# Sanssouci – Floraglittus veg. epidermica „Was sein muß, muß sein!“ war der durchgängige Tenor der BesucherInnen, die zu Hunderten den Potsdamer Sanssouci-Park mit Immun-Schutzbeizügen über ihren Straßenschuhen bevölkerten und ein illustres Bild abgaben. Ihr Ordnungssinn ließ sie einer schriftlichen Anweisung der Parkverwaltung folgen, nach der die Anlagen nur noch mit Überzchern zu betreten seien. Zu diesem Zwecke waren 1.000 in Operationsälen übliche Plastik-Überschuhe bereitgestellt – und schnell vergriffen. Diese Aktion der „Preußischen Schlösser und Gartenschutz e.H.G.“ galt der Abwehr des Pflanzenbazillus *Floraglittus veg. epidermica* . der für Menschen völlig unschädlich sei, bei der empfindlichen Parkvegetation jedoch große Schäden verursache. Bedingt durch anhaltende Hitze und hohe Ozonwerte übertrage der Mensch mit dem Schuhwerk die in der Bitumenschicht des Asphalts ansässigen Keime. Seltsam war nur, daß bei der „Schlösser- und Gärten“-Oberdirektion wegen zahlreicher Anfragen ein Chaos ausbrach, weil dort niemand etwas davon wußte. Eigentlicher Urheber dieser Aktion war dann auch kein offizielles Amt, sondern das Büro für ungewöhnliche Maßnahmen. Sie wollten sich nicht mit der Ablehnung einer Anfrage, ob der Park nicht mit zeitgenössischer Kunst verschönert werden könne, abfinden. Daraufhin fand das Aktionsbüro mit dem Kunstwerk „Parkschoner“, an dem sogar die Besucher und Spaziergängerinnen freiwillig aber unwissentlich teilhatten, einen Ausweg aus der kunstlosen Parkkrise. Der Kampf um den öffentlichen Raum wurde mit denselben preußischen Mitteln gewonnen, mit denen er fast beendet worden wäre: dem Glauben an die Vorschrift.