Let's Talk about Su.c.de!

Diese Ressourcensammlung ist im Sommer 2025 in Vorbereitung auf und während eines Workshops auf dem System-Change-Camp entstanden. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen dazu entschieden, den Workshop zu geben:

Diese Ressourcensammlung richtet sich insbesondere an Menschen, die nicht selbst von Suizidalität betroffen sind, denn erst eine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Verlust ermöglicht Gespräche auf Augenhöhe, die den emotionalen Raum halten können für Menschen die akut betroffen sind.

Leider haben viele von uns immer wieder die Erfahrung gemacht, dass das Thema tabuisiert wird, Menschen schockiert reagieren, und alles sich viel mehr um die Gefühle der Anderen dreht, als um die Eigenen! Dies soll ein Beitrag sein, damit sich das endlich ändert!

Rahmen für den Space

Für einen kollektiven Space um über Suizidalität zu sprechen, ist es essenziell vorher einen Rahmen abzustecken. Hier findest du einige Gedanken dazu.

Handzeichen

Für Bilder & Erklärungen ➡️ Handzeichen.pdf

Pause/Stopp = T mit den Händen formen - für Unterbrechungen

Awareness-A = A mit den Händen über dem Kopf formen - für Trigger, unangenehme Situationen, Awareness

Sprache/Language = L mit einer Hand formen (Daumen abgespreizt) - für Sprachliche Unklarheiten

Vereinbarungen

Grenzen, Bedürfnisse & Ängste abfragen

Bedürfnisse, die geäußert wurden
Grenzen, die geäußert wurden
Ängste, die geäußert wurden

Zusätzlich zu den Abfragen kann ein ausgiebiger Check-In in Kleingruppen oder in der großen Runde helfen, das Eis zu brechen.

Ausgiebiger Check-In

Wieso nimmst du Teil? - Welchen Bezug hast du zum Thema Suizidalität?


Input zu Suizidalität

Häufigkeit

10.300 Menschen haben sich im Jahr 2023 in Deutschland das Leben genommen. Das sind 28 Menschen pro Tag. 

Davon waren 850 assistierte Suizide (Sterbehilfe) - Tendenz steigend.

1% aller Tode sind Suizide. Bei unter 25-Jährigen sind es 16% aller Tode.

Suizide sind häufiger als Mord, AIDS-, Drogen- und Verkehrs-Tode zusammen.

Es gab von 1980-2005 einen starken Rückgang von Suiziden (Faktor 4) durch Aufklärungskampagnen. Parallel zum Rückgang der Suizide wuchs die Zahl der Diagnosen psychischer Erkrankungen - da Menschen sich nun häufiger Hilfe suchen (können).

Es gibt laut Schätzungen ca. 100.000 Suizidversuche jedes Jahr - dazu gibt es jedoch keine offiziellen Statistiken.

In Mittel- und Nordeuropa sind Suizide häufiger als in Südeuropa.

Betroffene

Während Männer* es häufiger zu Ende bringen, werden (bemerkte) Suizidversuche v.a. von jungen Frauen* und Queers begangen. Manche Quellen sagen, dass ein Suizidversuch bei Frauen* eher als Hilferuf zu verstehen sei, während Männer* entschlossener seien - andere sagen, es ist auf die gewählten Suizidmethoden und deren Erfolgsquote zurückzuführen.

Gender: 73% Männer* - unter Trans*-Personen ist die Rate 4x so hoch, unter nicht-binären noch höher.

Durchschnittsalter: 60 Jahre. Mit dem Alter steigt die Suizidrate exponentiell an.

Soziale Faktoren: Armut, Arbeitslosigkeit, Juristische Probleme, Partnerschafts-/Familienkonflikte, Drogen

Psychiatrische Erkrankungen: 71-90% haben Depressionen - häufig fehlt der Zugang zu psychiatrischer Versorgung 

Ein großer Risikofaktor für einen erfolgreichen Suizid sind vorangegangene Suizidversuche (bei ca. 30%)

Symptome

Hoffnungslosigkeit - Schuldgefühle - sozialer Rückzug

starke Impulsivität/Handlungsdrang

Menschen "ordnen" ihr leben & nehmen Abschied

Ich halte das nicht mehr aus - Das ist mir alles zu viel

Gesellschaftliche Prävention

Es gibt Schulungen für Lehrende, Hausärzt*innen, Journalist*innen, Pflegekräfte, Pfarrer*innen & Cops.

Anlaufstellen: Telefonseelsorge, Trees of Memory (für Angehörige)

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention

Nationales Suizidpräventionsprogramm

Beratungsstellen: München, Frankfurt a. M., vielleicht auch in deiner Gegend?

Medien berichten in der Regel nicht bzw. nur wenn notwendig über Suizide.

Handlungsmöglichkeiten & Leitfaden für Gespräche

Thema Suizid nicht meiden

Die folgende Handlungsempfehlung wurde für Hausärzt*innen geschrieben. Du findest eine weitere tolle Übersicht hier: https://www.treesofmemory.com/aktiv-gegen-suizidgedanken/ueber-suizidgedanken-sprechen

Das tabuisierte und schwere Thema Suizid aktiv anzusprechen, erfordert nicht selten Überwindung. Dies ist aber bei depressiv Erkrankten und anderen möglicherweise Suizidgefährdeten unerlässlich. Die Sorge, die Betroffenen damit erst auf den Gedanken zu bringen, ist unbegründet. Aber wie soll man das Gespräch auf dieses belastende Thema lenken? Hilfreich ist es hier meist, von den eigenen Beobachtungen und Gefühlen auszugehen und sich einen Einstiegssatz zurechtzulegen. Beispiel: „Sie machen auf mich einen sehr verzweifelten Eindruck und ich mache mir Sorgen um Sie. Haben Sie denn finstere Gedanken und vielleicht sogar daran gedacht, sich etwas anzutun?“ Danach sollte das Gespräch in 2 Teile geteilt werden:

Einziges Ziel des 1. Teils ist es die Höhe der Suizidgefahr einzuschätzen. Erst nach bestmöglicher Abschätzung dieses Risikos soll zu Teil 2 übergegangen werden. Der Impuls, direkt Zuspruch und Hilfsangebote zu unterbreiten, sollte unterdrückt werden. Dies geschieht erst im 2. Teil.



Im 1. Teil sollten Suizidgedanken, -absichten und -pläne offen angesprochen und abgefragt werden. In der Tabelle sind Beispielfragen gelistet. Da die Neigung besteht, zu rasch auf beschwichtigende Antworten des Erkrankten einzugehen, um das für alle Beteiligte unangenehme Thema zu verlassen, ist es hilfreich, derartige Fragen parat zu haben. Es muss so lange nachgefragt werden, bis ein bestmöglicher Gesamteindruck („Bauchgefühl“) bezüglich des Suizidrisikos gewonnen worden ist. Manchmal ist hier nicht nur das, was der Patient sagt, sondern das, was er nicht sagt beziehungsweise wie er etwas sagt, aussagekräftig. Einen Fragebogen oder Test, mit dem die Suizidgefährdung ausreichend gut bestimmt werden kann, gibt es leider nicht.

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Die Risikoabschätzung kann von passiven Suizidgedanken ohne Suizidabsicht bis zu hoher akuter Suizidgefährdung reichen. Je nach Einschätzung sollten im 2. Teil verschiedene Maßnahmen folgen. Hierbei kann aus einem ganzen Spektrum an Möglichkeiten ausgewählt werden, zum Beispiel:

Die folgende Handlungsempfehlung lehnen wir entschieden ab, weil marginalisierte Personen in Psychiatrien in der Regel Diskriminierung und Gewalt erleben. Zudem ist die Polizei keine adäquate Ansprechstruktur für Menschen mit psychischen Krankheiten, da sie im Regelfall Situationen lieber eskaliert als den Betroffenen zu helfen. Eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik sollte immer eine freie Entscheidung sein. Der Satz wurde hier stehen gelassen, weil es leider Teil des gesellschaftlichen Umgangs mit Suizidalität und psychischen Krankheiten ist.

Workshopergebnisse (Stimmen von Betroffenen & Angehörigen)

Welche Schwierigkeiten kennst du im Umgang mit Suizidalität?

Welche Strategien kennst du im Umgang mit Suizidalität?

Wie würdest du dir den Umgang mit Suizidalität wünschen?

Grafiken

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