhalten, wenn man es mit nicht weniger als der globalen Ordnung selbst aufnimmt.
Ich glaube immer noch fest daran, dass einige wenige Menschen enorme Veränderungen in der Welt um uns herum bewirken können. Aber ich erwarte keine Belohnung für meine Bemühungen in einem zukünftigen Paradies. Ich bin kein Angestellter, der den Lohn der Revolution sucht. Ich tue dies, weil der Kampf selbst erfüllend ist.
Ich glaube nicht an die Fortschrittserzählung der westlichen Aufklärung, wonach das Leben mit der Zeit unweigerlich immer besser wird und wir uns, wenn wir unseren Teil dazu beitragen, dazu beglückwünschen können, Teil des Bogens der Geschichte zu sein, der sich angeblich in Richtung Gerechtigkeit neigt. Im Gegenteil, die Kämpfe, die wir heute führen, sind sehr alt. In mancher Hinsicht haben wir Boden gewonnen, in anderer Hinsicht haben wir Boden verloren, aber es gibt keine absolute Sieg oder absolute Niederlage, und es gibt keine Garantien dafür, wie diese Kämpfe ausgehen werden.
Ich beteilige mich nicht am anarchistischen Kampf, weil ich glaube, dass wir die Welt retten werden. Im Gegenteil, ich kämpfe, weil ich weiß, dass eines Tages die ganze Welt zerstört sein wird – die Erde wird von der Sonne verschlungen werden und nur Asche zurückbleiben –, und wenn dieser Tag kommt, möchte ich, dass die Geschichte, die endet, eine Geschichte von Schönheit und Tragik und Widerstand gegen Tyrannei ist. Ich möchte, dass die Geschichte, die wir leben, eine Geschichte von Freude und Mut und Zusammengehörigkeit ist. Ich kämpfe, weil es eine Möglichkeit ist, mich an diejenigen zu erinnern, die vor uns kamen, weil es eine Möglichkeit ist, die Kreativität und Rebellion meiner Zeitgenossen zu ehren, weil es ein Akt der Fürsorge für alle anderen ist, deren Herz bricht, wenn sie Ungerechtigkeit und Unglück sehen. Ich kämpfe, weil ich weiß, dass es kein Happy End gibt, dass am Ende der Geschichte keine Erlösung auf uns wartet; es gibt nur das, was wir heute gemeinsam tun. Das ist alles, was es an Schönheit und Sinn in der Welt jemals geben wird, und das kann mehr als genug sein.
Aber ist es nicht schwieriger zu kämpfen? Setzen wir uns nicht unnötigem Leid aus, wenn wir uns so mächtigen Gegnern stellen? Wäre es nicht einfacher, aufzugeben und sich dem Lauf der Dinge zu fügen?
Jeder von uns muss ohnehin leiden – das ist die einzige Gewissheit in dieser Welt. Die Sterblichkeit ist ein weitaus gewaltigerer Gegner als der Staat. Ob wir uns entscheiden zu kämpfen oder nicht, wir werden leiden. Die Frage ist, in welchem Kontext wir leiden wollen. Werden wir leiden, während wir nach den Dingen streben, die uns am wertvollsten sind? Oder werden wir sinnlos leiden und versuchen, vor Schmerz und Unsicherheit zu fliehen, als ob uns das schützen könnte? Meine Erfahrungen in hundert Black Blocs haben mich davon überzeugt, dass es normalerweise sicherer ist, wenn man vorne steht.
Ich habe mich damit abgefunden, dass wir an Kämpfen beteiligt sind, die niemals endgültig gewonnen werden können. Es geht nicht darum, einfach nur eine einzelne Regierung zu stürzen oder den Staat als Gesellschaftsform zu zerstören, sondern um den nie endenden Prozess, Hierarchien und Unterdrückung in all ihren verschiedenen Formen in Frage zu stellen. Dieses Projekt wird niemals abgeschlossen sein.
Für mich ist die Akzeptanz, dass meine Handlungen ihre Bedeutung nicht aus einem zukünftigen Ziel ableiten können, untrennbar mit dem Prozess verbunden, mich mit meiner Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Wenn ich den Tod als unvermeidlich anerkenne, eile ich ihm nicht schneller entgegen. Im Gegenteil, meine Aufmerksamkeit verlagert sich auf alles andere, auf alles, was nicht Tod ist, wie klein es auch sein mag. In einer Welt des Todes, in einem Nekrokosmos, der sich über Milliarden von Lichtjahren meist leeren Raums erstreckt, einem Kosmos, der sich nach Einschätzung der Astronomen bereits auf dem Weg zum universellen Wärmetod befindet – für mich hat die Keimung eines einzigen Samens mehr Bedeutung als alle wirbelnden Staubgalaxien. Wir mögen von unseren Feinden besiegt werden, wir sind sicherlich dazu verdammt, selbst zu Staub zu werden, aber wenn dem so ist, dann besteht das gesamte Sinnvolle nur aus den Momenten, in denen etwas anderes geschieht, etwas anderes als der Tod – sei es eine liebevolle Interaktion zwischen zwei Freunden, die Aufrechterhaltung eines anarchistischen Sozialzentrums, die Entwicklung einer basisdemokratischen Musiktradition wie Punk oder Klezmer, eine Explosion von Unruhen oder der Sturz einer Regierung.
Die Tatsache, dass jeder dieser Momente stattgefunden hat, wird für immer unveränderlich bleiben, ungeachtet des Vakuums (Anmerkung der Übersetzung: gemeint ist Leere, im Sinne von Bedeutungslosigkeit). Die Feigheit und Gewalt einzelner Polizeibeamter und der Polizei als Institution, die ungeheuerlichen Taten des IS und des KKK – das sind nur Hintergrundgeräusche, Tod und Steuern. (Anmerk. d. Ü.: in Anlehnung an den englischen Ausspruch „death and taxes“ als die zwei unveränderlichen Konstanten im Leben).
Aus diesen Momenten – aus unseren gelebten Erfahrungen von Anarchie und Freiheit – können wir eine Vision der Zukunft ableiten, die keine Wiederholung der christlichen Eschatologie ist, sondern vielmehr eine Dimension dessen, wie wir uns in der Gegenwart verhalten. Wir werden vielleicht Anarchie in einem größeren Ausmaß erleben als unsere hart erkämpften Freundschaften, Liebesbeziehungen, Projekte und Aufstände, vielleicht aber auch nicht. In der Zwischenzeit kann uns die Vision dieser Möglichkeit jedoch in der Gegenwart verankern und orientieren und unser Handeln beeinflussen, so wie ein Seemann sich anhand der Sterne über das weite Meer navigiert. Unabhängig davon, was morgen geschieht: Wenn wir uns eine Utopie vorstellen können, kann diese Utopie in der Realität Gestalt annehmen, indem sie uns zu Handlungen befähigt, zu denen wir sonst nicht in der Lage wären. Der Realitätsgehalt einer zukünftigen Utopie wird durch die Handlungen bestimmt, zu denen sie uns heute befähigt.
In dieser Hinsicht ist meine Fähigkeit, an die Möglichkeit von Veränderung zu glauben – nicht als etwas, das in der Zukunft geschehen wird, sondern als etwas, das ich jetzt sofort verfolgen kann – ein grundlegender Teil meiner Kraft, mein Leben in vollen Zügen zu leben und eine gesunde Beziehung zu meiner eigenen Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Das unterscheidet sich vom Glauben an eine millenarische Vision der Revolution. Es handelt sich nicht um eine Vorhersage über die Zukunft, wie sie ein Wissenschaftler treffen würde, sondern vielmehr um eine Entscheidung darüber, wie ich zu mir selbst und meinen eigenen Fähigkeiten stehen möchte.
Das ist es, was mich befähigt, zu handeln, wie bescheiden und unvollkommen auch immer, und aus meinen Handlungen zu lernen, mit anderen in Kontakt zu treten und erneut zu handeln. Die Geschichte der Anarchie als gelebte Erfahrung der Menschen besteht aus solchen Handlungen, die in Ewigkeit fortbestehen werden, nachdem jedes Imperium triumphiert und zerstört worden ist und die Erde von der Sonne verschlungen worden ist.
Wir hatten nicht nur nie die Vorstellung oder den Wunsch zu gewinnen,
-Nanni Balestrini, The Unseen
sondern nicht einmal die Vorstellung, dass es irgendwo etwas zu gewinnen gab.
Und wenn ich jetzt wirklich darüber nachdenke,
scheint mir das Wort „gewinnen” genau dasselbe zu sein wie „sterben”.
Es sind nur noch wenige von uns übrig, bald
wird es keine mehr geben. Wir waren Kameraden.
Gemeinsam glaubten wir, dass wir
mit eigenen Augen die neue Welt sehen würden,
in der der Mensch nicht mehr
Wolf für den Menschen war, sondern Männer und Frauen
alle Brüder und Liebende
waren. Wir werden es nicht sehen.
Wir werden es nicht sehen, keiner von uns.
Es ist weiter entfernt, als wir dachten.
In unserer Jugend glaubten wir,
dass, wenn wir alt würden und aus dem Dienst ausscheiden würden,
neue Rekruten, jung
und mit der Weisheit der Jugend,
unseren Platz einnehmen würden
und sie
würden sicherlich alt werden im
Goldenen Zeitalter. Sie sind nicht gekommen.
Sie werden nicht kommen. Es sind nicht
viele von uns übrig geblieben. Einst
marschierten wir in geschlossenen Reihen, heute kämpft jeder
von uns gegen den Feind,
ein einsamer, isolierter Guerillakämpfer.
All das ist schon einmal geschehen,
viele Male. Es spielt keine Rolle.
Wir waren Kameraden.
Das Leben war gut zu uns. Es ist
gut, mutig zu sein – nichts ist
besser. Das Essen schmeckt besser. Der Wein
ist brillanter. Die Mädchen sind
schöner. Der Himmel ist blauer
für die Tapferen – für die Tapferen und
glücklichen Kameraden und für die
einsamen tapferen zurückweichenden Krieger.
Du hattest ein gutes Leben. Selbst all
seine Sorgen und Niederlagen und
Enttäuschungen waren gut,
begegnet mit Mut und einem fröhlichen Herzen.
Du bist fort und wir sind umso
viel einsamer. Wir sind einer weniger,
bald werden wir gar keine mehr sein. Wir wissen jetzt,
dass wir lange Zeit versagt haben.
Und es ist uns egal. Wir wenigen werden uns
so lange wie möglich daran erinnern,
unsere Kinder werden sich vielleicht daran erinnern,
eines Tages wird sich die Welt daran erinnern.
Dann werden sie sagen: „Sie lebten in
den Tagen der guten Kameraden.
Es muss wunderbar gewesen sein,
damals gelebt zu haben, obwohl es
auch jetzt sehr schön ist.“
Wir werden in Erinnerung bleiben, alle
von uns, für immer, bei allen Menschen,
in den guten Tagen, die jetzt so weit weg sind.
Wenn die guten Tage nie kommen,
werden wir es nicht wissen. Es wird uns egal sein.
Unser Leben war das beste. Wir waren die
glücklichsten Menschen unserer Zeit.
-Kenneth Rexroth, “For Eli Jacobson” (December 1952)
We Are the Strange and Scary Things in These Woods
Text von Margaret Killjoy
https://margaretkilljoy.substack.com/p/we-are-the-strange-and-scary-things
“I ask not to be safe from my enemies, but dangerous to them.”
–the anarchist’s prayer
I stopped watching horror movies maybe twelve years ago, while I was living in a van. See, I spent a lot of nights alone in that van in the middle of nowhere—deep in the woods or in empty parking lots all over the country–and it didn’t do my nervous system much good to watch horror movies. People like me, the strange and ominous drifter, we’re usually killed not too long after we tell the plucky-but-unlucky protagonists about the ancient horrors that lie beneath the snow or whatever. The point is, I was alone in scary places often enough, and it didn’t do me much good to watch horror.
In 2019, I moved into a tiny, black A-frame cabin nestled into the woods. It wasn’t quite the middle of nowhere—there were maybe two neighbors who could have heard me scream. But there was no one in sight. The first night I spent in that cabin, I felt like I was in, you know, a horror movie. There I was, a dark and stormy night, too distracted by the flashes of lightning through the glass window in the door to pay attention to my sweetheart. I was waiting for the next flash to illuminate a silhouette against trees.
Instead, it was fine. The next day, we laid flooring and they talked about their love, as a queer sex worker, of true crime podcasts.
For the first month or so, as I walked up the hill at night to my cabin, I was afraid. I clutched a knife; I jumped at shadows. It wasn’t long before I stopped being afraid of those woods. Maybe, more than anything, I stopped being afraid because I realized: I was the scary thing in those woods.
The first entry in the first Liber Monstorum, the book of monsters from the late 7th or early 8th century, is a trans woman—or perhaps an intersex person. Someone who appears masculine who lives as a woman.
In the average horror movie, I wasn’t the ominous first victim, I was the monster.
I was an armed trans woman living alone in the woods in a black A-frame cabin that I built myself. The path to my house started at the end of a gravel road and weaved its way through a land project filled with armed queers with dogs.
Nazis doxed me around that time in my life, determining, incorrectly, that I was one of the leaders of antifa. They passed photos of me around. They passed around information about where I lived, about who I hung out with. It’s a nice enough writeup; they picked flattering photos and exaggerated the importance of both my writing and my activism. And I just… wasn’t scared. I don’t mean this as bravado. I wasn’t even brave–you have to be afraid in order to be brave. The Nazis didn’t scare me. The Nazis, instead, clearly, were scared of me.
This is the proper order of things.
I watch horror movies again sometimes.
As a queer person in the US, especially as a trans woman living in a deep red state, we’re entering frightful times. This time, I won’t pretend I’m not scared. This time, I will be brave. We’re entering frightful times, but we are not powerless, and we are at least as frightening as our foes.
I live in West Virginia, and I’m no more afraid to live here than elsewhere. To be clear, there are specific and tangible threats that queer people are facing from the legal systems of red states. If I had, or was, a trans child or teenager, I’d likely be looking hard at other places to live, other places where access to medical care was more certain.
To be brave in the face of threats isn’t to ignore those threats. While I would never advise anyone to run (or to stay), I think it behooves a lot of people, especially trans people, to keep their passports in order and make some contingency plans. I’ve been pondering changing my name legally for awhile, but recent events have made me a lot less interested in doing so anytime soon–I’d rather that my government name be unconnected with my political writing and I’d rather that my government name match the gender I pass more easily as.
But just because there are very real threats facing us—both now and clearly visible on the horizon—doesn’t mean we don’t have agency, and it doesn’t mean that we ought to give up, to flee, or despair. It has never been safe to be a trans person in this country. We, after enormous effort and bloodshed, had reached some high water marks in terms of legal protections and cultural acceptance, and we’re seeing that high tide recede in front of us. That’s okay. We’ve been through it before. Maybe not as individuals, but certainly as a culture.
A journalist named Edward R Murrow has a quote that floats through my head often enough: “remember that we are not descended from fearful men.”
We queers have a lineage of bravery that simply cannot be argued.
The longer quote from Murrow is actually worth bringing up too, in this context and this moment. He was writing about Senator McCarthy, he was writing against the red scare. “We will not walk in fear, one of another. We will not be driven by fear into an age of unreason, if we dig deep in our history and our doctrine, and remember that we are not descended from fearful men–not from men who feared to write, to speak, to associate and to defend causes that were, for the moment, unpopular.”
The idea in that quote is that we must fight McCarthyism, for sure, but also that we ought not to be driven by fear into an age of unreason. We ought not to let fear of one another dominate our lives. For the most part, I want to say this to all of the people who have bought into the propaganda against queer people, especially trans people, of late. But I also want to remind myself of this. We ought not walk in fear, one of another.
I have enemies, to be sure. They’ve sent me photos of my family. They’ve told me they would burn down my house with me inside. But the average person, including the average person here in West Virginia where I live, is not my enemy. I am frustrated–beyond frustrated–to know that an overwhelming majority of my neighbors voted for a president who explicitly spreads hatred against queer people. Yet these people have never made me feel unsafe personally.
I’ve lived in an awful lot of places, and frankly I’ve dealt with far more harassment in cities (coincidentally blue state cities, based on where I’ve lived) than I’ve ever gotten in small towns (often in red states). This isn’t because the countryside is some magical place free from bigotry, but simply because there are fewer people here. If I walk down the street in New York City, I will pass literally thousands of people, so it’s far more likely that someone will say something terrible to me.
My data is also skewed by the fact that I subconsciously expect to be safer in big liberal cities, so I take fewer precautions and dress more provocatively. Where I live, sometimes I “boy mode.” Sometimes I don’t. Some of the people around here know I’m a trans woman, some just think I’m a weird queer man with bangs and earrings (and pickup truck and a Carhartt coat, which helps). No one really gives me shit.
It’s not like you cross the imaginary line from Maryland to West Virginia and suddenly everyone is a different type of person. The people here aren’t, you know, monsters. No matter what horror movies have told you.
The motto you run across most in community defense is “we keep us safe,” and it’s something I believe to the bottom of my soul. I do not have an expectation that the state will keep me safe. Maybe I should be able to have that. It’s nice when there are laws in place telling employers they can’t fire employees for being trans. But even when those laws are in place, it’s damned hard to find a job as a non-passing trans person. (I am lucky personally, because in my field as “anarchist author and podcaster” it’s not a problem.)
There’s a difference between “fault” and “responsibility” that people sometimes struggle with in activist circles. It is not my fault that society sees me as monstrous—that viewing me as monstrous is older than the modern English language. It is not my fault that people struggle to accept me. It is not my fault that trans women are the center of a culture war because we make such a good wedge issue with which to try to divide progressives from liberals.
My own safety and liberation, though, are my own responsibility. No one else (besides a broader community “we” of queers and anarchists and activists) is going to do it for me. If I want to live in a better world, a safer world, I need to accept that that is on me and stop waiting for someone else to save me.
Even anti-discrimination laws, who are they enforced by? The cops? The cops are, famously, not exactly the most accepting of people.
But I, and “we,” are not alone in this fight.
Years before I moved to West Virginia, I came through to try to help out in the fight against mountaintop removal coal mining. I stayed up late one night talking to an old retired union coal miner, a white man named Sid who has sadly since passed on.
He told me a story about fighting against the Vietnam War in the late 60s. He said: “We would stand on one corner with our anti-war signs, and on the other corner were the Black radicals with their anti-racism signs, and on a third corner were the gay folks with their gay rights signs. Then one day we all realized we’d all be stronger if we all stood on the same corner, so we did and we were.”
It was so simple and true. A metaphor and a true story all at once.
He’s also an example of the one of the kinds of person you’ll find in West Virginia, the kind of coal miner who stood with Black and gay activists fifty years ago and was arrested defending the mountains ten years ago, in the autumn of his life.
I’m afraid of what’s coming, but I’m not terrified. I’m aware of the fact that I live in a red state, but I’m not terrified. If we are monsters, then we have claws and we have fangs. If we are monsters, then we can terrify. If we are monsters, then we have friends. If we are monsters, then we have a lineage of power. If we are monsters, we have each other.
Or none of us are monsters, us or them, and we’re all people. Dangerous people.
I do like monsters though. And really creepy horror movies.
Vorne ist es sicherer - In der Offensive gegen Tyrannei
https://de.crimethinc.com/2025/01/28/its-safer-in-the-front-taking-the-offensive-against-tyranny-1
Angesichts der zunehmenden Repression und staatlichen Gewalt ist es nur verständlich, dass mensch sich sicher fühlen will, wenn mensch Konfrontationen vermeidet. Aber das ist nicht immer die beste Strategie.
»Auch wenn es kontraintuitiv ist, ist es in einer verwirrenden Situation oft am besten, wenn nicht sogar am sichersten, sich an vorderster Front aufzuhalten, damit mensch einen klaren Überblick über das Geschehen um sich herum bekommt.«
– ›What I Do for a Living‹, ein Bericht über die Demonstrationen gegen den EU-Gipfel 2003 in Thessaloniki, veröffentlicht in Rolling Thunder #1.

Der Großvater meines Freundes wuchs in den 1920er Jahren in Deutschland auf. Als Jude engagierte er sich in radikalen Organisationen und geriet manchmal in Handgreiflichkeiten mit Nazis. In einer Erinnerung, die er Jahrzehnte später für seine Familie aufzeichnete, beschreibt er die Situation, als die Nazis die Macht übernahmen:
»Im Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler. Ich dachte, jetzt würde eine Revolution beginnen, aber tatsächlich passierte nichts. Die Kommunisten liefen – oft massenhaft – zu den Nazis über, und die Sozialdemokraten hielten etwas länger durch, lösten aber schließlich ihre Organisationen auf.«
Im Mai 1933, als er zwanzig Jahre alt war, erfuhr er, dass er für eine angeblich gebroche Nase bei einem Nazi bei einer Straßenschlägerei strafrechtlich verfolgt werden sollte. Anstatt sich einem von den Nazis kontrollierten Justizsystem zu stellen, besorgte er sich sofort einen Reisepass und stieg noch am selben Abend um 20 Uhr in einen Zug nach Holland.
Einige Jahre später starben seine restlichen Familienmitglieder im Konzentrationslager Auschwitz.
Diese Geschichte zeigt auf den Punkt gebracht ein überraschend häufiges Phänomen. Hätte der Großvater meines Freundes sich nicht von Anfang an offen gegen die Nazis gestellt, hätte er sich zurückgehalten und Ärger vermieden, wäre er wahrscheinlich in Berlin geblieben und hätte das gleiche Schicksal wie seine Verwandten erlitten. Indem er in die Offensive ging, brachte er sich in Gefahr – aber paradoxerweise war das auf lange Sicht besser, als auf Nummer sicher zu gehen.
Ebenso gehörten die Teilnehmenden der jüdischen Untergrundguerilla zu den wenigen, die die Vernichtung des jüdischen Ghettos in Warschau durch die Nazis überlebten. Indem sie sich organisierten, um der Bedrohung durch die Nazis direkt entgegenzutreten, entwickelten sie ein starkes Selbstbewusstsein, das ihnen zugute kam, als der einzige Ausweg darin bestand, eine gewagte Flucht aus dem belagerten und brennenden Ghetto durch die Kanalisation zu organisieren.
Für Betroffene aus bedrohten gesellschaftlichen Gruppen ist der erste Impuls oft, sich zurückzuziehen und unterzutauchen. Doch wenn es um die individuelle und kollektive Selbsterhaltung geht, kann es klüger sein, von Anfang an entschlossen zu handeln, solange es noch möglich ist, den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Selbst wenn das schiefgeht, kann es besser sein, den Konflikt sofort auf die Spitze zu treiben, bevor der Gegner noch mächtiger wird. Diese Strategie hat zumindest den Vorteil, dass mensch sich nicht in falscher Sicherheit wiegt, während die Bedrohung zunimmt.
Das klappt nicht immer, aber manchmal ist es sicherer, sich der Situation zu stellen.
»Es gibt keinen Grund, zusammengerollt und gekrümmt zu schlafen. Das ist unbequem, ungesund und schützt dich nicht vor Gefahren. Wenn du Angst vor einem Angriff hast, solltest du wach bleiben oder mit ausgestreckten Gliedmaßen leicht schlafen, damit du sofort handeln kannst.« Kunstwerk von Jenny Holzer.
Es war Mittag am 20. April 2001. Meine Freund*innen und ich hatten uns zusammen mit Hunderten anderen Anarchist*innen und Antikapitalist*innen an der Laval-Universität in Québec City versammelt, um gegen einen transkontinentalen Gipfel zu demonstrieren, bei dem eine ›Freihandelszone der Amerikas‹ gegründet werden sollte. Im Stadtzentrum, hinter kilometerlangen Schutzzäunen und Tausenden von Bereitschaftspolizisten, schmiedeten George W. Bush und seine Amtskollegen Pläne, um Arbeitsgesetze und Umweltschutzbestimmungen zu umgehen und ihre Klientel auf unsere Kosten zu bereichern.
Die Sonne schien. Immer mehr Leute kamen am Treffpunkt an. Eine Gruppe hatte sogar ein Katapult dabei. Von der Polizei war nichts zu sehen.
Trotzdem war ich nervös. Die meisten meiner Erfahrungen mit Gewalt waren subkultureller Natur – Kämpfe mit Skinheads, Hardcore-Konzerte. Ich hatte es noch nie mit einer Armee von Polizist*innen zu tun gehabt. Bei einem Treffen am Vorabend hatte uns eine lokale Organisatorin gesagt, dass es unmöglich sein würde, den Zaun um den Gipfel zu erreichen – es gab einfach zu viele Polizist*innen mit zu viel Schutzausrüstung und Waffen.
Als die Menge begann, sich aus der Universität auf die Straße zu begeben, beriet ich mich mit einem erfahreneren Freund. »Sollen wir uns zurückhalten und abwarten, was passiert?«, fragte ich.
»Wenn wir sehen wollen, was passiert, müssen wir ganz vorne sein« antwortete er sachlich.
Wir führten eine Demonstration direkt auf den Zaun durch, der den Gipfel umgab, und rissen ihn nieder. Die Polizei konnte uns nicht aufhalten. Die ›Freihandelszone der Amerikas‹ wurde nie ratifiziert.
Anarchist*innen führen eine Demonstration beim sogenannten „Gipfeltreffen der Amerikas“ in Québec City, April 2001 durch.
Der Rat meines Freundes hat mir vier Jahre später, an dem Tag, als George W. Bush seine zweite Amtszeit begann, sehr geholfen. Nach der Demonstration gegen die Amtseinführungsfeierlichkeiten am Tag, zog nachts eine zweite Demonstration durch das Viertel Adams Morgan, zerstörte die Fenster von Banken und Unternehmen und griff eine Polizeistation an. Einige Teilnehmende hängten ein riesiges Transparent mit der Aufschrift »Von DC bis zum Irak – mit der Besatzung kommt der Widerstand« an eine Gebäudefassade. Wir wollten die Bush-Regierung dazu zwingen, die Besetzung des Irak zu beenden, die unzählige zivile Opfer forderte und später zum katastrophalen Aufstieg des Islamischen Staates beitrug.
Als sich die Demonstration auflöste, befanden sich ein Gefährte und ich unter einer Gruppe von Menschen, die durch eine Gasse gingen. Vor uns tauchten Polizeibeamte am Ende der Gasse auf.
Wir hätten umdrehen und in die andere Richtung rennen können. Aber dann wären wir am Ende der Menschenmenge gewesen und hätten nicht sehen können, wohin wir rannten. »Renn, renn vorwärts«, sagte ich zu meinem Begleiter. Wir rannten bereits.
Wir sprinteten an den Polizist*innen vorbei, gerade als sie ihre Reihe am Ausgang der Gasse schlossen. »Lasst keine weiteren raus«, hörte ich einen zu einem anderen brüllen.
Wir waren die Letzten, die abhauen konnten. Die Polizei hatte auch die Gasse von der anderen Seite abgesperrt. Sie zwangen die Leute hinter uns, stundenlang im Schnee zu knien. Jahre später bekamen die Festgenommenen eine Entschädigung von der Stadt, aber es war besser, einfach zu verschwinden.
Washington, DC, 20. Januar, 2005.
Am 25. August 2008 versammelten sich in Denver während der Demos gegen den Parteitag der Demokraten ein paar hundert Leute zu einer Demonstration, die angekündigt, aber nie organisiert worden war. Wir protestierten immer noch gegen die andauernde Besetzung des Irak und gegen den Kapitalismus im Allgemeinen.
Gepanzerte Polizist*innen standen in Gruppen von jeweils einem Dutzend rund um den Park und die umliegenden Straßen und waren den jungen Leuten, die mit schwarzen Sweatshirts auf dem Schoß herumsaßen, zahlenmäßig überlegen. Ein Fahrzeug sollte Banner liefern, aber es kam das Gerücht auf, dass die Polizei den Fahrer festgenommen hatte. Doch gerade als es sicher schien, dass nichts passieren würde, zogen ein paar junge Leute ihre Kapuzen hoch und fingen an zu skandieren.
Wer sind diese Leute? Ich erinnere mich, dass ich mich das gefragt habe. Was denken sie sich dabei, sich zu vermummen und sich mit Hunderten von Bereitschaftspolizist*innen, die sie umzingeln, und Zivilpolizist*innen überall zu messen? Was hoffen sie damit zu erreichen?
Trotzdem schlossen sich die anderen Leute, die sich für die Demonstration versammelt hatten, ihnen an und sie begannen, aus dem Park zu laufen. Sie schafften es nur bis zur Straße, wo die nächste Polizeieinheit eine Kette bildete, ihnen den Weg versperrte und sie mit Pfefferspray besprühte. Es hatte noch keine Demonstration gegeben, ich hatte keinen Auflösungsbefehl gehört, und schon setzte die Polizei chemische Waffen ein.
Eine Freundin und ich beobachteten das alles mit Bestürzung. Wir waren noch etwa zweihundert Leute, aber die Polizei rückte von allen Seiten näher und die Menge war desorientiert und unkoordiniert. Das war ein Rezept für eine drohende Katastrophe.
Wir waren ganz hinten in der Menge. Aber hinten kann auch vorne werden – es ist nur eine Frage der Initiative. Meine Freundin fing an, einen Countdown zu rufen. Andere machten instinktiv mit. Das gemeinsame Zählen konzentrierte unsere Aufmerksamkeit, unsere Erwartungen, unser Selbstverständnis als kollektive Kraft, die zu konzertiertem Handeln fähig ist. Und dann sprinteten dreißig von uns über den Rasen weg von der Polizeikette.
Als die anderen das sahen, schlossen sie sich uns an. Innerhalb weniger Sekunden rannten Hunderte von Menschen durch den Park zu der Kreuzung am anderen Ende der Wiese, wo sich noch keine Polizei versammelt hatte.
Jetzt war die Energie in der Luft elektrisierend, ganz anders als die Unruhe und Unsicherheit kurz zuvor. Wir überquerten die Kreuzung, an der ein paar unternehmungslustige junge Leute ein Schild der Stadtverwaltung mit der Aufschrift »Straße gesperrt« aufgestellt hatten – und plötzlich näherten wir uns dem Geschäftsviertel.
Das gleiche Prinzip half uns später am Abend, als wir eine Reihe von Bereitschaftspolizisten sahen, die sich einen Block vor uns über eine Kreuzung verteilten. Ohne zu zögern, rannten wir auf sie zu. Wir erreichten die Polizeikette und schlüpften zwischen ihnen hindurch, bevor sie uns den Weg versperren konnten. Sie hatten den Befehl, eine Barriere zu bilden, nicht uns zu verfolgen. Wir waren in Sicherheit.
Denver, 25. August, 2008.
Am Morgen des 20. Januar 2017 schlossen sich ein anderer Freund und ich der Demonstration in der Innenstadt von Washington, DC, gegen die Amtseinführung von Donald Trump an. In den Jahrzehnten seit Bushs zweiter Amtseinführung war die Polizei im ganzen Land militarisiert worden und hatte immer größere Budgets erhalten, obwohl Politiker*innen behaupteten, es sei kein Geld für andere Dinge verfügbar. Diesmal waren die Straßen mit 28.000 Polizeibeamt*innen überfüllt.
Sobald die Demonstration losging, kam es zu offenen Konflikten mit der Polizei. Das Heulen der Polizeisirenen, die ohrenbetäubenden Explosionen von Blendgranaten aus nächster Nähe, der beißende Geruch von Pfefferspray, das Dröhnen der Polizeimotorräder, das Kribbeln des Adrenalins – es war eine furchterregende Situation, aber die Demonstrant*innen um uns herum teilten ebenso aus, wie sie einsteckten. Die Idee war, am ersten Tag der Trump-Regierung ein Zeichen des Widerstands zu setzen und allen klar zu machen, dass niemand die Verschärfung der Tyrannei einfach so hinnehmen sollte.
Je länger wir auf den Straßen waren, desto gefährlicher wurde es. Als wir wieder am Franklin Square vorbeikamen und unsere Spuren zurückverfolgten, war klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis wir umzingelt sein würden.
In der Innenstadt von Washington, D.C., zwischen den Kreuzungen, sind die Straßen wie lange Schluchten zwischen den Felswänden der Gebäude. Ich wusste, dass die Polizei uns einkesseln und festhalten wollte. Jedes Mal, wenn wir eine Kreuzung passierten, warf ich einen Blick auf die Kreuzungen einen Block entfernt auf beiden Seiten, um zu sehen, ob die Polizei uns auf den parallelen Straßen beschattete und sich darauf vorbereitete, unsere Fluchtwege abzuschneiden. Jedes Mal, wenn wir eine Kreuzung verließen und in einen anderen Canyonabschnitt kamen, beobachtete ich die Kreuzungen vor und hinter uns auf der Suche nach Polizei. Immer wenn wir uns zwischen Kreuzungen bewegten, waren wir verwundbar.
Als wir uns der 13th Street näherten, überholten uns Polizist*innen auf Motorrädern auf dem Gehweg zu unserer Linken und versuchten, uns einzuholen und die Kreuzung vor uns zu besetzen. Wir waren noch Hunderte von Metern davon entfernt. Ich drängte meinen Begleiter, mit mir vorauszulaufen, und wir sprinteten an der Spitze der Demonstration vorbei, an den Fahrradpolizist*innen und Motorradpolizist*innen, die begannen, ihre Fahrzeuge in die Menschen unmittelbar hinter uns zu rammen. Als die Polizist*innen sahen, dass einige von uns bereits hinter ihnen waren, gaben sie den Versuch auf, eine Kette zu bilden, und konzentrierten sich wieder darauf, uns zu überholen. Die Polizei hasst es, flankiert zu werden – sie kann es nicht riskieren, selbst umzingelt zu werden.
Der Zusammenstoß an der Kreuzung zeigte, dass die Demonstration die Kontrolle über das Gebiet um sie herum verloren hatte. Es war Zeit, uns aus dem Staub zu machen. Kurz vor der nächsten Kreuzung rannten wir eine Gasse zu unserer Rechten hinunter. Hundert andere taten es uns gleich. Diejenigen, die weitergingen, wurden an der nächsten Kreuzung von einer Polizeikette aufgehalten und drehten sich um, nur um festzustellen, dass eine viel stärkere Polizeikette sie von hinten blockierte.
Zwei lange Minuten lang stand die Menge verwirrt und bestürzt da. Einige Leute am Ende der Demonstration hatten schon ihre Ausrüstung abgelegt und hofften, als Zivilisten durchzukommen, um aus dem Gebiet zu entkommen, ohne zu merken, dass sie schon von allen Seiten eingekesselt waren.
Die Teilnehmenden an der Spitze der Demonstration behielten ihre Ausrüstung an und verbanden ihre Arme miteinander. Jemand rief: »Wir machen einen Countdown!« Sie zählten schnell von zehn bis eins herunter und stürmten direkt auf die Polizeikette vor ihnen zu. Die Person ganz vorne hielt einen dünnen Regenschirm hoch, während alle blindlings vorwärts rannten. Irgendwie schützte der Regenschirm sie vor dem Pfefferspray, mit dem die Polizei reagierte.
Fünfzig von ihnen durchbrachen die Polizeikette und konnten entkommen. Diejenigen, die zögerten und abwarteten, ob der Angriff erfolgreich sein würde, bevor sie sich anschlossen, blieben im Kessel gefangen.
Jemand postete später einen humorvollen Kommentar in den sozialen Medien, dass der Cheat-Code für den J20-Protest-Simulator darin bestehe, immer mit einem Hammer auf die Polizist*innen loszustürmen. Aber da war etwas dran. Als wir uns später die Polizeivideos ansahen, die den Angeklagten im anschließenden Gerichtsverfahren gezeigt wurden, sahen wir, dass selbst nachdem die Polizei und die Nationalgarde ihre Kette verstärkt hatten, ein findiger Einzelner entkommen war, indem er einfach so schnell wie möglich direkt auf sie zugerannt war und sich zwischen zwei von ihnen duckte.
Jede*r, der*die festgenommen wurde, wurde wegen des Verbrechens, in der Nähe einer lautstarken Demonstration massenhaft verhaftet worden zu sein, mit acht Straftaten angeklagt – bis zu achtzig Jahren Gefängnis. Einige wenige gingen einen Vergleich ein, aber alle anderen hielten zusammen, stellten einen gemeinsamen Verteidigungsplan auf und stellten sich dem Rechtssystem frontal entgegen. Am Ende, nach zwei Prozessen, in denen alle Angeklagten für nicht schuldig erklärt wurden, wurden die Anklagen gegen alle verbleibenden Angeklagten fallen gelassen. Jahre später erhielten alle von ihnen Zahlungen vom Staat, um die daraus resultierenden Rechtsstreitigkeiten beizulegen.
Das klingt wie eine Metapher, aber ich meine es sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne. Ob es sich um eine Demonstration oder einen Gerichtsprozess handelt, manchmal ist es sicherer, ganz vorne in der ersten Reihe zu stehen.
Washington, DC, 20. Januar, 2017.
Ein paar Jahre später war ich in Atlanta bei der Block Cop City-Aktion. Die Demonstrant*innen wollten den Bau einer millionenschweren Anlage verhindern, die die Polizei noch mehr aufrüsten sollte. Als Reaktion darauf hat die Polizei eine Person umgebracht und viele Leute einfach so verhaftet, sie wegen Terrorismus angeklagt und 61 von ihnen als erfundene ›kriminelle Vereinigung‹ angeklagt.
Vor der eigentlichen Aktion gab es zwei Tage lang Beratungen in einem örtlichen Gemeindezentrum der Quäker*innen. Alle waren nervös. Das Ziel war, in den Wald zu laufen und die Baustelle zu besetzen. Würden wir alle verhaftet werden? Würden auch wir wegen Terrorismus und organisierter Kriminalität angeklagt werden? Die Diskussionen drehten sich im Kreis, während die Leute vergeblich versuchten, vorherzusagen, was passieren würde, und über ihre eigene Risikobereitschaft verhandelten.
Es wurde beschlossen, dass es innerhalb der Demonstration drei selbstorganisierte Blöcke geben sollte: im Wesentlichen den vorderen, den mittleren und den hinteren. Offiziell basierte diese Unterscheidung nicht auf dem erwarteten Risiko, da die Organisator*innen keine Versprechungen darüber machen konnten, wie die Polizei reagieren würde. Aber keine*r konnte sich entscheiden, welchem Block er sich anschließen sollte, ohne sich mit größeren Fragen auseinanderzusetzen. Wie sehr fürchte ich die Gewalt der Polizei und des Justizsystems? Was bin ich bereit, für diese Bewegung zu opfern?
Nur die wenigen Mutigen, die sich mit ihren Ängsten abgefunden hatten und sich entschlossen hatten, an der Spitze der Demonstration mitzulaufen, schienen gelassen zu sein. Selbst innerhalb des ›mittleren‹ Blocks gab es viele Querelen und Verhandlungen. »Ich werde in der Mitte sein, aber nicht ganz vorne in der Mitte …«
An diesem Abend erklärte ich meiner Familie, was zu tun sei, falls ich nicht von der Demonstration nach Hause kommen sollte. Meine beiden Partnerinnen fragten mich unabhängig voneinander, ob es mir wirklich so wichtig sei, an dieser bestimmten Demonstration teilzunehmen. Könnte ich das nicht einfach den jüngeren Aktivist*innen überlassen?
Vorne ist es sicherer. Ich erinnerte mich an diesen Spruch aus früheren Mobilisierungen – aber als ich darüber nachdachte, war ich mir nicht mehr so sicher. Wie konnte es sicherer sein, direkt in die Polizeiketten zu stürmen? Der Slogan fasste die Lehren aus meiner eigenen Erfahrung zusammen, aber angesichts einer weiteren gefährlichen Situation war ich skeptisch.
Am Morgen der Mobilisierung versammelten wir uns im Park. Trotz einiger festlicher Akzente war die Stimmung gedrückt: Ein paar hundert Menschen riskierten Verletzungen, Verhaftungen und Gefängnisstrafen für die Anerkennung einer umkämpften Bewegung. Viele hatten sich in letzter Minute entschieden, zu Hause zu bleiben. Wir führten eine Demonstration in einer Kolonne aus dem Park durch, wobei jede*r eifrig an seiner*ihrer jeweiligen Position im Risikotoleranzspektrum festhielt. Solange wir den schmalen Fußgängerweg entlang auf Demonstration laufen, machte das Sinn, aber als wir auf die Hauptstraße kamen und auf die Baustelle zusteuerten, machte es weniger Sinn. Wir hätten uns auffächern sollen, um eine breite Front zu bilden, als wir uns den Reihen von Polizist*innen und gepanzerten Fahrzeugen näherten, die die Straße blockierten, aber nein, die Menge streckte sich zu einer fast einreihigen Linie, wie Lämmer, die sich zur Schlachtung anstellen.
Trotzdem nahmen die Leute vorne Fahrt auf, bildeten mit ihren verstärkten Transparenten einen V-förmigen Keil und richteten ihre Regenschirme nach vorne, um den Polizisten die Sicht zu versperren, während sie direkt auf die Schilde der Vorhut zustürmten. Der Rest von uns schleppte sich hinterher und hielt die Positionen, zu denen wir uns verpflichtet hatten – nicht weniger und nicht mehr.
Menschen versammeln sich zum Beginn der Block Cop City-Demonstration, 13. November 2023.
Die Leute mit den verstärkten Transparenten drängten die erste Reihe der Polizist*innen zurück, bis sie durch eine zweite Reihe verstärkt wurde. Selbst dann gaben sie nicht nach, sondern drängten weiter gegen die Polizei vor. Die Polizist*innen schlugen mit ihren Schlagstöcken zu, verloren aber weiter an Boden. Der Block an der Spitze der Demonstration hielt zusammen, schützte sich gegenseitig und handelte überlegt. Vielleicht hatten sie Angst, aber es war nicht die Angst, die ihr Handeln bestimmte.
Als ich hinter ihnen stand und zusah, hatte ich Angst. Ich war froh, dass ich nicht vorne stand und Entscheidungen treffen musste. Polizeiknüppel sind beängstigend, Gefängnisstrafen sind beängstigend, Strafanzeigen sind beängstigend, aber das wirklich Beängstigende ist Verantwortung. Menschen nehmen viele negative Konsequenzen in ihrem Leben in Kauf, nur um Verantwortung zu vermeiden. Und leider ist das unmöglich: So sehr wir uns auch bemühen, wir können nicht umhin, dass wir, solange wir Entscheidungen treffen und handeln können, für uns selbst verantwortlich sind. Das gilt unabhängig davon, ob mensch sich an der Spitze oder am Ende positioniert oder gar nicht erst erscheint.
Ich sah, wie die Demonstrant*innen vor mir beide Polizeiketten zurückdrängten, bis sie eine dritte Kette erreichten, die aus futuristisch anmutenden Sturmtruppen bestand. Unter ihrer militärischen Ausrüstung war nichts Menschliches an den Sturmtruppen zu erkennen, nicht einmal ihre Augen waren zu sehen. Sie hatten sich vollständig aus der menschlichen Gemeinschaft zurückgezogen.
Die Sturmtruppen zogen Tränengasgranaten hervor. Ungläubig sah ich zu, wie sie die Granaten eine nach der anderen über die Köpfe derjenigen an der Spitze hinweg in die Mitte der Demonstration warfen – mitten unter uns, die wir gehofft hatten, dass andere für uns Risiken eingehen würden, die wir einfach nur ein Anhängsel der Handlungsfähigkeit anderer sein wollten. Vielleicht wäre es an der Spitze doch sicherer gewesen?
Dann verschwand alles in einem giftigen weißen Nebel.
Wir taumelten blind und verwirrt zurück, würgten und husteten. Aber die Sturmtruppen hatten auch den Rest der Polizist*innen mit Tränengas angegriffen, und die anderen Polizist*innen trugen keine Gasmasken. Auch sie hatten sich zurückgezogen. Entgegen aller Erwartungen endete die Schlacht unentschieden.
Am Ende war die einzige Person, die an diesem Tag verhaftet wurde, jemand, der sich dafür entschieden hatte, weit entfernt vom Ort des Geschehens eine unterstützende Rolle zu spielen. Sie wurden in einem Fahrzeug in der Nähe des Parks festgenommen, von dem aus wir gestartet waren. Niemand wurde wegen Terrorismus oder organisierter Kriminalität angeklagt.
In all unserer Angst hatten wir das größte Risiko von allen vergessen: dass wir vielleicht nichts tun würden, dass wir uns einschüchtern lassen und die Straßen verlassen würden. Da so viele Menschen bereits mit absurden Anklagen konfrontiert waren, war die Demonstration zur Baustelle ein riskantes Unterfangen – aber wenn wir dem Staat erlaubt hätten, die Bewegung zu zerschlagen, hätte dies einen Präzedenzfall geschaffen, der andere Bewegungen bedroht und die Behörden ermutigt hätte, dieselben Taktiken auch anderswo gegen viele andere wie uns anzuwenden.
Manchmal kann mensch die Risiken nur herausfinden, indem mensch ein Risiko eingeht. Dieses Mal hatten wir Glück gehabt. Aber in gewisser Weise hatten wir auch eine Prüfung bestanden.
Anarchist*innen bei der Maikundgebung in Bandung, 2019. Foto: Frans Ari Prasetyo.
Vorne ist es nicht wirklich sicherer. Zu Hause zu bleiben ist sicherer – zumindest solange, bis die langfristigen Folgen des Rückzugs von den Straßen spürbar werden. Dann ist es nirgendwo mehr sicher, und es stellt sich heraus, dass es besser gewesen wäre, früher kleinere Risiken einzugehen.
Die Antifaschist*innen, die im August 2017 nach Charlottesville fuhren, um gegen die ›Unite the Right‹-Kundgebung zu protestieren, haben sich selbst in Gefahr gebracht. Eine von ihnen wurde getötet, mehrere wurden schwer verletzt. Aber wenn sie zu Hause geblieben wären, wenn sie den Faschisten erlaubt hätten, die Kontrolle über die Straßen zu übernehmen, wäre die ganze Welt gefährlicher geworden. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir heute gezwungen sein könnten, denselben Kampf noch einmal zu führen, ändert nichts an der Tatsache, dass sie uns acht kostbare Jahre relativer Sicherheit verschafft haben.
Selbst wenn alles wirklich hoffnungslos verloren ist, ist es meistens besser, mutig zu handeln und ein Signal der Hoffnung über die Generationen hinweg zu senden, so wie es die Kommunard*innen und die Kronstädter Rebell*innen gemacht haben. Damit hältst du zumindest die Möglichkeit offen, dass andere inspiriert werden, weiter an der Welt zu arbeiten, die du dir wünschst, sodass dein Traum eines Tages vielleicht wahr wird – auch wenn du nicht mehr da bist und das zumindest teilweise dank deiner Bemühungen.
Aber so sieht es heute nicht aus. Wir stehen mächtigen Gegnern gegenüber, aber die Mehrheit der Menschen, darunter viele ihrer Unterstützer*innen, hat gute Gründe, sich gemeinsam mit uns gegen sie zu stellen. Wenn wir die Menschen zusammenbringen, wenn wir wirksame Wege zum Widerstand aufzeigen und unsere eigene Risikobereitschaft in den Dienst größerer Kämpfe stellen, werden sich uns letztendlich viel mehr Menschen anschließen. Es gibt keinen Grund, voreilig das Märtyrertum zu verherrlichen oder eine Niederlage zu akzeptieren, wenn die Zukunft noch ungeschrieben ist.
Selbstredend kann nicht jede*r immer an vorderster Front stehen. Das kann anstrengend sein. Aber die Front ist kein räumlicher Ort. Richtig verstanden erfordert sie nicht unbedingt bestimmte körperliche Fähigkeiten oder Fertigkeiten. Sie ist eine Art, sich mit Ereignissen auseinanderzusetzen, sich auf unsere Handlungsfähigkeit zu konzentrieren und die Initiative zu ergreifen, wo immer wir können, anstatt nur auf die Initiativen unserer Gegner zu reagieren. Jede*r kann eine neue Front im Kampf eröffnen, indem er*sie eine Schwachstelle in der herrschenden Ordnung identifiziert und in die Offensive geht. Je mehr Fronten es gibt, desto sicherer sind wir alle.
Angesichts der zweiten Amtszeit von Donald Trump wissen viele Anarchist*innen und Antifaschist*innen nicht, wo sie anfangen sollen. Während der vorherigen Trump-Regierung haben wir hart gegen einen Gegner gekämpft, der viel mächtiger war als wir, und gewonnen – nur um dann zu sehen, wie uns der Sieg von feigen Demokraten aus den Händen gerissen wurde, die eifrig dort weitermachten, wo die Republikaner aufgehört hatten, und so viele Menschen enttäuschten, dass Trump wieder an die Macht kommen konnte. Aber das ist kein Grund, diesmal aufzugeben – es zeigt nur, dass wir die ganze Zeit über Recht hatten mit unserer Einschätzung der Natur der Herrschaft, und wir sind es der Welt schuldig, eine echte Alternative aufzuzeigen.
In Ländern, die von Faschismus oder anderen Formen der Despotie regiert werden, unterstützt die Mehrheit der Menschen nicht unbedingt die Behörden; sie sind einfach mutlos geworden und haben sich an Passivität gewöhnt. Viel mehr als Liberale sind Anarchist*innen daran gewöhnt, in der Unterzahl und unterlegen zu sein und gegen unglaubliche Widrigkeiten zu kämpfen. Während Demokrat*innen Entschuldigungen für die Faschist*innen suchen oder sogar deren Agenda begrüßen, sollten wir zeigen, dass es möglich ist, ehrgeizige, prinzipientreue Maßnahmen zu ergreifen, um Widerstand zu leisten.
Wenn du Verzweiflung empfindest, wenn du dich besiegt fühlst, wenn du dich dabei ertappst, dich zu distanzieren oder dich darauf zu konzentrieren, was unsere Unterdrücker tun, anstatt darauf, was du selbst tun kannst – dann ist das ein Gebiet, das der Feind in dir erobert hat.
Gib ihnen nichts kampflos auf. Konzentriere dich auf deine Handlungsfähigkeit. Jede Stunde, jeden Tag, wo auch immer du bist, gibt es immer etwas, das du tun kannst. Pass auf dich und deine Mitmenschen auf. Halte Ausschau nach Chancen und nutze sie. Wir befinden uns in einem Kampf – aber es ist ein Kampf, den wir gewinnen können. An vorderster Front ist es sicherer.
The umbrella charge on January 20, 2017.
Our Hands Are Empty Save For History or: when the moment and movements fade
When I was a baby anarchist, nineteen years old and full to overflowing with a lust for life, I couldn’t imagine getting lost in the past. The media we consumed (zines, mostly) kept admonishing us all to not get hung up on the “glory days” of anarchism a hundred years in the past. That was good advice, but completely unnecessary. What would I care about the Spanish Civil War when I was busy spending my nights breaking into buildings to sleep without rent, when I was helping organize protests that shut down major cities, when I was chased by cops and occasionally—when we got really lucky—chasing them right back?
These days, of course, I read history books for a living and I think about the Spanish Civil War more days than I don’t. But I’m not interested in history as dry facts, nor am I interested in it as pure nostalgia. I’m interested in how the understanding of history places me so directly and firmly in the present. History tells me that I’m part of something that is more than a flash in the pan. I’m part of a movement that has existed as long as there has been oppression.
Not being a flash in the pan is important to me. When I was first caught up in protest and rebellion, time stopped for me. The first summer I dropped out of college to hitchhike and fight cops lasted longer than a lifetime. The first year after that was another eternity.
It’s strange that lifetimes, that eternities, eventually end. When the endless time ended, when the alterglobalization movement and the antiwar movement petered out, I looked around and wondered what was left for me. I had given the movement all of me, every fiber of me, and yet it was gone and I was still there.
All of that is to say, the end of a movement is a hard thing to cope with. It’s true for people who survived the late 60s, it’s true of people of my generation, it’s true of the people who cut their teeth in 2020.
It was true for the veterans who survived the Spanish Civil War, and it was true for the people who saw the global leftist movements of the early 20th century fall apart in bits and pieces. It was true for the people who saw Bolshevism betray the communist ideal and use the language of liberation used to murder and imprison and starve millions. It was true for people who saw fascism sweep across Spain and crush the revolution. It was true for the people who saw the labor movement in the US co-opted into a nearly meaningless, toothless thing.
Now, to be clear, we’re not in a lull right now, not even in the US. The movement against ICE is growing. The Palestinian liberation movement is alive and well. In Indonesia, anarchists alongside others are in all-out revolt.
But movements and moments of revolt are not purely isolated things. We are all part of a grand narrative that is as old as humanity, and our power will ebb and it will flow, and we we have always been here and always will. Remembering that helps us understand who we are when this or that moment passes, when some of us survive and some of us don’t.
Nothing has helped me understand that flow like studying history, like reading the words of people who’ve experienced this themselves.
Lately I’ve been researching the history of radio, for a couple of upcoming episodes of my podcast. One week is going to be on pirate radio, one week is going to be on public radio. I shouldn’t have been surprised to find anarchists involved in both.
During my research I lost myself on a side quest, learning about an anarchist poet who helped start public radio. Kenneth Rexroth. He’s usually remembered as “the godfather of the beats,” because it was his literary circle—the San Francisco Anarchist Circle—who helped birth the beats, but old Kenneth wasn’t particularly happy about how the beats turned out.
Rexroth is not exactly an obscure figure, but I wish I’d read him instead of Ginsberg as an alienated suburban teen. Ginsberg just didn’t do it for me. I was reading him and the rest of the beats because I was desperate for something that offered a real alternative to the mundanity of white American culture. But the beats were more style than substance, if you ask me. There’s this pattern I’ve seen again and again, where cultural movements are started by political radicals and soon colonized by people who adopt the pose without adopting the meaning, and I don’t think Kenneth Rexroth was wrong when he called the beats hipsters, derogatorily.
While I’d heard of Rexroth before, “the anarchist precursor to the beats” is about all I knew of him. I had assumed—arrogantly, rudely—that he was a poet who happened to sort of consider himself an anarchist. Maybe he’d read some books about it.
I had him wrong.
Kenneth Rexroth grew up poor in Chicago in the 1910s and 20s, joined the IWW, traveled and worked as a hobo, and was actively an anarchist organizer. During World War II his wife and he spent endless hours helping the victims of Japanese internment, working alongside imprisoned folks to help them meet their needs (like getting them books and medical care), and helping dozens of people directly to evade internment completely.
I had him so, so wrong.
He also survived the end of the classical era of anarchism, and he wrote about the accompanying sense of loss in ways that reach across the intervening century to cut directly into my heart.
He wrote in gendered language that doesn’t look great today, and I’ve read an awful lot about how he interacted with women without reaching a conclusion. I know he supported the feminist movement and he dedicated his life to translating women poets into English. He was also bisexual with an emphasis on the sexual. He once apparently complained about having potentially damaged his mouth and throat with all the oral sex. One of his ex-wives accused him of abuse before she divorced him to marry the couple’s therapist they were seeing together, and I don’t know as much about how his other marriages ended. I’ve read people who call him sexist, I’ve read people who call him actively feminist. I don’t know.
Anyway, here’s the poem.
For Eli Jacobson
1952
There are few of us now, soon
There will be none. We were comrades
Together, we believed we
Would see with our own eyes the new
World where man was no longer
Wolf to man, but men and women
Were all brothers and lovers
Together. We will not see it.
We will not see it, none of us.
It is farther off than we thought.
In our young days we believed
That as we grew old and fell
Out of rank, new recruits, young
And with the wisdom of youth,
Would take our places and they
Surely would grow old in the
Golden Age. They have not come.
They will not come. There are not
Many of us left. Once we
Marched in closed ranks, today each
Of us fights off the enemy,
A lonely isolated guerrilla.
All this has happened before,
Many times. It does not matter.
We were comrades together.
Life was good for us. It is
Good to be brave — nothing is
Better. Food tastes better. Wine
Is more brilliant. Girls are more
Beautiful. The sky is bluer
For the brave — for the brave and
Happy comrades and for the
Lonely brave retreating warriors.
You had a good life. Even all
Its sorrows and defeats and
Disillusionments were good,
Met with courage and a gay heart.
You are gone and we are that
Much more alone. We are one fewer,
Soon we shall be none. We know now
We have failed for a long time.
And we do not care. We few will
Remember as long as we can,
Our children may remember,
Some day the world will remember.
Then they will say, “They lived in
The days of the good comrades.
It must have been wonderful
To have been alive then, though it
Is very beautiful now.”
We will be remembered, all
Of us, always, by all men,
In the good days now so far away.
If the good days never come,
We will not know. We will not care.
Our lives were the best. We were the
Happiest men alive in our day.
It is good to be brave. Nothing is better.
One more poem, from 1936. One whose title references events I think about so often.
From the Paris Commune to the Kronstadt Rebellion
Remember now there were others before this;
Now when the unwanted hours rise up,
And the sun rises red in unknown quarters,
And the constellations change places,
And cloudless thunder erases the furrows,
And moonlight stains and the stars grow hot.
Though the air is fetid, conscripted fathers,
With the black bloat of your dead faces;
Though men wander idling out of factories
Where turbine and hand are both freezing;
And the air clears at last above the chimneys;
Though mattresses curtain the windows;
And every hour hears the snarl of explosion;
Yet one shall rise up alone saying:
“I am one out of many, I have heard
Voices high in the air crying out commands;
Seen men’s bodies burst into torches;
Seen faun and maiden die in the night air raids;
Heard the watchwords exchanged in the alleys;
Felt hate speed the blood stream and fear curl the nerves.
I know too the last heavy maggot;
And know the trapped vertigo of impotence.
I have traveled prone and unwilling
In the dense processions through the shaken streets.
Shall we hang thus by taut navel strings
To this corrupt placenta till we’re flyblown;
Till our skulls are cracked by crow and kite
And our members become the business of ants,
Our teeth the collection of magpies?”
They shall rise up heroes, there will be many,
None will prevail against them at last.
They go saying each: “I am one of many”;
Their hands empty save for history.
They die at bridges, bridge gates, and drawbridges.
Remember now there were others before;
The sepulchres are full at ford and bridgehead.
There will be children with flowers there,
And lambs and golden-eyed lions there,
And people remembering in the future.
Our hands are empty save for history.
I’m glad to be in this fight with all of you.