Krankheiten, Umgang, Behandlung
Dieses Buch sammelt Infos über häufige Krankheiten in aktivistischen Kontexten, Best Practices für den Umgang damit und gibt Tipps zur korrekten Behandlung.
- Krätze-Reader
- 1 - Was ist Krätze?
- 2 - Behandlung
- 3 - Hygienemaßnahmen
- 4 - Besondere Fälle
- 5 - Häufige Fragen
- 6 - Quellen
- Let's Talk about Su.c.de!
- Rahmen für den Space
- Input zu Suizidalität
- Handlungsmöglichkeiten & Leitfaden für Gespräche
- Workshopergebnisse (Stimmen von Betroffenen & Angehörigen)
- Grafiken
- Aktivismus & Trauma // Activism & Trauma
Krätze-Reader
Ein kleines Handbuch zur Milbe & ihrer Behandlung
Version 1.2, Dezember 2021
Dieses Zine ist 2021 entstanden, nachdem Krätze sich immer wieder in aktivistischen Räumen ausgebreitet hat und Menschen es Leid waren, dass der Wissensstand dazu sehr gering war und viele Menschen sehr überreagiert haben, und andere Menschen nicht verantwortungsvoll damit umgegangen sind.
Link zum Zine: https://archive.org/details/kraetze-reader/01-Kraetze-Reader/
Vorwort: Don’t panic!
Kein Copyright. Diese Heft darf vervielfältigt, verändert und verschönert werden. Dieses Handbuch wurde von einer Gruppe Menschen geschrieben, die selber schon öfters Erfahrungen mit Krätze haben durften. Mit diesem Heft wollenwir zu einem informierteren und weniger angst-behaftetem Umgang mit dieser Milbe finden. Wir freuen uns sehr über Anmerkungen & Kritik, was für euch gut funktioniert hat & was nicht! Email: kratz@riseup.net
Inhaltsverzeichnis:
1 Was ist Krätze?
1.1 Die Milbe & ihr Lebenszyklus
1.2 Vorkommen
1.3 Übertragung
1.4 Krankheitsbild
2 Behandlung
2.1 Klassische Behandlung
2.2 Naturheilkundliche Behandlung
2.3 Was nicht hilft
3 Hygienemaßnahmen
3.1 Kontaktpersonen
3.2 Textilien
4 Besondere Fälle
4.1 Borkenkrätze
4.2 Krätze im Säuglings- und Kleinkindalter
5 Häufige Fragen
6 Quellen
1 - Was ist Krätze?
Krätze (auch Skabies genannt) ist eine infektiöse Hautkrankheit, die von einer kleinen Milbe ausgelöst wird, die parasitisch auf der Haut des Menschen lebt. Der menschliche Körper entwickelt nach einigen Wochen auf den Kot der Milben eine Art allergische Reaktion. Dies führt zu entzündeten Punkten auf der Haut, die stark jucken können. Krätze ist keine gefährliche Krankheit und überträgt sich in den meisten Fällen nur über längeren Hautkontakt mit einer anderen Person.
Die Behandlung und den Umgang mit Krätze wird aber dadurch erschwert, dass es zwischen 2-5 Wochen dauert, bis die ersten Symptome auftauchen. In dieser Zeit kann mensch aber bereits andere anstecken, ohne es zu wissen. Wichtig ist es deswegen, bei Verdacht oder Klarheit auf eine Krätzeinfektion alle Menschen zu benachrichtigen, mit denen ihr in den letzten 5 Wochen engeren Hautkontakt hattet!
1.1 Die Milbe & ihr Lebenszyklus
1.2 Vorkommen
1.3 Übertragung
1.4. Krankheitsbild
2 - Behandlung
2.1 Klassische Behandlung
2.1.1 Äußerliche Behandlung mit Cremes
2.1.1.1 Permithrin - Verschreibungspflichtig
2.1.1.2 Benzylbenzoat Lotion (Handelsname Antiscabiosum) - Apothekenpflichtig
2.1.1.3 Crotamiton - Apothekenpflichtig
2.1.1.4 Die Behandlung mit der Creme
2.1.2 Innerliche Behandlung mit Tabletten
2.2. Naturheilkundliche Behandlung
Die Öle töten aber nur begrenzt die Eier ab, so dass eine Folgebehandlung 7-10 Tage späternotwendig ist, um die Milben abzutöten, die nach der Behandlung geschlüpft sind (und bevor sie sich selber paaren können).
2.2.1 Rezept
- 1 ml Teebaumöl
- 1 ml Palmarosaöl
- 1 ml Nekenöl
- 1 ml Eukalyptusöl
- 100ml Oliven- oder Mandelöl
1 ml entsprechen ca. 20-30 Tropfen.
2.2.2 Behandlung
Nach einer gründlichen Dusche & Schneiden und Säubern der Finger- und Zehennägel reibt ihr den gesamten Körper vom Unterkiefer abwärts mit der Ölmischung ein. Lasst dabei die Schleimhäute aus. Einige Minuten warten, bis das Öl etwas eingezogen ist & danach neue Klamotten anziehen und Bettwäsche wechseln. An den zwei nächsten Tagen wird das ganze (Duschen, Öl, frische Wäsche) wiederholt. Nach 7-10 Tagen erfolgt eine weitere, einmalige Behandlung (Duschen, Öl, frische Wäsche). Vermeidet nach der Behandlung engen Hautkontakt mit Menschen bis die Symptome abgeklungen sind. Falls das nicht in den nächsten zwei Wochen geschieht hat entweder die Behandlung nicht angeschlagen, oder ihr habt womöglich das sogenannte post-skabiöse Ekzem (Siehe auch unter häufigen Fragen, und im Zweifel ab zur Dermatolog*in).
Wenn ihr noch keine Symptome hattet und euch präventiv behandelt habt, dann solltet ihr die nächsten fünf Wochen Hautkontakt vermeiden, um sicherzugehen, dass ihr nicht versehentlich weitere Menschen ansteckt, weil die Behandlung nicht funktioniert hat.
2.3. WAS NICHT HILFT
Was zur Behandlung von Krätze alleine nicht hilft, ist sich viel waschen & duschen. Auch der Besuch von einer Sauna hilft nicht. Zwar ist dort die Lufttemperatur oft über 60 Grad, die Krätzemilben leben aber meist in der Haut, und diese wird auch in der Sauna nicht so heiß (wenn doch hättet ihr ein ziemliches Problem). Desinfektionsmittel bringen nichts gegen Krätze.
3 - Hygienemaßnahmen
Zu Beginn der Behandlung und am Tag danach sollte die Kleidung und die Bettwäsche gewechselt werden, die Fingernägel kurz und sauber gehalten werden.
3.1 Kontaktpersonen
3.2. Textilien
- Kleider, Bettwäsche, Handtücher und weitere Gegenstände mit längerem Körperkontakt (z.B. Pantoffeln, Stofftiere, etc.) sollten bei mindestens 50°C für wenigstens 10 Minuten gewaschen werden.
- Was nicht gewaschen werden kann, wird in warmen Räumen (mind 21 Grad) in Plastiksäcken für 72 Stunden gelagert. Bei Raumtemperaturen unter 20 Grad die Säcke eineWoche einlagern.
- Betten sollen frisch bezogen werden.
- Polstermöbel, Sofakissen oder textile Fußbodenbeläge (wenn Erkrankte mit bloßer Haut darauf gelegen haben) können mit einem starken Staubsauger abgesaugt oder für mindestens 48 Stunden lang nicht benutzt werden. Diese Maßnahme ist wegen der geringen Ansteckungsgefahr nicht zwingend erforderlich.
4 - Besondere Fälle
4.1 Borkenkrätze
Borkenkrätze (auch Scabies crustosa oder Krustenkrätze genannt) ist eine Krankheitsentwicklung die vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem auftreten kann. Bei diesen können sich die Milben ungehemmt vermehren, so dass bis zu mehrere Tausende auf und in der Haut angesiedelt sein können (bei normaler Krätze sind 5-20 Milben üblich).
Diese Krankheitsform ist hoch ansteckend. Bereits kurze Hautkontakte können zur Infektion führen. Durch die hohe Zahl an Milben kommt es großer Bildung von Hornhaut, sehr krustiger oder borkiger Haut, und kann dann auch die Kopfhaut und das Gesicht befallen. Bei Borkenkrätze wird oft eine stationär Behandlung im Krankenhaus empfohlen.
4.2 Krätze im Säuglings- undKleinkindalter
5 - Häufige Fragen
Nein, die Krätzemilbe ist auf Menschen spezialisiert. Es gibt auch Hundekrätze, das ist aber eine andere Sorte, die nicht auf dem Menschen zurechtkommt. Allerdings kann ein Hund natürlich wie ein wandelndes Polstermöbel fungieren...
Neue entzündete Stellen in den Tagen nach der Behandlung deuten nicht unbedingt darauf hin, dass die Behandlung fehlgeschlagen ist. Einmal führen die Cremes oft zu Hautausschlägen (sogenanntes Postskabiöse Ekzem), die schwierig von Krätze zu unterscheiden ist. Zweitens findet die entzündliche Reaktion des Körper zeitverzögert statt, es kann also passieren, dass der Körper erst jetzt auf Milbentunnel reagiert, die vor der Behandlung entstanden sind.So oder so sollten ihr nachdem ihr euch behandelt habt, nicht davon ausgehen, dass ihr alles los seid, und sofort die nächste Kuschelparty starten.
Ja! Polizist*innen werden dich deutlich weniger gern anfassen, wenn du ihnen sagst, dass du Krätze hast. Das solltest du auch machen, da es sonst theoretisch als Körperverletzung gewertet werden könnte, wenn sich von denen ein*e infiziert.
Vermeidet nach der Behandlung engen Hautkontakt mit Menschen bis die Symptome abgeklungen sind. Wenn ihr noch keine Symptome hattet und euch präventiv behandelt habt, dann solltet ihr die nächsten fünf Wochen Hautkontakt vermeiden, um sicherzugehen, dass ihr nicht versentlich weitere Menschen ansteckt, weil die Behandlung nicht funktioniert hat.19
Habt ihr Bettwäsche geteilt oder hattet für längere Zeit (ab 5Minuten) Hautkontakt? Dann ist eswahrscheinlich, dass du auch Krätze hast. Habt ihr gemeinsam in einem Bett geschlafen? Dann kannst du dir sicher sein, dass du auch Krätze hast.
Dazu scheiden sich die Geister: Behandeln obwohl keine Symptome da sind. Eine Behandlung ohne Symptome kann zwar eine gefühlte Sicherheit bieten, da du aber keine Symptome hattest, kannst du aber auch nicht einschätzen, ob die Behandlung erfolgreich ist. Deswegen solltest du auch dann unbedingt die allgemeinen Hygienemaßnahmen befolgen und in den nächsten 5 Wochen im Zweifel eher davon ausgehen, dass du es vielleicht noch hast.
Da du also so oder so die nächsten Wochen längeren Körperkontakt vermeiden solltest, gibt es auch Menschen, die dann lieber abwarten & sich währenddessen verantwortungsbewusst verhalten (kein Teilen von Wäsche & Betten, kein längeren Körperkontakt). Wenn du dann nach einigen Wochen Symptome zeigst, kannst du dir sicher sein, dass du Krätze hast, die Behandlung ist klarer, und wirst es beim nächsten Verdachtsfall innerhalb von einer Woche wissen (siehe Erkärung am Anfang des Buches).
Dieser Weg ist aber nur zu empfehlen, wenn du wirklich sicher bist, dass du nicht doch andere Menschen gefährden wirst!
6 - Quellen
Die meisten Daten stammen aus dem [RKI Ratgeber für Ärzte zum Thema Krätze. Das Robert-Koch-Institut ist das Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und wir schätzen diesen Ratgeber als sehr fundierte Quelle ein.
=> https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Skabies.html
Studie zu ätherischen Ölen: Fang F, Candy K,Melloul E, et al. In vitro activity of ten essential oils against Sarcoptes scabiei. Parasit Vectors. => https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5120413/
Koçkaya, E.A. and Kılıç, A. (2014), Developmental toxicity of benzyl benzoate in rats after maternal exposure throughout pregnancy. Environ. Toxicol, 29: 40-53. => https://doi.org/10.1002/tox.20771
Arzneitelegram September 2005 => https://www.arznei-telegramm.de/html/2005_09/0509078_01.html
Let's Talk about Su.c.de!
Diese Ressourcensammlung ist im Sommer 2025 in Vorbereitung auf und während eines Workshops auf dem System-Change-Camp entstanden. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen dazu entschieden, den Workshop zu geben:
- Wir sind selbst beide von Suizidalität betroffen
- Wir bekommen immer wieder von Menschen (aus der Bewegung) mit, die sich das Leben nehmen
- Es gab im Frühjahr 2025 einen Suizid-Fall in der Bewegung, der durch eine Suchaktion sehr bekannt geworden ist
- Wir haben noch nie einen Space erlebt, in dem wir über enge Beziehungen hinaus offen und emotional über dieses Thema sprechen konnten, und uns dabei gehalten gefühlt haben.
Diese Ressourcensammlung richtet sich insbesondere an Menschen, die nicht selbst von Suizidalität betroffen sind, denn erst eine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Verlust ermöglicht Gespräche auf Augenhöhe, die den emotionalen Raum halten können für Menschen die akut betroffen sind.
Leider haben viele von uns immer wieder die Erfahrung gemacht, dass das Thema tabuisiert wird, Menschen schockiert reagieren, und alles sich viel mehr um die Gefühle der Anderen dreht, als um die Eigenen! Dies soll ein Beitrag sein, damit sich das endlich ändert!
Rahmen für den Space
Für einen kollektiven Space um über Suizidalität zu sprechen, ist es essenziell vorher einen Rahmen abzustecken. Hier findest du einige Gedanken dazu.
Handzeichen
Für Bilder & Erklärungen ➡️ Handzeichen.pdf
Pause/Stopp = T mit den Händen formen - für Unterbrechungen
Awareness-A = A mit den Händen über dem Kopf formen - für Trigger, unangenehme Situationen, Awareness
Sprache/Language = L mit einer Hand formen (Daumen abgespreizt) - für Sprachliche Unklarheiten
Vereinbarungen
- Unterbrechungen sind jederzeit möglich
- Wir achten auf uns selbst und nach Kapazitäten auf unsere Sitznachbar*innen => Wenn wir denken, es geht einer Person nicht gut, kann auch für diese Person ein Handzeichen benutzt werden
- Wenn eins gehen möchte, meldet es sich ab und es folgt ein kurzer Check-In ob es etwas braucht um gut gehen zu können
- Das Gesagte bleibt hier im Raum - nur das Geschriebene darf verbreitet werden
Grenzen, Bedürfnisse & Ängste abfragen
Bedürfnisse, die geäußert wurden
- Austausch über Strategien im Umgang mit Suizidgedanken
- Austausch darüber, wie Menschen die Gedankenspirale erleben
Grenzen, die geäußert wurden
- Nicht über Suizidmethoden sprechen
Ängste, die geäußert wurden
- Dass Menschen getriggert werden
- Weiß nicht, was mich erwartet
- Angst mich richtig schwer und belastet zu fühlen
- Angst überfordert zu sein
Zusätzlich zu den Abfragen kann ein ausgiebiger Check-In in Kleingruppen oder in der großen Runde helfen, das Eis zu brechen.
Ausgiebiger Check-In
Wieso nimmst du Teil? - Welchen Bezug hast du zum Thema Suizidalität?
Input zu Suizidalität
Häufigkeit
10.300 Menschen haben sich im Jahr 2023 in Deutschland das Leben genommen. Das sind 28 Menschen pro Tag.
Davon waren 850 assistierte Suizide (Sterbehilfe) - Tendenz steigend.
1% aller Tode sind Suizide. Bei unter 25-Jährigen sind es 16% aller Tode.
Suizide sind häufiger als Mord, AIDS-, Drogen- und Verkehrs-Tode zusammen.
Es gab von 1980-2005 einen starken Rückgang von Suiziden (Faktor 4) durch Aufklärungskampagnen. Parallel zum Rückgang der Suizide wuchs die Zahl der Diagnosen psychischer Erkrankungen - da Menschen sich nun häufiger Hilfe suchen (können).
Es gibt laut Schätzungen ca. 100.000 Suizidversuche jedes Jahr - dazu gibt es jedoch keine offiziellen Statistiken.
In Mittel- und Nordeuropa sind Suizide häufiger als in Südeuropa.
Betroffene
Während Männer* es häufiger zu Ende bringen, werden (bemerkte) Suizidversuche v.a. von jungen Frauen* und Queers begangen. Manche Quellen sagen, dass ein Suizidversuch bei Frauen* eher als Hilferuf zu verstehen sei, während Männer* entschlossener seien - andere sagen, es ist auf die gewählten Suizidmethoden und deren Erfolgsquote zurückzuführen.
Gender: 73% Männer* - unter Trans*-Personen ist die Rate 4x so hoch, unter nicht-binären noch höher.
Durchschnittsalter: 60 Jahre. Mit dem Alter steigt die Suizidrate exponentiell an.
Soziale Faktoren: Armut, Arbeitslosigkeit, Juristische Probleme, Partnerschafts-/Familienkonflikte, Drogen
Psychiatrische Erkrankungen: 71-90% haben Depressionen - häufig fehlt der Zugang zu psychiatrischer Versorgung
Ein großer Risikofaktor für einen erfolgreichen Suizid sind vorangegangene Suizidversuche (bei ca. 30%)
Symptome
Hoffnungslosigkeit - Schuldgefühle - sozialer Rückzug
starke Impulsivität/Handlungsdrang
Menschen "ordnen" ihr leben & nehmen Abschied
Ich halte das nicht mehr aus - Das ist mir alles zu viel
Gesellschaftliche Prävention
Es gibt Schulungen für Lehrende, Hausärzt*innen, Journalist*innen, Pflegekräfte, Pfarrer*innen & Cops.
Anlaufstellen: Telefonseelsorge, Trees of Memory (für Angehörige)
Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention
Nationales Suizidpräventionsprogramm
Beratungsstellen: München, Frankfurt a. M., vielleicht auch in deiner Gegend?
Medien berichten in der Regel nicht bzw. nur wenn notwendig über Suizide.
Handlungsmöglichkeiten & Leitfaden für Gespräche
Thema Suizid nicht meiden
Die folgende Handlungsempfehlung wurde für Hausärzt*innen geschrieben. Du findest eine weitere tolle Übersicht hier: https://www.treesofmemory.com/aktiv-gegen-suizidgedanken/ueber-suizidgedanken-sprechen
Das tabuisierte und schwere Thema Suizid aktiv anzusprechen, erfordert nicht selten Überwindung. Dies ist aber bei depressiv Erkrankten und anderen möglicherweise Suizidgefährdeten unerlässlich. Die Sorge, die Betroffenen damit erst auf den Gedanken zu bringen, ist unbegründet. Aber wie soll man das Gespräch auf dieses belastende Thema lenken? Hilfreich ist es hier meist, von den eigenen Beobachtungen und Gefühlen auszugehen und sich einen Einstiegssatz zurechtzulegen. Beispiel: „Sie machen auf mich einen sehr verzweifelten Eindruck und ich mache mir Sorgen um Sie. Haben Sie denn finstere Gedanken und vielleicht sogar daran gedacht, sich etwas anzutun?“ Danach sollte das Gespräch in 2 Teile geteilt werden:
-
Teil 1: Abschätzung der Höhe des Suizidrisikos
-
Teil 2: Behandlung und suizidpräventive Maßnahmen
Einziges Ziel des 1. Teils ist es die Höhe der Suizidgefahr einzuschätzen. Erst nach bestmöglicher Abschätzung dieses Risikos soll zu Teil 2 übergegangen werden. Der Impuls, direkt Zuspruch und Hilfsangebote zu unterbreiten, sollte unterdrückt werden. Dies geschieht erst im 2. Teil.
Im 1. Teil sollten Suizidgedanken, -absichten und -pläne offen angesprochen und abgefragt werden. In der Tabelle sind Beispielfragen gelistet. Da die Neigung besteht, zu rasch auf beschwichtigende Antworten des Erkrankten einzugehen, um das für alle Beteiligte unangenehme Thema zu verlassen, ist es hilfreich, derartige Fragen parat zu haben. Es muss so lange nachgefragt werden, bis ein bestmöglicher Gesamteindruck („Bauchgefühl“) bezüglich des Suizidrisikos gewonnen worden ist. Manchmal ist hier nicht nur das, was der Patient sagt, sondern das, was er nicht sagt beziehungsweise wie er etwas sagt, aussagekräftig. Einen Fragebogen oder Test, mit dem die Suizidgefährdung ausreichend gut bestimmt werden kann, gibt es leider nicht.
-
Kurzfristige Wiedereinbestellung
-
Familie mit Einverständnis der Patienten hinzuziehen und informieren
-
Sicherstellen, dass die Betroffenen möglichst nicht allein sind
-
Veranlassen, dass fachärztliche Hilfe beansprucht wird, etwa gemeinsam zeitnahen Termin ausmachen
-
Bei fachärztlicher Behandlung, Kontaktaufnahme mit dem behandelnden Psychiater mit Zustimmung der Patienten
-
Anti-Suizid-Pakt schließen: Betroffener Person per Handschlag das Versprechen abnehmen, dass kein Suizidversuch bis zum nächsten Termin unternommen wird. Zum Beispiel: „Ich mache mir Sorgen um Sie. Können Sie mir denn versprechen, sich bis zu unserem nächsten Termin nichts anzutun? Geben Sie mir Ihr Wort?“ Hierbei sollte klar sein, dass es um Fürsorge und nicht um eine juristische Absicherung des Arztes geht. Eine zum Beispiel zögerliche Reaktion eines Patienten kann auch wichtige Hinweise auf das vorliegende Suizidrisiko liefern.
-
Gemeinsam überlegen, was der Patient tun kann, bei Verschlimmerung der Situation, etwa Notfallplan mit Informationen zu Notaufnahmen und Kliniken erstellen
-
Behandlung der zugrunde liegenden psychischen Erkrankung beginnen
-
Stationäre Einweisung in eine psychiatrische Klinik
Die folgende Handlungsempfehlung lehnen wir entschieden ab, weil marginalisierte Personen in Psychiatrien in der Regel Diskriminierung und Gewalt erleben. Zudem ist die Polizei keine adäquate Ansprechstruktur für Menschen mit psychischen Krankheiten, da sie im Regelfall Situationen lieber eskaliert als den Betroffenen zu helfen. Eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik sollte immer eine freie Entscheidung sein. Der Satz wurde hier stehen gelassen, weil es leider Teil des gesellschaftlichen Umgangs mit Suizidalität und psychischen Krankheiten ist.
-
Stationäre Einweisung gegen den Willen des Patienten: Dies ist dann nötig, wenn eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt und der Patient eine stationäre Behandlung ablehnt. Hierfür kann im Notfall die Polizei verständigt werden, die vor Ort prüft, ob eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt, und dann gegebenenfalls den Patienten in eine psychiatrische Klinik bringt. Die Rechtmäßigkeit dieser Unterbringung wird zeitnah richterlich überprüft.
Workshopergebnisse (Stimmen von Betroffenen & Angehörigen)
Welche Schwierigkeiten kennst du im Umgang mit Suizidalität?
- Mit befreundeten Menschen einen gemeinsamen Umgang finden ohne sie "zu nerven"
- Wie kann ich Mensch am Besten unterstützen?
- Gesellschaftlicher Druck unkompliziert und einfach zu sein, Menschen nicht zu belasten
- Mensch macht sich angreifbar, wenn man Schwäche zeigt
- Eigene Grenzen einzuhalten, Nein sagen zu dürfen, obwohl ich merke, dass jemand eigentlich meine Hilfe braucht oder einfordert.
- Menschen, die Gesagtes abtun ("Psychische Erkrankungen gibts nicht"; "Ich hatte auch schon dunkle Zeiten")
- Menschen, die überreagieren
- Ableismus
- keine Last sein zu wollen
- Gedanke: "Wenn es mir besser geht, muss ich wieder funktionieren"
- Auszuhalten, wenn die Person nicht reden möchte/keine Hilfe annimmt.
- Mensch möchte niemensch triggern
- Die eigenen Gedanken beschreiben
- ein Gespräch starten, wenn es mir schlecht geht => ich will vllt. gerade nicht vom Leben überzeugt werden
- Taboo & Silence
- Kirche: "Suizid ist eine Todsünde" - Auch ohne Religion/Glauben zu praktizieren sehr in der Gesellschaft verankert
Welche Strategien kennst du im Umgang mit Suizidalität?
- Musik, die zum Weinen bringt => Ventile finden
- "Umbringen kann ich mich ja auch später noch - dann kann ich auch dieses Risiko eingehen / diesen Versuch unternehmen"
- Dem Tod eine Chance geben (Extremsport, Motorrad, Fallschirm, ...) - Wenn nichts passiert, ist meine Zeit noch nicht gekommen.
- Reden ( + 1)
- In Akut-Phasen versuchen Impulsivität zu reduzieren - lieber im Bett bleiben - "Drüber schlafen".
- Waldbaden - in der Natur sein
- Aktivismus machen - ist sinnvoll & wird wertgeschätzt (manchmal)
- zeichnen
- Sport
- Psychotherapie
- Selbsthilfegruppe, Dankbarkeit, Yoga, Mediation, Ecstatic Dance, Spritualität, Transpersonale Psychologie
- mir in weniger akuten Phasen Dinge aufschreiben, die ich gerne mache um dann Dinge von der Liste versuchen zu können
- Gedanken aufschreiben (alles was mir in den Kopf kommt) - Audio aufnehmen und drüber reden
- schlafen
- eiskalt duschen - Kopf unter Wasser tauchen - Baden/Schwimmen
- Eis essen :D
- Konzerttickets in weiter Zukunft kaufen - Spielzeug vorbestellen - Dinge für die Zukunft planen
Wie würdest du dir den Umgang mit Suizidalität wünschen?
- gemeinsam - gesellschaftlich - Ursachenbezogen => Welche gesellschaftlichen & ökonomischen Verhältnisse?
- regelmäßiger Austausch über psychische Gesundheit (Emo-Runden) => nicht nur Check-Ins
- Dass wie es mir geht nicht erst wichtig wird, wenn es schon "so schlimm" ist, bzw. früher vom Umfeld & System reagiert wird, so dass es im besten Fall gar nicht erst zum Versuch kommt.
- Ich wünsche mir, dass ich offen über Suizidalität sprechen kann ohne dann andere Menschen beruhigen zu müssen (+2)
- Ich wünsche mir, dass mir Menschen zuhören und mir nicht sofort die Gedanken ausreden wollen (+1)
- mich eher darin unterstützen selbst leben zu wollen
- selbst diese Entscheidung leben zu wollen treffen zu können, statt sie für mich zu treffen.
- Nicht sofort bemitleiden & von kurz bevorstehendem Handeln ausgehen
- Räume für Austausch
- nachhaltige Hilfe
Grafiken
Aktivismus & Trauma // Activism & Trauma
TAKE CARE OF EACH OTHER…
....über die emotionalen Folgen von Polizei (und anderer) Brutalität - und wie wir da wieder rauskommen //
....about the emotional Consequences of Police (and other) Brutality - and how we can deal with them.
Kopiert aus einem Flyer - den du hier runterladen kannst //
Copied from a Flyer which you can download here:
Activism & Trauma.pdf
Aktivismus und Trauma.pdf
Mehr Info // More info:
Activist Trauma Support: www.activist-trauma.net
Die Gruppe existiert leider nicht mehr, aber es gibt in Deutschland //
This group sadly doesnt exist anymore, but in Germany there are:
Out of Action: https://outofaction.noblogs.org/
Zähne putzen: https://aktivisti-retreat.org/
Psychologists for Future: https://www.psy4f.org/beratung/
Rest in Resistance; https://restinresistance.de/
Lesetipp // Reading Advice: “Narben der Gewalt”, Judith Hermann
www.trauma-informations-zentrum.de
Überblick & Einführung // Overview & Intro
Die Verfassung, in der wir uns nach Erfahrungen von Brutalität (sei es direkt oder indirekt) befinden können, wird von PsychologInnen und Co. als „Post-traumatischer Stress" (PTS) bezeichnet. Sie teilen die Reaktionen in drei verschiedene Bereiche ein.
Zeichen von Post-Traumatischem Stress:
- Wieder-Erleben des Erlebten
- Alpträume, Flashbacks, intrusive (immer wiederkehrende) Erinnerungen
- das Gefühl, dass das Erlebte einen nicht mehr los lässt, etc. - Vermeidungsverhalten /Verdrängungsverhalten
- Erinnerungsverlust, erhöhter Alkohol/Drogenkonsum, Selbstisolierung,
- Vermeidung von allem, was mit dem Erlebten zu tun hat oder einen daran erinnert
- Distanz zu dem Geschehenen aufbauen, etc. - Erhöhte Erregung
Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Gefühlsausbrüche, Wutausbrüche,
Angst, Panik, Konzentrationsschwierigkeiten, Schreckhaftigkeit, etc.
Dies sind häufige Reaktionen auf extreme Erfahrungen. Viele Menschen haben dies erlebt - und überlebt.
Um eine Besserung zu erreichen, helfen vor allem 2 Ansätze:
- Sich für längere Zeit an einem Platz aufhalten, an dem du dich sicher fühlst, Ruhe hast und dich mit Menschen umgeben, denen du vertraust.
- Die Erfahrung verarbeiten. Das Erlebte in Worte fassen, auch wenn es wieder und wieder erzählt wird, oder die Emotionen auf andere Weise ausdrücken.
Für ca. 70% der Menschen verschwinden die Symptome nach ungefähr 4-6 Wochen. Bleiben
sie bestehen, wird diese Verfassung als PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung)
bezeichnet und ist so ernst, dass sachverständige Hilfe erforderlich ist. (Dies kann auch hilfreich sein, wenn die Symptome schon vorher das Leben stark erschweren.)
Es besteht die Möglichkeit, dass PTBS erst Monate oder sogar Jahre nach der Erfahrung auftritt. PTBS ist sozusagen eine Verarbeitungsstörung, d.h. die Erfahrung kann nicht verarbeitet werden.
Verschiedene Therapieformen können helfen. Ziel ist es, das Trauma in das Leben zu
integrieren, es kann nicht ungeschehen gemacht werden und es hat die Person verändert.
Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf ein Trauma und in unterschiedlicher Intensität.
[lang:en]
The state in we can find ourselves after experiencing Brutality and a loss of control over our body and health are called "Post-Traumatic Stress" or PTS. You might experience all, some or one of them:
Signs of Post-Traumatic Stress:
- Re-experiencing the traumatic event:
nightmares, flashbacks, intrusive memories, the feeling of not being able to let go of the experience - Avoidance / Suppression:
- emotional numbing: losing the memory
- self-medication (alcohol /drugs), self-isolation, social withdrawal
- avoidance of everything that may recall the experience (known as avoidance behaviour) - Increased arousal:
- Sleeplessness, irritation, rage, emotional outbursts,
- panic attacks, fear, hyper-vigilance, difficulties concentrating and performing normal tasks
These are common reactions to extreme experiences. A lot of people have been throughand get over it.
People react differently and in different intensities to a traumatic experience.
They also have different needs in terms of support. You can become traumatised by your
personal experience, by witnessing, but also outside the action by knowing the victim or by just hearing about it.
Two essential components of recovery:
- Stay in a calm place for some time, where you feel safe and you have people around you who you can trust and who can care for you
- Work through the experience. Find words for what happened. Tell a friend in detail. Write down what happened. Express it in whatever way suits you.
For about 70% of people, these symptoms slowly disappear after about 4-6 weeks. But if they continue, this condition is called “PTSD" (post-traumatic stress "Disorder" - we disagree with using the word “Disorder” for something we see as a normal reaction). If your reactions don’t settle after this time then seek ‘professional’ help (which might be helpful anyway if the reaction in the first weeks is strong).
It may be that “PTSD" only occurs months or even years after the experience (delayed “PTSD").
Basically, it is a processing dysfunction - our system does not process the experience. The experience is blocked, so it keeps on hurting. There are different kinds of therapy or healing. The aim is to integrate the traumatic experience into your life. It will not disappear, but the pain will diminish.
Traumareaktionen // Reactions to Trauma
[lang:de]
Mögliche Reaktionen nach einem Trauma
- Nicht in der Lage sein, aufreibende Bilder und Erinnerungen beiseite zu legen, Flashbacks
(das Gefühl wieder in der erlebten Situation zu sein), Alpträume - Depressionen, keine Freude am Leben haben, sich allein/verlassen fühlen
- Sich taub, abgeschaltet fühlen
- Sich zurückziehen, soziale Aktivitäten fallen lassen, sich isolieren
- erhöhter Alkohol / Drogenkonsum zwecks Selbstmedikation
- Veränderung von Ess / Schlaf-Gewohnheiten, auch von sexuellen Gewohnheiten
- Magenschmerzen, Übelkeit, Muskelspannung, Druck
- Furcht, Ängstlichkeit, übertriebene Wachsamkeit, Panikattacken, Phobien, Unruhe
- Schuldgefühle, Scham, Selbstbeschuldigung, Bedauern, Unfähigkeit wie gewohnt zu „funktionieren",
Pläne zu machen, Entscheidungen zu treffen - Reizbarkeit, Ärger, Gefühlsausbrüche, unkontrolliertes Weinen, innerer Schmerz
- Selbstmordgedanken, Gefühl, dass das Leben keinen Wert/Sinn hat.
- Infragestellen von politischem Engagement und zwischenmenschlichen Beziehungen.
- Möglicherweise Hochkommen von Erinnerungen an vorhergehende Traumata
- kein Gefühl für Zukunft haben; nicht daran glauben, dass diese Phase jemals vorbei
gehen wird
Hintergrund zu Trauma
Hintergrund für diese Reaktionen ist der Versuch unseres Systems wieder Kontrolle zu
gewinnen. Unser Leben baut darauf auf, dass wir Einfluss darauf haben, was mit uns passiert.
Wird uns dieser Einfluss genommen, wenn wir ohnmächtig der Gewalt ausgeliefert sind, entsteht traumatischer Stress.
Wenn wir hinterher beispielsweise nicht schlafen können, so ist das darauf begründet, dass der Körper nicht die Kontrolle verlieren will. Selbstmedikation mit Alkohol will erreichen, dass die eigene Verfassung nicht wahrgenommen wird.
Sogar die Selbstvorwürfe, die das Gehirn dir einredet, um dir Kontrolle vorzuspiegeln, folgen diesem Muster, wenn es sagt: „Hättest du dich anders verhalten, wäre das nicht passiert…" und dir damit einredet, es läge in deiner Hand. Fakt ist jedoch, dass die Kontrolle über unser Leben bedingt ist, aber unser gesamtes Handeln und Tun darauf aufgebaut ist, denn nur so können wir uns schützen, bzw. uns sicher fühlen.
[lang:en]
Possible reactions after a traumatic experience
- Pictures and memories of what happened keep coming back
- Flashbacks (the impression of reliving the situation), nightmares while asleep
- Depression, not being able to enjoy life, feeling lonely and abandoned
- Feeling numb, switched off
- Becoming withdrawn, avoiding social interaction, self-isolation
- Changes in eating, sleeping or sexual habits
- Stomach pain, nausea, muscle tension, fatigue
- Fear, anxiety, hyper-vigilance, panic attacks, phobias
- Restlessness
- Guilt, shame, self-blame, regret
- Inability to function as normal, make plans or decisions
- Irritability, rage, emotional outbursts, uncontrollable crying, inner pain
- Suicidal thoughts, feeling that there is no point in living
- Doubting political activism and relationships with friends
- Reliving previous, other traumatic experiences
- Hopelessness, belief that this phase will never end
Background to Trauma
The background to these Reactions are the attempt by the brain to regain control of our lives. Our lives depend on having a sense of some sort of influence on what is happening to us. If this power is taken away from us, we literally feel powerless, at the mercy of brutality, and this produces (post traumatic) stress.
Afterwards, our brain and body systems seek to regain control and make sense of the experience to prevent it from happening again. So the brain replays the experience in front of our inner eye to try and grasp it, while at the same time we want to avoid anything connected with it. We become emotionally disturbed because we never feel safe, we feel bad about what happened.
Even blaming ourselves is based on that concept, because if it’s our fault, we’d act differently next time, wouldn’t we? It’s true that we don’t have total control over our lives, but our actions and thoughts are nevertheless based on a sense of power and personal effectiveness.
Was du für dich selbst tun kannst // What you can do for yourself
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Sag dir: Deine Reaktionen sind normal und es gibt Hilfe! Dies ist eine schwere Phase, aber sie geht aller Wahrscheinlichkeit nach vorbei.
- Sofort nach einer traumatischen Erfahrung: Geh an einen Ort, an dem du dich sicher fühlst und lass zu, dass sich jemensch um dich kümmert
- Bewegung baut Stress ab. Spazieren oder laufen ist zur Beruhigung besser als Sich-Hinsetzen, baut Adrenalin ab.
- Versuche dich nicht zu isolieren. Wende dich an deine Freund*innen und sag, dass du Hilfe brauchst (auch wenn es schwer fällt).
- Nimm dir Zeit zu heilen, sei geduldig mit dir und verurteile dich nicht für deine Verfassung.
Innere Wunden brauchen ebenso Zeit und Ruhe um zu heilen wie äußere. - Eine häufige Reaktion ist, dass es dir weh tut, wenn andere damit besser fertig zu werden
scheinen als du. Sei dir bewusst, dass Menschen unterschiedlich sind, die Stärke der Reaktionen auch davon abhängt, wie oft und stark du vorher traumatisiert wurdest und dass es kein Zeichen von Schwäche ist, nach einer Verletzung Schmerzen zu haben. - Dich für das Geschehene selbst verantwortlich zu machen, ist eine Reaktion, die mit Trauma oft einhergeht. Mach dir klar, dass das Geschehene nicht deine Schuld ist, die Schuld liegt bei den TäterInnen.
- Familie und Freunde wissen oft nicht, wie sie mit deiner Verfassung richtig umgehen können. Sprich Sie an, wenn du ihr Verhalten nicht als hilfreich empfindest, sag, was du brauchst.
- Häufig kommen Gedanken hoch wie „Ich habe kein Recht mich so schlecht zu fühlen, andere sind viel schlimmer dran. Das, was mir passiert ist, ist ja nichts im Vergleich zu (…)"
- Mach dir klar, dass du Schlimmes durchlitten hast und das Recht hast, dich so zu fühlen,
wie du dich fühlst. Wenn du deine Verfassung akzeptierst, erholst du dich schneller. - Verdrängen wirkt sich auf lange Sicht negativ aus und schränkt dich ein.
- Bachblüten können emotional helfen. Baldrian hilft bei Schlafproblemen. Massagen und heiße Bäder sind immer gut. Alkohol/Drogen wirken sich eher negativ aus.
- Lerne mehr darüber, wie Trauma funktioniert. Je mehr du verstehst, desto einfacher ist es für dich, deine Reaktionen als „Symptome" zu begreifen.
[lang:en]
Remind yourself: your reactions are normal and there is help available; this is a difficult phase but you will get better.
- Immediately after the experience: get to a place where you feel safe and take care of yourself. This may mean allowing other people to take care of you.
- Don’t isolate yourself. Turn to your friends and tell them what you need.
- See a professional if that is what you need.
- Get rid of the adrenaline that is still stored inyour body: go for walks, cycle or run, do exercises.
- Take your own time to heal, be patient with yourself and don't condemn yourself for your feelings and reactions. Inner wounds take time and patience to heal, just like physical ones.
- You might feel bad if you think that others are dealing with an experience better than you are. Remind yourself that people are different and react in different ways. There is no “right” way to react. (If you have had a previous experience of trauma, including childhood abuse, you may have more intense reactions.) Also, more sensitive people often experience stronger reactions. It’s not a sign of weakness
to feel pain after being attacked. - You may feel guilty about what happened and blame yourself. Remind yourself: It was not your fault!! The aggressors carry the guilt.
- Family and friends often don’t know how to help. Tell them what you need and don’t need.
- If you think: "I don't have the right to feel this bad - what happened to me is nothing compared to X," remind yourself that you have experienced something terrible and that you have the right to feel as you do. If you feel bad, that’s because the experience was bad for you. There is no point in comparing
and contrasting brutality. If you accept your condition, you will get better faster. - Avoidance and denial have damaging effects in the long run and will restrict your life. Selfmedication with alcohol and drugs may seem to help for the moment but has negative effects in the long run.
- Bach Flower Remedies and acupuncture can help you deal with the emotions. Valerian is good for sleeplessness. Massages and hot baths are always a good idea.
- Find out more about post-traumatic stress. The more you know, the easier it is to see your reactions as normal reactions to “abnormal” events.
Was du für dein*e Freund*in tun kannst // What you can do for your Friend(s)
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Warte nicht, bis du um Hilfe gefragt wirst, sondern sei einfach für mensch da.
- Die Tage direkt nach der Erfahrung sind besonders wichtig zum Reden, danach wird oft schon wieder „zugemacht".
- Vielleicht fühlst du dich unsicher und weißt nicht, wie du dich verhalten sollst. Informiere dich über Trauma, um die Reaktionen besser verstehen zu können. Einfach „normal" sein, ohne zu bemitleiden und ohne aufdringlich zu sein, kann viel helfen. Bemühe dich gleichzeitig den Reaktionen gegenüber tolerant zu sein. Das Wichtigste ist, dass dein*e Freund*in sich in deiner Gegenwart wohl und sicher fühlt.
- Traumatisierte Menschen isolieren sich häufig und haben Schwierigkeiten, um Hilfe zu bitten. Sie wollen kein Mitleid, sondern Verständnis, keine aufgedrängte Hilfe, sondern Einfühlungsvermögen.
- Vergiss nicht, dass Menschen nach traumatischen Erlebnissen anfangs oft ok erscheinen und die Reaktionen erst später auftreten. Sei eine gute Zuhörerin /Zuhörer. Vermeide es, zu bald, zu lange und zu viel zu reden. Oft tendieren wir dazu Rat zu geben, anstatt wirklich zuzuhören…
- Versuch wirklich nachzufühlen, wie es deiner Freundin /Freund ergangen ist, versuch dich hineinzufühlen, wie es ihr/ihm jetzt geht. Chronologisches Erzählen hilft dem Gehirn das Erlebte zu verarbeiten. Ermuntere, dass deine Freund*in behutsam dazu, das Erlebte der Reihenfolge nach, mit allem, was dazugehört, erzählt, eingeschlossen Gefühle, Sinneseindrücke, Gedanken...
- Traumatisierte Menschen empfinden oft die Erledigung selbst kleiner Aufgaben als sehr schwer. Kochen, Abnehmen von Verantwortlichkeiten, etc. können sehr hilfreich sein, aber achte darauf ihre Selbstbestimmung nicht einzuschränken.
- Gereiztheit und Undankbarkeit/Unnahbarkeit sind „Symptome", die sehr häufig vorkommen. Nimm es nicht persönlich und mach deine Unterstützung nicht davon abhängig.
- Zu sagen „Jetzt müsstest du aber langsam mal darüber hinweg sein, nimm dein Leben in die Hand", erreicht meistens nur, dass traumatisierte Menschen sich unverstanden fühlen und Distanz einnehmen.
- Bohren, d.h. krampfhaft versuchen, die Person dazu zu bringen über etwas zu reden, worüber sie nicht reden will, bewirkt ebenfalls Rückzug und Distanzierung.
- Durch einen Mangel an Unterstützung können die Reaktionen verstärkt werden, was als so genannte „sekundäre Traumatisierung" bezeichnet wird. (Dass von TäterInnen keine gute Behandlung zu erwarten ist, ist klar, aber wenn jemand hinterher das Gefühl hast, Freund*innen sind nicht für es da, bricht die ganze Welt zusammen, der Boden unter den Füßen schwindet….)
- Diese sekundäre Traumatisierung kann oft schwerwiegender sein, als das Erlebte und ist daher äußerst ernst zu nehmen. Achte darauf, dass deine Freundin/Freund sich nicht allein gelassen fühlt.
- Auch für dich gilt - diese Zeit kann sehr schwer sein, aber sie geht vorbei. Pass auf dich auf und sei gut zu dir. Rede mit einer Person darüber, wie es DIR geht.
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Don't wait for them to ask for help. Be there for them
- Telling the story in the order in which it happened, chronologically, helps the brain process the experience. Carefully encourage your friend to talk about what happened, what they saw, heard, felt and thought. But don't push if they don’t want to.
- Lack of support can worsen the reaction. This is called "secondary traumatisation" and is to be taken very seriously. It involves "shattered assumptions" - aggressors are known to be brutal, but if you feel that your friends don’t support you afterwards, you feel as though the whole world is breaking down.
- The days immediately after the experience are crucial. This is when all the emotions are easily accessible. It’s good to talk then. Later on, people often close up.
- Often traumatised people withdraw from social activities and isolate themselves. You may not see your friend around anymore. Go and find them.
- Sometimes you might feel you’re up against a brick wall or rejected. See it as a symptom, don't take it personally and hang on in there.
- You might feel insecure about how to help. Find out more about post-traumatic stress so you understand it better. Ask what they need, don’t impose your solutions.
- Behave normally. Pity or self-indulgent "overcare" do not help. The most important thing is that your friend feels safe and warm in your presence.
- Bear in mind that many people seem all right after traumatic experiences and that reactions
may come later. - Listen. Avoid talking too soon, too long and too much. We often long to give good advice rather than be a good listener. Put yourself in their shoes. Try and understand how they feel, not how you might have felt.
- Traumatised people often find it hard to ask for help. Be proactive but not pushy
- Traumatised people often struggle with the smallest tasks. Cooking, shopping, handling the chores for them can be invaluable help, as long as you don’t patronise them or undermine their independence.
- Irritability, ungratefulness and being distant are common reactions. Don't take it personally, keep the support going.
- Saying "You really should have got over this by now, get on with life", is obviously completely unhelpful and will just distance your friend.
- Important: helping and caring can be very hard for you, too. Take care of yourself, do things that make you happy. Talk to someone else about how you feel. Getting support for yourself will help you support others.
- Good therapists can help. Help to find one. The therapist should have some experience of trauma work, otherwise it can be pointless or counter-productive. It also helps if they are politically sympathetic or at least neutral. You’d see a doctor if you had a broken leg. Trauma is a very real emotional wound.
Was wir kollektiv tun können // What we can do collectively
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Was ihr als Gruppe tun könnt
- Nehmt euch Zeit, um darüber zu reden, was passiert ist. Es ist üblich, in einer Runde allen, die dabei waren, Raum zu geben um zu erzählen, wo sie waren, was sie gemacht haben, welche Sinneseindrücke sie hatten (sehen/hören etc) und was sie dabei gefühlt/gedacht haben (wenn sie darüber reden möchten). So kann das Gehirn die Geschichte im Kopf vervollständigen und besser verstehen.
- Gute Therapeut*innen können helfen. Mit einem gebrochenen Bein gehst du ja auch zum Arzt... Ein Trauma ist nichts anderes als eine psychische Wunde. Ihr könnt bei der Suche behilflich sein. Der/die Therapeut*in sollte aber Erfahrung mit Trauma-Arbeit haben. sonst bringt es nicht viel. (Tipps unter: https://trauma-informations-zentrum.de)
Vergesst nicht: Nicht nur verwundete Menschen brauchen Unterstützung und auch UnterstützerInnen brauchen eine Schulter zum Anlehnen!
Innerhalb der politischen Bewegungen
Es ist wichtig, dass wir uns mehr darüber bewusst werden, wie sich Erfahrung mit Brutalität auf uns auswirken. Die Repression liegt in ihrer Hand, aber in unserer Hand liegt es, wie wir mit den Folgen umgehen.
Viel zu oft wird Trauma noch als persönliche Schwäche ausgelegt und nicht ausreichend Unterstützung gegeben.
In diesem Hinblick muss sich unsere Kultur grundlegend ändern, um eine Basis zu schaffen, auf der Umgang mit Angst und den emotionalen Folgen von Repression und anderen Traumata kein Tabu mehr ist und in unseren Gruppen thematisiert wird und werden darf.
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What you can do as a group
- If you’ve all been involved in a traumatic experience, take time to talk together about what happened. Groups often go round, taking turns to give everybody the space to talk about what happened, where they were, what they saw and heard, what they felt and what thought, if they want to. Participation is voluntary and it is more useful if people have the same level of trauma; if no bystanders could become even more traumatised.
- You can also work collectively with a therapist.
Remember: a supporter needs support, too. Supporting a supporter is essential.
Inside our political movements
It is vital to us that we are aware of how brutality affects us emotionally. Repression is in other’s hands, but we have the power to deal with its effect on us. Repression will be less effective if our mutual support is strong.
Far too often, post-traumatic stress is still thought of as personal weakness.
Often the support is not sufficient. It is essential that our whole culture changes its attitude towards this. What we can do within our groups is to create the foundations of a culture where talking about fear and emotional consequences of repression and other trauma is not taboo, or seen as weak or “uncool”.
Support structures
Groups providing trauma support are now appearing in many countries - e.g. in Germany, UK, Netherlands, Israel, USA. We hope that in the future there will be an international network of trauma support structures similar to the Streetmedic network. Our work currently consists mainly in stress prevention, education and information as well as providing emotional first aid, recovery spaces and help-lines at larger events plus some long-term support.
Note that this Resource is quite old - so is this quote - you can find more up to date information in the Description of this Chapter.