Krankheiten, Umgang, Behandlung

Dieses Buch sammelt Infos über häufige Krankheiten in aktivistischen Kontexten, Best Practices für den Umgang damit und gibt Tipps zur korrekten Behandlung.

Krätze-Reader

Ein kleines Handbuch zur Milbe & ihrer Behandlung
Version 1.2, Dezember 2021

Dieses Zine ist 2021 entstanden, nachdem Krätze sich immer wieder in aktivistischen Räumen ausgebreitet hat und Menschen es Leid waren, dass der Wissensstand dazu sehr gering war und viele Menschen sehr überreagiert haben, und andere Menschen nicht verantwortungsvoll damit umgegangen sind.  


Link zum Zine: https://archive.org/details/kraetze-reader/01-Kraetze-Reader/

Vorwort: Don’t panic! 

Kein Copyright. Diese Heft darf vervielfältigt, verändert und verschönert werden. Dieses Handbuch wurde von einer Gruppe Menschen geschrieben, die selber schon öfters Erfahrungen mit Krätze haben durften. Mit diesem Heft wollenwir zu einem informierteren und weniger angst-behaftetem Umgang mit dieser Milbe finden. Wir freuen uns sehr über Anmerkungen & Kritik, was für euch gut funktioniert hat & was nicht! Email: kratz@riseup.net

Inhaltsverzeichnis:
1 Was ist Krätze?
1.1 Die Milbe & ihr Lebenszyklus
1.2 Vorkommen
1.3 Übertragung
1.4 Krankheitsbild 
2 Behandlung
2.1 Klassische Behandlung
2.2 Naturheilkundliche Behandlung
2.3 Was nicht hilft
3 Hygienemaßnahmen
3.1 Kontaktpersonen
3.2 Textilien
4 Besondere Fälle
4.1 Borkenkrätze 
4.2 Krätze im Säuglings- und Kleinkindalter
5 Häufige Fragen
6 Quellen

Krätze-Reader

1 - Was ist Krätze?

Krätze (auch Skabies genannt) ist eine infektiöse Hautkrankheit, die von einer kleinen Milbe ausgelöst wird, die parasitisch auf der Haut des Menschen lebt. Der menschliche Körper entwickelt nach einigen Wochen auf den Kot der Milben eine Art allergische Reaktion. Dies führt zu entzündeten Punkten auf der Haut, die stark jucken können. Krätze ist keine gefährliche Krankheit und überträgt sich in den meisten Fällen nur über längeren Hautkontakt mit einer anderen Person.

Die Behandlung und den Umgang mit Krätze wird aber dadurch erschwert, dass es zwischen 2-5 Wochen dauert, bis die ersten Symptome auftauchen. In dieser Zeit kann mensch aber bereits andere anstecken, ohne es zu wissen. Wichtig ist es deswegen, bei Verdacht oder Klarheit auf eine Krätzeinfektion alle Menschen zu benachrichtigen, mit denen ihr in den letzten 5 Wochen engeren Hautkontakt hattet!

1.1 Die Milbe & ihr Lebenszyklus

Die Krätzemilbe ist ein Parasit, der auf den Menschen spezialisiert ist und nur auf dem Menschen leben kann. Die Krätzemilbe gehört zu den Spinnentieren und ist verwandt mit den Hausstaubmilben und den Zecken. Weibliche Krätzemilben werden 0,3 bis 0,5 mm groß (mit dem menschlichen Auge gerade noch als Punkt sichtbar), männliche Milben 0,21 bis 0,29 mm.
Die Sauerstoffaufnahme erfolgt über die Körperoberfläche der Milbe, sodass der Parasit nicht tiefer als in die Hornschicht eindringen kann. Weiblichen Krätzemilben graben tunnelförmige Gänge und bewegen sich pro Tag ca. 0,5 bis 5 mm vorwärts und legen in diesen Gängen Eier ab. Die Begattung findet auf der Hautoberfläche statt. Die männlichen Milben sterben danach, nur die befruchteten Weibchen graben sich in die Hornhaut ein. Sie bleiben etwa 30 bis 60 Tage lebensfähig und verlassen in dieser Zeit das Tunnelsystem in der Regel nicht mehr.
Aus den Eiern schlüpfen nach 2 bis 3 Tagen Larven, die an die Hautoberfläche ausschwärmen und sich dort in Falten, Vertiefungen und Haarfollikeln zu Nymphen und nach etwa 2 bis 3 Wochen zu geschlechtsreifen Milben entwickeln. Dieser Zeitraum ist wichtig für die Behandlung mit Substanzen, die nicht ovizid (eitötend) sind und – per se oder unter bestimmten Bedingungen – genügend in der Haut gespeichertwerden. 
Die Infektiosität von Krätzemilben ist umso geringer, je länger sie von ihrem Wirt getrennt sind. Bei 34°C Umgebungstemperatur überleben Milben bereits weniger als 24 Stunden, bei 50°C (z.B. Waschmaschine, Trockner) nicht länger als 10 Minuten. Niedrigere Temperaturen und eine höhere relative Luftfeuchtigkeit verlängern dagegen die Überlebenszeit. Sinkt die Umgebungstemperatur unter 16°C, sind die Milben in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und können nicht mehr in die Epidermis. Bei den in Deutschland üblichen Raumtemperaturen und Luftfeuchtigkeit (21°C und 40 bis 80% relativer Luftfeuchtigkeit) sind Krätzemilben mit großer Wahrscheinlichkeit nicht länger als 48 Stunden infektiös.

1.2 Vorkommen

Krätze kommt weltweit vor und betrifft Menschen jeden Alters. In Gebieten mit einem kühlen Klima gibt es im Winter mehr Ansteckungen mit Krätze. Dies liegt vermutlich daran, dass Menschen mehr Zeit drinnen und enger zusammen verbringen. Zusätzlich ist auch die Überlebenszeit der Milben auf Textilien länger, wenn die Umgebungstemperaturen niedriger ist.

1.3 Übertragung

In der Regel wird die Krätze durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen. Die Übertragung eines einzigen begatteten Milbenweibchens oder mehrerer Larven von unterschiedlichem Geschlecht reichen für eine Infektion aus. Da sich Krätzemilben nur langsam bewegen und sich an Geruch- und Temperaturgradienten orientieren, setzt eine Übertragung einen großflächigen, längeren und kontinuierlichen Haut-zu-Haut-Kontakt in der Größenordnung von 5 bis 10 Minuten voraus. Dementsprechend sind Handschütteln, Begrüßungsküsse, Umarmungen meistens sicher.
Ganz auszuschließen ist eine Infektion aber bei kurzer Berührung auch nicht, vor allem bei der eher seltenen →Borkenkrätze. Personen, die sich bei Menschen mit gewöhnlicher Krätze anstecken können, sind demnach im Regelfall Mitglieder einer Familie oder Wohngemeinschaft, z.B. Paare, eng vertraute Geschwister, Eltern mit Kleinkindern sowie pflegebedürftige Personen, deren Betreuer und Pfleger.

1.4. Krankheitsbild

Theoretisch ist eine Übertragung von Krätzemilben über Textilien wie Bettwäsche, Wolldecken, Unterwäsche oder Verbandsstoffe möglich, aber wegen der rasch abnehmenden Infektiösität außerhalb der Haut, der geringen Milbenzahl auf immunkompetenten Menschen und der langsamen Fortbewegung der Milben bei der gewöhnlichen Krätze in der Praxis selten. In einer Studie trat eine Ansteckung nur bei zwei von 63 oder vier von 272 Probanden auf, welche bezogene Betten bzw. Kleider von stark infizierten Personen benutzt hatten (Burgess I 1994).
Die klare Diagnose von Krätze braucht viel Erfahrung, da die Hautveränderung bei jeder Person anders aussehen. Manche Menschen haben kaum Symptome, vielleicht ein paar rote Pünktchen, die kaum Jucken. Andere Menschen bekommen Pusteln und Entzündungen an vielem Stellen am Körper. Bei Menschen, die ein stark geschwächtes Immunsytem haben, kann es zu der selten Form der →Borkenkrätze kommen.Die meisten Allgemeinärzt*innen haben nicht viel Erfahrung mit der Diagnose, dewegen empfehlen ich bei Zweifel, ob eine Infektion besteht, direkt zu eine*r Hautärzt*in zu gehen.Krätzemilben bevorzugen Hautgebiete mit eher hoher Temperatur und dünner Hornschicht, also Gebiete in denen sie es warm haben und gut in die Haut eindringen können.
Vermehrt treten deswegen Krätzesymptome an den Falten zwischen Fingern und Zehen, am Handgelenk und den Fußleisten, in den Achselhöhlen, unter den Brüste, am Bauchnabel, im Schritt und in der Pofalte auf. Infektionen am Kopf und Nacken sind nur bei →Borkenkrätze üblich. Bei Säuglingen und Kleinkindern findet man typische Hauterscheinungen auch am behaarten Kopf und im Gesicht.DiehäufigstenHautveränderungenbestehenauskomma-artigen,oftunregelmäßig gewundenen, wenige Millimeter bis 1cm langen Milbengängen, an deren Ende sich manchmal ein kleines Bläschen ausbildet. Zusätzlich entstehen entzündete Punkte mit Bläschen oder Papeln. Diese Hautveränderungen sind Ausdruck einer entzündlichen Reaktion, die durch vom Immunsystem in Reaktion auf den Kot der Milben zeitverzögert ausgelöst wird. Eine klare Diagnose ist für Laien schwierig, und auch normale Ärzt*innen sind oft überfordert. Mit einem Dermatoskop (einer Art starken Lupe) können unter Umständen Milben oder Eier entdeckt werden, aber auch das erweist sich oft als schwierig.
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2 - Behandlung

2.1 Klassische Behandlung

Es gibt zwei Behandlungswege in der klassischen Medizin: Äußerlich, über das Auftragen von Cremes und innerlich über Tabletten. Alle in Deutschland zugelassenen Mittel (außer Crotamiton) töten sowohl die Milben als auch die Eier. Lest euch die Beipackzettel gründlich durch und beachtet sie. Gerade bei der Behandlung mit Creme gibt es ein paar Sachen zu beachten, damit die Behandlung erfolgreich ist.
2.1.1 Äußerliche Behandlung mit Cremes
Äußerlich sind in Deutschland drei Wirkstoffe zugelassen: Benzylbenzoat, Permithrin und Crotamiton. Alle Cremes führen oft zu Hautreizungen, Juckreiz, Brennen und ähnlichen Symptomen, die manchmal schwer von der Krätze selber unterscheidbar sind. Alle Cremes sollten nicht in der Schwangerschaft, beim Stillen oder bei Säuglingen angewandtwerden.
2.1.1.1 Permithrin - Verschreibungspflichtig
Permithrin wird auch in vielen anderen Bereichen als Pestizid eingesetzt. Die Behandlung dauert einen Tag, die Creme ist aber auch nur mit Rezept erhältlich. Der Wirkstoff ist für sehr viele wirbellose Tiere tödlich, inbesondere für Wasserorganismen & Bienen. Auch für Katzen ist es in hohen Dosen tödlich.
2.1.1.2 Benzylbenzoat Lotion (Handelsname Antiscabiosum) - Apothekenpflichtig
Benzylbenzoat Lotion kann ohne Rezept in der Apotheke gekauft werden. Die Behandlung dauert drei Tage. Nach unserer Erfahrung scheint diese Creme mehr zu jucken als Permithrin. Benzylbenzoat hat auf Wasserlebeswesen langfristig toxische Auswirkungen. Es gibt eine Studie, die auf Entwicklungsstörungen bei Ratten hinweist, deren Mütter täglich 100mg Benzylbenzoat pro kg Köpergewicht ausgesetzt waren (Koçkaya 2014)
2.1.1.3 Crotamiton - Apothekenpflichtig
Von der Existenz dieses Medikaments habe ich erst heute gehört. Es ist seit den 50ern gebräuchlich. Die Toxidität wird als gering eingeschätzt. Es ist aber auch weniger effektiv (Arzneitelegram 09/2005).
2.1.1.4 Die Behandlung mit der Creme
Nach gründlichem Duschen, schneiden und säubern der Finger- und Zehennägel reibt ihr den gesamten Körper vom Unterkiefer abwärts mit der Creme ein. Lasst dabei die Schleimhäute aus. Lasst euch am besten von einer anderen Person (Handschuhe benutzen) helfen, um z.B. den Rücken ganz einzucremen. Ihr zieht frische Wäsche an und wechselt eure Bettwäsche. Die Permithrin Creme kann nach 8-12 Stunden abgeduscht werden (auf keinen Fall in natürlichen Gewässern, es wirkt auf alles was imWasser lebt tödlich!). Bei Benzylbenzoat cremt ihr euch an den beiden nächsten Tagen erneut ein undwascht das ganze am vierten Tag ab.Vermeidet nach der Behandlung engen Hautkontakt mit Menschen bis die Symptome abgeklungen sind. Falls das nicht in den nächsten zwei Wochen geschieht hat entweder die Behandlung nicht angeschlagen, oder ihr habt womöglich das sogenannte post-skabiöse Ekzem (Siehe auch unter häufigen Fragen, und imZweifel ab zur Dermatolog*in). Wenn ihr noch keine Symptome hattet und euch präventiv behandelt habt, dann solltet ihr die nächsten fünf WochenHautkontakt vermeiden, um sicherzugehen, dass ihr nicht versehentlich weitere Menschen ansteckt, weil die Behandlung nicht funktioniert hat. Beachtet auch die generellen →Hygienemaßnahmen.
2.1.2 Innerliche Behandlung mit Tabletten
Zur innerlichen Behandlung ist seit 2016 in Deutschland Ivermectin zugelassen.Ivermectin ist das Mittel bei dem nach unserer Erfahrung fast immer die erste Behandlung erfolgreich ist. Gleichzeitig ist es aber auch ein ziemliches Umweltgift, und ist auch das Mittel mit den stärksten Nebenwirkungen (Müdigkeit, Schwäche, Schwindel, Schläfrigkeit, Tremor, Bauchschmerzen, Durchfall, Leberschäden).Es wird eine Tablette (3mg) pro 15kg Körpergweicht genommen, die Kleidung und Bettwäsche gewechselt und die →Hygienemaßnahmen beachtet.

2.2. Naturheilkundliche Behandlung

Es gibt Erfahrungsberichte von Menschen, welche sich erfolgreich mit Mischungen aus unterschiedlichen ätherischen Ölen behandelt haben. Ätherische Öle sind verdünnt zumeist sehr gut verträglich und lagern sich auch nicht im Ökosytem als Gifte an. Zudem gibt es bereits erwiesene Fälle in denen Krätzmilben Resistenzen gegen die konventionellen Mittel entwickelt haben.
Wissenschaftlich untersucht wurde dies bereits erst in einer Studie, in der zehn ätherische Öle in Vitro (im Labor) getestet wurden. Was damit nicht getestet wurde ist inwiefern die Öle auch Milben töten, die unter der Haut sind. In der Untersuchung wurden Milben mit Ölen in 1% Verdünnung beträufelt. Nelkenöl tötete die Milben in 20min, Palmarosaöl in 50min. Weitere Öle die eine gute Wirksamkeit zeigten waren Teebaum- und Eukalyptusöl.

Die Öle töten aber nur begrenzt die Eier ab, so dass eine Folgebehandlung 7-10 Tage späternotwendig ist, um die Milben abzutöten, die nach der Behandlung geschlüpft sind (und bevor sie sich selber paaren können). 

Im folgenden ein Rezept- und Behandlungsvorschlag mit dem einige Menschen gute Erfahrungen gemacht haben. Was auf keinen Fall ausreicht ist sich mal ab und zu, ein bisschen mit Öl einzureiben. Nehmt die Behandlungsschritte ernst, sonst reinfiziert ihr euch schnell selber.
2.2.1 Rezept

1 ml entsprechen ca. 20-30 Tropfen.

2.2.2 Behandlung

Nach einer gründlichen Dusche & Schneiden und Säubern der Finger- und Zehennägel reibt ihr den gesamten Körper vom Unterkiefer abwärts mit der Ölmischung ein. Lasst dabei die Schleimhäute aus. Einige Minuten warten, bis das Öl etwas eingezogen ist & danach neue Klamotten anziehen und Bettwäsche wechseln. An den zwei nächsten Tagen wird das ganze (Duschen, Öl, frische Wäsche) wiederholt. Nach 7-10 Tagen erfolgt eine weitere, einmalige Behandlung (Duschen, Öl, frische Wäsche). Vermeidet nach der Behandlung engen Hautkontakt mit Menschen bis die Symptome abgeklungen sind. Falls das nicht in den nächsten zwei Wochen geschieht hat entweder die Behandlung nicht angeschlagen, oder ihr habt womöglich das sogenannte post-skabiöse Ekzem (Siehe auch unter häufigen Fragen, und im Zweifel ab zur Dermatolog*in).

Wenn ihr noch keine Symptome hattet und euch präventiv behandelt habt, dann solltet ihr die nächsten fünf Wochen Hautkontakt vermeiden, um sicherzugehen, dass ihr nicht versehentlich weitere Menschen ansteckt, weil die Behandlung nicht funktioniert hat. 

Falls ihr euch für die Behandlung mit Ölen entschieden habt, freuen wir uns über eure Erfahrungsberichte per Email (oder ihr könnt es hier im Wiki eintragen oder kommentieren)!

2.3. WAS NICHT HILFT 

Was zur Behandlung von Krätze alleine nicht hilft, ist sich viel waschen & duschen. Auch der Besuch von einer Sauna hilft nicht. Zwar ist dort die Lufttemperatur oft über 60 Grad, die Krätzemilben leben aber meist in der Haut, und diese wird auch in der Sauna nicht so heiß (wenn doch hättet ihr ein ziemliches Problem). Desinfektionsmittel bringen nichts gegen Krätze.

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3 - Hygienemaßnahmen

Zu Beginn der Behandlung und am Tag danach sollte die Kleidung und die Bettwäsche gewechselt werden, die Fingernägel kurz und sauber gehalten werden.

 
3.1 Kontaktpersonen
Bei engen Kontaktpersonen besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Als enge Kontaktpersonen gelten alle Personen, die zu Erkrankten engen, großflächigen Haut-zu-Haut-Kontakt über einen längeren Zeitraum hatten (länger als 5 - 10 Minuten), z.B. durch gemeinsames Schlafen in einem Bett, Kuscheln, Körperpflege und Liebkosen von Kleinkindern, Sex, Körperpflege von Kranken.
Distanzierte soziale Kontakte sowie Händeschütteln oder eine Umarmung zur Begrüßung stellen keinen engen Körperkontakt dar. Ausnahme dabei ist die →Borkenkrätze. Enge Kontaktpersonen sollen darüber informiert werden, dass sie bereits in der Inkubationszeit, d.h. noch bevor Symptome vorliegen, andere Personen anstecken können. Intensive Hautkontakte sollten sie deswegen für die Dauer der Inkubationszeit, in der Regel 5 bis 6 Wochen, vermeiden und sich auf krätzetypische Symptome hin beobachten.
3.2. Textilien 
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4 - Besondere Fälle

4.1 Borkenkrätze

Borkenkrätze (auch Scabies crustosa oder Krustenkrätze genannt) ist eine Krankheitsentwicklung die vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem auftreten kann. Bei diesen können sich die Milben ungehemmt vermehren, so dass bis zu mehrere Tausende auf und in der Haut angesiedelt sein können (bei normaler Krätze sind 5-20 Milben üblich).

Diese Krankheitsform ist hoch ansteckend. Bereits kurze Hautkontakte können zur Infektion führen. Durch die hohe Zahl an Milben kommt es großer Bildung von Hornhaut, sehr krustiger oder borkiger Haut, und kann dann auch die Kopfhaut und das Gesicht befallen. Bei Borkenkrätze wird oft eine stationär Behandlung im Krankenhaus empfohlen.

4.2 Krätze im Säuglings- undKleinkindalter
Säuglinge und Kleinkinder weisen sehr ausgeprägte Hautveränderungen auf. Häufig sind die Füße einschließlich Fußsohlen, Knöchelregion, Kopfhaut und Gesicht, aber auch Achselhöhlen, Knie einschließlich Kniekehlen und Unterschenkel betroffen. Das klinische Bild ist vielgestaltiger und zeigt häufig Blasen, Bläschen und Pusteln. Das Allgemeinbefinden eines infizierten Säuglings kann durch Irritiertheit und Appetitlosigkeit beinträchtigt sein.
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5 - Häufige Fragen

Kann meinHund/Katze/Hamster Krätze bekommen?
Nein, die Krätzemilbe ist auf Menschen spezialisiert. Es gibt auch Hundekrätze, das ist aber eine andere Sorte, die nicht auf dem Menschen zurechtkommt. Allerdings kann ein Hund natürlich wie ein wandelndes Polstermöbel fungieren...
Hilfe, ich habe kurz nach der Behandlung noch neue Stellen entdeckt!
Neue entzündete Stellen in den Tagen nach der Behandlung deuten nicht unbedingt darauf hin, dass die Behandlung fehlgeschlagen ist. Einmal führen die Cremes oft zu Hautausschlägen (sogenanntes Postskabiöse Ekzem), die schwierig von Krätze zu unterscheiden ist. Zweitens findet die entzündliche Reaktion des Körper zeitverzögert statt, es kann also passieren, dass der Körper erst jetzt auf Milbentunnel reagiert, die vor der Behandlung entstanden sind.So oder so sollten ihr nachdem ihr euch behandelt habt, nicht davon ausgehen, dass ihr alles los seid, und sofort die nächste Kuschelparty starten.
Gibt’s an der ganzen Sache auch nochwas gutes?
Ja! Polizist*innen werden dich deutlich weniger gern anfassen, wenn du ihnen sagst, dass du Krätze hast. Das solltest du auch machen, da es sonst theoretisch als Körperverletzung gewertet werden könnte, wenn sich von denen ein*e infiziert.

Vermeidet nach der Behandlung engen Hautkontakt mit Menschen bis die Symptome abgeklungen sind. Wenn ihr noch keine Symptome hattet und euch präventiv behandelt habt, dann solltet ihr die nächsten fünf Wochen Hautkontakt vermeiden, um sicherzugehen, dass ihr nicht versentlich weitere Menschen ansteckt, weil die Behandlung nicht funktioniert hat.19

Eine Freun*in von mir hat Krätze. Sollte ich mich behandeln? 
Habt ihr Bettwäsche geteilt oder hattet für längere Zeit (ab 5Minuten) Hautkontakt? Dann ist eswahrscheinlich, dass du auch Krätze hast. Habt ihr gemeinsam in einem Bett geschlafen? Dann kannst du dir sicher sein, dass du auch Krätze hast.
Ist es sinnvoll, sich auch ohne Symptome (nur im Verdachtsfall) zu behandeln?
Dazu scheiden sich die Geister: Behandeln obwohl keine Symptome da sind. Eine Behandlung ohne Symptome kann zwar eine gefühlte Sicherheit bieten, da du aber keine Symptome hattest, kannst du aber auch nicht einschätzen, ob die Behandlung erfolgreich ist. Deswegen solltest du auch dann unbedingt die allgemeinen Hygienemaßnahmen befolgen und in den nächsten 5 Wochen im Zweifel eher davon ausgehen, dass du es vielleicht noch hast.

Da du also so oder so die nächsten Wochen längeren Körperkontakt vermeiden solltest, gibt es auch Menschen, die dann lieber abwarten & sich währenddessen verantwortungsbewusst verhalten (kein Teilen von Wäsche & Betten, kein längeren Körperkontakt). Wenn du dann nach einigen Wochen Symptome zeigst, kannst du dir sicher sein, dass du Krätze hast, die Behandlung ist klarer, und wirst es beim nächsten Verdachtsfall innerhalb von einer Woche wissen (siehe Erkärung am Anfang des Buches). 

Dieser Weg ist aber nur zu empfehlen, wenn du wirklich sicher bist, dass du nicht doch andere Menschen gefährden wirst!

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6 - Quellen

Die meisten Daten stammen aus dem [RKI Ratgeber für Ärzte zum Thema Krätze. Das Robert-Koch-Institut ist das Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und wir schätzen diesen Ratgeber als sehr fundierte Quelle ein.

=> https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Skabies.html

Studie zu ätherischen Ölen: Fang F, Candy K,Melloul E, et al. In vitro activity of ten essential oils against Sarcoptes scabiei. Parasit Vectors. => https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5120413/

Koçkaya, E.A. and Kılıç, A. (2014), Developmental toxicity of benzyl benzoate in rats after maternal exposure throughout pregnancy. Environ. Toxicol, 29: 40-53. =>  https://doi.org/10.1002/tox.20771

Arzneitelegram September 2005 =>  https://www.arznei-telegramm.de/html/2005_09/0509078_01.html

Let's Talk about Su.c.de!

Diese Ressourcensammlung ist im Sommer 2025 in Vorbereitung auf und während eines Workshops auf dem System-Change-Camp entstanden. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen dazu entschieden, den Workshop zu geben:

Diese Ressourcensammlung richtet sich insbesondere an Menschen, die nicht selbst von Suizidalität betroffen sind, denn erst eine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Verlust ermöglicht Gespräche auf Augenhöhe, die den emotionalen Raum halten können für Menschen die akut betroffen sind.

Leider haben viele von uns immer wieder die Erfahrung gemacht, dass das Thema tabuisiert wird, Menschen schockiert reagieren, und alles sich viel mehr um die Gefühle der Anderen dreht, als um die Eigenen! Dies soll ein Beitrag sein, damit sich das endlich ändert!

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Rahmen für den Space

Für einen kollektiven Space um über Suizidalität zu sprechen, ist es essenziell vorher einen Rahmen abzustecken. Hier findest du einige Gedanken dazu.

Handzeichen

Für Bilder & Erklärungen ➡️ Handzeichen.pdf

Pause/Stopp = T mit den Händen formen - für Unterbrechungen

Awareness-A = A mit den Händen über dem Kopf formen - für Trigger, unangenehme Situationen, Awareness

Sprache/Language = L mit einer Hand formen (Daumen abgespreizt) - für Sprachliche Unklarheiten

Vereinbarungen

Grenzen, Bedürfnisse & Ängste abfragen

Bedürfnisse, die geäußert wurden
Grenzen, die geäußert wurden
Ängste, die geäußert wurden

Zusätzlich zu den Abfragen kann ein ausgiebiger Check-In in Kleingruppen oder in der großen Runde helfen, das Eis zu brechen.

Ausgiebiger Check-In

Wieso nimmst du Teil? - Welchen Bezug hast du zum Thema Suizidalität?


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Input zu Suizidalität

Häufigkeit

10.300 Menschen haben sich im Jahr 2023 in Deutschland das Leben genommen. Das sind 28 Menschen pro Tag. 

Davon waren 850 assistierte Suizide (Sterbehilfe) - Tendenz steigend.

1% aller Tode sind Suizide. Bei unter 25-Jährigen sind es 16% aller Tode.

Suizide sind häufiger als Mord, AIDS-, Drogen- und Verkehrs-Tode zusammen.

Es gab von 1980-2005 einen starken Rückgang von Suiziden (Faktor 4) durch Aufklärungskampagnen. Parallel zum Rückgang der Suizide wuchs die Zahl der Diagnosen psychischer Erkrankungen - da Menschen sich nun häufiger Hilfe suchen (können).

Es gibt laut Schätzungen ca. 100.000 Suizidversuche jedes Jahr - dazu gibt es jedoch keine offiziellen Statistiken.

In Mittel- und Nordeuropa sind Suizide häufiger als in Südeuropa.

Betroffene

Während Männer* es häufiger zu Ende bringen, werden (bemerkte) Suizidversuche v.a. von jungen Frauen* und Queers begangen. Manche Quellen sagen, dass ein Suizidversuch bei Frauen* eher als Hilferuf zu verstehen sei, während Männer* entschlossener seien - andere sagen, es ist auf die gewählten Suizidmethoden und deren Erfolgsquote zurückzuführen.

Gender: 73% Männer* - unter Trans*-Personen ist die Rate 4x so hoch, unter nicht-binären noch höher.

Durchschnittsalter: 60 Jahre. Mit dem Alter steigt die Suizidrate exponentiell an.

Soziale Faktoren: Armut, Arbeitslosigkeit, Juristische Probleme, Partnerschafts-/Familienkonflikte, Drogen

Psychiatrische Erkrankungen: 71-90% haben Depressionen - häufig fehlt der Zugang zu psychiatrischer Versorgung 

Ein großer Risikofaktor für einen erfolgreichen Suizid sind vorangegangene Suizidversuche (bei ca. 30%)

Symptome

Hoffnungslosigkeit - Schuldgefühle - sozialer Rückzug

starke Impulsivität/Handlungsdrang

Menschen "ordnen" ihr leben & nehmen Abschied

Ich halte das nicht mehr aus - Das ist mir alles zu viel

Gesellschaftliche Prävention

Es gibt Schulungen für Lehrende, Hausärzt*innen, Journalist*innen, Pflegekräfte, Pfarrer*innen & Cops.

Anlaufstellen: Telefonseelsorge, Trees of Memory (für Angehörige)

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention

Nationales Suizidpräventionsprogramm

Beratungsstellen: München, Frankfurt a. M., vielleicht auch in deiner Gegend?

Medien berichten in der Regel nicht bzw. nur wenn notwendig über Suizide.

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Handlungsmöglichkeiten & Leitfaden für Gespräche

Thema Suizid nicht meiden

Die folgende Handlungsempfehlung wurde für Hausärzt*innen geschrieben. Du findest eine weitere tolle Übersicht hier: https://www.treesofmemory.com/aktiv-gegen-suizidgedanken/ueber-suizidgedanken-sprechen

Das tabuisierte und schwere Thema Suizid aktiv anzusprechen, erfordert nicht selten Überwindung. Dies ist aber bei depressiv Erkrankten und anderen möglicherweise Suizidgefährdeten unerlässlich. Die Sorge, die Betroffenen damit erst auf den Gedanken zu bringen, ist unbegründet. Aber wie soll man das Gespräch auf dieses belastende Thema lenken? Hilfreich ist es hier meist, von den eigenen Beobachtungen und Gefühlen auszugehen und sich einen Einstiegssatz zurechtzulegen. Beispiel: „Sie machen auf mich einen sehr verzweifelten Eindruck und ich mache mir Sorgen um Sie. Haben Sie denn finstere Gedanken und vielleicht sogar daran gedacht, sich etwas anzutun?“ Danach sollte das Gespräch in 2 Teile geteilt werden:

Einziges Ziel des 1. Teils ist es die Höhe der Suizidgefahr einzuschätzen. Erst nach bestmöglicher Abschätzung dieses Risikos soll zu Teil 2 übergegangen werden. Der Impuls, direkt Zuspruch und Hilfsangebote zu unterbreiten, sollte unterdrückt werden. Dies geschieht erst im 2. Teil.



Im 1. Teil sollten Suizidgedanken, -absichten und -pläne offen angesprochen und abgefragt werden. In der Tabelle sind Beispielfragen gelistet. Da die Neigung besteht, zu rasch auf beschwichtigende Antworten des Erkrankten einzugehen, um das für alle Beteiligte unangenehme Thema zu verlassen, ist es hilfreich, derartige Fragen parat zu haben. Es muss so lange nachgefragt werden, bis ein bestmöglicher Gesamteindruck („Bauchgefühl“) bezüglich des Suizidrisikos gewonnen worden ist. Manchmal ist hier nicht nur das, was der Patient sagt, sondern das, was er nicht sagt beziehungsweise wie er etwas sagt, aussagekräftig. Einen Fragebogen oder Test, mit dem die Suizidgefährdung ausreichend gut bestimmt werden kann, gibt es leider nicht.

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Die Risikoabschätzung kann von passiven Suizidgedanken ohne Suizidabsicht bis zu hoher akuter Suizidgefährdung reichen. Je nach Einschätzung sollten im 2. Teil verschiedene Maßnahmen folgen. Hierbei kann aus einem ganzen Spektrum an Möglichkeiten ausgewählt werden, zum Beispiel:

Die folgende Handlungsempfehlung lehnen wir entschieden ab, weil marginalisierte Personen in Psychiatrien in der Regel Diskriminierung und Gewalt erleben. Zudem ist die Polizei keine adäquate Ansprechstruktur für Menschen mit psychischen Krankheiten, da sie im Regelfall Situationen lieber eskaliert als den Betroffenen zu helfen. Eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik sollte immer eine freie Entscheidung sein. Der Satz wurde hier stehen gelassen, weil es leider Teil des gesellschaftlichen Umgangs mit Suizidalität und psychischen Krankheiten ist.

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Workshopergebnisse (Stimmen von Betroffenen & Angehörigen)

Welche Schwierigkeiten kennst du im Umgang mit Suizidalität?

Welche Strategien kennst du im Umgang mit Suizidalität?

Wie würdest du dir den Umgang mit Suizidalität wünschen?

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Grafiken

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Aktivismus & Trauma // Activism & Trauma

TAKE CARE OF EACH OTHER…
....über die emotionalen Folgen von Polizei (und anderer) Brutalität - und wie wir da wieder rauskommen //
....about the emotional Consequences of Police (and other) Brutality - and how we can deal with them.

Kopiert aus einem Flyer - den du hier runterladen kannst //
Copied from a Flyer which you can download here:
Activism & Trauma.pdf
Aktivismus und Trauma.pdf

Mehr Info // More info:

Activist Trauma Support: www.activist-trauma.net

Die Gruppe existiert leider nicht mehr, aber es gibt in Deutschland //
This group sadly doesnt exist anymore, but in Germany there are:

Out of Action: https://outofaction.noblogs.org/
Zähne putzen: https://aktivisti-retreat.org/
Psychologists for Future: https://www.psy4f.org/beratung/
Rest in Resistance; https://restinresistance.de/

Lesetipp // Reading Advice: “Narben der Gewalt”, Judith Hermann
www.trauma-informations-zentrum.de

Aktivismus & Trauma // Activism & Trauma

Überblick & Einführung // Overview & Intro

grafik.png[lang:de]

Die Verfassung, in der wir uns nach Erfahrungen von Brutalität (sei es direkt oder indirekt) befinden können, wird von PsychologInnen und Co. als „Post-traumatischer Stress" (PTS) bezeichnet. Sie teilen die Reaktionen in drei verschiedene Bereiche ein.

Zeichen von Post-Traumatischem Stress:

  1. Wieder-Erleben des Erlebten
    - Alpträume, Flashbacks, intrusive (immer wiederkehrende) Erinnerungen
    - das Gefühl, dass das Erlebte einen nicht mehr los lässt, etc.
  2. Vermeidungsverhalten /Verdrängungsverhalten
    - Erinnerungsverlust, erhöhter Alkohol/Drogenkonsum, Selbstisolierung,
    - Vermeidung von allem, was mit dem Erlebten zu tun hat oder einen daran erinnert
    - Distanz zu dem Geschehenen aufbauen, etc.
  3. Erhöhte Erregung
    Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Gefühlsausbrüche, Wutausbrüche,
    Angst, Panik, Konzentrationsschwierigkeiten, Schreckhaftigkeit, etc.

Dies sind häufige Reaktionen auf extreme Erfahrungen. Viele Menschen haben dies erlebt - und überlebt.

Um eine Besserung zu erreichen, helfen vor allem 2 Ansätze:

  1. Sich für längere Zeit an einem Platz aufhalten, an dem du dich sicher fühlst, Ruhe hast und dich mit Menschen umgeben, denen du vertraust.
  2. Die Erfahrung verarbeiten. Das Erlebte in Worte fassen, auch wenn es wieder und wieder erzählt wird, oder die Emotionen auf andere Weise ausdrücken.

Für ca. 70% der Menschen verschwinden die Symptome nach ungefähr 4-6 Wochen. Bleiben
sie bestehen, wird diese Verfassung als PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung)
bezeichnet und ist so ernst, dass sachverständige Hilfe erforderlich ist. (Dies kann auch hilfreich sein, wenn die Symptome schon vorher das Leben stark erschweren.)

Es besteht die Möglichkeit, dass PTBS erst Monate oder sogar Jahre nach der Erfahrung auftritt. PTBS ist sozusagen eine Verarbeitungsstörung, d.h. die Erfahrung kann nicht verarbeitet werden.

Verschiedene Therapieformen können helfen. Ziel ist es, das Trauma in das Leben zu
integrieren, es kann nicht ungeschehen gemacht werden und es hat die Person verändert.
Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf ein Trauma und in unterschiedlicher Intensität.

[lang:en]

The state in we can find ourselves after experiencing Brutality and a loss of control over our body and health are called "Post-Traumatic Stress" or PTS. You might experience all, some or one of them:

Signs of Post-Traumatic Stress:

  1. Re-experiencing the traumatic event:
    nightmares, flashbacks, intrusive memories, the feeling of not being able to let go of the experience
  2. Avoidance / Suppression:
    - emotional numbing: losing the memory
    - self-medication (alcohol /drugs), self-isolation, social withdrawal
    - avoidance of everything that may recall the experience (known as avoidance behaviour)
  3. Increased arousal:
    - Sleeplessness, irritation, rage, emotional outbursts,
    - panic attacks, fear, hyper-vigilance, difficulties concentrating and performing normal tasks

These are common reactions to extreme experiences. A lot of people have been throughand get over it.

People react differently and in different intensities to a traumatic experience.
They also have different needs in terms of support. You can become traumatised by your
personal experience, by witnessing, but also outside the action by knowing the victim or by just hearing about it.

Two essential components of recovery:

  1. Stay in a calm place for some time, where you feel safe and you have people around you who you can trust and who can care for you
  2. Work through the experience. Find words for what happened. Tell a friend in detail. Write down what happened. Express it in whatever way suits you.


For about 70% of people, these symptoms slowly disappear after about 4-6 weeks. But if they continue, this condition is called “PTSD" (post-traumatic stress "Disorder" - we disagree with using the word “Disorder” for something we see as a normal reaction). If your reactions don’t settle after this time then seek ‘professional’ help (which might be helpful anyway if the reaction in the first weeks is strong).

It may be that “PTSD" only occurs months or even years after the experience (delayed “PTSD"). 

Basically, it is a processing dysfunction - our system does not process the experience. The experience is blocked, so it keeps on hurting. There are different kinds of therapy or healing. The aim is to integrate the traumatic experience into your life. It will not disappear, but the pain will diminish.

Aktivismus & Trauma // Activism & Trauma

Traumareaktionen // Reactions to Trauma

[lang:de]

Mögliche Reaktionen nach einem Trauma

Hintergrund zu Trauma

Hintergrund für diese Reaktionen ist der Versuch unseres Systems wieder Kontrolle zu
gewinnen. Unser Leben baut darauf auf, dass wir Einfluss darauf haben, was mit uns passiert.
Wird uns dieser Einfluss genommen, wenn wir ohnmächtig der Gewalt ausgeliefert sind, entsteht traumatischer Stress.

Wenn wir hinterher beispielsweise nicht schlafen können, so ist das darauf begründet, dass der Körper nicht die Kontrolle verlieren will. Selbstmedikation mit Alkohol will erreichen, dass die eigene Verfassung nicht wahrgenommen wird.

Sogar die Selbstvorwürfe, die das Gehirn dir einredet, um dir Kontrolle vorzuspiegeln, folgen diesem Muster, wenn es sagt: „Hättest du dich anders verhalten, wäre das nicht passiert…" und dir damit einredet, es läge in deiner Hand. Fakt ist jedoch, dass die Kontrolle über unser Leben bedingt ist, aber unser gesamtes Handeln und Tun darauf aufgebaut ist, denn nur so können wir uns schützen, bzw. uns sicher fühlen.

[lang:en]

Possible reactions after a traumatic experience

Background to Trauma

The background to these Reactions are the attempt by the brain to regain control of our lives. Our lives depend on having a sense of some sort of influence on what is happening to us. If this power is taken away from us, we literally feel powerless, at the mercy of brutality, and this produces (post traumatic) stress.


Afterwards, our brain and body systems seek to regain control and make sense of the experience to prevent it from happening again. So the brain replays the experience in front of our inner eye to try and grasp it, while at the same time we want to avoid anything connected with it. We become emotionally disturbed because we never feel safe, we feel bad about what happened. 

Even blaming ourselves is based on that concept, because if it’s our fault, we’d act differently next time, wouldn’t we? It’s true that we don’t have total control over our lives, but our actions and thoughts are nevertheless based on a sense of power and personal effectiveness.

Aktivismus & Trauma // Activism & Trauma

Was du für dich selbst tun kannst // What you can do for yourself

[lang:de]

Sag dir: Deine Reaktionen sind normal und es gibt Hilfe! Dies ist eine schwere Phase, aber sie geht aller Wahrscheinlichkeit nach vorbei.

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Remind yourself: your reactions are normal and there is help available; this is a difficult phase but you will get better.

Aktivismus & Trauma // Activism & Trauma

Was du für dein*e Freund*in tun kannst // What you can do for your Friend(s)

[lang:de]

Warte nicht, bis du um Hilfe gefragt wirst, sondern sei einfach für mensch da.

[lang:en]

Don't wait for them to ask for help. Be there for them

Aktivismus & Trauma // Activism & Trauma

Was wir kollektiv tun können // What we can do collectively

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[lang:de]

Was ihr als Gruppe tun könnt

Vergesst nicht: Nicht nur verwundete Menschen brauchen Unterstützung und auch UnterstützerInnen brauchen eine Schulter zum Anlehnen!

Innerhalb der politischen Bewegungen

Es ist wichtig, dass wir uns mehr darüber bewusst werden, wie sich Erfahrung mit Brutalität auf uns auswirken. Die Repression liegt in ihrer Hand, aber in unserer Hand liegt es, wie wir mit den Folgen umgehen.

Viel zu oft wird Trauma noch als persönliche Schwäche ausgelegt und nicht ausreichend Unterstützung gegeben. 

In diesem Hinblick muss sich unsere Kultur grundlegend ändern, um eine Basis zu schaffen, auf der Umgang mit Angst und den emotionalen Folgen von Repression und anderen Traumata kein Tabu mehr ist und in unseren Gruppen thematisiert wird und werden darf.

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What you can do as a group

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Remember: a supporter needs support, too. Supporting a supporter is essential.

Inside our political movements


It is vital to us that we are aware of how brutality affects us emotionally. Repression is in other’s hands, but we have the power to deal with its effect on us. Repression will be less effective if our mutual support is strong.

Far too often, post-traumatic stress is still thought of as personal weakness.

Often the support is not sufficient. It is essential that our whole culture changes its attitude towards this. What we can do within our groups is to create the foundations of a culture where talking about fear and emotional consequences of repression and other trauma is not taboo, or seen as weak or “uncool”.

Support structures


Groups providing trauma support are now appearing in many countries - e.g. in Germany, UK, Netherlands, Israel, USA. We hope that in the future there will be an international network of trauma support structures similar to the Streetmedic network. Our work currently consists mainly in stress prevention, education and information as well as providing emotional first aid, recovery spaces and help-lines at larger events plus some long-term support.

Note that this Resource is quite old - so is this quote - you can find more up to date information in the Description of this Chapter.