„Burn, warehouse, burn!“ oder wie die K 1 eine Brandstiftung erfindet
Am 24. Mai 1967 veröffentlichte die Kommune 1 ein Flugblatt („Neue Demonstrationsformen in Brüssel erprobt“). Sie erklärte ein Brandunglück im Brüsseler Kaufhaus À L’Innovation“, bei dem 300 Menschen den Tod fanden, nachträglich zum Ergebnis eines „Großhappenings“ gegen den Vietnamkrieg, erfindet einen politischen Hintergrund und gab es als zielgerichtete Brandstiftung aus. „Vierne belgischen Freunde ... hätten es geschafft, „die Bevölkerung am lustigen Treiben in Vietnam wirklich zu beteiligen: Sie zündeten ein Kaufhaus an, dreihundert saturierte Bürger beenden ihr aufregendes Leben und Brüssel wird Hanoi.“
Die belgische Polizei, so das Flugblatt, würde die wahre Ursache verschweigen, um nicht Nachahmungsstaten zu provozieren.
In einem weiteren Flugblatt („Warum brennst Du, Konsument?“) hieß es: „Ein brennendes Kaufhaus mit brennenden Menschen ermittelt zum erstenmal in einer europäischen Großstadt jenes knisternde Vietnamgefühl (dabeizusein und mitzubrennen), das wir in Berlin bislang noch missen müssen ... Wir, die wir dem Neuen aufgeschlossen sind, können, solange das rechte Maß nicht überschritten wird, dem Kühnen und dem Unkonventionellen, das bei aller menschlichen Tragik im Brüsseler Kaufhausbrand steckt, unsere Bewunderung nicht versagen.“ Im letzten Flugblatt („Wann brennen die Berliner Kaufhäuser?“) schließlich sah die Staatsanwaltschaft „unmißverständlich die unerholte Aufforderung, auch in Berlin mit brennenden Warenhäusern für Vietnam zu ‚demonstrieren‘“: „Wenn es irgendwo brennt in nächster Zeit ..., seid bitte nicht überrascht ... Brüssel hat uns die einzige Antwort darauf gegeben: Burn, warehouse, burn!“ Die verbalen Attacken der K 1 hatten einen neuralgischen Punkt getroffen: das Kaufhaus als Symbol der kapitalistischen Warenwelt und Ausdruck der Normalität der Konsumgesellschaft. Allein die Vorstellung, daß der Ort des täglichen Konsumrauschs von terroristischen Angriffen bedroht sein könnte, war Provokation genug. Der nächste Akt des Schauspiels folgte im Gerichtssaal.